Nicolo Grimaldi

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Nicolò Francesco Leonardo Grimaldi, alias Nicolini (* 1673 in Neapel; † 1732 ebenda) war ein neapolitanischer Sänger (Sopran, später Alt). Er war als Kastrat einer der bekanntesten Sänger und Operndarsteller seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Nicolini bei der Probe im Queen’s Theatre in London. Marco Ricci, Eine Opernprobe (Bildausschnitt, ca. 1709)

Grimaldi debütierte mit zwölf Jahren in einer Pagenrolle. Nach Erfolgen in Italien wurde er 1708 der erste Kastrat auf einer Londoner Bühne; bei seinen Auftritten waren die Eintrittspreise erhöht. Er sang 1711 die Titelrolle bei der Uraufführung von Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo und verhalf damit dem Komponisten bei seinem Debüt in London zum glänzenden Erfolg; daneben komponierte Händel für ihn 1715 die Oper Amadigi.

In späteren Jahren, während seine Stimme altersbedingt immer mehr zu einem Alt herabsank, feierte Grimaldi weitere Erfolge in bedeutenden Opernproduktionen; so wirkte er gemeinsam mit Marianna Benti Bulgarelli 1724 bei Domenico Natale Sarros Tragedia per musica Didone abbandonata mit, der ersten Vertonung eines Librettos von Pietro Metastasio. Johann Adolf Hasse schrieb für ihn die Partie des Artabano in der Oper Artaserse (Venedig 1730), die die berühmte Arie Pallido il sole enthält. Giovanni Battista Pergolesi hatte Grimaldi für die Partie des Marziano in seiner Oper Sallustia (Neapel 1732) vorgesehen, der Sänger verstarb jedoch vor der Uraufführung.

Grimaldi war einer der wenigen Kastraten, die nicht nur für ihre Gesangskünste, sondern auch wegen ihres Schauspieltalents von Zeitgenossen gepriesen wurden; berühmt war sein Kampf mit einem Löwen in der Oper L’Idaspe fedele von Francesco Mancini, deshalb verwundert es nicht, dass er in seinen späteren Jahren eine Reihe von dramatisch anspruchsvollen Charakterrollen übernahm, als er nicht mehr in der Lage war, als Primo uomo aufzutreten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Ancillon: Eunuchism display'd; describing all the different sorts of eunuchs ; the esteem they have met with in the world, and how they came to be made so ; wherein principally is examin'd, whether they are capable of marriage, and if they ought to be suffer'd to enter into that state ; the whole confirm'd by the authority of civil, canon, and common law, and illustrated with many remarkable cases by way of precedent ; also a comparison between Signior Nicolini and the three celebrated eunuchs now at Rome, viz. Pasqualini, Pauluccio, and Jeronimo (or Momo) ; with several observations on modern eunuchs ; occasion'd by a young lady's falling in love with Nicolini, who sung in the opera at the Hay-market, and to whom she had like to have been married. London, 1718.
  • Claudia Möller: Die Kastraten und ihre Gesangskunst. Diplomarbeit, Hochschule für Musik und Theater 2003.
  • Hubert Ortkemper: Engel wider Willen. Die Welt der Kastraten; eine andere Operngeschichte. Dtv, München 1995, ISBN 3-423-30468-5.

Film[Bearbeiten]

  • Cristina Trebbi (Regie): Opfer und Verführte. Das Schicksal der Kastraten. ZDF, Mainz 2010 (43 Min.)