Nicolaus Sombart

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Nicolaus Sombart (* 10. Mai 1923 in Berlin-Grunewald; † 4. Juli 2008 bei Straßburg) war ein deutscher Kultursoziologe und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Nicolaus Sombart war der Sohn des Soziologen und Volkswirts Werner Sombart und dessen rumänischer Frau Corina Leon (1892-1971). Seine Mutter wiederum war die Tochter eines Professors aus einer gräflichen Familie[1] und dreißig Jahre jünger als ihr Gatte. Sie betrieb einen Salon, in dem sich Sonntag nachmittags Künstler, Wissenschaftler und Diplomaten der Weimarer Republik zu einem Gedankenaustausch trafen. Später sollte Sombart resümieren: „Was ich bin und weiß, verdanke ich der Bibliothek meines Vaters und dem Salon meiner Mutter.“[1] Während seiner Schulzeit in den 1930er-Jahren fungierte Carl Schmitt, der gesellschaftlich im Elternhaus verkehrte, als Sombarts Mentor. Zu den Freunden des Hauses Sombart zählte auch der junge Dirigent Sergiu Celibidache. Von 1942 bis 1945 war Sombart Soldat. Er gehörte zum Wachdienst des Notflugplatzes von Vitry-en-Artois und war später bei einer Einheit der Eisenbahnflak in Russland stationiert. Bei Kriegsende geriet er in englische Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 studierte er Philosophie, Staatswissenschaften und Kultursoziologie in Heidelberg, Neapel und Paris. 1950 schloss er das Studium ab und wurde bei Alfred Weber mit einer Dissertation über Die geistesgeschichtliche Bedeutung des Grafen Henri de Saint-Simon promoviert.

1947 veröffentlichte Sombart gemeinsam mit Alfred Andersch und Hans Werner Richter die Zeitschrift Der Ruf und war einer der Mitbegründer der Gruppe 47. Aus demselben Jahr datiert die surreal-phantastische Kriegserzählung Capriccio Nr. 1, die von eigenen subjektiven Wahrnehmungen und Gedankengängen der Dienstzeit am öden Notflughafen von Vitry-en-Artois inspiriert war und nur in der amerikanischen Besatzungszone veröffentlicht werden konnte. Von 1952 bis 1954 lebte er in Paris, wo er an seiner später nicht abgeschlossenen Habilitation arbeitete. 1954 wurde er Beamter beim Europarat in Straßburg. Er nahm Lehraufträge an den Universitäten Ulm, Freiburg/Br. und Wuppertal wahr, veröffentlichte Artikel, Reisebücher und Gedichte. 1977 wurde er Mitglied des PEN-Clubs. 1984 ging er nach 30 Jahren Mitarbeit als Leiter der Kulturabteilung des Europarats in Pension. Er sah diese Tätigkeit nur als einen notwendigen Brotberuf an, da seine Familie „völlig verarmt“ war.[1]

1982 war Sombart Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Diesem Aufenthalt verdankt sich sein Journal intime 1982/83, eine „aberwitzige, sexuell-intellektuelle Burleske und zugleich ein Sittengemälde des alten West-Berlins“.[2] Von 1983 bis 1987 war er Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin, wo er über die Geschichte und Gesellschaft im wilhelminischen Deutschland vortrug.

Seither lebte er als freier Schriftsteller mit dandyhaftem Lebensstil in Berlin-Wilmersdorf, wo er von Anfang 1985 bis Mitte 2007 jeden Sonntag Nachmittag einen jour fixe veranstaltete; zum harten Kern der Habitués gehörten Claudia Schmölders, Peggy Cosmann, Johannes Rüber, Marie-Luise Schwarz-Schilling, Erika von Hornstein, Heinrich Graf von Einsiedel, Lord Weidenfeld, Stephan Reimertz, Heinz Berggruen, Eike Gebhard, Hans-Peter Krüger, Marie-Louise von Plessen, Carmen-Francesca Banciu, Mathias Nolte, Günter Faltin, Cornelia Koppetsch und andere.[3]

In seinen teils autobiografisch gefassten Werken beschreibt Sombart Personen, die Einfluss auf sein Leben hatten, so unter anderen Carl Schmitt, Alfred Weber und Karl Jaspers. Zu seinem Freundeskreis gehörten unter anderem der Germanist Peter Wapnewski und der Verleger Hubert Burda sowie der Historiker John C. G. Röhl.[4] 1995 kam es zur Wiederveröffentlichung einer überarbeiteten Fassung von Capriccio Nr. 1. Diese vom allgemeinen Trend der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur abweichende Schilderung innerer Realitäten, philosophischer Gedanken und Wahngebilde eines deutschen Wachsoldaten war jahrzehntelang nur als antiquarisches Sammlerstück erhältlich.

2003 wurde Sombart zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Philipp Gürtler: Ein Lebenslauf: Über Nicolaus Sombart. In: Documents. Revue des Questions Allemandes. 1998, Nr. 4, S. 122–125.
  • Cornelia Saxe: Die Teegesellschaft von Nicolaus Sombart in Berlin-Charlottenburg, In: Cornelia Saxe: Das gesellige Canapé - Die Renaissance der Berliner Salons, Ullstein Verlag, Berlin 1999, S. 225 - 235

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c Dirk Krampitz: Ein Friseur als Teil der Gesellschaft – irgendwie komisch; Die Welt, 9. Januar 2005
  2. Alexander Cammann: Der horizontale Dichter; Der Tagesspiegel, 6. Juli 2008
  3. Vgl. das Kapitel „Tee im Harem des Archimedes“ über Sombart und seinen Berliner Kreis in Stephan Reimertz’ Buch Vom Genuß des Tees, Leipzig 1998
  4. Vgl. Wilhelm II., S. 7