Niederwil AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Niederwilf zu vermeiden.
Niederwil
Wappen von Niederwil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4072i1f3f4
Postleitzahl: 5524
Koordinaten: 664838 / 24810147.3805498.297231405Koordinaten: 47° 22′ 50″ N, 8° 17′ 50″ O; CH1903: 664838 / 248101
Höhe: 405 m ü. M.
Fläche: 6.15 km²
Einwohner: 2537 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 413 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 14,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.niederwil.ch
Niederwil

Niederwil

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Niederwil (schweizerdeutsch: ˌnɪdərˈʋil)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau und gehört zum Bezirk Bremgarten. Die Gemeinde besteht aus den drei Ortsteilen Niederwil, Nesselnbach und Gnadenthal. 1901 wurde Nesselnbach (das zusammen mit Gnadenthal eine eigenständige Gemeinde bildete) mit Niederwil fusioniert.

Die Gemeinde wurde vor 1890 zur Abgrenzung von Niederwil (Zofingen) (dem heutigen Rothrist) auch Niederwil (Bremgarten) genannt.

Geographie[Bearbeiten]

Der östliche Teil der Gemeinde liegt in einer langgezogenen Ebene am linken Ufer der Reuss. Die Hauptsiedlung Niederwil befindet sich nahe der südlichen Gemeindegrenze, rund einen halben Kilometer vom Fluss entfernt, und ist fast mit dem benachbarten Fischbach-Göslikon zusammengewachsen. Rund anderthalb Kilometer nördlich von Niederwil liegt der etwa halb so grosse Ortsteil Nesselnbach (505 m ü. M.). Nochmals einen Kilometer in ostnordöstlicher Richtung liegt an einer Flussbiegung der Reuss das ehemalige Kloster Gnadenthal. Der Wagenrain, ein Höhenzug zwischen Reusstal und Bünztal, bedeckt den westlichen Teil der Gemeinde. Unmittelbar beim Grossmooshau-Hügel an der südwestlichen Gemeindegrenze liegt inmitten des Waldes das Rütermoos, ein Sumpfgebiet. Westlich von Niederwil ist das Gefälle eher flach und wird in Richtung Nesselnbach steiler.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 615 Hektaren, davon sind 183 Hektaren mit Wald bedeckt und 92 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 505 m ü. M. im Grossmooshau, der tiefste auf 350 m ü. M.an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Stetten im Norden, Künten im Osten, Fischbach-Göslikon im Südosten, Wohlen im Süden, Hägglingen im Westen und Tägerig im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Funde deuten darauf hin, dass die Gegend um Niederwil bereits während der Jungsteinzeit besiedelt war. Es wurden auch mehrere Grabhügel aus der Bronzezeit entdeckt und wissenschaftlich untersucht. Zur Zeit der Römer befand sich im heutigen Dorfzentrum ein Gutshof, bestehend aus einem Haupthaus und bis zu zwanzig Nebengebäuden. Diese Anlage wurde um das Jahr 350 n. Chr. bei einem Raubzug der Alamannen zerstört. Rund 300 Jahre lang war das Gebiet unbewohnt, bis sich die Alamannen endgültig ansiedelten. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 893. In einer Klageschrift des Fraumünsters in Zürich wurde vermerkt, in welchen Orten abgabepflichtige Personen lebten und wie sich diese ihrer Abgabepflicht illegalerweise entzogen hatten. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Wilari und bedeutet «Hofsiedlung», der differenzierende Zusatz ist erstmals im 14. Jahrhundert nachweisbar.[3]

Römisch-katholische Kirche

Grösster Lehnsherr von Niederwil war das Kloster Gnadenthal unweit des Dorfes. Der Frauenkonvent entstand 1275, gehörte seit 1394 zum Zisterzienserorden und war eng mit dem Kloster Wettingen verbunden. Die Habsburger übten die hohe Gerichtsbarkeit aus. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Niederwil war Hauptort eines Amtes in den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. 1529 traten sämtliche Einwohner zur Reformation über, mussten aber zwei Jahre später nach dem Zweiten Kappelerkrieg wieder den Katholizismus annehmen.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Die Niederwiler wehrten sich zuerst gegen die neue Ordnung. Am 26. April 1798 wurden bei einem Gefecht etwa ein Dutzend Dorfbewohner getötet und der Widerstand brach zusammen. Das Dorf gehörte nun endgültig zum Kanton Baden. 1803 kam Niederwil zum neu geschaffenen Kanton Aargau. Durch die Handels- und Gewerbefreiheit begünstigt, verdoppelte sich innerhalb von 30 Jahren die Anzahl der Häuser, die Einwohnerzahl stieg von 600 auf 900. Da aber keine neuen Verdienstmöglichkeiten entstanden waren, verarmten viele Dorfbewohner. Viele von ihnen wanderten nach 1850 nach Übersee aus.

Nachdem das Kloster Gnadenthal bereits von 1841 bis 1843 infolge des Aargauer Klosterstreits geschlossen gewesen war, wurde es 1876 während des Kulturkampfes durch einen Beschluss des Aargauer Grossen Rates endgültig aufgehoben. Einige Jahre dienten die Räumlichkeiten als Tabakfabrik, seit 1894 ist dort ein Pflegeheim eingerichtet. Am 1. Januar 1901 wurde die Gemeinde Nesselnbach gegen ihren Willen mit Niederwil fusioniert. Bis 1960 stieg die Einwohnerzahl nur sehr leicht an. Danach folgte, wie in vielen Gemeinden des Bezirks Bremgarten, ein regelrechter Bauboom, begünstigt durch die Nähe zur Stadt Zürich. Allein zwischen 1985 und 1990 zogen mehr als 500 neue Einwohner nach Niederwil.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die überlieferte Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Martin reicht bis ins Jahr 1045 zurück, die Kirche entstand über den Ruinen des römischen Gutshofes. 1690/91 erfolgte ein vollständiger Neubau als ländlich-barocke Saalkirche. Markantestes äusseres Merkmal ist der Zwiebelturm. Ältester Profanbau des Dorfes ist die 1571 erbaute Alte Mühle, ein gedrungener Mauerbau mit Satteldach.[5]

Sehenswert ist das an der Reuss gelegene ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal, mit spätbarocker Kirche und Kreuzgang. Dem Kloster angegliedert ist ein Pflegeheim, das auch einen kleinen Tierpark besitzt.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Durch rot-weiss geschachteten Balken geteilt von Rot mit zwei weissen Schrägbalken und von Grün mit weissem Fluss.» Das heute verwendete Wappen wurde 1953 eingeführt und besteht aus drei Teilen. Im oberen Drittel symbolisieren die roten und weissen Schrägbalken die Herren von Wil, ein Adelsgeschlecht, das im Mittelalter in Niederwil Lehnsherr war. Im mittleren Drittel ist ein rot-weiss karierter Stab zu sehen. Er symbolisiert den Zisterzienserorden, zu dem das Kloster Gnadenthal einst gehörte. Das untere Drittel zeigt einen Bach, der durch ein grünes Feld fliesst. Dieses Symbol steht für Nesselnbach.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 978 801 939 1102 1192 1484 1631 2131 2471 2367

Am 31. Dezember 2013 lebten 2537 Menschen in Niederwil, der Ausländeranteil betrug 14,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 59,9 % römisch-katholisch, 26,8 % reformiert und 3.4 % moslemisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 92,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,0 % Albanisch, 1,9 % Italienisch, 0,7 % Serbokroatisch, je 0,6 % Französisch und Englisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für Fischbach-Göslikon, Hägglingen und Tägerig zuständig ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Niederwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 950 Arbeitsplätze, davon 8 % in der Landwirtschaft, 28 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungssektor.[10] Vorherrschend sind kleine und mittlere Unternehmen. Die meisten erwerbstätigen Einwohner sind Wegpendler, die in der näheren Umgebung (Wohlen, Bremgarten) oder in der Agglomeration Zürich arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten]

Niederwil liegt am Schnittpunkt zweier Hauptstrassen, von Wohlen nach Baden sowie von Bremgarten nach Brugg. Der Durchgangsverkehr in Süd-Nord-Richtung wird am Dorf vorbei geführt. Bei Gnadenthal führt eine Brücke über die Reuss; das 1909 erbaute, einspurig befahrbare Bauwerk wird in den nächsten Jahren ersetzt.[11] Niederwil und Nesselnbach werden durch zwei Postautolinien an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden, von Wohlen über Stetten nach Mellingen sowie von Bremgarten über Mellingen nach Baden.

Bildung[Bearbeiten]

Niederwil bietet folgende Schulstufen an: Kindergarten, Primarschule, Realschule und Sekundarschule. Die Bezirksschule kann in Wohlen, Bremgarten oder Mellingen besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Felix Müller, Einwohnergemeinde Niederwil (Hrsg.): Niederwil im Freiamt. Niederwil 1993.
  •  Laetitia Zenklusen: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Schweizerische Kunstführer GSK. Band 704, Bern 2004, ISBN 3-85782-704-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 304–305.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-90613-107-6, S. 296–303.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 229.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Die Gnadenthal-Brücke wird ersetzt. Wohler Anzeiger, 5. Januar 2010, abgerufen am 15. Januar 2010.