Night on Earth

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Filmdaten
Deutscher Titel Night on Earth
Originaltitel Night on Earth
Produktionsland USA
Originalsprache mehrsprachig
Erscheinungsjahr 1991
Länge 123 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Jim Jarmusch
Drehbuch Jim Jarmusch
Produktion Jim Stark
Masahiro Inbe
Noboru Takayama
Musik Tom Waits (Musik, Lieder)
Kathleen Brennan (Lieder)
Kamera Frederick Elmes
Schnitt Jay Rabinowitz
Besetzung

Los Angeles:

New York:

Paris:

Rom:

Helsinki:

Night on Earth ist ein US-amerikanischer Episodenfilm von Jim Jarmusch, in dem fünf Geschichten erzählt werden. Die Geschichten geschehen an fünf Orten der Welt, alle in derselben Nacht, zur selben Zeit, jedoch in unterschiedlichen Zeitzonen. Die Städte sind Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. In jeder der fünf Städte ist ein Taxifahrer bzw. eine Taxifahrerin unterwegs, die in das Schicksal ihrer Fahrgäste eingreifen oder deren Fahrgäste das Schicksal der Fahrer beeinflussen. Die Episoden wurden in den jeweiligen Landessprachen gedreht und dauern jeweils etwa 25 Minuten. Night On Earth wurde nicht synchronisiert, sondern untertitelt, um die entsprechende landesspezifische Stimmung zu erhalten.

Handlung[Bearbeiten]

Los Angeles[Bearbeiten]

Am Flughafen treffen am frühen Abend durch einen Zufall zwei unterschiedliche Personen zusammen. Die Casting-Agentin und Karrierefrau Victoria lässt sich in einem heruntergekommenen Taxi von der jungen, Kaugummi kauenden und rauchenden Corky zu ihrem Haus in Beverly Hills fahren. Nachdem Victoria mit Vorgesetzten und Partnern Geschäfte am Mobiltelefon besprochen hat, kommt sie ins Gespräch mit ihrer Taxifahrerin. Es stellt sich heraus, dass beide Probleme in ihrem jeweiligen Job haben, an denen allerdings andere schuld sind. Victoria bietet Corky eine Filmrolle an. Dies lehnt Corky jedoch ab, da es ihr Ziel ist, Automechanikerin zu werden.

New York[Bearbeiten]

Spät am Abend sind New Yorks Straßen so unsicher, dass der Afro-Amerikaner Yoyo kein Taxi findet, das ihn nach Brooklyn fahren möchte. Als schließlich doch noch ein Taxi anhält, macht Yoyo die Bekanntschaft mit dem aus Ostdeutschland ausgereisten Helmut Grokenberger. Helmut spricht kaum ein Wort Englisch und kommt mit dem Automatikgetriebe seines Taxis nicht zurecht. So ist es Yoyo, der sich kurzerhand ans Steuer setzt, das Taxameter einschaltet und selbst nach Brooklyn fährt. Unterwegs machen sich die beiden gegenseitig über ihre Namen und ihre Mützen lustig – bis Yoyo seine Schwägerin Angela entdeckt. Sie will ausgehen, doch Yoyo zerrt sie gegen ihren Willen in das Taxi, um sie daran zu hindern, alleine durch Brooklyn zu laufen. Sie fangen an, sich gegenseitig zu beleidigen. Ihr hitziger Streit wird auch noch fortgesetzt, als beide das Taxi schon verlassen haben.

Paris[Bearbeiten]

Nach Mitternacht wirft der aus der Elfenbeinküste stammende Taxifahrer zwei Schwarz-Afrikaner, die sich über ihn lustig gemacht haben, aus seinem Auto. Kurze Zeit später nimmt er eine blinde Frau mit, die ihm harmloser erscheint als seine vorherigen Kunden. Doch die Frau überrascht trotz ihrer Behinderung mit zusätzlichen Fähigkeiten, erkennt im Gegensatz zu den beiden Afrikanern seine Herkunft präzise an der Stimme, und kontert auf seine Fragen über ihr Leben als Blinde äußerst scharfsinnig. Als die Frau das Taxi verlässt, verursacht der sehende Taxifahrer einen Unfall. Als sie die Unfallgeräusche und wütende Stimmen hört, die sich gegenseitig der Blindheit bezichtigen, lächelt sie nur und entfernt sich zu Fuß langsam vom Unfallort.

Rom[Bearbeiten]

Zur gleichen Zeit rast ein Taxifahrer mit Sonnenbrille durch die Gassen Roms. Um sich die Zeit zu vertreiben, flirtet er wortreich mit der Mitarbeiterin, die in der Taxizentrale am Funk sitzt, ohne das Mikrophon einzuschalten, fährt in der falschen Richtung durch Einbahnstraßen und legt sich mit anderen Autofahrern an. Als er einen älteren Priester als Passagier aufnimmt, kulminieren Absurditäten: er nennt ihn fortlaufend „Bischof“, hält bei sich prostituierenden Transvestiten am Straßenrand an, beichtet ihm sexuelle Erfahrungen mit Kürbissen, Schafen und seiner Schwägerin. Auf der Rückbank erleidet der schwer herzkranke Priester unbemerkt zunehmende Herzschmerzen und Atemnot und stirbt einen langsamen Tod.

Helsinki[Bearbeiten]

Kurz vor dem Morgengrauen nimmt der Taxifahrer Mika drei Betrunkene auf und fährt sie nach Hause. Zwei der Gäste erzählen über den völlig weggetretenen Dritten, er habe ein schweres Schicksal erlitten: Er hatte an einem Tag seine Arbeit verloren, sein neues Auto war demoliert worden und er hatte von der Schwangerschaft seiner minderjährigen Tochter und dem Zerfall seiner Ehe erfahren. Darauf kontert Mika, dass es doch Schlimmeres gäbe und meint dabei seine Ehe, die Frühgeburt seiner Tochter und ihren Tod nach drei Wochen. Die beiden Gäste sind gerührt, versuchen Mika zu trösten und ärgern sich über ihren Kumpel ob seines „gespielten“ Leids.

Bezüge[Bearbeiten]

Der Name des New Yorker Fahrers Grokenberger ist eine Referenz an Jarmuschs ersten Produzenten Otto Grokenberger.

Mehrfach kommt der Schaltknüppel des römischen Fahrers ins Bild; es ist eine Poolbillard-Kugel, die schwarze Acht. Mit einer solchen schwarzen Acht hatte der den Taxifahrer spielende Roberto Benigni in einem früheren Jim-Jarmusch-Film – Down By Law – einen Verfolger erschlagen. Und auch diesmal geht wieder ein Toter auf das Konto Benignis.

Dramaturgie[Bearbeiten]

„Alle Episoden haben eine Gemeinsamkeit in dramaturgischer Hinsicht, die Dramaturgie der Tangente. Durch die Wahl des wiederkehrenden Handlungsortes ,Taxi‘ regiert der epische Zufall im aufeinander Treffen von Figuren. Sie berühren sich ohne irgendeine gemeinsame Voraussetzung für eine kurze Zeit und gehen praktisch konsequenzlos auseinander. Aus der dadurch entstehenden Situation kann sich kein dramatischer Konflikt entwickeln. (....) Ausschließlich aus der in allen Stories beträchtlichen Verschiedenheit der Charaktere, ihrer Situation, ihrer Vorgeschichte, ihres Temperaments werden die Vorgänge zwischen ihnen entwickelt. Die Handlungen der Figuren dienen nicht der Herstellung einer Kollision, sondern einer Enthüllung der unterschiedlichen Charaktere.“ [1]

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films befand: „Jim Jarmusch entwirft in durchgängig lakonischem Grundton Momentaufnahmen fernab jeden Hollywood-Glamours; eine entspannte, kurzweilige Fingerübung, ebenso ‚bescheiden‘ wie sympathisch.“[2] Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times, dass er am Ende des Films keine große Lektion gelernt und keine spannenden Schlussfolgerungen gezogen habe. Er habe aber die Gemeinschaft der Nacht geteilt, in der die Leute aufgeknöpft und verletzlich und mehr bereit seien, darüber zu sprechen, was sie wirklich bewegt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Barrabas: Kerngebiete der Psychologie. Eine Einführung an Filmbeispielen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8252-3850-6, S. 65-68.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rabenalt, Peter: Filmdramaturgie. Berlin / Köln 2011, Seite 159
  2. Night on Earth im Lexikon des Internationalen Films
  3. Roger Ebert über Night on Earth