Nigerdelta

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Nigerdelta (Space Shuttle-Bild)

Das Nigerdelta oder auch Niger-Delta ist das Mündungsdelta des Nigers in Nigeria. Der westafrikanische Fluss Niger mündet westlich der Stadt Port Harcourt in den südwestlich gelegenen Golf von Guinea, der Teil des Südatlantiks ist. Die Fläche des Deltas beträgt ungefähr 70.000 km²[1], seine Breite über 200 km.

Geografie[Bearbeiten]

Lage der Bundesstaaten des Nigerdeltas in Nigeria

An der Mündung des Niger fließen im Jahresdurchschnitt etwa 30.000 m³ Wasser pro Sekunde in den Ozean. Die Küste des Deltas ist relativ glatt (keine größeren Küstenzungen) und hat etwa die Form eines Drittelkreises. Das Nigerdelta beherbergt die größten Mangrovenwälder des afrikanischen Kontinents. Sie belegen eine Fläche von ca. 11.134 km² entlang des Küstensaums und dehnen sich bis weit ins Hinterland aus[2].

Die größte und bedeutendste Stadt im Nigerdelta ist Port Harcourt mit über 1,1 Millionen Einwohnern. Sie ist die Bundeshauptstadt von Rivers. Die Niederschlagsmenge liegt mit über 2400 mm recht hoch.

Das Apoi Creek Forest Reserve, der Oguta-See und das Upper Orashi Forest Reserve wurden 2008 in die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung gemäß der Ramsar-Konvention aufgenommen[3].

Der Niger bildet auch in seinem Mittellauf ein Delta, wo er im Staat Mali – bei nordöstlicher Fließrichtung – ein ausgedehntes Sumpfgebiet erreicht. Dieses Binnendelta bei der Stadt Mopti und die umliegende Landschaft wird Massina oder Macina genannt.

Ölförderung[Bearbeiten]

Aus 5000 Bohrquellen und 7000 Kilometern Rohrleitungen werden im Nigerdelta pro Tag mehr als zwei Millionen Fass Öl gefördert.[4] Beteiligte Unternehmen sind Shell, Chevron, ExxonMobil und Total, die teils in Joint Ventures mit dem nigerianischen Staat agieren.

Flusslauf des Niger

Umwelt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ölpest im Nigerdelta

Die Umwelt wird enorm durch Pipelines bzw. durch die Erdölförderung verschmutzt, somit leiden auch die Mangrovensümpfe und deren Einwohner.

In 50 Jahren verschmutzten insgesamt nach Expertenschätzungen mehr als rund 2 Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem des Nigerdeltas. Der Shell-Konzern macht Sabotage und den organisierten Öldiebstahl für die Verschmutzung verantwortlich, Umweltschützer sehen hingegen die berstenden Bohrköpfe und leckenden Pipelines, also mangelnde Sicherheitsstandards durch Unternehmen wie Shell, als Hauptverursacher.[4] Nach Regierungsangaben lief in den vergangenen Jahren durchschnittlich 300 mal im Jahr an beispielsweise Pipelines oder Bohrinseln Öl aus. Die Lebenserwartung der 30 Millionen dort lebenden Menschen sank im Vergleich zum Rest des Landes (51 Jahre), durch die Verschmutzung von Luft, Gewässern und Böden um etwa zehn Jahre.[5] Messungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ergaben hohe Belastungen des Grundwassers durch Kohlenwasserstoffe, in einem Dorf im Ogoniland wurde der Grenzwert für Benzol im Trinkwasser 900-fach überschritten.[6]

Laut einer im August 2011 veröffentlichten Studie der UNEP wird eine Sanierung der verschmutzten Regionen bis zu 30 Jahre dauern und mindestens eine Mrd. Dollar benötigen; für die Bereitstellung dieses Kapitals schlägt die UNEP die Bildung eines Fonds vor, welcher von der nigerianischen Regierung und den verantwortlichen Mineralölunternehmen finanziert werden soll.[7][8]

Im Jahr 2013 führten die genannten Missstände zur „Nominierung“ des Deltas unter den Top 10 der am stärksten verseuchten Gebiete der Erde durch das Blacksmith Institute.[9]

Konflikte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Konflikte im Nigerdelta

Durch die Ölexploration wurden wichtige Lebensgrundlagen (landwirtschaftliche Flächen, für Fischerei genutzte Gewässer) der Bevölkerung zerstört.[10] Die Rebellengruppe Movement for the Emancipation of the Niger Delta kämpft seit Anfang 2006 um die Kontrolle der einheimischen Minderheiten über das Nigerdelta. Die größte Minderheit im Nigerdelta bildet das Volk der Ijaw, viele Angehörige des Volksstammes sind rebellisch und versuchen, sich gegen ihre Ausbeutung zu wehren. Wie viele andere Minderheiten halten sie sich erfolgreich in den Mangrovensümpfen versteckt.

Insbesondere das Siedlungsgebiet der Ogoni im Nigerdelta ist umkämpft. In den 1980ern, angeführt vom später exekutierten Schriftsteller Ken Saro-Wiwa wuchs der Widerstand gegen die Öl-Exploration, die ohne Bevölkerungsbeteiligung und Umweltschutz durchgeführt wurde. Die Ölfelder im Ogoniland liegen heute aufgrund verschiedener Kämpfe zum Teil brach.[4]

Generell ist das Nigerdelta von Sabotagen und Entführungen sowie von Vergeltungsschlägen von Seiten der Regierung heimgesucht. Aufgrund der Konflikte im westlichen Teil des Nigerdeltas hat Shell sich 2006 aus diesem Gebiet zurückgezogen.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ogba, C. Okoko, Utang, Pius B. Vulnerability And Adaptations Of Nigeria’s Niger Delta Coast Settlements To Sea Level Rise (PDF-Dokument; 3,1 MB) (englisch)
  2. Dr. Elijah I. Ohimain: Environmental Impacts of oil mining activities in the Niger Delta Mangrove Ecosystem Publikation zum 8th International Congress on Mine Water & the Environment, Johannesburg, South Africa (PDF-Dokument; 175 kB) (englisch)
  3. The Annotated Ramsar List: Nigeria (englisch)
  4. a b c Financial Times Deutschland: Ogoniland ist abgebranntVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, 2. Dezember 2010
  5. Verseuchtes Nigerdelta, n-tv.de. 14. Juli 2010. Abgerufen am 23. Juli 2010. 
  6. BBC News: Nigeria Ogoniland oil clean-up 'could take 30 years', 4. August 2011.
  7. UNEP Ogoniland Oil Assessment Reveals Extent of Environmental Contamination and Threats to Human Health, Pressemitteilung des Umweltprogramms der Vereinten Nationaen vom 4. August 2011.
  8. badische-zeitung.de, Nachrichten, Ausland, 6. August 2011, Johannes Dieterich: Niger-Delta: UNO geißelt Ölkonzerne (7. August 2011)
  9. Top Ten Threats 2013.pdf des Blacksmith Institutes
  10. Sebastian Bräuer: Shell gefährdet Ölförderung. ZEIT online, 28. Juni 2006
  11. Shell Nigeria Report 2006: Faced with this situation, we shut down production in the Western Niger Delta, including our offshore EA field. (PDF)

5.31666666666676.4166666666667Koordinaten: 5° 19′ 0″ N, 6° 25′ 0″ O