Niedernjesa

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51.4762472222229.9262168Koordinaten: 51° 28′ 34″ N, 9° 55′ 34″ O

Niedernjesa
Gemeinde Friedland
Höhe: 168 m ü. NN
Fläche: 8,37 km²dep1
Einwohner: 1100
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37133
Vorwahl: 05509

Niedernjesa ist der nördlichste Ortsteil der Gemeinde Friedland in Südniedersachsen. Zu Niedernjesa gehört das Klostergut Reinshof, das seit 1980 als Versuchswirtschaft für Agrarökonomie und Agrartechnik der Georg-August-Universität Göttingen genutzt wird.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Leinegraben bei Göttingen und Niedernjesa.

Der Ort liegt 7 km südlich von Göttingen im Leinetal an einem Fließgewässer sowie in der Nähe der B27 und des Wendebachstauseees.

Wendebachstausee[Bearbeiten]

Zum Schutz vor Hochwasser wurde 1967 oberhalb von Niedernjesa mit dem Bau eines Rückhaltebeckens am Wendebach begonnen, das ab 1970 zu dem Reinshof Versuchsgut der Georg-August-Universität Wendebachstausee ausgebaut wurde. Im Wendebachstausee ist das Schwimmen erlaubt, er ist ein im Sommer stark frequentiertes Naherholungsgebiet. Der Staudamm besitzt eine Länge von 260 m, eine Höhe von 15 m und eine Krone von 5 m Breite. Bei Hochwasser kann der Wendebach auf einer Länge von 2 km, auf einer Breite von 400 m und auf einer Fläche von 28 ha angestaut werden. Die Oberfläche des Stausees liegt dann auf einer Höhe von 180 m über NN, und der Stausee fasst dann 1.520.000 m³ Wasser.

Es wird befürchtet, dass der Staudamm dem Druck der Wassermenge im Stausee bei einem Starkregen nicht standhalten kann und dass die Flutwelle aus dem Stausee dann der Bundesstraße 27 sowie dem Ort Niedernjesa starken Schaden zufügen könnte. Deshalb plante das Land Niedersachsen, den Staudamm zu entfernen, damit statt des Stausees nur zwei Wendebachteiche übrig blieben. Niedersachsens Minister für Umwelt und Klimaschutz Hans-Heinrich Sander entschied aber am 18. August 2010, nur einige Meter der Krone des Staudammes abzutragen und den verbleibenden Staudamm so zu verstärken, dass er dem Druck einer Flutwelle im Wendebach standhalten kann, damit die Bundesstraße 27 und der Ort Niedernjesa nicht durch einen Bruch des Staudammes gefährdet werden können.[1] Hans-Heinrich Sander erklärte am 16. November 2010, dass der Wendebachstausee als Badesee erhalten bleiben soll und dass die Bauarbeiten am Staudamm schon im Jahr 2011 beginnen können.[2] Bei einem Leinehochwasser kann allerdings der tiefliegende Teil von Niedernjesa überschwemmt werden, wie das beispielsweise 1981 geschehen ist.

Anfang Juli 2011 bestätigte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander bei einer Ortsbesichtigung, dass der Wendebachstausee als Naturparadies und Naherholungsgebiet erhalten bleibe und dass der Haushaltsausschuss des Landtages die erforderlichen 5,5 Millionen Euro für den Umbau freigegeben habe. Der See werde entschlammt, und das Land Niedersachsen trage die jährlichen Unterhaltungskosten von immerhin 26 000 Euro. Der 15 Meter hohe Damm werde auf sieben Meter gekappt, und in der Mitte bekomme er eine neue Überlaufrinne, die bei Starkregen so viel Wasser durchlasse, dass der Damm halte, Unterlieger aber nicht gefährdet würden. Mit Planungsphase und Bauzeit könnten allerdings noch dreieinhalb bis vier Jahre vergehen, ergänzte Göttingens Landrat Reinhard Schermann. Sander war sich allerdings „nicht ganz sicher, ob in den 5,5 Millionen auch ein besserer Hochwasserschutz für Niedernjesa mit drin ist“.[3]

Rosdorfer Baggersee[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Klosterkammer Hannover bei Reinshof entstand 1969 im Zuge des Kiesabbaus wenige Meter östlich der Leine der Rosdorfer Baggersee, der 40 Jahre später bereits eine Fläche von 15 ha und eine Wassertiefe von über 40 m aufwies. Er liegt nahe der Nordwestgrenze des Ortsteils Niedernjesa und damit an der nordwestlichen Gemeindegrenze von Friedland, und wird seit den 1970er Jahren als Naherholungsgebiet genutzt, vor allem von der Göttinger und Rosdorfer Bevölkerung. Der Zugang zum See war seit jeher frei und kostenlos, Nacktbaden üblich, Baden und Betreten jedoch offiziell verboten. Die Zahl der Badegäste im Sommer ist sehr hoch, dennoch gibt es keine sanitären Anlagen und keine geregelte Abfallentsorgung. Das Errichten von Zäunen um den See ist nicht zulässig, da der See im Überflutungsgebiet der Leine liegt.

Mehrmals lehnten es sowohl der Landkreis als auch die Gemeinde Friedland mit Hinweis auf das Badeverbot ab, sich der Probleme des Badesees anzunehmen, der wenige 100 Meter südlich der Stadtgrenze Göttingens liegt und der von der Bevölkerung der Gemeinde Friedland einschließlich der von Niedernjesa nur sehr selten genutzt wird.[4] Im August 2013 antwortete Landrat Bernhard Reuter auf eine Anfrage im Kreistag, eine zukünftige Nutzung als Badegewässer sei nicht vorgesehen.[5] Im Juli 2014 weigerte sich der Landkreis, der Forderung des Umweltministeriums Hannover nachzukommen und eine Badewasserqualitätsbewertung zu erstellen, und forderte daraufhin die Gemeinde Friedland auf, das Baden noch einmal explizit per Satzung zu verbieten. Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) betonte im Anschluss mit Nachdruck, dass das Baden im See verboten sei. Dieses Verbot sei einzuhalten.[6]

Klima[Bearbeiten]

Die jährlichen Niederschläge betragen im langjährigen Durchschnitt 645 mm; es fallen vom Mai bis Juli 203 mm und vom Mai bis September 310 mm. Relativ wenig Niederschläge sind recht gleichmäßig verteilt über durchschnittlich 121 Tage. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt im langjährlichen Durchschnitt 8,7 °C, nämlich vom Mai bis Juli 15,3 °C und vom Mai bis September 15,2 °C. Die Periode zwischen erstem und letztem Frost dauert 170 Tage. Die mittlere relative Luftfeuchtigkeit beträgt 77,3 %.

Geschichte[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ortsname Niedernjesa ist als in Minori Jese um 1269 erstmals schriftlich erwähnt, nachdem schon seit 1022 eine Ortschaft Gese/Jese/Iese verzeichnet ist, die aber noch nicht in Obern- und Niedern- unterschieden ist. Nennungen: von Gese in den Jahren 1022, 1142, 1168, 1197, von Jese in dem Jahr 1100 und von Yese in dem Jahr 1189.[7]

Die Herleitung des Namensteils "Jesa" ist nicht ganz eindeutig: Aus der Wurzel jesan (gären, schäumen) könnte ein Teilabschnittsname der Leine entstanden sein, der sich auf die Ortschaften Niedernjesa und Obernjesa übertragen hat, selbst aber vom älteren und bedeutenderen Hauptnamen "Leine" wieder verdrängt wurde und in Vergessenheit geraten ist.[8]

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Thie in Niedernjesa

Das Alter des Ortes Niedernjesa ist nicht bekannt. Erstmals schriftlich erwähnt wird Niedernjesa im Jahre 1269, die manchmal angeführte Erwähnung aus dem Jahre 1022 in einer gefälschten Urkunde angeblich Heinrichs II. könnte sich auch auf Obernjesa beziehen, da keine nähere Bestimmung angegeben ist.[8] Niedernjesa war 1448 ein unmittelbares Amtsdorf des Amtes Friedland in der im 13. Jahrhundert entstandenen Burg Friedland.

Gutshof[Bearbeiten]

Das Klostergut Reinshof wurde als Vorwerk des Augustinerinnenklosters in Weende gebaut und von 1890 bis 1980 als Klostergut bewirtschaftet. Das Klostergut Reinshof war 1448 ein mittelbares Amtsdorf des Amtes Friedland. Mittelbare Amtsdörfer waren adelige und klösterliche Amtsdörfer. 1852 kam der Reinshof vom Amt Friedland zum Amt Göttingen. Nach der preußischen Annexion Hannovers im Jahr 1866 gehörte das Amt Göttingen zu dem neugegründeten Kreis Göttingen. Am 1. April 1885 wurde das Amt Göttingen aufgelöst; es ging im Landkreis Göttingen auf. Der Landkreis Göttingen wurde aus den Ämtern Göttingen und Reinhausen gebildet. Der Reinshof blieb ein selbständiger Gutsbezirk im Landkreis Göttingen. Durch Gesetz vom 27. Deuember 1927 wurde der bis dahin selbständige Gutsbezirk Reinshof aufgehoben und mit der Gemeinde Niedernjesa vereinigt. Im Jahr 1980 verpachtete die Klosterkammer Hannover das Klostergut Reinshof an die Georg-August-Universität Göttingen, die es seitdem als Versuchswirtschaft für Agrarökonomie und Agrartechnik nutzt.

Ein Bauer steht um 1910 auf der Leinebrücke vor seinem Bauernhaus auf der Insel

Niedernjesa erhielt 1867 eine Anbindung an die Eisenbahnlinie Heiligenstadt–Arenshausen–Friedland–Göttingen. Die gleichmäßig lockere Bebauungsstruktur des 19. Jahrhunderts ohne erkennbaren Ortskern hat sich bis auf Ortserweiterungen im Norden und vor allem im Südosten des Ortes weitgehend erhalten.[9]

Am 1. Januar 1973 wurde Niedernjesa in die Gemeinde Friedland eingegliedert.[10]

Politik[Bearbeiten]

Ortsratswahl 2011[11]
Wahlbeteiligung: 63.33 %
 %
50
40
30
20
10
0
47,88 %
33,56 %
18,56 %

Ortsrat[Bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • SPD: 4 Sitze
  • Wählergemeinschaft Niedernjesa: 2 Sitze
  • Grüne: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Ortswappen[Bearbeiten]

Das blaue Schild zeigt von links unten nach rechts oben einen weiß-silberglänzenden Fluss (Bach). Seitlich des Flusses ist links oben ein weiß-silberner Flügel und rechts unten ein weiß-silberner Fisch dargestellt. Der Fluss nimmt Bezug auf den Ortsnamen, in dem die Silben -jesa auf schnell fließendes Wasser hinweisen.

Kultur und Sehenswürdigkeit[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Blick vom Westen auf Kirche und Dorf

Das Dorf wird von der evangelischen Kirche St. Laurentius mit ihrem über 900 Jahre alten Kirchturm überragt. Sein Kirchturm diente möglicherweise einer ehemaligen Klosteranlage[12] als Wehrturm, da er von einem Wallgraben umgeben war, der noch im Jahr 1917 in den Gärten der Familien Hinterthür und Herborg zu erkennen war[13] . Das verputzte Kirchenschiff mit sparsamer Gliederung wurde 1855 von Otto Praël entworfen und westlich an den bestehenden Kirchturm angebaut.[9]

Vereine[Bearbeiten]

  • Gesangsvereine
  • Freiwillige Feuerwehr

Quellen[Bearbeiten]

  1. Göttinger Tageblatt vom 18. August 2010
  2. Göttinger Tageblatt vom 17. November 2010
  3. Göttinger Tageblatt vom 8. Juli 2011
  4. goettinger stadtinfo "Baggersee"
  5. Landkreis Göttingen - Kiesabbau im Kieswerk Rosdorf (Anfrage Die Linke und Antwort Verwaltung)
  6. Göttinger Tageblatt vom 20. Juli 2014
  7. K. Janicke: Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe I, 370. Leipzig 1896. Zitiert nach: Förstemann: Altdt. Namenbuch, 2 Bd, Band 2,1. A-K., Nachdruck der 3. Aufl. von 1913, Sp. 1040 unter Ges, Gese.
  8. a b  Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil IV, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 225ff.
  9. a b  Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 2. Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. 5.3, CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 236f.
  10.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 208.
  11. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152009_000036/index.html
  12. Im Urkundenbuch des Hochstiftes Hildesheim heißt es in der Stiftungsurkunde auf Seite 63 im Band 1 in Zeile 25-27: 67 Bischof Bernward (993 - 1022) bezeugt, dass er zu Ehren des heiligen Michael außerhalb der Stadtmauer ein Kloster gestiftet und dasselbe dotiert habe. Hildesheim 1022 Nov 1. Weitere urkundliche Angaben zum Kloster finden sich hier: Arbeitsgruppe Dorfchronik der Ortschaft Niedernjesa (Hrsg.): Unser Dorf. Niedernjesa gestern und heute. Selbstverlag 1992. Seite 5.
  13. Quelle: Aus der Heimat Heft 11, August 1917. Zitiert nach: Arbeitsgruppe Dorfchronik der Ortschaft Niedernjesa (Hrsg.): Unser Dorf. Niedernjesa gestern und heute. Selbstverlag 1992. Seite 136-138.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Dorfchronik der Ortschaft Niedernjesa (Hrsg.): Unser Dorf. Niedernjesa gestern und heute. Selbstverlag 1992.
  • Th. Saile: Eine spätneolithische Siedlung beim Reinshof im Leinegraben (Gde. Friedland, Ldkr. Göttingen). In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte Bd. 66(01)/1997 Seite 157ff. Theiss 1997.
  • Gerhard Pfister: Der monetäre Wert einer Landschaftsveränderung am Beispiel der Aufforstung einer landwirtschaftlichen Fläche. In: Forst und Holz. Fachzeitschrift für Forstwirtschaft, Waldökologie, Holzwirtschaft, Umwelt- und Jagdmanagement. Schaper, Alfeld (Leine). Jg. 46 (1991) S. 465-467. ISSN 0932-9315.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niedernjesa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien