Niederleis

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Niederleis
Wappen von Niederleis
Niederleis (Österreich)
Niederleis
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 19,52 km²
Koordinaten: 48° 33′ N, 16° 24′ O48.54972222222216.397777777778253Koordinaten: 48° 32′ 59″ N, 16° 23′ 52″ O
Höhe: 253 m ü. A.
Einwohner: 828 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 42 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2116
Vorwahl: 02576
Gemeindekennziffer: 3 16 36
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 71
2116 Niederleis
Website: www.niederleis.at
Politik
Bürgermeister: Leopold Rötzer (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
8 ÖVP, 7 SPÖ
Lage der Gemeinde Niederleis im Bezirk Mistelbach
Altlichtenwarth Asparn an der Zaya Bernhardsthal Bockfließ Drasenhofen Falkenstein Fallbach Gaubitsch Gaweinstal Gnadendorf Großengersdorf Großebersdorf Großharras Großkrut Hausbrunn Herrnbaumgarten Hochleithen Kreuttal Kreuzstetten Laa an der Thaya Ladendorf Mistelbach Neudorf bei Staatz Niederleis Ottenthal Pillichsdorf Poysdorf Rabensburg Schrattenberg Staatz Stronsdorf Ulrichskirchen-Schleinbach Unterstinkenbrunn Wildendürnbach Wilfersdorf (Niederösterreich) Wolkersdorf im Weinviertel NiederösterreichLage der Gemeinde Niederleis im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Niederleis ist eine Gemeinde mit 828 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Niederleis liegt im Weinviertel in Niederösterreich am Südostrand der Leiser Berge. Der Ortsname stammt aus dem Slawischen (letzter Stand der Ortsnamensforschung). "Lysa" bedeutet "kahle Stelle" und dürfte sich auf die Umgebung des Ortsgebietes beziehen. Die Gründung des Ortes erfolgte wahrscheinlich um 1009 (?). Der Ortsname taucht aber erst Jahre später in einigen Urkunden auf. Die Fläche der Gemeinde umfasst 19,54 Quadratkilometer. 10,77 Prozent der Fläche sind bewaldet. In Niederleis befanden sich 5 Mühlen. Niederleis liegt am Südhang des Buschberges. Der von Au kommende kleine Taschlbach durchfließt den ganzen Ort und bildet nach seiner Vereinigung mit anderen Bächen bei Kleinsitzendorf den (großen) Taschlbach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Helfens (76)
  • Kleinsitzendorf (18)
  • Niederleis (604)
  • Nodendorf (132)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Helfens, Kleinsitzendorf, Niederleis und Nodendorf.

Geschichte[Bearbeiten]

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, zwischen 20. und 21. April 1945, wurde Niederleis Schauplatz heftiger und wechselvoller Kämpfe zwischen Truppen der Wehrmacht und der Roten Armee, bei denen 11 Zivilisten ums Leben kamen und 37 Gebäude durch Brand zerstört sowie drei Brücken gesprengt wurden.[2]

Katastralgemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde Niederleis umfasst die Katastralgemeinden Helfens, Kleinsitzendorf, Niederleis, Nodendorf, die als Dörfer namensgebend sind.[3]

Nodendorf[Bearbeiten]

Der Ort Nodendorf wurde erstmals zwischen 1120 und 1130 als „Nadendorf“ erwähnt. Im Ort befand sich eine Herrschaftsmühle (Heiligenkreuz), deren Standort mit der Hausnummer 11 (Mühle mit angeschlossener Schmiede) lokalisiert werden konnte. Am Ortsende gegen Süden stand bis in die Zwanzigerjahre ein Ziegelofen ( 2 Gebäude sind noch erhalten). Die 1928 anstelle einer Holzkapelle errichtete Ortskapelle ist der Mutter Gottes geweiht. Im Norden der Ortschaft erhebt sich ein mächtiger Tafelberg, der Oberleiser Berg mit 457 m. Bis zum Jahre 1971 hatte Nodendorf eine eigene Feuerwehr. Durch den Ort zieht sich die Laaer Straße ( B6), auf der, bedingt durch den Fall des "Eisernen Vorhanges", in den letzten Jahren stark steigender Verkehr festzustellen ist.

Helfens[Bearbeiten]

Helfens ist die südlichste Katastralgemeinde und wurde 1150 als „de helphansdorf“ (Dorf des helphan) erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1924 stand am Waldrand östlich der Ortschaft eine Holzkapelle, 1926 wurde dann ein Steinbau, die heutige Ortskapelle, errichtet. Am südlichen Ortsende stand die "Vogelsang - Mühle". Seit 1951 hat Helfens eine Freiwillige Feuerwehr. Ein weiteres „modernes“ Wahrzeichen des Ortes sind die Windkraftanlagen des Windparks Hipples, wovon sich eine auf Helfenser Gebiet befindet.

Kleinsitzendorf[Bearbeiten]

Mit acht Häusern stellt Kleinsitzendorf die kleinste Katastralgemeinde dar. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1380 zurück. Damals ist von „siczendorf“ (Dorf des Sizzo) die Rede. Im Ort befand sich bis 1945 eine Herrschaftsmühle (Sinzendorfer), die nach dem 2. Weltkrieg abgetragen wurde. Geprägt wird das Ortsbild vom durchfließenden Taschlbach und von der Kapelle, eigentlich einem Glockenturm, die durch Neutrassierungen der Bundesstraße 40 bereits zweimal den Standort wechseln musste.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An Niederleis grenzen (von Norden im Uhrzeigersinn) Gnadendorf, Asparn an der Zaya, Ladendorf, Großrußbach und Ernstbrunn.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
2010 836
2007 824
2005 814
2001 766
1991 722
1981 665
1971 762
1961 822
1951 944
1939 998
1934 1086
1923 1147
1910 1178
1900 1161
1890 1090
1869 979

Nach dem Ergebnis der Volkszählungen ergeben sich rechts stehende Daten:[4]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde ist seit dem 7. April 2010 Leopold Rötzer, Amtsleiter Andreas Fickl.

Im Gemeinderat gibt es bei insgesamt 15 Sitzen seit der Gemeinderatswahl 2010 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 8, SPÖ 7, andere keine Sitze.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde der Gemeinde am 30. Juni 2001 verliehen.

Blasonierung: Durch eine silberne Leiste gespalten, vorne in Grün vier silberne heraldische Lilien, zwei und zwei schrägrechts gestellt, hinten in Rot ein aufgerichteter bekrönter goldener Greif, einen goldenen Stein in den Pranken haltend.

„Die Elemente des Wappens haben folgende Bedeutung: der grüne Grund steht für die Landwirtschaft und den Naturpark - 4 silberne heraldische Lilien symbolisieren die 4 Kirchen in unseren Katastralgemeinden - der bekrönte goldene Greif auf rotem Grund stammt aus dem Wappen der Familie Schaffgotsch, die in Niederleis seit 1928 ansässig ist - und die silberne Leiste in der Mitte steht für den Taschlbach, der hierorts entspringt und bei Mistelbach in die Zaya mündet“

Aus der Webseite der Gemeinde Niederleis[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 27, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 32. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 351. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,12 Prozent.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Niederleis
Wasserschloss Niederleis

Schloss Niederleis[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1310, der heutige Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert war das Schloss im Besitz des Stiftes Heiligenkreuz, in dieser Zeit gab es bedeutende bauliche Veränderungen. Abt Michael Schnabel erwarb das Gut 1651. Die Kaisersteinbrucher Steinmetzmeister arbeiteten auch für den Grundherren, das Stift Heiligenkreuz und fertigten Werkstücke im Schloss Niederleis. Im Stiftsarchiv befinden sich einige Rechnungen der Jahre 1655-1657, die Brüder Ambrosius und Giorgio Regondi betreffend. Bestätigung für Meister Ambrosius Ferrethi: „… den 23. April 1682 ist Meister Ambros mit denen restierten fünfzig Gulden für den Niederleisischen Brunnen bezahlt worden.“ Es ist durchaus möglich, dass die Arbeit Jahre früher erfolgt ist.

Viele Kunstschätze, wie wertvolle deutsche und italienische Möbel, kostbare spanische Ledertapeten oder flämische Wandteppiche warten auf die Besucher. Prunkstück der Sammlung ist ein großes Kreuz über dem spanischen Barockaltar in der Schlosskapelle. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und wird der Schule Giottos zugeschrieben

Die Inneneinrichtung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

1968 waren Schloss und Park Hauptdrehorte für Moos auf den Steinen, jenen Kinofilm, der heute von der Filmwissenschaft als erste Arbeit des Neuen Österreichischen Films erachtet wird.[6]

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum besteht seit dem Jahre 1977 und dokumentiert auf einer Fläche von 180 m² die Ortsgeschichte. Besichtigung jederzeit gegen Voranmeldung möglich.

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt[Bearbeiten]

Die erste Pfarrkirche (spätgotischer Baustil) stand am Weg von Niederleis nach Kleinsitzendorf, im sogenannten Kirchenfriedhof, außerhalb des Ortes. Im Jahre 1809 brannte die Kirche (Maria im Felde) ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Hingegen wurde in den Jahren 1810 bis 1814 die heutige Kirche im Ort anstelle der Dorfkapelle erbaut. Sie ist ein schlichter Saalbau und wurde im Jahre 1814 von Fürst Sigismund, Bischof von Gerlachstein eingeweiht. Im Jahre 2010 feierte die Pfarre das 875-Jahr-Jubiläum ihrer Gründung. Gleichzeitig wurde die Innenrenovierung abgeschlossen. 2013 wurde der Platz vor der Pfarrkirche neu gestaltet und gepflastert.

Naturpark Leiser Berge[Bearbeiten]

Zahlreiche Wanderwege führen durch den 45 km² großen Naturpark Leiser Berge. Auf dem Buschberg, mit 491 m höchste Erhebung des Weinviertels, befindet sich die Buschberghütte des Österreichischen Alpenvereins (erbaut 1937). Auf dem Oberleiser Berg steht eine Aussichtswarte, in deren Erdgeschoß eine Ausstellung 6000 Jahre Wohnberg Oberleis zu sehen ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bezirkshauptmannschaft Mistelbach (Hrsg.): Heimatbuch des Verwaltungsbezirkes Mistelbach. Drei Bände. (Mistelbach) 1958, 1959, 2005.
  • Gottfried Kitzler: Gemeinde Niederleis in alten Ansichten. Heimatmuseum Niederleis, Niederleis 2009.[7]
  • 875 Jahre Pfarre Niederleis. Festschrift. Niederleis 2010.
  • Gottfried Böck: Häuserchronik von Niederleis. G. Böck, Hollabrunn 2011.
  • Gottfried Kitzler: Niederleis. Das Fahrzeugwesen einer Weinviertler Gemeinde. 1890–1970, Heimatmuseum Niederleis, Niederleis 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederleis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (HGM/MHI), Militärgeschichtliche Forschungsabteilung (MilFoA), Studiensammlung, Bestand 1945, Schachtel 5, Fasz. 45/9, Gemeindeberichte Niederösterreich, Bezirk Mistelbach
  3. 335. Niederleis. In: Österreichischer Amtskalender. JUSLINE Österreich GmbH, Wien 2002–.
  4. http://www.statistik.at/blickgem/blick1/g31636.pdf
  5. http://www.niederleis.at/wappen.htm
  6. hg.: Hier wurde „Moos auf den Steinen“ gedreht: Einladung nach Schloß Niederleis. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. April 1970, S. 10.
  7. Niederleis in alten Ansichten als Bildband. In: niederleis.net, 2008, abgerufen am 20. August 2012.