Niederdorf (Südtirol)

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Niederdorf
(italienisch Villabassa)
Wappen von Niederdorf
Niederdorf (Südtirol)
Niederdorf
Niederdorf
Lage von Niederdorf in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
1.470/1.524
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
92,09 % deutsch
7,76 % italienisch
0,15 % ladinisch
Koordinaten 46° 44′ N, 12° 11′ O46.73333333333312.1833333333331158Koordinaten: 46° 44′ N, 12° 11′ O
Meereshöhe: 1.115–2378 m s.l.m. (Zentrum: 1158 m s.l.m.)
Fläche: 17,85 km²
Dauersiedlungsraum: 6,0 km²
Nachbargemeinden: Gsies, Prags, Toblach, Welsberg-Taisten
Postleitzahl: 39039
Vorwahl: 0474
ISTAT-Nummer: 021113
Steuernummer: 81007400211
Politik
Bürgermeister (2010): Kurt Ploner (SVP)

Niederdorf (italienisch Villabassa) ist eine Gemeinde mit 1524 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in Südtirol (Italien). Der Ort liegt im Pustertal an der Rienz.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Niederdorf befindet sich im Hochpustertal im Osten Südtirols. Das Ortszentrum (1130–1170 m s.l.m.) liegt im Talboden zu beiden Seiten der Rienz. Richtung Westen der Rienz abwärts folgend markiert die Einmündung des von Süden kommenden Pragser Tals und des Pragser Bachs die Gemeindegrenze zu Prags und Welsberg-Taisten; Richtung Osten der Rienz aufwärts folgend verläuft die Gemeindegrenze zu Toblach am Rand der Weitung des Toblacher Felds. An den sonnenexponierten Hängen der nördlichen Talseite des Pustertals, wo ein bewaldeter Kamm Niederdorf vom Eingangsbereich des Gsieser Tals trennt, liegt die Streusiedlung Eggerberg. Gegen Süden schiebt sich das insgesamt 17,85 km² große Gemeindegebiet in die Gebirgsregionen der Pragser Dolomiten vor, wo der Sarlkofel (2378 m) und der Lungkofel (2280 m) die höchsten Niederdorfer Gipfel sind.

Verkehr[Bearbeiten]

Niederdorf hat einen Bahnhof der Pustertaler Bahnlinie, die Staatsstraße (SS 49) umgeht Niederdorf im Süden. Westlich von Niederdorf beginnt die Straße nach Prags. Der Rienzradweg, Fortsetzung des Drauradweges gegen Westen, führt durch Niederdorf, wo der Rad- und Wanderweg zum Pragser Wildsee abzweigt.

Sport- und Freizeitangebote[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf das Dorf vom Sarlkofel aus

Niederdorf wurde bereits 994 als Nidrindorf erwähnt, als Pfarre erstmals 1225. Unter den Grafen von Görz und Tirol befand sich hier eine Gerichtsstätte. Ab Mitte des 19. Jh., insbesondere nach der Eröffnung der Pustertalbahn 1871, wuchs die Bedeutung des Fremdenverkehrs, besonders wegen der nahegelegenen Anziehungspunkte Pragser Wildsee, Plätzwiese und Bad Altprags. Aus Niederdorf stammt auch Frau Emma, eine bedeutende Persönlichkeit des Tiroler Fremdenverkehrs.

In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges, Ende April 1945, befreite der Wehrmachtsoffizier Wichard von Alvensleben in Niederdorf einen Transport von 139 prominenten Sonderhäftlingen aus zwölf verschiedenen Nationen, deren SS-Wachmannschaft den Befehl hatte, diese Häftlinge nicht lebend in Feindeshand fallen zu lassen. Zu diesen Häftlingen gehörten u. a. der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, der mehrfache französische Premierminister Léon Blum, Martin Niemöller, einer der führenden Männer der bekennenden Kirche im Dritten Reich und späterer Kirchenpräsident in Hessen, der spätere Weihbischof Johannes Neuhäusler, Fabian von Schlabrendorff, Alexander von Falkenhausen, Isa Vermehren, der britische Geheimdienstagent Sigismund Payne Best sowie Sippenhäftlinge des 20. Juli 1944, u. a. aus den Familien Stauffenberg und Goerdeler.[1]

Sehenswertes[Bearbeiten]

  • die spätbarocke Pfarrkirche (1792-96 erbaut) mit Fresken von Franz Altmutter, Skulpturen von Franz Xaver Nißl und Altarbild von Martin Knoller, Gruftkapelle am Friedhof
  • gotische Sankt-Anna-Kirche
  • das Fremdenverkehrsmuseum Hochpustertal dokumentiert die Tourismusgeschichte vom Bau der Eisenbahn bis zum frühen Alpinismus
  • Anna- und Totenkapelle: Der untere Teil der gotischen Doppelkapelle aus dem 15. Jh. ist eines der ältesten Bauwerke des Pustertals und dient als Totenkapelle, im oberen Teil befindet sich die Annakapelle
  • die Spitalkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit mit der Plastik "Die Schmerzhafte Mutter Gottes" aus dem 17. Jh., barocke Kreuzwegstationen von N. Pedevilla und einer sechsregistrigen Orgel von U. Fuetsch (1899)
  • die Kirche St. Magdalena in Moos wurde erstmals im 13. Jh. genannt, sie besitzt eine Franz-Köck-Orgel. Das Chorfresko stammt von Simon von Taisten.
  • das Schmuckstück der Kirche zum Heiligen Nepomuk in Bad Maistatt ist ein zweisäuliger Hochaltar aus zwei verschiedenen Marmorsorten. Das Altarbild stammt von J. G. D. Grassmair (1735).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006