Nierentransplantation
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Als Nierentransplantation (NTx (x steht für Kreuzung oder auch Platzhalter)) bezeichnet man die operative Übertragung einer Niere in einen Organismus.
Sie ist neben der Dialyse eine Behandlungsmöglichkeit in der Nierenersatztherapie und wird durchgeführt bei terminaler Niereninsuffizienz bzw. Verlust beider Nieren.
Eine Nierentransplantation ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz – soweit individuell möglich und gewünscht – meist das erstrebenswerte Ziel, da sie gegenüber der Dialyse deutlich stärker zur Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und sozialen Integration der Betroffenen beiträgt. Transplantiert werden Organe von hirntoten Organspendern und von Lebendspendern. Die Lebendspende findet im Idealfall präemptiv, d.h. noch vor einer Dialyse statt.
Die Erfolgsaussichten einer Nierentransplantation sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die OP ist inzwischen ein häufiger Eingriff; z. B. werden jährlich in den USA 25.000 Nieren – in Deutschland über 2.000 transplantiert. Die durchschnittliche Funktionszeit einer transplantierten Niere liegt bei etwa 9 Jahren, es gibt aber auch Nieren, die nach 20 oder mehr Jahren noch eine gute Funktion aufweisen. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten der akuten Abstoßung fallen die Erfolge bei der Verlängerung des Langzeitorganüberlebens deutlich geringer aus. Die Überlebenszeiten der transplantierten Patienten sind trotzdem heute deutlich größer als die der Dialysepatienten. Nierentransplantierte müssen, sofern das Spenderorgan nicht dasselbe genetische Material besitzt (Spende an Zwilling) ein Leben lang Medikamente nehmen, die die Abstoßung verhindern (Immunsuppression).
Zuletzt ist die Nierentransplantation auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zur Zeit die günstigste Lösung: Eine erfolgreiche Nierentransplantation kostet inkl. der Nachsorge im ersten Jahr etwa soviel wie zwei Jahre Dialyse.
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[Bearbeiten] Warteliste und Organvergabe
In den BeNeLux-Staaten, Deutschland, Kroatien, Österreich und Slowenien werden die Nieren nach objektiven Kriterien von der Organisation Eurotransplant vergeben. Kriterien für die Organvergabe sind dabei unter anderem die Wartezeit (ab Beginn der Dialyse) sowie die Übereinstimmung der Gewebsverträglichkeitsmerkmale (HLA-Merkmale) von Spender und Empfänger. Darüber hinaus wird das Herkunftsland von Spender und Empfänger sowie die Entfernung zwischen der Organentnahme und dem Transplantationszentrum berücksichtigt. Die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere beträgt etwa 8 Jahre.
[Bearbeiten] Operationsverfahren
Im Gegensatz zur Herztransplantation oder der Lungentransplantation wird die Nierentransplantation in der Regel heterotop durchgeführt, das heißt das Spenderorgan wird nicht an die Stelle der eigenen Nieren transplantiert, sondern außerhalb des Peritoneums im Bereich des Beckens. Die Blutgefäße der Spenderniere werden dabei in der Regel an die Beckengefäße angenäht, während der Transplantatharnleiter direkt mit der Blase verbunden wird. Die eigenen Nieren können daher zumeist im Körper verbleiben, nur bei speziellen Indikationen müssen sie vor oder nach der Transplantation entfernt werden. In den meisten Fällen nimmt das Transplantat noch während der Operation die Funktion auf, in einigen Fällen sind allerdings postoperativ noch einige Dialysen notwendig. Operative Komplikationen sind unter anderem Infektionen, Blutungen, die Ausbildung einer Lymphozele, eine Verengung des Transplantatharnleiters sowie die Ausbildung von Narbenbrüchen nach der Operation.
[Bearbeiten] Immunsuppression nach Nierentransplantation
Um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, müssen nach erfolgter Transplantation Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem des Empfängers so dämpfen, dass das Spenderorgan nicht vom Immunsystem des Empfängers angegriffen wird. Diese Medikamente bezeichnet man als Immunsuppressiva. Üblicherweise wird bei der Nierentransplantation eine Kombination aus einem sogenannten Kalzineurin-Inhibitor (z.B. Ciclosporin oder Tacrolimus), einem Proliferationshemmer (Mycophenolat-Mofetil, Mycophenolat-Natrium oder Azathioprin) und (zumindest in der Anfangsphase) einem Steroid verwendet. Darüber hinaus wird häufig vor der eigentlichen Transplantation eine sogenannte Induktionstherapie mit einem Antikörper (z.B. Basiliximab oder Antithymozytenglobulin) durchgeführt. Während der ersten Phase nach Transplantation werden die Medikamente in hoher Dosierung verabreicht, später kann in aller Regel die Dosis reduziert werden. Typische Nebenwirkungen der Immunsuppression ist eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, ein erhöhtes Risiko für bösartige Erkrankungen der Haut und des Blutes sowie eine erhöhte Rate von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Schließlich wirken Tacrolimus und Ciclosporin auch nephrotoxisch, das heißt sie haben einen schädigenden Einfluss auf die Nierenfunktion und dürfen daher nicht überdosiert werden.
Nach einer Nierentransplantation muss beim Vorliegen des Sticky-Platelet-Syndroms beim Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Transplantatdysfunktion und thromboembolischen Komplikationenen gerechnet werden.
[Bearbeiten] Fortschritte bei der Nierentransplantation
- 1902 - weltweit erste experimentelle Nierentransplantationen durch den Österreicher Emerich Ullmann (1861-1937) bei einem Hund in Wien (zeitgleich führt Alexis Carrel (1875-1944) ähnliche experimentelle OPs an Hunden durch).
- 1947 scheiterte David M. Hume in Boston mit der ersten Nierentransplantation an einer jungen Frau aufgrund der folgenden Abstoßungsreaktionen.
- 1953 - die weltweit erste erfolgreiche Nierentransplantation von einem Lebendspender führt der Chirurg Jean Hamburger in Paris durch. Der 16-jährige Patient, der die Niere seiner Mutter erhält, überlebt jedoch nur kurz.
- 1954 - die erste längerfristig erfolgreiche Transplantation findet zwischen zwei Zwillingsbrüdern (Gebr. Herricks; Überlebensdauer 8 Jahre) in Boston am Peter Bent Brigham Hospital statt. Der Operateur, Joseph Murray, erhielt 1990 den Nobelpreis für Medizin.
- 1962 gelang ihm die Transplantation durch Immunsuppression (vgl. Brian Medawar) auch bei genetisch nicht identen Personen.
- 1966 wurde die erste deutsche Nierentransplantation durchgeführt, und zwar in der Universitätsklinik Halle.
- 2004 gelang einem Team des Universitätsklinikums Freiburg unter Leitung von Günter Kirstein zum ersten Mal in Deutschland eine Lebend-Nieren-Transplantation, obwohl die Blutgruppen von Spender und Empfänger inkompatibel waren.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- G. Offermann: Nieren-Allokation (ETKAS – Eurotransplant-kidney-allocation system ), UK Halle (Saale), April 1999
- Audio und Videosammlung eines Nierenspenders zum Thema Nierenlebendspende
- Verband Deutsche Nierenzentren der DDnÄ e.V. - Nierentelefon
- Leitlinien Nierentransplantation der Deutschen Gesellschaft für Urologie (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/023; Letzte Überarbeitung: 15. Januar 2003)
- Selbsthilfenetzwerk der Patientinnen und Patienten (BN e.V.)
- Transplantationszentrum Stuttgart
- Transplantationszentrum der Universitätsklinik Heidelberg
- Deutsche Stiftung für Organtransplantation
- Nierenratgeber-Portal
Studien:
- Transplantationsergebnisse: In einer kollektiven Studie (Collaborative Transplant Study) werden die Ergebnisse aus 400 Transplantationszentren in 45 Ländern zur Transplantation von Niere, Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse zusammengefasst und ständig aktualisiert.
Zur Geschichte der Nierentransplantation:
- Foto des Ärzteteams von 1954
- Kurze Geschichte der Transplantation
- Angelika M. Vollmar, Alexander L. Gerbes: Historie und Status quo der Transplantationsmedizin (Wiley, PDF-Datei)
- Artikel in d. Ärzte Woche: Ein vergessener Pionier - Emerich Ullmann – Spurensuche im Alten Medizinischen Wien. Ärzte Woche, 18. Jahrgang Nr. 33, 2004
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