Niedere Tauern

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Niedere Tauern
Niedere Tauern.png
Höchster Gipfel Hochgolling (2862 m ü. A.) p2
Lage Salzburg/Steiermark, Österreich
Koordinaten 47° 16′ N, 13° 46′ O47.26666666666713.761666666667Koordinaten: 47° 16′ N, 13° 46′ O

Die Niederen Tauern sind eine Großgruppe der Zentralalpen in den Ostalpen. Sie schließen östlich an die Hohen Tauern an. Die Gebirgsgruppe befindet sich in Österreich in den Bundesländern Salzburg und Steiermark.

Zum Namen[Bearbeiten]

Im Mittelalter werden die Berge nach dem begleitenden Fluss genannt, Salzburger- und Admonterseits Ennstaler Alpen (1207 „ad alpem que dicitur Enstalar“, zwischen Lungau und Enns),[1] Steirischerseits Murtaler Alpen. Als im Laufe des beginnenden Alpinismus des 18./19. Jahrhunderts der geologische Zusammenhang in der Kette der Zentralalpen in den Vordergrund rückt, etabliert sich der – ebenfalls Salzburgische – Ausdruck Tauern, der ursprünglich die Passübergänge bezeichnet, und man spricht von den Tauernalpen, und in Abgrenzung zu den „Hohen“ Tauern der 3000er von den „Niederen“ Tauern für diese Bergregion mit Mittelgebirgscharakter. Der Name Ennstaler Alpen wandert dann ostwärts in die Berge beiderseits des Gesäuses, die Murtaler Berge sind eine Untergruppe der Niederen Tauern, die südliche Kette.

Topografie[Bearbeiten]

Die Niederen Tauern sind durch die folgenden Täler begrenzt:

nach Westen hin gilt des Murtörl (2260 m ü. A.) als Abgrenzung zu den Hohen Tauern.

Untergruppen[Bearbeiten]

Die Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) unterteilt die Niederen Tauern in die folgenden vier Untergruppen:

Rottenmanner Tauern und Wölzer Tauern gelten auch als eigenständige Gruppen. Daneben werden auch die Murberge (Tamsweg-Seckauer Höhenzug, Gstoder 2140 m ü. A.) im Süden als fünfte eigenständige Untergruppe unterschieden, das umfasst die Teile der Radstädter, Schladminger und Wölzer Tauern.

Verkehr und Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Gebirgsstock wird von drei Passstraßen von Nord nach Süd durchquert:

Außerdem führt der Tauerntunnel der Tauernautobahn durch die Radstädter Tauern.

In den langen, tief eingeschnittenen Tälern gibt es nur wenige, kleine Siedlungen. Die größeren Städte befinden sich in den begrenzenden Tälern:

Geologie und Entstehung[Bearbeiten]

Die Niederen Tauern sind als Teil der Zentralalpen hauptsächlich aus Glimmerschiefern aufgebaut. Im Osten treten vermehrt Granit- und Schiefergneise auf. Aus dieser mittelostalpinen Decke treten im "Tauernfenster" einige Kalkgipfel hervor: z. B. Mosermandl und Pleißlingkeil (Radstädter Tauern) oder die Kalkspitzen in den Schladminger Tauern.

In der Eiszeit war das Gebirge stark vergletschert. Zeugnis dafür geben die tief eingeschnittenen Täler mit den breiten Talsohlen. Auch die zahlreichen kleinen Karseen sind ein Resultat der früheren Vergletscherung. Heute ist das Gebiet gletscherlos, gilt aber als das seenreichste Gebirgsmassiv der Ostalpen.

Historisches[Bearbeiten]

Im Mittelalter und bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in den Schladminger und Wölzer Tauern Metallerze gefördert (Eisen, Kupfer, Blei, Nickel, Silber). Alte Bergwerksstollen können noch heute bei Schladming und bei Oberzeiring besichtigt werden.

Zur Zeit der Gegenreformation diente vor allem das Gebiet um Schladming als eines der letzten Rückzugsgebiete von luthertreuen Bauern, Arbeitern und Handwerkern. Noch heute ist diese Gegend jene mit dem höchsten Anteil evangelischer Christen in Österreich.

Bereits im 19. Jahrhundert begann die touristische Erschließung der Niederen Tauern. Erstbesteigungen standen auf der Tagesordnung. Auch hohe Persönlichkeiten ließen sich auf die Berggipfel führen, wie z. B. Erzherzog Johann auf die Hochwildstelle (Hohe Wildstelle).

Die Ursachen für die Entwicklung lagen vor allem in der Errichtung von ersten Bahnlinien durch die Täler in den 1860ern und der Gründung des Österreichischen Alpenvereins 1862. Die erste Berghütte wurde jedoch erst relativ spät errichtet: 1920 die Hochwurzenhütte. In den 1950er Jahren begann die touristische Erschließung in moderner Form - mit Straßen, Seilbahnen, Hotels und Gaststätten. Dabei wurde vor allem die Nordseite (Radstädter Tauern, nördliche Schladminger und Wölzer Tauern) bevorzugt.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr, wobei sowohl der Sommer (Wandern, Klettern, Radfahren) als auch der Winter (alpiner Skilauf) genutzt werden. Besonders die Radstädter und Schladminger Tauern sind durch zahlreiche Berghütten und Wanderwege erschlossen. Auch einige Weitwanderwege führen durch das Gebiet der Niederen Tauern: der Zentralalpenweg von Ost nach West, der Eisenwurzenweg, der Salzsteigweg und der steirische Landesrundwanderweg von Nord nach Süd. Für den alpinen Schilauf sind vor allem die Vorberge im Ennstal mit Seilbahnen und Schleppliften erschlossen, aber auch das Gebiet zwischen Judenburg und St. Michael im Lungau. Schladming war mit seinen Schigebieten Planai und Hauser Kaibling Austragungsort der Alpine Skiweltmeisterschaft 1982 und 2013.

Außerdem wird Forstwirtschaft und Almwirtschaft betrieben. Am Nordostrand gibt es auch einige Graphit- und Magnesitvorkommen, die wirtschaftlich genutzt werden.

Die Steilstufen, welche von den Tälern der Niederen Tauern ins Ennstal gebildet werden, werden für Kleinwasserkraftwerke genutzt, die Strom für die lokalen Bedürfnisse erzeugen. Außerdem befindet sich in den Wölzer Tauern bei Oberzeiring der derzeit höchstgelegene Windpark Europas, der Tauernwindpark, mit 13 Windrädern zur Stromerzeugung.

Ein großer Teil der Niederen Tauern ist NATURA 2000-Schutzgebiet entsprechend der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union. Die Hochlagen der Wölzer und der Seckauer Tauern sind seit April 2006 als Europaschutzgebiet ausgewiesen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niedere Tauern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle zeitgenössisches Original, Salzburger Urkundenbuch III, S. 80, Z. 5