Niedersachswerfen

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51.55055555555610.766944444444213Koordinaten: 51° 33′ 2″ N, 10° 46′ 1″ O

Niedersachswerfen
Landgemeinde Harztor
Wappen des Ortsteils Niedersachswerfen
Höhe: 213 m ü. NHN
Fläche: 11,79 km²
Einwohner: 3257 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Januar 2012
Postleitzahl: 99768
Vorwahlen: 036331, 03631
Niedersachswerfen (Thüringen)
Niedersachswerfen

Lage von Niedersachswerfen in Thüringen

Ev. Kirche St. Johannis-Pauli in Niedersachswerfen

Ev. Kirche St. Johannis-Pauli in Niedersachswerfen

Niedersachswerfen ist ein Ortsteil der Landgemeinde Harztor im Landkreis Nordhausen im Freistaat Thüringen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Niedersachswerfen liegt im Süden des Harztorer Gemeindegebietes zwischen Nordhausen im Süden und Ilfeld im Norden, nordwestlich der Rüdigsdorfer Schweiz, einem Teil der Gipskarstlandschaft des Südharzes. Durchflossen wird Niedersachswerfen von der Zorge und der Bere.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach lokaler Überlieferung markiert der Ortsname Sachswerfen die südliche Grenze des Gebietes, welches nach dem Sieg über das Königreich der Thüringer im Jahre 531 von den Sachsen eingenommen wurde.[1] Die um Niedersachswerfen gelegenen Anhöhen – der Kohnstein und Mühlberg waren durch ihre natürlichen Gegebenheiten bereits in frühgeschichtlicher Zeit als Siedlungsplatz willkommen und wurden durch den Aufbau von Befestigungsanlagen gesichert.[2][3]

Im 16. Jahrhundert wurde der Ort von einem als „Mortbrenner“ erwähnten Brandstifter, den man im Juli 1537 auf dem Scheiterhaufen in Wernigerode verbrannte, in Schutt und Asche gelegt. Während des Siebenjährigen Krieges musste Niedersachswerfen 1757 eine etwa 2500 Mann starke französische Besatzung versorgen, diese war nach der verlorenen Schlacht von Roßbach in das Gebiet Südharz – Eichsfeld zurückverlegt worden.[1]

Im 20. Jahrhundert befand sich südwestlich von Niedersachswerfen das KZ Mittelbau-Dora, in dessen überwiegend unterirdischen Anlagen Zwangsarbeiter Waffen (V2 / A4-Rakete) produzieren mussten. Im Ort selber mussten Frauen und Männer aus Polen im Gipswerk Probst und auf Baustellen am Mühlberg Zwangsarbeit verrichten. Zwischen 300–700 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern mussten für die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft (Wifo) und die Leunawerke (Ammoniakwerk Merseburg) Zwangsarbeit bei der Errichtung von Stollen für ein Treibstofflager der Wehrmacht leisten.[4]

Am 1. Januar 2012 schloss sich Niedersachswerfen mit dem Nachbarort Ilfeld zur Landgemeinde Harztor zusammen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand: 2010):

  • 1994: 3610
  • 1995: 3540
  • 1996: 3541
  • 1997: 3541
  • 1998: 3493
  • 1999: 3476
  • 2000: 3487
  • 2001: 3470
  • 2002: 3407
  • 2003: 3354
  • 2004: 3349
  • 2005: 3323
  • 2006: 3281
  • 2007: 3286
  • 2008: 3241
  • 2009: 3258
  • 2010: 3257
  • 2011: 3241

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wallburg Kohnstein (abgetragen)[Bearbeiten]

Seit der Jungsteinzeit siedelten Menschen im Tal der Zorge und nutzten den Kohnstein mit seinen steil zum Tal abfallenden Hängen als natürlich geschützten Platz. In der Hallstattzeit wurde auf der Hochfläche mit dem Bau einer Wallburg begonnen, doch noch vor der Fertigstellung wurde die Anlage durch Feuer zerstört. Weil der Kohnstein geologisch aus Anhydrit besteht und dieses Gestein einen hohen Wert für die Bau- und Grundstoffindustrie besitzt, wurde bereits vor Jahrhunderten mit dem Abbau des Gesteins an der Nordostseite des Berges begonnen. Inzwischen hat der Tagebaubetrieb die Fläche der einstigen Wallburg restlos abgetragen.[2]

Faciusgraben[Bearbeiten]

Eine weitere, in Fragmenten erhaltene Wallburg wird als Faciusgraben bezeichnet. Er befindet sich auf dem nördlich des Kohnstein gelegenen Mühlberg. Der Name soll sich auf einen römischen Feldherren beziehen, welcher dort begraben liege.

Riesenhaupt[Bearbeiten]

Das Riesenhaupt in Niedersachswerfen (51° 32′ 52″ N, 10° 46′ 5″ O51.54776388888910.768027777778) ist ein geschütztes Bodendenkmal. Es handelt sich hierbei um einen ovalen, 26 × 38 Meter in der Ausdehnung messenden und bis zu vier Meter hohen, künstlich aufgeschütteten Erdhügel. Noch im Spätmittelalter diente er als Gerichtsplatz. Ursprünglich soll sich auf der Anhöhe ein steinerner Wehrturm befunden haben, damit entspricht dieses Bauwerk dem Burgentyp einer Hochmotte.[2]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der SV Hannovera Niedersachswerfen konnte 2011 auf 100 Jahre Fußballgeschichte zurückblicken. Am 14. Juni 1911 gegründet nahm der Verein noch im selben Jahr den Spielbetrieb auf einem Sportplatz „Am Zoll“ auf. Später, nach dem Ersten Weltkrieg, ab ca. 1922 wurde auf dem in Eigenleistung angelegten Sportplatz „Am Hegerasen“ gespielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden mit der Bildung Volkseigener Betriebe parallel dazu Betriebssportgemeinschaften. Trägerbetrieb des Vereins waren nun die VEB Leuna Werke. Der SV Hannovera wurde zur „BSG Chemie Niedersachswerfen“, und spielte auf einem neuen Sportplatz „Am Kupferhammer“. Unter dem Namen „BSG Chemie Niedersachswerfen“ spielte man bis 1990. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands spielt der Verein wieder unter dem Namen seiner Gründung.

Letzte große Erfolge waren der Kreispokalsieg und die Kreismeisterschaft Ende der 1990er Jahre.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 48.1 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,4 %
24,5 %
12,2 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • CDU: 10 Sitze (63,4 %)
  • SPD: 4 Sitze (24,5 %)
  • Die Linke: 2 Sitze (12,2 %)

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Am 27. Februar 1997 erhielt die damalige Gemeinde Niedersachswerfen die Genehmigung zur Führung eines Wappen und einer Flagge. Der Wappenentwurf stammt von Frank Jung.

Wappenbeschreibung
„In Gold ein grüner Dreiberg, darauf eine grüne Linde, rechts beseitet von einem grünen, sechsspeichigen Rad, links beseitet von einem grünen Mühlrad, der Dreiberg belegt mit einer goldenen, auf der Spitze stehenden Pflugschar.“
Flaggenbeschreibung
„Die Flagge von Niedersachswerfen ist grün-gelb gespalten und trägt das Gemeindewappen.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Haltepunkt Niedersachswerfen Ost' der HSB

Niedersachswerfen liegt an der Bundesstraße 4 und besitzt zwei Haltepunkte der Eisenbahn, einen an der Südharzstrecke von Nordhausen nach Ellrich (Niedersachswerfen), und einen an der Linie der Harzquerbahn (Niedersachswerfen Ost). Die Harzquerbahn wird von den Harzer Schmalspurbahnen betrieben. Die Fahrzeit nach Nordhausen liegt mit den Zügen der HSB bei 18 Minuten (2003). Des Weiteren befinden sich entlang der HSB-Strecke noch zwei (Bedarfs-)Haltepunkte: Niedersachswerfen Herkulesmarkt und Niedersachswerfen Ilfelder Straße. Täglich fährt ein Dampfzug (10:25 Uhr) zum Brocken. Die Fahrzeit nach Nordhausen mit der Deutschen Bahn beträgt lediglich 6 Minuten (2006). Weiterhin verkehren täglich Regionalbahnen nach Ellrich, Northeim, Göttingen und Braunschweig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Johannis-Pauli gehört zum Kirchenkreis Südharz.

1946 wurde die katholische Pfarrvikarie Niedersachswerfen gegründet, weil der zum Bistum Hildesheim gehörende Ort durch die Errichtung der Zonengrenze vom Bistum Hildesheim abgeschnitten wurde. 1952 wurde das Grundstück eines Sägewerks erworben und zunächst im Wohnhaus eine Kapelle eingerichtet. In der Baracke des Sägewerkes wurde die Kirche St. Johannes Nepomuk eingerichtet und am 29. Mai 1975 eingeweiht, die Kapelle im Wohnhaus wurde zu einem Gruppenraum umfunktioniert. Während der DDR war die Kirche dem Apostolischen Administrator von Erfurt und Meiningen unterstellt, heute gehört sie zur Pfarrgemeinde Nordhausen und zum Bistum Erfurt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Als Zeugnisse eines derben Volkshumors bildeten sich bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach wurde der Ort auch „Arreehausen“ benannt – eine Anspielung auf die Franzosenzeit 1757, als über Monate der Zugang in das Dorf durch die französischen Posten mit ihrem Befehl „Arrez!“ (Halt! – Stehenbleiben!) verweigert wurde.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niedersachswerfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hilmar Römer: Niedersachswerfen – Versuch einer Namensdeutung. In: Meyenburg-Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 11, Nordhausen 1986, S. 40–42.
  2. a b c  Hilmar Römer: Bodendenkmale in und Niedersachswerfen. In: Meyenburg-Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 12, Nordhausen 1987, S. 32.
  3.  Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 98, 161.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 191 f., ISBN 3-88864-343-0