Niger (Fluss)

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Niger
Verlauf und Einzugsgebiet des Niger

Verlauf und Einzugsgebiet des Niger

Daten
Lage Westafrika:
Guinea-a Guinea
Mali Mali
Niger Niger
Benin Benin
Nigeria Nigeria
Flusssystem Niger
Quelle Tembakounda, Guinea
9° 36′ 2″ N, 10° 51′ 53″ W
Quellhöhe 490 m
Mündung Nigerdelta, Golf von GuineaKoordinaten: 5° 19′ 0″ N, 6° 25′ 0″ O
5° 19′ 0″ N, 6° 25′ 0″ O
Mündungshöhe m
Höhenunterschied 490 m
Sohlgefälle 0,12 ‰
Länge 4184 km
Einzugsgebiet ca. 2.261.000 km²
Abfluss am Pegel Malanville (1734500)[1]
AEo: 1.000.000 km²
Lage: 1111 km oberhalb der Mündung
NNQ (Min. Monat Ø)
MNQ 1952–1992
MQ 1952–1992
Mq 1952–1992
MHQ 1952–1992
HHQ (Max. Monat Ø)
18 m³/s
149 m³/s
1053 m³/s
1,1 l/(s km²)
1661 m³/s
2726 m³/s
Abfluss
AEo: 2.261.000 km²
an der Mündung
MQ
Mq
6000 m³/s
2,7 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Sokoto, Benue
Rechte Nebenflüsse Bani, Gorouol, Sirba, Tapoa, Mékrou
Durchflossene Stauseen Kainji-Stausee
Großstädte Asaba, Bamako, Dargol, Mopti, Niamey, Onitsha, Port Harcourt, Ségou
Einwohner im Einzugsgebiet 146.700.000[2]
Schiffbar fast ganzjährig bis Lokoja
Der Niger bei Koulikoro

Der Niger bei Koulikoro

Insel an einer breiten Stelle des Niger in Mali

Insel an einer breiten Stelle des Niger in Mali

Der Niger ist mit 4184 Kilometern nach dem Nil und dem Kongo der drittlängste Strom Afrikas. Von seinen Quellen in den Bergen Guineas bis zu seiner rund 2000 km weiter östlich liegenden Mündung am Golf von Guinea strömt er in einem weiten Halbkreis durch Mali, den Süden des Staates Niger, entlang der Grenze von Benin und schließlich durch das bevölkerungsreiche Nigeria, wo er im über 200 km breiten Nigerdelta in den Atlantik mündet.

Der Fluss versorgt annähernd 110 Millionen Menschen, die direkt an seinen Ufern leben, mit Wasser. Sein Einzugsgebiet umfasst etwa 2,261 Millionen Quadratkilometer, darunter Wüstengebiete unsicherer Zuordnung in weiteren vier oder fünf Staaten.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Niger entspringt in Tembakounda auf 745 m Höhe in den Daro-Bergen der Region Faranah im Staat Guinea, unweit der Grenze zu Sierra Leone. Er vereinigt sich mit dem Mafou, dem Niandan und dem Milo und erreicht die Stadt Siguiri, bevor er Guinea verlässt. Der Fluss fließt in einem Bogen nach Nordosten, quert Bamako und bildet in Mali das große Niger-Binnendelta, die Massina, deren wichtigste Hafenstadt Mopti ist. Anschließend wendet er sich nach Timbuktu, wo er die Südsahara quert und seine Fließrichtung in Richtung Südosten ändert. Bei Gao fließt er an der roten Düne von Koyma vorbei und erreicht wieder die Region des Sahel. Er durchquert dann den Staat Niger, dessen Hauptstadt Niamey an seinen Ufern erbaut ist. Im weiteren Verlauf bildet er teilweise die Grenze zu Benin, wo im Dreiländereck der Staaten Niger, Burkina Faso und Benin der W-Nationalpark an einer W-förmigen Biegung des Flusses liegt. Von dort aus fließt er weiter nach Nigeria. Nach Verlassen des Kainji-Stausees durchfließt er im westlichen Teil Nigerias die Lower Kaduna-Middle Niger Floodplains, ein Schutzgebiet der Ramsar-Konvention. Auf der Höhe von Lokoja nimmt er den linken Nebenfluss Benue auf, verlässt die Großlandschaft Sudan und erreicht die Regenwaldgebiete Nigerias. Auf der Höhe der Stadt Onitsha beginnt der Niger sich aufzufächern und das Nigerdelta auszubilden. Das Flusswasser erreicht den Golf von Guinea, der Teil des Südatlantiks ist, in mehreren Flussarmen, von denen der Forcados, Nun und Escravos die drei großen Mündungsarme bilden. Somit durchquert er Gebirge, Regenwald, Steppe, Savanne und Wüste.

Gewässerdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzugsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Einzugsgebiet des Niger nimmt 7,5 % der Fläche des afrikanischen Kontinents ein[2] und erstreckt sich über 10 Staaten. Allerdings sind die Angaben über seine Fläche stark abweichend. Das liegt daran, dass bei der Bemessung nicht aktiv zum Abfluss beitragende Flächen manchmal mitgezählt werden und manchmal nicht. Das geografische Abflussbecken hat eine Fläche von zirka 2.200.000 km². Die aktive Fläche dagegen wird mit etwa 1.500.000 km² angenommen.[3] Bei der Differenz handelt es sich zum großen Teil um das Azawagh-Becken, das sich bis Algerien erstreckt. Daher unterscheiden sich die Angaben nach der Mündung des Dallol Bosso mitunter sehr stark.

Geografisch teilt es sich wie folgt auf (ausgehend von 2,274 Mio. km²[4]):

Staat Einzugsgebiet der Landesfläche in [km²] Prozent der Fläche des Einzugsgebiets Prozent der Landesfläche
Guinea 097.780 04,3 39,4
Elfenbeinküste 022.739 01,0 07,4
Mali 579.856 25,5 46,7
Burkina Faso 077.314 03,4 28,0
Algerien 193.285 08,5 08,1
Benin 045.479 02,0 41,2
Niger 563.939 24,8 44,5
Tschad 020.466 00,9 01,6
Kamerun 088.684 03,9 18,8
Nigeria 584.404 25,7 63,2
Gesamt 2.273.9460. 100,00

Hydrometrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abfluss des Niger ist, wie bei den meisten Flüssen der Region, regenzeitabhängig. Er steht unter dem Einfluss des Niederschlagsregimes des westafrikanischen Monsunsystems. Die Durchflussmenge des Flusses wurde 22 Jahre lang (1980 bis 2002) in Onitsha, einer Stadt, etwa 200 km oberhalb der Mündung des Niger gemessen.[5]

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In Onitsha, wo der Fluss anfängt sich in sein Delta aufzufächern, wurden in diesem Zeitraum im Mittel 4720 m³/s gemessen. An der Station Malanville, etwa 1100 km oberhalb der Mündung und grob bei der Hälfte des Einzugsgebietes, betrug die jährliche Durchflussmenge von 1952 bis 1992 im Schnitt 1053 m³/s; dabei wurde ein minimaler Durchfluss von 18 m³/s (nahezu komplett trocken) und ein maximaler Durchfluss von 2726 m³/s beobachtet.[1]

Das Niger-Einzugsgebiet mit den dazu gehörigen Klimazonen

Der Niger ist ein so genannter Fremdlingsfluss. Das bedeutet, er entspringt in feuchtem, und durchfließt trockenes Gebiet. Daher variieren seine Abflussmengen sehr stark über den Fließweg durch die durchflossenen Klimazonen. So verliert er im Sahel und im Massina große Mengen an Wasser durch Verdunstung und Bewässerung. Da er aus dem Azawagh-Becken so gut wie keinen Abfluss erhält, bekommt er erst mit den aus Burkina Faso stammenden Sirba und dem Mékrou aus Benin wieder wasserreichere Zuflüsse.

Zudem hat der Abfluss des Niger und seiner Zuflüsse im letzten Jahrhundert stark abgenommen. Untenstehende Tabelle zeigt den Abfluss an den jeweiligen Pegel-Messstationen vor 1960 und zwischen 1980 und 2004.[5]

Niger-Pegel Einzugsgebiet [km²] (abflussaktive Fläche) Abfluss vor 1960 [m³/s] Abfluss 1980 bis 2004 [m³/s]
Siguiri 0.067.400 1015 0755
Koulikoro 0.120.000 1545 1040
Delta Zufluss 0.222.000 2159 1247
Diré 0.333.000 1110 0750
Malanville 0.440.000 1140 0800
Baro 0.730.000 2525 1370
Onitsha 1.100.000 7000 4570

Nebenflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niger und Nebenflüsse

Haupt-, aber auch letzter größerer Zufluss des Niger ist der Benue, der erst im zentralen Nigeria mündet. Dieser und weitere Zuflüsse sind in Mündungs-Reihenfolge (Auswahl):

Guinea Mali Niger
(aus Burkina Faso)
Benin Nigeria

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flussinsel in Niamey

Ortschaften am Niger sind:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der untypische Verlauf des Niger hat europäischen Forschern über zwei Jahrtausende hinweg Rätsel aufgegeben. In der Antike vermuteten römische Geographen, dass der Fluss nahe Timbuktu Teil des Nils sei, wogegen im 17. Jahrhundert europäische Entdecker überzeugt waren, dass der Fluss nach Westen fließe und in den Fluss Senegal münde.

Entdeckung durch Europäer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mungo Parks Forschungsreisen

1796 erreichte der britische Afrikaforscher Mungo Park als einer der ersten Europäer den Lauf des Niger. Sein Reisebericht Travels in the Interior of Africa gilt noch heute als Klassiker. 1805 befuhr er in einer zweiten Expedition den Lauf des Niger zwischen Bamako und Bussa im Nordwesten Nigerias, wo 1806 sein Expeditionsteam und er auf unbekannte Weise starben. 1830 entdeckte eine Expedition der englischen Brüder Richard und John Lander den Verlauf des Niger bis zur Mündung. Die Quelle des Niger wurde von europäischen Forschern (dem Franzosen Marius Moustier und dem Schweizer Josua Zweifel) erst 1879 entdeckt.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bumerang-Form des Flusses erklären heutige Geographen meist mit einer Theorie, der zufolge der Niger aus zwei alten, miteinander verbundenen Flüssen besteht. Der obere Niger von der Quelle in den Loma Mountains bis zum Nigerknie mündete ursprünglich in einen heute ausgetrockneten See, wohingegen der untere Niger in Hügeln nahe dem See entsprang und nach Süden bis zum Golf von Guinea floss. Als die Sahara 4000–1000 vor Christus austrocknete, änderten beide Flüsse ihren Verlauf und trafen sich. Diese Theorie ist heute allgemein vorherrschend; sie ist auf vereinzelten Widerspruch gestoßen.

Einzugsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Grünen Saharazeit (10.000 bis 2000 v. Chr.) hatte der heute endorheische Tschadsee (Mega-Tschad) eine deutlich größere Fläche und seinen Abfluss über den Mayo Kébbi.[6] Somit vergrößerte sich das Einzugsgebiet des Niger um das gesamte Tschadbecken mit einer Größe von 2,434 Mio. km².

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Flusses stammt vermutlich vom lateinischen oder portugiesischen Wort für ‚schwarz‘ (niger) als Fehletymologie der Bezeichnung für den Fluss in der Tuareg-Sprache: ghir n-igheren ‚Fluss der Flüsse‘.[7] Die Bezeichnung wurde schon in einer Karte des Claudius Ptolemäus für einen Fluss südlich des Atlas-Gebirges verwendet. Die westafrikanischen Staaten Niger und Nigeria sind nach dem Fluss benannt. Ihre Einwohner haben eine große Zahl verschiedener Namen für den Fluss, darunter Joliba in den Manding-Sprachen und Isa Ber in Songhai. Beide Wörter bedeuten ‚großer Fluss‘. In Mündungsnähe war der Niger auch als Kworra oder Quorra bekannt, bevor erst im 19. Jahrhundert von Europäern erkannt wurde, dass der obere ins Landesinnere fließende Abschnitt weder in den Tschadsee noch in den Nil mündet, sondern nach Süden zum bereits bekannten Quorra abdreht.

Schiffbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autofähre über den Niger nahe Mopti

Im oberen Teil ist der Niger mit kleineren Booten bis Bamako schiffbar, wobei aber unter anderem Flusspferde eine gewisse Gefahr darstellen. Danach bilden die rapides de Sotuba und andere Stromschnellen ein Hindernis. Ab Koulikoro, etwa 60 km flussabwärts von Bamako, kann der Strom während der Hochwasserzeit zwischen Oktober und Januar bis nach Lokoja, nahe der Mündung des Nebenflusses Benue in den Niger, mit größeren Booten und Schiffen befahren werden, wenn man von der Barrage de Markala und dem Kainji-Damm absieht. Durch Versandung infolge voranschreitender Dünenbildung verschlechterte sich die Schiffbarkeit des Niger am Nigerknie in den letzten Jahren.

Niger Basin Authority[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niger Basin Authority (französisch Autorité du Bassin du Niger; NBA bzw. ABN) ist eine zwischenstaatliche Organisation, um die Ressourcen des Nigerbeckens gemeinsam zu nutzen und zu fördern.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Niger River – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Niger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b GRDC – Der Niger in Malanville
  2. a b Governance at the Basin Level: Senegal and Niger Rivers Monthly Water Map n°3 (2016)
  3. Le Bassin du fleuve Niger Vers une vision de développement durable (Seite 12)
  4. FAO - The Niger River basin
  5. a b The Niger River Basin AVision for SustainableManagement
  6. Frédéric Bouchette, Mathieu Schuster, Jean-François Ghienne, Cléa Denamiel, Claude Roquin, Abderamane Moussa, Patrick Marsaleix, Philippe Duringer (2010): Hydrodynamics in Holocene Lake Mega-Chad. (Memento des Originals vom 24. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bouchette.org (PDF, 3 MB) (englisch)
  7. Molefi Kete Asante: The History of Africa. The Quest for Eternal Harmony, 2. Aufl., Routledge, 2015, S. 76.