Niederschöna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.962513.422222222222348Koordinaten: 50° 57′ 45″ N, 13° 25′ 20″ O

Niederschöna
Gemeinde Halsbrücke
Ortssiegel
Höhe: 348 m ü. NN
Einwohner: 2073 (30. Apr. 2005)
Eingemeindung: 1. Januar 2006
Postleitzahl: 09600
Vorwahl: 035209

Niederschöna ist ein Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Verkehr [Bearbeiten]

Der Ortsteil liegt am Rande des Tharandter Waldes im Tal des Rodelandbaches, einem rechtsseitigem Nebenfluss der Bobritzsch, zirka acht Kilometer nördlich der Kreisstadt Freiberg. Durch den Ort führt die Bundesstraße 173 von Freiberg nach Dresden. Zudem ist der Ort an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angeschlossen.

Ortskern
Niederschöna mit Sicht auf Falkenberg, Conradsdorf und die „Hohe Esse“ Halsbrücke
Blick von der ehemaligen Bahnstrecke nach Niederschöna
Niederschöna (aus Sachsens Kirchengalerie 1838)
Sühnekreuz am alten Friedhof
Ehemaliger Sandsteinbruch am Forsthaus
Tafel am ehemaligen Sandsteinbruch
Von der Oberen Dorfstraße in den Tharandter Wald

Geschichte [Bearbeiten]

In den Jahren 1228–1230 wird Niederschöna als landesherrliches Dorf, verlehnt an die Familie von Mergenthal, erstmals erwähnt. Der Ortsname leitet sich von der niederen schönen Aue ab (1364 Schonaw, 1427 Neder Schona, 1691 Niederschöna). Um 1350 als Allodium Schonaw erwähnt, gehörte das Waldhufendorf 1378 zum castrum Tharandt. Landesherrliche Verwaltungsbezirke waren danach 1696 das Erbamt Meißen, 1843 das Amt Freiberg, 1856 das Gerichtsamt Freiberg und nach Trennung von Justiz und Verwaltung 1875 die Amtshauptmannschaft Freiberg. Die Grundherrschaft lag zwischen 1551 und 1764 beim Rittergut Krummenhennersdorf.

Das Erbgericht Niederschöna wird 1447 erwähnt, als der Freiberger Rat sich gegen das seiner Meinung nach unberechtigtes Brauen und Mälzen der Niederschönaer Erbrichter wandte. Das Erbgericht befand sich in des Dorfes Mitte, war zugleich ein starker Gasthof und besaß einen kleinen Steinbruch. Durch den Hof des Erbgerichts führte die Chaussee, ein bis ins 19. Jahrhundert von Freiberg nach Dresden auf der Spur eines älteren Hufenweges folgender Fahrweg, der als Poststraße diente.[1]

Die zur Grundschule umgebaute ehemalige Mittelschule wurde am 7. August 2009 eingeweiht. Das Schulgebäude stammt aus dem Jahre 1888. Die alte Schule, 1819 errichtet (heute Wohnhaus), mit der Kirche und dem Pfarrgehöft, stellen ein wirkungsvolles Bauensemble dar.

Das Herrenhaus (Wiesenweg 7) des früheren Freigutes Niederschöna, wurde 1910 umgebaut und 1946 in ein Kurheim für Tbk-Kranke umfunktioniert. Etwa ab Ende der 1960er Jahre wurde es als Pflegeheim für ältere Bürger genutzt. Gegenwärtig sind nur noch die Anbauten des einst stattlichen Herrenhauses vorhanden.

In der Nähe der Kirche, am alten Friedhof unmittelbar vor der Pfarrhofscheune, befindet sich ein Sandsteinkreuz mit eingeritztem Schwert. Das Steinkreuz ist ein Sühne- oder Mordkreuz und gilt als das ältestes Zeugnis vor der Ortsgründung. Ein weiteres Steinkreuz befindet sich in einem Privatgrundstück auf dem „Krähenhübel“ nördlich des ehemaligen Sandsteinbruchs. Dieses Steinkreuz ist wie ein Malteserkreuz geformt und hat keine Einritzung. Es wurde auf einem Feldrain gefunden und soll früher auf einem Grab eines 1813 von Franzosen erschossenen Fleischermeister gestanden haben.

An einem Wirtschaftsweg der Agrargenossenschaft neben der „Schumann-Linde“ erinnert ein 1913 errichtetes Fliegerdenkmal an den Absturz eines Militärflugzeuges vom Typ Albatros-Farman-Doppeldecker am 21. September 1912, wobei die beiden Offiziere den Tod fanden.

Seit Ortsgründung wird das Dorf durch die Landwirtschaft geprägt. Etliche Bauernhöfe und Häuser sind noch in Fachwerkbauweise vorhanden.

Neben der Landwirtschaft war der Bergbau in früherer Zeit eine bedeutende Erwerbsquelle. Die 1704 entstandene Grube König-August-Erbstolln war das bedeutendste Bergbauunternehmen Niederschönas. Ein Höhepunkt im Bestehen dieser Grube war der Besuch des russischen Zaren Peter I. im Jahre 1711. Der Grubenbetrieb wurde 1715 wegen Unbauwürdigkeit der Erzgänge auf der Falkenberger Talseite weiter betrieben.

In Niederschöna arbeiteten einst zwei Mühlen, die „Obermühle“ bis etwa 1890 und die „Niedere Mühle“ bis etwa 1975.

Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Otto Buchwitz“ Niederschöna wurde 1952 gegründet. Aus dieser ist die Agrargenossenschaft Niederschöna e.G. mit den Bereichen Pflanzenproduktion, Tierprodoktion und der im Dezember 2002 in Betrieb genommenen Biogasanlage hervorgegangen. Die Biogasanlage erzeugt 330 Kilowatt elektrische Leistung und hat einen Gasspeicher von 900 Kubikmeter. Einsatzstoffe sind Gülle und Silomais.[2]

Zwischen 1923 und 1971 besaß der Ort einen Haltepunkt an der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf. An die Kleinbahnlinie, heute Wander- und Radweg, erinnern Wasserhaus und Wasserkran.

Die im November 2011 fertiggestellte OPAL-Pipeline verläuft von der Anlandung bei Lubmin bis nach Olbernhau im Erzgebirge. Im Abschnittsbereich Niederschöna befand sich 2009/2010 das Rohrlager. Hier war auch eine Biegemaschine im Einsatz, mit der die Rohrstücke dem hügeligen Gelände angepasst wurden.

Kirche Niederschöna [Bearbeiten]

Das genaue Alter der Sankt-Annen-Kirche ist nicht bekannt. Ein Ritter, der im dritten Kreuzzug mit Kaiser Rotbart (Friedrich I. Barbarossa) ritt, soll ein Gelübde für glückliche Heimkehr mit der Erbauung der Kirche eingelöst haben.[3] Da die erste urkundliche Erwähnung Niederschönas später erfolgte, kann diese Gründungsgeschichte wohl nur zu den Legenden zählen.

Die heutige barocke Gestalt der Kirche mit Dachreiter und flachgedecktem Rechtecksaal mit doppelten Emporen entspricht dem Umbau von 1716. Zur älteren Bausubstanz, um 1600 datiert, gehören die gefasten Rundbogentürgewände im Chorbereich. Der Kanzelaltar gehört vielleicht noch ins 18. Jahrhundert. Der große Taufstein zeigt eine spätgotische Ornamentik. Zur besonderen Ausstattung der Kirche zählt die einmanualige Orgel des sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann aus dem Jahre 1716. Von 2000 bis 2007 wurde die Kirche saniert.

Niederschönaer Sandstein [Bearbeiten]

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Einwohner Niederschönaus war der Abbau von Sandstein in mehreren Steinbrüchen auf dem Gemeindegebiet und im Tharandter Wald. Aus dem Niederschönaer Sandstein wurden viele Architekturteile für Gebäude im Raum Freiberg hergestellt. Die Freiberger Postmeilensäule besteht ebenfalls aus diesem Gestein. Im Jahre 1915 wurde der Betrieb eingestellt. Von den zahlreichen ehemaligen Sandsteinbrüchen in und bei Niederschöna ist der am Forsthaus gelegene am besten erhalten. Die Funde prähistorischer Pflanzen in den Tonsteinlagen der nach dieser Typlokalität benannten Niederschönaer Schichten (modern Niederschöna-Formation) sind durch Hanns Bruno Geinitz in die Geologiegeschichte eingegangenen und haben auf geowissenschaftlichem Gebiet internationale Beachtung erlangt. Hier liegen Sandstein, Tonstein sowie Schluffstein und an der Schichtenbasis paläogeographische Flussschotter in Wechsellagerung übereinander. Die Schotter sind Relikte eines prähistorischen Flusslaufes. Einzelne Sandsteinschichten dieser Sedimentabfolge wurden von Häntzschel (1934) als Dünensandstein erklärt. Obere Schichten sind jedoch schon marinen Ursprungs (Glaukonitgehalte, Kriechspuren von Lebewesen), weisen ein marines Basalkonglomerat auf und in den darüber liegenden Schichten der Oberhäslich-Formation sowie der Dölzschen-Formation befindet sich kompakter Sandstein als Meeresablagerung. Es wird auf Grund dieser Merkmale eine spätere Flussmündung angenommen, die sich bis zur küstennahen Flachmeerzone entwickelte. Schwankendes Vordringen des Meeres und eben solches Zurückweichen im Zusammenspiel mit einem prähistorischen welligen Gelände hinterließen einen komplizierten Schichtenaufbau in der Sedimentabfolge zwischen Grillenburg und Niederschöna. Für das Verständnis paläogeographischer Zusammenhänge kreidezeitlicher Ablagerungen im Raum Dresden sind diese geologischen Aufschlüsse und spätere Forschungsbohrungen innerhalb der Wissenschaftsgeschichte Sachsens von herausgehobener Bedeutung.[4][5]

Entwicklung der Einwohnerzahl [Bearbeiten]

1551: 52 besessene Mann und 109 Inwohner

1764: 35 besessene Mann, 23 Gärtner, 22 Häusler auf 31 Hufen je 16-18 Scheffel.[6]

Stand jeweils 31. Dezember :

1834 bis 1946

  • 1834 : 818
  • 1871 : 1027
  • 1890 : 999
  • 1910 : 953
  • 1925 : 926
  • 1939 : 879
  • 1946 : 1167

1950 bis 2004

  • 1950 : 1525
  • 1964 : 1367
  • 1990 : 1140
  • 1998 : 2103
  • 2000 : 2105
  • 2002 : 2137
  • 2004 : 2073

1950 wurde Oberschaar mit Haida nach Niederschöna eingemeindet. Ab 25. Juli 1952 gehörte die Gemeinde zum Kreis Freiberg. 1994 erfolgte der Zusammenschluss mit Hetzdorf zu Landgemeinde Niederschöna im Landkreis Freiberg. Zum 1. Januar 2006 erfolgte die Eingemeindung nach Halsbrücke[7], weil die Gemeinde mit 8,2 Millionen Euro verschuldet und nicht mehr handlungsfähig war.

Literatur [Bearbeiten]

  • Niederschöna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band, Zwickau 1820, S. 321.
  • Gerhard Platz: Goldene Tage, Bilder aus der Freiberger Bergbaugegend. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933.
  • Freiberger Land. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1988 (Werte unserer Heimat. Band 47).
  • Christine Zimmermann: Niederschöna – Geschichte(n) zwischen Tharandter Wald und Bobritzschtal, Hrsg. Gemeinde Halsbrücke, 1. Auflage 2009.
  • Richard Steche: Niederschöna. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 112.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Vgl. Niederschöna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band, Zwickau 1820, S. 321.
  2. Vgl. Agrargenossenschaft Niederschöna (darin auch die Biogasanlage)
  3. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933, Seite 328
  4. W. Pälchen (Hrsg.)/ H. Walter (Hrsg.): Geologie von Sachsen. Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. Stuttgart 2008. S. 317-319 ISBN 978-3-510-65239-6
  5. Frank Haubrich, Mareike Eberlein:Der Tharandter Wald als Sinnbild der Geologie von Sachsen. Exkursionsführer zur Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. 2007
  6. Vgl. Niederschöna im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006