Niederkassel

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Niederkassel im Rhein-Sieg-Kreis. Für den Stadtteil Düsseldorfs siehe Niederkassel (Düsseldorf)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Niederkassel
Niederkassel
Deutschlandkarte, Position der Stadt Niederkassel hervorgehoben
50.8166666666677.033333333333355Koordinaten: 50° 49′ N, 7° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Rhein-Sieg-Kreis
Höhe: 55 m ü. NHN
Fläche: 35,79 km²
Einwohner: 36.734 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 1026 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53859
Vorwahlen: 02208 und 0228 (Mondorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SU
Gemeindeschlüssel: 05 3 82 044
Stadtgliederung: 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 19
53859 Niederkassel
Webpräsenz: www.niederkassel.de
Bürgermeister: Stephan Vehreschild (CDU)
Lage der Stadt Niederkassel im Rhein-Sieg-Kreis
Rheinland-Pfalz Bonn Köln Kreis Euskirchen Oberbergischer Kreis Rheinisch-Bergischer Kreis Rhein-Erft-Kreis Alfter Bad Honnef Bornheim (Rheinland) Eitorf Hennef (Sieg) Königswinter Lohmar Meckenheim (Rheinland) Much Neunkirchen-Seelscheid Niederkassel Rheinbach Ruppichteroth Sankt Augustin Siegburg Swisttal Troisdorf Wachtberg WindeckKarte
Über dieses Bild

Niederkassel, amtliche Schreibweise bis 14. August 1936: Niedercassel[2], ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Niederkassel erstreckt sich fast 12 km entlang des rechten Rheinufers, der Stadtteil Niederkassel liegt bei Rheinkilometer 666. Niederkassel liegt zwischen den Großstädten bzw. Oberzentren Köln, Bonn und Troisdorf, die durch günstige Verkehrsanbindung innerhalb von 20 Minuten zu erreichen sind. Im Süden der Stadt, bei Mondorf, mündet die Sieg in den Rhein.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Niederkassel besteht aus den Stadtteilen Lülsdorf, Mondorf, Niederkassel, Ranzel, Rheidt, Uckendorf und Stockem.

Geschichte[Bearbeiten]

Durch die erdgeschichtlichen Gegebenheiten und die wenigen Alluvialrinnen des Rheines gab es hier schon früh eine sumpffreie Ebene, die Menschen um 1000 v. Chr. bewogen haben mögen, im Bereich von Niederkassel vorübergehend zu siedeln.

Aufgrund des recht unruhigen Rheinstroms, der durch Überschwemmungen weite Teile des Siedlungslandes überdeckte, gaben die frühen Siedler der Bronzezeit von 2000 bis 800 v. Chr. ihre Plätze bald auf. In der Eisenzeit haben sich offensichtlich diese Verhältnisse geändert, denn die Besiedlung ist durch einige Funde aus Lülsdorf, Niederkassel und Mondorf belegbar. Die Römer stießen im letzten vorchristlichen Jahrhundert zum Rhein vor und befestigten das linke Rheinufer mit Kastellen, nur an den Brückenköpfen wie Köln-Deutz und Mainz-Kastel auch das rechte Ufer. Das Bonner Auxiliarkastell im Bereich des Bonner Marktplatzes stammt aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Etwa 60 Jahre danach entstand gegenüber dem Mündungsdelta der Sieg ein Legionslager - das Castellum Bonna - mit einer Quadratseitenlänge von 500 m. Zur römischen Kaiserzeit (Christi Geburt bis 400 n. Chr.) wurde der Siedlungsraum im Umland von Niederkassel bis auf wenige Ausnahmen aufgegeben.

Im 5. Jahrhundert zerbrach die Herrschaft der Römer und die fränkische Landnahme setzte ein. Eine regelrechte Besiedlung begann erst im 6. Jahrhundert durch die Franken und die merowingischen Herrscher am Rhein. Diese beginnende Dauerbesiedlung führte dann später zur Gründung der heutigen Ortschaften.

Aus dem Jahre 722 stammt die älteste Erwähnung, die sich auf Cassele bezieht. Mondorf wird 795 und Rheidt 832 erwähnt. Die Siedlungen Niederkassel, Rheidt und Mondorf gehörten in karolingischer Zeit zum Auelgau, Lülsdorf zum Deutzgau. Lülsdorf wurde Ende des 14. Jahrhunderts mit den Kirchspielen Bergheim, Mondorf und Volberg zum bergischen Amt Lülsdorf vereinigt.[3] Die Kirchspiele Niederkassel und Rheidt fielen 1484 endgültig an das bergische Amt Löwenburg.[4]

Die Burg Lülsdorf war Verwaltungssitz der Vogtei und des späteren Amtes Lülsdorf und wurde ab 1553 zusammen mit dem Amt Löwenberg von einem Amtmann verwaltet, der seinen Sitz auf Burg Lülsdorf hatte.

Die Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende französische Herrschaft brachte starke Veränderungen der Verwaltung und der Lebensbedingungen mit sich. Die Besitzungen der Kirche und die Staatsdomänen wurden vielfach für geringes Geld verschleudert. Auch wurde die gleiche Teilung des elterlichen Gutes unter den Kindern durchgesetzt. Durch den Wiener Kongress wurde 1815 beschlossen, dass das Rheinland zu Preußen kam. Unter der preußischen Verwaltung wurde 1816 der Kreis Siegburg im Regierungsbezirk Köln neu gebildet, der von 1822 an zur Rheinprovinz gehörte. Ebenfalls 1816 wurde die Bürgermeisterei Niederkassel zur Verwaltung der Gemeinden Lülsdorf, Niederkassel, Mondorf, Rheidt Stockem und Uckendorf gebildet. Die Bürgermeisterei hatte zunächst ihren Sitz in Uckendorf (heute drittkleinster Stadtteil), dann aber ständig in Niederkassel. 1927 wurde die Bürgermeisterei in „Amt Niederkassel“ umbenannt. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde am 1. August 1969 das Amt Niederkassel aufgelöst und dessen sechs Gemeinden zur neuen amtsfreien Gemeinde Niederkassel zusammengeschlossen.[5]

Am 1. Januar 1981 wurde Niederkassel zur Stadt ernannt.[6] Seit 1975 hat die Einwohnerzahl der Stadt von rund 24.300 um über 50 % auf heute rund 37.500 zugenommen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr1 Einwohner
1816 782
1852 791
1871 703
1905 701
1961 1.821
1 Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden[7]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 58,0 % (2009: 55,0 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,7 %
25,6 %
7,0 %
9,5 %
1,0 %
2,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+5,8 %p
+2,8 %p
-9,5 %p
+0,2 %p
-1,5 %p
+2,2 %p

Die 38 Sitze im Stadtrat verteilen sich ab dem 25. Mai 2014 wie folgt:

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)

Wappen[Bearbeiten]

In einem Halbrundschild mit rotem Hintergrund und grünem Wellenschildfuß erhebt sich in Silber eine Burg. Zwischen zwei Türmen befindet sich das Wappen des Geschlechts derer von Lülsdorf mit rotem Gegenzinnbalken auf silbernem Grund. Diese Darstellung zusammen mit dem Wellenschildfuß verbindet die Lage der heutigen Stadt am Rhein mit der Bedeutung der ehemaligen Vögte von Lülsdorf und ihrer Burg, dem späteren Sitz der herzoglichen Amtmänner. Die Herren von Lülsdorf führten den roten Wechselzinnenbalken in Gold, das erste Geschlecht der Bergischen Grafen bis 1225 als Doppelzinnenbalken in schwarz.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Niederkassel unterhält Städtepartnerschaften mit Limassol in Zypern und mit Premnitz in Brandenburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der Verein TTG Lülsdorf-Rheidt war Ende der 1980er Jahre mit einer Damenmannschaft in der 2.Tischtennis-Bundesliga vertreten.

Seit Juni 2008 gibt es im Süden von Niederkassel den Sportpark Süd als neue Heimat der Vereine FC Hertha Rheidt und TuS Mondorf. Diese mussten ihre zuvor betriebenen Sportanlagen räumen.

Seit Februar 2009 bündeln die beiden Traditionsvereine ihre Fußballjugendarbeit im Jugendfußballclub (JFC) 09 Mondorf-Rheidt mit ca. 30 Mannschaften und ca. 500 Jugendlichen.

Die SpvGG Lülsdorf-Ranzel existiert seit 1959 und bietet mit seinen 11 Abteilungen und rund 2500 Mitgliedern ein breites Sportangebot.

Der Fußballverein 1. FC Niederkassel 1920/2010 e. V. besteht seit 2010 und engagiert sich mit rund 400 angemeldeten Mitgliedern hauptsächlich für Kinder und Jugendliche.

Naturschutz[Bearbeiten]

Für den Hochwasserschutz ist Niederkassel engagiert mit der Bereitstellung des Hochwasserschutzbeckens Langeler Bogen.

In fast komplett Niederkassel sind die Wälder unter Naturschutz gestellt.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Rheinfähre in Mondorf
Degussa-Werk in Lülsdorf, größter Arbeitgeber Niederkassels
Der Yachthafen von Mondorf liegt in einem Altarm der Sieg am Rhein

Bildung[Bearbeiten]

  • Städtisches Kopernikus-Gymnasium Niederkassel
  • Alfred-Delp-Realschule Mondorf
  • Gemeinschaftshauptschule Lülsdorf
  • Gemeinschaftsgrundschule Ranzel
  • Katholische Grundschule Lülsdorf
  • Katholische Grundschule Mondorf
  • Katholische Grundschule Niederkassel
  • Katholische Grundschule Rheidt
  • Laurenzius Schule Mondorf

Verkehr[Bearbeiten]

Im Güterverkehr besteht eine Bahnverbindung auf der Strecke Lülsdorf–Troisdorf.

Im ÖPNV gilt der Tarif des Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Helmut Loos (1924–2000), nordrhein-westfälischer Landespolitiker und ehemaliger Vorsitzender des Petitionsausschusses in Düsseldorf. Er lebte in Niederkassel.
  • Sabine Schulte (* 1976), Deutsche Meisterin 1997 und 1998 im Stabhochsprung. Sie trainierte in der LG Bonn/Troisdorf/Niederkassel
  • Lena Schöneborn (* 1986), Olympiasiegerin 2008 sowie Welt- und Europameisterin im Modernen Fünfkampf. Sie begann die Karriere in der Schwimmabteilung ihres Heimatvereins SpVgg Lülsdorf-Ranzel in Niederkassel.
  • Nina Schiffer (* 1991), Schwimmerin, 2007 Deutsche Meisterin über 200 m Schmetterling und Deutsche Vizemeisterin über 400 m Lagen

Sonstiges[Bearbeiten]

Für die Dauer der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Niederkassel Gastgeber für die ivorische Fußballnationalmannschaft. Die Ivorer wurden Dritte der Gruppe C und erreichten somit das Achtelfinale nicht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederkassel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 268
  3. Wilhelm Classen: Burg und Amt Lülsdorf unter den Herzögen von Berg. In: Lülsdorf am Rhein, herausgegeben von Heinrich Olligs, Lülsdorf 1952, S. 196 ff.
  4. Der Rhein-Sieg-Kreis. Herausgeber: Oberkreisdirektor Paul Kieras. Stuttgart 1983, S. 283.
  5. Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) vom 1. Juli 1969; § 8
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 303.
  7. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17/ Siegburg 1980, S. 113.
  8. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2014/Gem_raete/c382044kw0900.html
  9. Liste des Rhein-Sieg-Kreises