Niederländischer Widerstand 1940–1945

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Als Niederländischer Widerstand 1940–1945 (niederländisch: Nederlands verzet in de Tweede Wereldoorlog) wird der Kampf niederländischer Freiheitskämpfer gegen die deutsche Besatzung durch die Wehrmacht nach der Besetzung der Niederlande im Rahmen des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 im Zweiten Weltkrieg bis zur Befreiung durch alliierte Truppen im April 1945 bezeichnet. Ebenso bezeichnet der Begriff den Aufstand der niederländischen Kolonialherren von Niederländisch-Indien gegen die Okkupation dieser Kolonie durch die japanische Armee 1941/42.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Niederlande

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ausgehend von der Kriegs- und Expansionspolitik Nazideutschlands und offiziell begonnen durch den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 erklärte das Königreich der Niederlande (ebenso wie im Ersten Weltkrieg) seine Neutralität verbunden mit der Hoffnung, nicht in die Kriegshandlungen mit einbezogen zu werden. Ungeachtet der von den Niederlanden, ebenso wie der auch zuvor von den beiden anderen heutigen Benelux-Staaten Belgien und Luxemburg erklärten Neutralität überfielen Truppen der Wehrmacht beim Westfeldzug am 10. Mai 1940 völkerrechtswidrig alle drei neutralen Staaten, um bei ihrem Einfall in Frankreich die stark befestigte Maginot-Linie weitestens zu umgehen und einen Stellungskrieg zu vermeiden.

Die niederländischen Streitkräfte (niederländisch Nederlandse krijgsmacht) waren nicht in der Lage, die Invasion aufzuhalten und leisteten nur vereinzelt Widerstand. Am 14. Mai gab es nur noch vereinzelte Kämpfe, insbesondere die Bombardierung von Rotterdam 1940, bei der etwa 800 Menschen ums Leben kamen, fast 80.000 obdachlos wurden, und große Teile der Stadt zerstört wurden. Unmittelbar danach erfolgte die Kapitulation der Niederlande.

Deutsche Besetzung und unmittelbare Folgen[Bearbeiten]

Am 18. Mai 1940 ernannte Adolf Hitler Arthur Seyß-Inquart zum Reichskommissar der besetzten Niederlande und am 29. Mai 1940 den deutschen General Friedrich Christiansen zum Befehlshaber der Wehrmacht. Blieb die nach der nationalsozialistischen Rassenideologie sogenannte "arische" Bevölkerungsmehrheit von Repression zunächst weitestgehend verschont, begann schon kurz nach der Besetzung die Verfolgung, Internierung und Verschleppung der hier lebenden Juden, Sinti und Roma. So wurden u.a. als Sammel- und Internierungslager zur weiteren Deportation 1941 das Durchgangslager Amersfoort, 1942 das Durchgangslager Westerbork und das KZ Herzogenbusch sowie 1943 die Villa Bouchina hierzu umfunktioniert bzw. neu erbaut.

Seit 1941 war die einzige in den Niederlanden zugelassene Partei die am 14. Dezember 1931 u.a. von Cornelis van Geelkerken und ihrem späteren Vorsitzenden Anton Mussert gegründete Nationaal-Socialistische Beweging (NSB), aus deren Reihen sich auch die 1940 von Mussert gegründete und von Johannes Hendrik Feldmeijer geführte Niederländische SS formierte. Die NSB trat zwar für die Unabhängigkeit der Niederlande ein, kollaborierte aber gleichzeitig mit der deutschen Besatzungsmacht. Es gab seit dem Überfall somit keine zugelassene oppositionelle oder auch nur ansatzweise demokratische Partei mehr in den Niederlanden.

Niederländischer Widerstand während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Durch die Bemühungen von Geertruida Wijsmuller-Meier wurden von 1938 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 10.000 jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich gerettet, die mittels sogenannter Kindertransporte nach England ausreisten. Die erste niederländische Widerstandsgruppe, die „Geuzen“, wurde am 15. Mai 1940, dem Tag der niederländischen Kapitulation vor Hitler-Deutschland, gegründet. Ein paar Tage später entstand die kommunistische Widerstandsbewegung. Auch demobilisierte Offiziere bildeten schnell eine Widerstandsgruppe, „Ordedienst“ (OD) genannt. Der niederländische Widerstand war vor allem gewaltfrei.

Im November 1940 kündigten die Besatzer ein Berufsverbot für Juden an. Das führte in den Universitäten Delft und Leiden zu kurzen Streiks von Studenten und einigen Mitarbeitern. Der Februarstreik im Februar 1941 in Amsterdam und Nordholland war eine im besetzten Europa einzigartige Reaktion auf die ersten Judendeportationen in den Niederlanden. An dem von Kommunisten organisierten zweitägigen Streik nahmen ungefähr 40.000–50.000 Menschen teil. Niederländische Partisanen versteckten Juden aus Holland und Deutschland (z. B. Anne Frank oder Edith Stein), ebenso Niederländer, die vor dem Arbeitsdienst oder Arbeitseinsatz untertauchten, geflüchtete Kriegsgefangene (insbesondere abgeschossene Besatzungen alliierter Flugzeuge) oder verhalfen ihnen zur Flucht über den Ärmelkanal, versteckten deutsche Wehrmachtsdeserteure, übermittelten den Alliierten in Großbritannien Umfang, Zustand und Lage deutscher Wehrmachtsverbände, insbesondere deren Vorbereitung der geplanten Invasion Großbritanniens, und verübten Anschläge auf deutsche Besatzungsdienststellen und Militärtransporte. Bald entstanden auch illegale Zeitschriften, insgesamt 1100 Ausgaben. Einige der Zeitungen wie Het Parool, Trouw und die Wochenzeitung Vrij Nederland existieren noch heute.

Der Bankier Walraven van Hall zahlte ein regelmäßiges Tagegeld für Widerstandskämpfer und Zehntausende anderer Bürger. Die Abteilung hatte auf ihrem Höhepunkt 2000 illegal Beschäftigte. Im April und Mai 1943 gab es vor allem im Osten des Landes ein paar Tage Generalstreiks, als demobilisierte niederländische Soldaten erneut festgenommen wurden. Dabei starben 90 Zivilisten. Am 17. September 1944 rief die niederländische Regierung zu einem Generalstreik der Eisenbahn auf, um die alliierte Operation Market Garden zu unterstützen. Die Alliierten wollten via Arnheim nach Deutschland entlang der nördlichen Spitze des Westwalls vorstoßen. Laut dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) versteckten die Holländer auf dem Höhepunkt des Widerstandes 350.000 Menschen. Diese Leute wurden von mehr als 500.000 Menschen unterstützt – von bis zu einem Zehntel der damaligen Bevölkerung. Unter den Versteckten befanden sich 25.000 Juden. Insgesamt 5.200 Niederländer wurden von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Die Niederlande haben damit laut Yad Vashem den höchsten Anteil an Ausgezeichneten unter den besetzten Ländern.

Der bewaffnete Widerstand[Bearbeiten]

Der bewaffnete Widerstand war ursprünglich ein Teil der Organisation des Versteckens. Dieser konzentrierte sich auf die Beschlagnahme von Ausweisen und Lebensmittelkarten. Allmählich wurden die Angriffe gewalttätiger. Es kam zu Befreiungsaktionen verhafteter Widerständler, ein Dutzend Mal mit spektakulärem Erfolg. Eine wichtige Rolle im Widerstand, so beim Februarstreik, spielte bis zu ihrer Zerschlagung im April 1942 die Marx-Lenin-Luxemburg-Front (MLL-Front) um Henk Sneevliet, Willem Dolleman und Ab Menist, die alle am 12. April 1942 von den deutschen Besatzern hingerichtet wurden. Die MLL-Front unterschied sich von den meisten anderen Widerstandsgruppen dadurch, dass sie eine Zusammenarbeit mit von ihr als monarchistisch oder imperialistisch eingeschätzten Kräften ablehnte. Die MLL-Front verfügte über etwa 500 feste Mitglieder und gab vierzehntäglich die viel gelesene Untergrundzeitung Spartacus in einer Auflage von etwa 5000 Exemplaren heraus. Der niederländische Autor Maarten 't Hart beschäftigt sich in seinen Romanen Das Wüten der ganzen Welt und Die Netzflickerin mit dem niederländischen Widerstand. Ein Beispiel von Widerstand gegen den Nationalsozialismus sind Die Zehn von Renesse auf der Insel Schouwen-Duiveland in Zeeland.

Differenzierteres Bild[Bearbeiten]

Ab Ende der 1960er Jahre begann eine Überdenkung und Neubewertung der Rolle des niederländischen Widerstandes. Heute wird dieser nicht mehr als bloßer Kampf zwischen Gut und Böse, sondern viel differenzierter dargestellt. Am Beispiel der Judenverfolgung (so wurden mehr als 75 % der jüdischen Bevölkerung aus den Niederlanden deportiert, ein so hoher Prozentsatz wie sonst nirgendwo anders in Westeuropa)[1] zeigt sich die Problematik der eigenen Darstellung des niederländischen Widerstandes.

Erinnerung[Bearbeiten]

Gedenktafel in Ouwsterhaule

Heute erinnert an diese von Besetzung und Unterdrückung der Bevölkerung sowie der Verschleppung/Ermordung der Einwohner jüdischen Glaubens und den Widerstand hiergegen geprägte Zeit u.a. das Verzetsmuseum in Amsterdam. Die niederländische Exil-Regierung in London half bei der Gründung einer Stiftung, des Nationaal Steunfonds aus Staatsanleihen und niederländischen Spenden, mit dem sie die verschiedenen Aktivitäten des niederländischen Widerstands von London zu unterstützen versuchte. Zu diesem Widerstand gehörte die Ende 1942 gegründete Landelijke Organisatie voor Hulp aan Onderduikers (LO), die landesweit Untergetauchten mit falschen Papieren, Lebensmittelrationierungsmarken, Geld und Verstecken zu helfen versuchte. In Aalten, unweit von Bocholt, wurde 2005 ein Untertauchermuseum eingerichtet, das die groteske, reale, zeitweilige Situation erfahrbar macht, als im selben Haus im Erdgeschoss die Ortskommandantur und unter dem Dach Untergetauchte untergebracht waren. Auf eine damalige Bevölkerung von 10.000 Leuten versteckten die Aalter 2.500 Menschen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederländischer Widerstand 1940–1945 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Fühner: Die Geschichte der Niederlande 1940–1945, Kapitel IX. Ein Volk im Widerstand? Ein Volk von Kollaborateuren?, Juni 2007, abgerufen am 4. Juni 2013