Nicolas Jenson

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Nicolas Jenson
Druckersignet Nicolas Jensons

Nicolas Jenson (* 1420 in Sommevoire, Frankreich; † 1480 in Venedig) war ein französischer Stempelschneider, Typograf, Kalligraf, Drucker, Verleger und Buchhändler.

Leben[Bearbeiten]

Nicolas Jenson war anfangs Maler, arbeitete bei der königlich-französischen Münze Monnaie de France in Paris, möglicherweise als Graveur, später war er Münzmeister der Stadt Tours. Er kam im Herbst 1458 mit einem Dekret des französischen Königs Karl VII. nach Mainz, um bei Johannes Gutenberg zu lernen und so dessen Erfindungen auch für Frankreich nutzbar zu machen.

Ab 1468, dem Todesjahr Johannes Gutenbergs, war Jenson in Venedig und arbeitete zuerst für die Gebrüder Johannes und Wendelin von Speyer, die er aus seiner Mainzer Zeit kannte. Dort entstand 1470 als erste eine Antiqua-Schrift, die für den Druck von Ciceros Epistolae ad Brutum (GW 6859) verwendet wurde. 1471 folgten eine griechische, nach 1473 insgesamt fünf rundgotische Schriften bzw. Gotico-Antiquas. Neben einer Druckerei betrieb er ab 1475 eine Buchhandelsgesellschaft. Hier wurde unter anderem im Jahre 1476 De proprietate latini sremonis von Nonius Marcellus verlegt. Als Nicolas Jenson 1480 in Venedig starb, war er ein wohlhabender, angesehener Mann und der bedeutendste Drucker-Verleger Venedigs in der Zeit vor Aldus Manutius. In der venezianischen Dekade entstanden insgesamt ca. 100 Druckwerke.

Schriften[Bearbeiten]

Die genannten Schriften nach 1470 können klar Jenson zugeschrieben werden. Die 1469 von Johann von Speyer verwendete Antiqua für das Buch Cicero, Epistolae familiares, ist der des Jenson so ähnlich, dass auch sie möglicherweise aus seiner Werkstatt stammte; Albert Kapr vermutet, dass eine Schrift der Druckerei des Klosters von Marienthal ebenfalls von Jenson gestammt haben könnte[1].

Italienische Plinius-Ausgabe von 1476

Die Formen der 1470 entstandenen Jenson-Antiqua gelten in ihrer kraftvollen Ästhetik und Lebendigkeit für viele heute noch als unerreicht. Zahlreiche Antiqua-Schriften, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, bauen auf dem Charakter der Jenson-Antiqua auf oder sind fast exakte Kopien. Insbesondere sind dies die Schriften der Privat-Pressen: Kelmscott Press (Golden Type), Doves Press, Bremer Presse, Cranach Presse usw.

Bruce Rogers entwickelte die Centaur 1912–1914, von der 1928 eine Variante für die Monotype Corp. entstand, Morris Fuller Benton die Cloister Old Style (1914) für die American Type Founders (ATF). Moderne Versionen entstanden mit der ITC Legacy (Ronald Arnholm, 1992) und Adobe Jenson (Robert Slimbach, 1995); die San Marco von Karlgeorg Hoefer (1991) baut auf den rundgotischen Schriften Jensons auf und eignet sich somit für die Schriftmischung mit den angeführten Antiqua-Schriften[2].

Quellen[Bearbeiten]

  1. Albert Kapr: Johannes Gutenberg. Persönlichkeit und Leistung. 2. Auflage, München 1988. ISBN 3-598-10463-4
  2. Robert Bringhurst: The Elements of Typographic Style. Version 2.5. Vancouver 2002. ISBN 0-88179-132-6

Literatur[Bearbeiten]

  • Vita von Lieres: Nicolaus Jenson. In: Schriftgießerei D. Stempel AG (Hrsg.): Altmeister der Druckschrift. Frankfurt am Main, 1940. S. 35–40
  • Giovanni Mardersteig: Die einzigartige Chronik einer Inkunabel. Petrus Maufers Druck des Avicenna-Kommentars von Gentile de Foligno. Padua. Sonderdruck in: Philobiblon XI. Jahrgang Heft 1. [Dr. Ernst Hauswedell & Nolte], Hamburg 1967.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nicolas Jenson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien