Langenbernsdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Langenbernsdorf
Langenbernsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Langenbernsdorf hervorgehoben
50.75472222222212.324444444444280Koordinaten: 50° 45′ N, 12° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 36,37 km²
Einwohner: 3628 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08428
Vorwahlen: 03761 und 036608Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 140
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 1
08428 Langenbernsdorf
Webpräsenz: www.langenbernsdorf.eu
Bürgermeister: Frank Rose (parteilos)
Lage der Gemeinde Langenbernsdorf im Landkreis Zwickau
Bernsdorf Callenberg Crimmitschau Crinitzberg Dennheritz Fraureuth Gersdorf Glauchau Hartenstein Hartmannsdorf Hirschfeld Hohenstein-Ernstthal Kirchberg Langenbernsdorf Langenweißbach Lichtenstein Lichtentanne Limbach-Oberfrohna Meerane Mülsen Neukirchen/Pleiße Niederfrohna Oberlungwitz Oberwiera Reinsdorf Remse Schönberg St. Egidien Waldenburg Werdau Wildenfels Wilkau-Haßlau Zwickau Sachsen Thüringen Vogtlandkreis Erzgebirgskreis Chemnitz Landkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Langenbernsdorf liegt im sächsischen Landkreis Zwickau.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Langenbernsdorf liegt im Westen Sachsens und grenzt damit unmittelbar an den Freistaat Thüringen. Langenbernsdorf grenzt im Süden an den Werdauer Wald und im Nordosten an die Talsperre Koberbach. Diese wird durch den direkt durch Niederalbertsdorf fließenden Koberbach und den Erdbach gespeist. Zur Zeit der DDR durfte sich Langenbernsdorf mit dem Titel „Längstes Dorf“ schmücken. Der äußerste Westen der Gemeinde zählt bereits zum Ronneburger Acker- und Bergbaugebiet.

Das Bild zeigt einen Teil von Langenbernsdorf

Geologie[Bearbeiten]

Langenbernsdorf liegt in der Vorerzgebirgs-Senke, die eine Ausdehnung von etwa 70×30 Kilometern hat und sich von Hainichen im Osten, Zwickau im Süden, Werdau und Crimmitschau im Westen und Glauchau und Altenburg im Norden erstreckt. Zeitlich wird die Vorerzgebirgs-Senke zum Rotliegend gezählt (Perm), das Gebiet von Langenbernsdorf zählt bei genauerer Unterteilung zur Mülsen-Formation. Typische Aufschlüsse befinden sich am Nordrand der Kobertalsperre oder beispielsweise an der Hauptstraße 9 in Langenbernsdorf. Das Gestein ist ein Fanglomerat, das durch Schuttströme aus dem Bergaer Sattel gebildet wurde. Weitere Liefergebiete für die Mülsenformation sind das Erzgebirge (Süden) und das Granulitgebirge (Nordosten).[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind die Stadt Crimmitschau, Neukirchen und die Stadt Werdau im Landkreis Zwickau sowie Seelingstädt und der Ortsteil Teichwolframsdorf der Gemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf im thüringischen Landkreis Greiz. Die Stadt Crimmitschau grenzt mit den Ortsteilen Blankenhain und Langenreinsdorf nur mittelbar an, die Stadt Werdau unmittelbar und mit den Ortsteilen Langenhessen und Leubnitz, letztgenannter mit der Leubnitzer Waldsiedlung.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Langenbernsdorf

Die Gemeinde Langenbernsdorf besteht seit 1994 als freiwillige Einheitsgemeinde, bestehend aus den vorher selbstständigen Ortsteilen Langenbernsdorf (mit Stöcken), Niederalbertsdorf und Trünzig.

Geschichte[Bearbeiten]

Langenbernsdorf wurde erstmals 1257 schriftlich erwähnt als „Bernztorff“.[3] Der Ort soll jedoch seit Gründung des vogtländischen Klosters Cronschwitz um 1250 zu diesem Nonnenkloster gehört haben. Urkundlich belegt ist die Inkorporation der Pfarre von Langenbernsdorf zum Kloster erst 1302. Bestätigt wurde diese kirchliche Eingliederung auch durch Papst Clemens VI. im Jahr 1347. Diese Lehenspflicht gegenüber Cronschwitz hatte Bestand bis zur Reformation.[4] Ab 1952 bis zur Wiedervereinigung Deutschlands 1990 gehörte Langenbernsdorf zum Bezirk Karl-Marx-Stadt, Kreis Werdau und im Anschluss bis 1994 zum Landkreis Werdau.

Niederalbertsdorf wurde erstmals im Jahr 1349 urkundlich erwähnt. Kleinbernsdorf, welches 1222 erstmals erwähnt wurde, gehört seit 1936 zu Niederalbertsdorf. Das gleiche geschah mit Oberalbertsdorf 1957, welches 1445 urkundlich erwähnt wurde.[5]

Trünzig wurde erstmals 1313 unter dem Namen „Drunz“ erwähnt, im Jahr 1533 erfolgte eine Erwähnung als „Druntzig“. Um 1550 befand sich der Ort im Besitz der Brüder Friedrich und Georg Elden von Planitz.

In Langenbernsdorf wurden 1556-1560 Hexenverfolgungen durchgeführt: 1556 wurde Bartholomäus Gerngroß, Pfarrer in Langenbernsdorf, des Amtes enthoben unter dem Vorwurf der wissentlichen Duldung von Zauberei. 1560 geriet die alte Kunzin in einen Hexenprozess, wurde gefoltert und starb in der Haft.[6]

Im Jahr 1801 umfasste Trünzig bereits 90 Häuser, in denen 550 Einwohner lebten. Eine Wasser- und eine Windmühle (abgerissen um die Jahrhundertwende) sowie ein Gasthof vervollständigten das Ortsbild. Trünzig besteht aus drei Ortsteilen: Walddorf (früher Mansbachsche Häuser), Wolframsdorf (ehemals Seeligstätter Waldhäuser) und Trünziger Waldhäuser (Ortsmitte). Daraus leitet sich auch der Name „Trünzig“ ab; er wurde aus dem Wortstamm „Trunka“ Dreierdorf gebildet. Nach der Eingemeindung von Wolframsdorf und Walddorf sind in Trünzig fast alle Ortsformen vorhanden, die es in dieser Region gibt. Der Ortskern, der ein Haufendorf bildet, Wolframsdorf ein Straßendorf und Walddorf, als eine weiträumige Streusiedlung.

Religionen[Bearbeiten]

In der Gemeinde Langenbernsdorf befinden sich insgesamt sechs evangelisch-lutherische Kirchen und eine methodistische Kirche. Langenbernsdorf gehört zum Kirchenbezirk Zwickau, der zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen zählt.

In Langenbernsdorf befinden sich St. Katharinen und St. Nicolai, in Niederalbertsdorf St. Petri (Kleinbernsdorf), St. Oswald (Niederalbertsdorf) und St. Nikolai (Oberalbertsdorf) und in Trünzig eine Dorfkirche ohne spezielle Bezeichnung.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Kleinbernsdorf[7] 1. Oktober 1936 Eingemeindung nach Niederalbertsdorf
Kleinrußdorf[7] vor 1880 Eingemeindung nach Niederalbertsdorf
Niederalbertsdorf[8] 1. März 1994 Eingemeindung nach Langenbernsdorf
Oberalbertsdorf[9] 20. Juni 1957 Eingemeindung nach Niederalbertsdorf
Stöcken[7] 1. Januar 1935
Trünzig[8] 1. Januar 1994
Walddorf[7][10] zwischen 1850 und 1880 Eingemeindung nach Trünzig
Wolframsdorf[7][10] zwischen 1850 und 1880 Eingemeindung nach Trünzig

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1553/54 wurden in Langenbernsdorf 100 besessene Mann, 18 Häusler und 59 Inwohner gezählt, 1764 waren es 123 besessene Mann und 53 Häusler.[11] 1933 hatte Langenbernsdorf 2.502, Niederalbertsdorf 559 und Trünzig 1.040 Einwohner.
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998 31. Dezember):

  • 1990: 3716
  • 1998: 4094
  • 1999: 4085
  • 2000: 4051
  • 2001: 4036
  • 2002: 4013
  • 2003: 3991
  • 2004: 4003
  • 2005: 3989
  • 2006: 3975
  • 2007: 3922
  • 2008: 3903
  • 2009: 3830
  • 2010: 3813
  • 2011: 3753
Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl 1994 erhielt die CDU 49,5 % der Stimmen und acht Sitze, die FWG T/S 31,7 % und fünf Sitze, die DBV 18,8 % und drei Sitze. 1999 erhielt die CDU 58,8 % und die Wählervereinigungen 41,2 % der gültigen Stimmen, entsprechend fiel die Sitzverteilung mit zehn zu sechs aus. Die Gemeinderatswahl 2004 brachte wiederum 56,2 % für die CDU (9 Sitze), 23,5 % für die FWG (4 Sitze) und 20,3 % für die WV RVW (3 Sitze). 2009 fiel die CDU auf 40,0 % der Stimmen und errang nur noch sechs Sitze, während die RBVW mit 41,3 % sieben Sitze und die FWG mit 18,7 % drei Sitze erhielt.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl 1994 setzte sich Joachim Bär von der CDU mit 64,0 Prozent der Stimmen durch. Die Wiederwahl erfolgte 2001 mit 99,3 Prozent der Stimmen. 2005 wurde Elfi Rank (CDU) mit 52,1 Prozent der gültigen Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. 2012 setzte sich der Einzelbewerber Frank Rose mit 46,2 Prozent der Stimmen im 2.Wahlgang gegen Tobias Bär (CDU) und Ingrid Fischer (Freie Wähler) durch. Elfi Rank, inzwischen parteilos und nach dem ersten Wahlgang abgeschlagen auf dem 4. Platz liegend, war zur Stichwahl nicht mehr angetreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

In Langenbernsdorf gibt es für die Kirchen St. Katharinen und St. Nikolai jeweils einen Kirchenchor. Außerdem gibt es einen Posaunenchor, einen Kinderchor und Angebote für Flötenunterricht. Außerhalb des kirchlichen Rahmens gibt es den Männergesangverein Langenbernsdorf e.V. (Chorleiter: Michael Pauser), den Volkschor in Trünzig (Chorleiter: Uwe Lüdke) und die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr in Trünzig. Trünzig besitzt ebenfalls einen Posaunenchor. In Niederalbertsdorf gibt es einen Chor für alle drei Kirchen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten im Ortsteil Langenbernsdorf zählen die beiden Dorfkirchen St. Katharinen und St. Nikolai. Des Weiteren sehenswert ist das um 1700 entstandene Bauerngehöft in der Teichwolframsdorfer Str. 5. Eine weitere Besonderheit ist das Kriegsgefallendenkmal am Park, das 1922 errichtet und 1975 entfernt wurde. 1993 wurde es restauriert und wiedererrichtet.

Im Ortsteil Niederalbertsdorf gibt es 78 unter Denkmalschutz stehende Gebäude und Gehöfte, besonders erwähnenswert sind die Fachwerkhäuser in der Dorfstraße (z. B. Nummer 64, 66, 76, 84, 86 und 127). Auch der historisch rekonstruierte Pfarrhof in Oberalbertsdorf, sowie die Kirchen St. Nikolai, St. Petri, St. Oswald sind bemerkenswert.

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten]

Direkt am Werdauer Wald befindet sich die Ausflugsgaststätten „Waldperle“. Ein beliebtes Ausflugsziel für Familien ist der Waldsportplatz Stöckener Hasenheide inmitten des Werdauer Waldes und die angrenzende Gastwirtschaft „Zur Hasenheide“.

Die Koberbach-Talsperre im Ortsteil Niederalbertsdorf dient heute hauptsächlich der Freizeit und Erholung. Sie ist das einzige größere Badegewässer in der näheren Umgebung.

Panorama-Bild der Koberbach-Talsperre, Ortsteil Niederalbertsdorf

Sport[Bearbeiten]

Einen hohen Stellenwert im Dorf hat der Reit- und Fahrsport. Die Trünziger Fußballer der SG Trünzig 44-04 e.V. spielen in der  Kreisliga, die 2. Mannschaft in der 3. Kreisklasse. In Langenbernsdorf gibt es den Turn- und Sportverein Stöcken.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Osterbrunnen in Niederalbertsdorf

Die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen beginnen im März oder April mit Osterbrunnen und Osterfeuer in Niederalbertsdorf und dem traditionellen Maibaumsetzen in den drei Ortsteilen am 1. Mai. Im Juni folgt das Oldtimer- und Schleppertreffen Niederalbertsdorf, das Dorf- und Kinderfest in Trünzig und das Reit- und Fahrturnier in Langenbernsdorf. Im August findet das Schützenfest in Niederalbertsdorf und am 3. Oktober die Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Trünzig statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Langenbernsdorf und Oberalbersdorf führt die Bundesstraße 175. Die Staatsstraße S 314 verbindet Langenhessen zwischen Werdau und Neukirchen über Langenbernsdorf mit Teichwolframsdorf. Eine gut ausgebaute Kreisstraße verbindet Trünzig mit Seelingstädt und Teichwolframsdorf. Von 1876 bis zum 29. Mai 1999 besaßen Langenbernsdorf und Trünzig mit jeweils einem Haltepunkt Anschluss an die Eisenbahnstrecke von Wünschendorf (Elster) nach Werdau. Die Haltepunkte Langenbernsdorf und Trünzig befanden sich weitab von bebautem Gebiet, mitten im Werdauer Wald. Am 30. Mai 1999 wurde der Personenverkehr eingestellt.

Bildung[Bearbeiten]

Im Ortsteil Langenbernsdorf gibt es eine Grundschule, einen evangelischen Hort und einen Kindergarten mit Hort in Träger durch die Johanniter. Im Ortsteil Trünzig befindet sich ein Kindergarten in Trägerschaft durch die Volkssolidarität. Der Niederalbertsdorfer Kindergarten wird durch den Schulverein Langenbernsdorf getragen.[12]

Geschlossen wurde die Außenstelle Langenbernsdorf der Diesterwegschule Werdau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langenbernsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Werner Pälchen, Harald Walter (Hrsg.): Geologie von Sachsen. Schweizerbart, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-510-65239-6.
  3. Entstehungsgeschichte der Gemeinde Langenbernsdorf. Gemeinde Langenbernsdorf, abgerufen am 20. Oktober 2012.
  4. Helmut Thurm: Das Dominikaner-Nonnenkloster Cronschwitz bei Weida, Jena 1942
  5. Landkreis Zwickauer Land: Kommunen und ihre Ortsteile (Version vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  6. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 633f und 653f.
  7. a b c d e Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  8. a b Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  9. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  10. a b Mitteilungen über die Verhandlungen des Ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen, 1849, Band 2, Seite 1055
  11. Langenbernsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  12. „Über uns“ – Der Schulverein e. V.
  13. Projekt Historischer Roman Datenbank-Kurzbiographie Albert Liebold (Version vom 11. August 2007 im Internet Archive)
  14. Kurzbiographie Franz Lenk (Version vom 17. November 2007 im Internet Archive)