Nidsigend

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Nidsigend oder nidsigänd bezeichnet in Süddeutschland, Vorarlberg und in der deutschsprachigen Schweiz den Zeitraum im Verlaufe eines Monats, in dem der Tagbogen des Mondes von Tag zu Tag niedriger über dem Horizont verläuft. Das Antonym zu nidsigend ist obsigend oder obsigänd, also der Zeitraum, in dem der Tagbogen des Mondes von Tag zu Tag höher über dem Horizont verläuft. Diese Erscheinung entspricht dem Auf- und Absteigen des Tagbogens der Sonne im Verlauf der Jahreszeiten (siehe Sonnenwende und Äquinoktium). Der Zyklus beträgt durchschnittlich etwa einen Monat, d. h. der Mond ist etwa 14 Tage nidsigend und anschließend wieder etwa 14 Tage obsigend. Er findet sich vor allem in astrologisch orientierten Mondkalendern wieder. Außerhalb dieser Region wird er als steigender und fallender Mond bezeichnet. Weitere Bezeichnungen sind Erntemond für obsigend und Pflanzmond für nidsigend. [1]

Die ursprüngliche Verwendung des Begriffes diente der astronomisch orientierten Landwirtschaft, insbesondere zur Bestimmung von Zeiten für Aussaaten und Anpflanzungen. In der heutigen Astrologie werden auch andere Dinge damit in Verbindung gebracht. [2] [3]

Begriff[Bearbeiten]

Die Vorsilbe nid steht in Süddeutschland, Vorarlberg und in der deutschsprachigen Schweiz für „unterhalb“ bzw. „unten“ (z. B. Nidwalden), ob steht für oberhalb bzw. oben (z. B. Obwalden). Nidsi und obsi sind aus nid-sich bzw. ob-sich entstanden und bedeuten in alemannischen Dialekten „abwärts“ und „aufwärts“. Das Grundwort gend bzw. eigentlich gänd steht für „gehend“. Nidsigend bedeutet daher „nid-sich-gehend“, also „abwärts gehend“ oder „nach unten gehend“.[4] In schriftdeutschen Texten kommen auch die Übersetzungen „unter sich gehend“ (für nidsigend) bzw. „über sich gehend“ (für obsigend) vor.

Bedeutung[Bearbeiten]

Eigentliche Bedeutung[Bearbeiten]

Ist der Mond also „obsigend“, dann ist er „aufwärts gehend“ oder "steigend", bewegt sich also in Bezug auf den Himmelsäquator aufwärts – nach Norden. Ursache dafür ist die Neigung der Ebene der Mondbahn gegenüber der Ebene des Himmelsäquators. Für einen Beobachter auf der Nordhalbkugel der Erde verschieben sich in der obsigenden Phase die Aufgangspunkte des Mondes am Horizont in Richtung Nordosten, die Untergangspunkte in Richtung Nordwesten. Die Höhe der Kulmination im Süden ist von Tag zu Tag merklich größer. Hat er seine gegenüber dem Himmelsäquator höchste (nördlichste) Position erreicht, erfolgt der Wechsel von „obsigend“ zu „nidsigend“. Nun ist er also "abwärts gehend" oder "fallend". Die Auf- und Untergangspunkte am Horizont verschieben sich jetzt wieder von Tag zu Tag weiter nach Süden, die Kulminationshöhe nimmt ab (Tropischer Monat). Diese Begriffe zeugen also von einer guten Beobachtung der Phänomene am Himmel durch Menschen vergangener Generationen (siehe auch: Himmelsscheibe von Nebra). Im Allgemeinen Sprachgebrauch wurden diese exakten astronomischen Begriffe allerdings oft mit eher astrologisch getönten Anschauungen verbunden. So etwa in Vorstellungen, der Wechsel von nidsigend und obsigend beeinflusse Wachstums- und Fruchtbarkeitsprozesse in der Natur. Den meisten erscheinen diese Begriffe heutzutage nur noch als verschwommene und kaum verstandene Ausdrücke aus einer vergangenen Zeit.

Verwechslung[Bearbeiten]

Der Begriff nidsigend wird oft irrtümlich gleichgesetzt mit abnehmendem Mond (Mondphase), während obsigend oft mit zunehmendem Mond verwechselt wird. Daneben kann man auch finden, dass die nidsigende Phase eines Monats mit abnehmender Entfernung des Mondes und die obsigende mit zunehmender Entfernung von der Erde verwechselt wird.

Trivia[Bearbeiten]

In der Schweiz sagt man scherzhaft auch nidsigänd, wenn einem etwas ständig auf den Boden fällt.[4]

Symbole[Bearbeiten]

Ähnlich wie bei den Mondphasen gibt es auch beim steigenden und fallenden Mond Symbole. Diese haben beide die Form einer Mondsichel, wobei man anhand der Spitzen sehen kann, ob der Mond steigend oder fallend ist. Für den steigenden Mond steht das Mondschiffchen, eine liegende Mondsichel deren Spitzen nach oben zeigen. Der fallende Mond hat dementsprechend eine stehende Mondsichel deren Spitzen nach unten zeigen. Diese Symbole werden fast ausschließlich von Astrologen verwendet. [5] [6]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gärtnern mit dem Mond
  2. Hexe Ashira Die Mondphasen (Die steigende und die fallende Kraft)
  3. Internetseite zu dem Thema
  4. a b Schweizerisches Idiotikon, Band II, Spalte 34
  5. Internetseite zu dem Thema
  6. Gärtnern mit dem Mond

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steigender Mond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fallender Mond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien