Niedrigschwelligkeit
Niedrigschwelligkeit (oder auch seltener: Niederschwelligkeit) bezeichnet die Eigenschaft eines Dienstes oder Angebots, dass von den Nutzenden nur geringen Aufwand zu seiner Inanspruchnahme erfordert. Niedrigschwelligkeit kann sich dabei auf verschiedenen Ebenen äußern, bspw darin, dass von den Nutzenden nur geringes Vorwissen verlangt wird oder diese keine weiten Wege auf sich nehmen müssen. Die Bezeichnung eines Angebots als niedrigschwellig wird insbesondere im Bereich der Sozialen Arbeit als auch bei der Entwicklung von demokratischen Partizipationsprozessen häufiger verwendet.
[Bearbeiten] Soziale Arbeit
Im Bereich der Sozialen Arbeit wird mit Niedrigschwelligkeit eine Vielzahl von räumlichen und sozialen Aspekten abgedeckt. Ob und wann ein Angebot als niedrigschwellig gelten kann, hängt immer auch von der Situation, vom Blickwinkel des Betroffenen und dem des Professionellen (z. B. Sozialarbeiters, Sozialpädagogenetc.) ab. Niedrigschwellige Einrichtungen sollen die Menschen erreichen, die reguläre hochschwellige Angebote aus Angst oder Scham nicht nutzen. Sie vermitteln häufig (auf Wunsch des Klienten) an konventionelle Angebote und geben anders herum aus diesen heraus auch Rückzugsmöglichkeiten.
Beispiele für die Niedrigschwelligkeit eines Sozialen Dienstes können sein:
- Eine Einrichtung sollte räumlich gut erreichbar sein, also zentral liegen und bspw. behindertengerecht.
- Die Öffnungszeiten einer Einrichtung sollte an den zeitlichen Möglichkeiten der Nutzenden ausgerichtet sein.
- Ein Angebot sollte sich an den tatsächlichen Nutzungsbedürfnissen der Zielgruppe orientieren.
- Ein Dienst sollte in einer Form angeboten werden, der es Menschen diesen ohne soziale Ausgrenzung und Schamgefühle wahrnehmen zu können.
[Bearbeiten] Beispiel
Beispiele für niedrigschwellige Soziale Dienste sind beispielsweise:
- Die Bahnhofsmissionen als weithin bekannter, zentraler Anlaufpunkt für Hilfsbedürftige.
- Mobile Beratungsangebote (bspw. Streetworker) die die Klienten aktiv aufsuchen.
- Die Telefonseelsorge, die eine anonyme und nicht-öffentliche Beratung ermöglicht.
[Bearbeiten] Partizipation
In der Partizipation spielt Niedrigschwelligkeit eine wichtige Rolle zur Sicherstellung eines möglichst breiten Teilnehmerkreises an einem Beteiligungsangebot. Niedrigschwellige Verfahren können regelmäßig deutlich mehr Menschen zur demokratischen Teilhabe bewegen, wodurch der Niedrigschwelligkeit eine wichtige Bedeutung für die Sicherstellung der demokratischen Legitimation eines Verfahrens zukommt.
Beispiele für die Niedrigschwelligkeit eines Partizipationsangebots können sein:
- Eine Vor-Ort-Veranstaltung (bspw. Bürgerversammlung) ist zentral erreichbar und behindertengerecht.
- Eine Vor-Ort-Veranstaltung findet zu Zeiten statt, an denen möglichst breite Teile der Zielgruppe tatsächlich teilnehmen können.
- Ein Online-Partizipationsangebot ist übersichtlich gestaltet und ermöglicht bspw. eine Teilhabe ohne vorherige Registrierung oder Prüfung der Person.
- Das Informationsangebot zu einem Partizipationsverfahren ist in allgemeinverständlicher Sprache gehalten und zugänglich aufbereitet.