Nicolas Chalon du Blé

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Nicolas du Blé mit dem Ordenskreuz vom heiligen Geist, Marschall von Frankreich und Diplomat Ludwigs XIV.

Nicolas Chalon du Blé (* 24. Januar 1652 in Chalon-sur-Saône; † 10. April 1730 in Paris), Marquis von Uxelles und Cormatin (Saône-et-Loire), Ritter des Orden vom heiligen Geist und Marschall von Frankreich war ein französischer Militär unter Ludwig XIV. und Diplomat sowie Außenminister (1715–1718) unter Ludwig XV.

Leben[Bearbeiten]

Nicolas Chalon du Blé entstammte einem alten burgundischen Adelshaus und wurde als zweiter Sohn von Louis Chalon du Blé, Marquis von Uxelles (1619–1658), und der Marie Le Bailleul (1626–1712) geboren. Sein Vater fiel 1658 bei der Belagerung von Gravelines als hochdekorierter Offizier der französischen Armee, als Nicolas Chalon du Blé gerade sechs alt war. Er wurde Schützling von François-Michel Le Tellier, marquis de Louvois und schlug wie sein Vater die Militär- und Diplomatenlaufbahn ein. Er war ein hochintelligenter Mann mit vielen Fähigkeiten. 1670 erhielt er achtzehnjährig den Titel eines "Generalleutnantes" (politische Funktion in Frankreich bis 1792) von Chalon-sur-Saône. Schnell machte er Karriere in der königlichen Armee: 1672 wurde er Infanteriehauptmann, 1673 Oberstleutnant eines selbst ausgehobenen Regiments. Er nahm am Holländischen Krieg teil und zeichnet sich 1678 bei der Eroberung von Gent aus. 1679 wurde er Brigadegeneral, 1681 Generalinspekteur der französischen Infanterie und 1683 Feldmarschall.

In den Jahren des Friedens, zwischen Holländischem Krieg und Pfälzischem Erbfolgekrieg, entwickelte Joseph de Montclar eine Baumschule für Obstbäume auf dem Land des Marquis von Uxelles, in Kintzheim und Haguenau.

du Blé nahm 1688 als Offizier im Range eines Generalleutnants an der Belagerung von Philippsburg teil. Ein Jahr später war er während des Pfälzischen Erbfolgekrieges an der Belagerung von Mainz (1689) beteiligt, konnte eine Zeit lang die Zitadelle gegen die kaiserliche Truppen halten, musste aber schließlich den Rückzug nach Paris antreten, wo er öffentlich ausgepfiffen wurde. Dennoch bewahrte er sich des Königs und Louvois' Vertrauen, wurde mit Rougemont-le-Château belehnt und erhielt 1703 den Stab des Marschalls von Frankreich.

1709 quittierte er den aktiven Militärdienst, zog nach Paris und wechselte ins diplomatische Lager. Er nahm als Generalbevollmächtigter von Ludwig XIV. an den Eröffnungskonferenzen von Geertruidenberg (9. März 1710) teil. 1713 vertrat er die Krone bei den Friedensverhandlungen von Utrecht. Im selben Jahr wurde er für seine Verdienste für die Krone zum Gouverneur des Elsass ernannt und 1714 in den Ritter-Orden vom heiligen Geist aufgenommen, den auch sein Vater trug. 1715 wurde er Stadtgouverneur von Straßburg. In dieser Zeit unterhielt er geheime Korrespondenzen nach Deutschland und Dänemark.

Wappen der Familie du Blé

Nach dem Tode des Sonnenkönigs war Chalon du Blé einer der Begründer der Polysynodie (Vielkonzilität: Ersatz aller Staatsminister durch Synoden (Gremien, Räte) mit je einem Vorsitzenden als Regierungssystem von 1715 bis 1718 zu Beginn der sog. Régence (1715–1723)). Er war Mitglied des neu geschaffenen Regentschaftsrates und vertrat die französische Krone darin als Vorsitzender des Außenministerialrates (Conseil des Affaires étrangères) von 1715 bis 1718. Später war er von 1726 bis 1729 Staatsminister.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michel Antoine: Le gouvernement et l'administration sous Louis XV. Dictionnaire biographique. Paris 1978, ISBN 2-222-02231-2.
  •  Linda Frey: The Treaties of the War of the Spanish Succession: An Historical and Critical Dictionary. Greenwood Press, Westport (Connecticut) 1995, ISBN 0-313-27884-9.
Vorgänger Amt Nachfolger
Jean-Baptiste Colbert, marquis de Torcy Außenminister von Frankreich
23. September 17151. September 1718
Guillaume Dubois