Niederdorf (Stadt Zürich)

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Blick vom Lindenhof auf Limmat und Niederdorf

Das Zürcher Niederdorf (im Volksmund Dörfli oder Niederdörfli) ist ein Teil der Altstadt von Zürich. Es erstreckt sich vom Central bis zur Stüssihofstatt. Das Niederdorf liegt im Quartier Rathaus und gehört somit zum Stadtkreis 1 der Stadt Zürich. Dicht verbunden ist das Zürcher Niederdorf mit dem Oberdorf, das zwischen dem Bellevue bzw. Rämistrasse und Niederdorf liegt und für die meisten Besucher und Bewohner mit dem Niederdorf eine Einheit bildet.

Das Niederdorf ist vor allem als Amüsierviertel bekannt. Neben unzähligen Bars und Restaurants gibt es auch Kinos, Läden und Clubs.

Lage[Bearbeiten]

Stüssihofstatt, links das Zunfthaus «zur Schneidern» (Haus «Königstuhl»), ganz rechts das frühere Restaurant Johanniter
Zunfthaus «zur Schmiden»

Unter dem Niederdorf ist im Volksmund oft das gesamte Gebiet gemeint, das sich vom Central im Norden bis zum Bellevue im Süden erstreckt und dort von der Rämistrasse begrenzt wird. Richtigerweise ist die Stüssihofstatt nördlich des Grossmünsters die südliche Begrenzung des eigentlichen Niederdorfes.

Das Niederdorf liegt zwischen dem Limmatquai im Westen und dem Seilergraben im Osten. Die wichtigsten Strassen in diesem Gebiet sind die Niederdorfstrasse, Rindermarkt und Neumarkt sowie die Marktgasse.

Verkehr[Bearbeiten]

Wie das parallel verlaufende Limmatquai sind die Niederdorfstrasse und deren Verlängerungen für den Autoverkehr gesperrt. Die meisten Quergassen kommen aufgrund ihrer Breite für eine Durchfahrt nicht in Frage. Einzelne Gassen sind tagsüber befahrbar, nachts abgesperrt und für Anwohner mit dem Auto zugänglich. Die das Niederdorf östlich begrenzende Strasse, der Seilergraben, leitet den Autoverkehr um das Niederdorf. Hier fahren das Tram 3 und der Bus 31 der VBZ. Am Limmatquai verkehren die Tramlinien 4 und 15. Weitere Tramlinien halten am Verkehrsknotenpunkt Central. Die nächsten Bahnhöfe sind der Hauptbahnhof und der Bahnhof Stadelhofen.

Angebot[Bearbeiten]

Kinos[Bearbeiten]

Insgesamt finden sich im Niederdorf sechs Kinohäuser unterschiedlicher Art. Die Arthouse-Kinos Alba, Movie 1 & 2 sowie Nord-Süd (1935–2011) zeigen Studiofilme und Low-Budget-Produktionen. Das denkmalgeschützte Alba befindet sich seit 1958 im Theatersaal des sieben Jahre zuvor erbauten Hotels mit Theater.[1] Das Kino Frosch der Kitag zeigt die Hollywood-Streifen und auch Studiofilme. Ergänzt wurde das Kinoangebot bis Ende 2012 durch das Erotikkino Stüssihof[2]. Das ehemalige Kitag-Kino Academy wurde Ende 2006 geschlossen und in eine Bar mit Clubbetrieb umgenutzt. Das Kino Academy hiess vorher Wellenberg wie das Hotel im selben Haus. Das Wellenberg war Kulisse im Schweizer Spielfilm Polizischt Wäckerli.

Das Kino Radium an der Mühlegasse 5 wurde 1907 eröffnet und war das erste ständige Kino der Schweiz. Es war das älteste Kino des Landes und eines der ältesten in ganz Europa. Während vieler Jahren war das Radium Revolverküche, später Reprisenstätte, zwischenzeitlich Filmpodium der Stadt Zürich, bevor es in den 1980er und 1990er Jahren als Nachspielstätte der Commercio-Movie AG funktionierte. Das Radium bot 118 Leuten Platz. Von 1994–2008 war das Radium ein Pornokino, Ende Juni 2008 wurde es geschlossen. 2009 kamen bei umfangreichen Sanierungsarbeiten der mittelalterlichen Liegenschaft Reste der Wandmalereien der ursprünglichen Kinoausstattung von 1907 hervor.[3]

Bars[Bearbeiten]

Im Niederdorf finden sich viele kleinere und grössere Bars. Ebenfalls gibt es dort mehrere Bars und Tanzlokale, die sich bevorzugt an homosexuelles Publikum wenden. In der Sommerzeit bieten die meisten Bars Sitzgelegenheiten im Freien.

Restaurants[Bearbeiten]

Im Niederdorf finden sich neben vielen kleinen Imbissständen zahlreiche Restaurants.

Hotels[Bearbeiten]

Im Niederdorf gibt es nur wenige Hotels. Der älteste und der jüngste Hotelbetrieb stehen zentral am Hirschenplatz. Das Hotel «Hirschen» gilt als der älteste Betrieb und bietet seinen Gästen seit dem 14. Jahrhundert Zimmer an. Der jüngste Hotelbetrieb im Niederdorf ist das Hotel «Wellenberg», es wurde im Januar 1990 von der Unternehmerfamilie Scotoni eröffnet. Es wurde in den 1940er Jahren erbaut und gilt als der letzte Neubau in der Altstadt von Zürich.

Geschichte[Bearbeiten]

  • 1280 oder 1286 zerstörte eine Feuersbrunst die Häuser vom Nieder- bis zum Oberdorf. Der Brandstifter soll der Bäcker Wackerbold gewesen sein. Er war dabei ertappt worden, wie er zu leichte Brote herstellte und zur Strafe in den Korb beim Haus zum Rüden gestellt worden. Aus Rache füllte er sein Haus mit Holz, legte eines Nachts bei heftigem Wind Feuer und verschwand.[4]
  • 1876 brach im Niederdorf eine Cholera-Epidemie aus, die auch auf weitere Stadtteile übergriff.

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizer Heimatschutz.
  2. Mario Stäuble: Vom «Augenpuff» zum Heimatkino. In: Tages-Anzeiger vom 30. Dezember 2012
  3. Stadtarchäologie
  4. Berufsfeuerwehr

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederdorf (Zürich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.3733333333338.545Koordinaten: 47° 22′ 24″ N, 8° 32′ 42″ O; CH1903: 683559 / 247533