Niedernhausen (Fischbachtal)

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49.7730555555568.8166666666667183Koordinaten: 49° 46′ 23″ N, 8° 49′ 0″ O

Niedernhausen
Gemeinde Fischbachtal
Wappen von Niedernhausen
Höhe: 183 m
Fläche: 4,57 km²
Einwohner: 1307 (30. Jun. 2012)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64405
Vorwahl: 06166

Niedernhausen (mundartlich: Haise)[2] ist mit rund 1.300 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Fischbachtal im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Niedernhausen liegt im Vorderen Odenwald beiderseits des Fischbachs, dessen Tal sich nach Nordosten zur Gersprenzniederung bei Groß-Bieberau öffnet. Im Westen des Ortskerns erhebt sich auf einem steilen bewaldeten Bergkegel Schloss Lichtenberg. Die Gemarkung umfasst 457 Hektar, davon 194 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung mit 347 Meter liegt im Süden auf dem Höhenrücken oberhalb des Walddistrikts Strieth an der Grenze zu Fränkisch-Crumbach.

Der mit Niedernhausen korrespondierende Ort Obernhausen liegt westlich davon in der Gemarkung Lichtenberg, in die er schon früh eingegliedert wurde. Übrig blieb Niedernhausen.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Westen Lichtenberg, im Südwesten Billings, im Süden Nonrod, im Osten Wersau und im Norden Groß-Bieberau.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1256 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Himmelthal [3]. Im 14. und 15. Jahrhundert gehört das Dorf zum Besitz der Grafen von Katzenelnbogen und wechselt mit deren Aussterben in den Besitz der Landgrafschaft Hessen. Er gehört dann zu den folgenden dokumentierten Verwaltungseinheit[4]:

1436 wurde eine St. Jost-Kapelle am südöstlichen Ortsrand (im Wald) erbaut, 1818 wurden deren Überreste abgebrochen. 1890 wurde die heutige evangelische Pfarrkirche im neogotischen Stil erbaut, die „Johannes der Täufer“-Kirche.[4] Das alte Schulhaus wurde 1841 errichtet. Es ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung.

Bis 1839 lagen die Orte Niedernhausen, Billings, Messbach und Nonrod in der gemeinsamen Mark Waldhausen. In demselben Jahr wurde sie in vier Gemarkungen aufgeteilt nach der Zahl der Ortsbürger am Stichtag 16. Juni 1823.

Niedernhausen war fortan eine eigenständige Gemeinde bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit den Gemeinden Steinau, Lichtenberg, Nonrod, Billings und Meßbach zur Gemeinde Fischbachtal am 31. Dezember 1971 im Rahmen der Gebietsreform in Hessen.[5]

Historische Ortsnamen und Einwohnerzahl[Bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt[4]:

  • Husen under Lichtenberg (1347)
  • zwey Husen gelegen under Lichtenberg (1384)
  • Husen, gelegen under Lichtenberg (1388)
  • Haußen under Lichtenperg (1545)
  • Husen inferior (16. Jahrhundert)
  • Hawsen under Liechtenbergk (1568)
  • Haußen under Lichtenberg (1670)
  • Wald-Hausen; jetzt Niedernhausen (1783)

Für den Ort ist die die folgende Einwohnerentwicklung dokumentiert[4]:

  • 1829: 421 Einwohner
  • 1939: 511 Einwohner
  • 1961: 709 Einwohner
  • 1970: 871 Einwohner
Niedernhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
471
1840
  
506
1846
  
555
1852
  
486
1858
  
451
1864
  
511
1871
  
513
1875
  
543
1885
  
533
1895
  
507
1905
  
459
1910
  
468
1925
  
499
1939
  
511
1946
  
792
1950
  
740
1956
  
540
1961
  
709
1967
  
831
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten]

Am 6. Februar 1964 wurde der Gemeinde Niedernhausen im damaligen Landkreis Dieburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Auf blauem Schild eine silberne Kapelle mit roter Tür und roten Fenstern.[6]

Bedeutung

Das Wappen zeigt eine stilisierte Form der ehemaligen St. Jost-Kapelle. Diese wurde aus einem Gerichtssiegel der Mark Waldhausen übernommen.

Das Wappen wurde von Heraldiker Heinz Ritt gestaltet.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Für den überörtlichen Verkehr wird Niedernhausen durch die Landesstraße L 3102 erschlossen, die nördlich des Ortes vor Groß-Bieberau von der L 3106 abzweigt, sich in der Ortsdurchfahrt Darmstädter Straße und Lindenstraße nennt und den oberen Teil des Fischbachtals begleitet. Von dieser Straße zweigen zwei Kreisstraße nach Süden ab: in der Ortsmitte die Nonroder Straße als K 73 und südlich der Ortslage die K 72 nach Meßbach.

Am nordwestlichen Waldrand liegt ein Campingplatz. Dort befindet sich auch das gemeindeeigene Naturschwimmbad „Odenwaldidyll“, dieses ist verpachtet.

Im Ort gibt es die Heuneburg-Grundschule, ein Bürgerhaus und einen Kindergarten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fischbachtal in Zahlen, abgerufen am 13. Februar 2013
  2. Darmstädter Echo, Donnerstag, 18. September 2014, S. 23
  3. Erwähnung bei Geschichte St. Jost
  4. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Niedernhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. September 2012.
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 228
  6. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 6. Februar 1964 (StAnz. S. 254) Seite 2 der tif-Datei 3,8 MB