Nikol List

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Der verhaftete Räuberhauptmann Nicol List, nach einem alten Stich
„NICKEL LIST, wie er sich als den Herrn JOHANN RUDOLPH von der MOSEL aufführete.“ Stich, frühes 18. Jhd.

Nikol List, auch Nicol oder Nickel List (* Dezember[1] 1656 in Waldenburg; † 23. Mai 1699 in Celle), war ein Räuberhauptmann im ausgehenden 17. Jahrhundert, der mit seiner Bande in und außerhalb Sachsens vor allem Dom- und Kirchenraub sowie Mordbrennerei beging.

Leben[Bearbeiten]

Nikol List wohnte zeitweise in Beutha im Erzgebirge und betrieb zur Tarnung als Pächter den Gasthof „Grüne Tanne“ im Nachbarort Raum. Im Eingangsbereich des Gasthofes findet man heute noch eine Hinweistafel.[2]

Als man ihn in der Johannisnacht 1696 in Beutha verhaften wollte, erschoss er, um sich vor einer Festnahme zu retten, zwei an der Verhaftung beteiligte Landschöffen aus Hartenstein (Sachsen) und entkam. List war über Jahre auf der Flucht und machte als Hauptmann seiner Räuberbande große Landstriche vorwiegend Norddeutschlands unsicher. List gab sich den Namen Freiherr von Mosel und zog mit einem kleinen Hofstaat umher. Am 9. November 1697 wurde er geächtet.

In der Nacht des 6. März 1698 landete List mit seinen Kumpanen den größten Kirchenraub aller Zeiten. Mit einem Nachschlüssel verschaffte er sich Zugang zur Michaeliskirche von Lüneburg, welche den sagenhaften Schatz der „Goldene Tafel“ barg, den Bürger, Herzöge und Mönche über Jahrhunderte Stück für Stück zusammengetragen hatten. 10 Pfund pures Gold und Silber, Perlen und Edelsteine schmückten diesen Hauptaltar der Kirche. List und seine Bande brachen große Teile des kostbaren Schatzes heraus und vernichteten damit das Gesamtkunstwerk der Tafel. Zunächst konnten die Verbrecher entkommen. Am 27. Juli 1698 verübte die Räuberbande um List einen Einbruchsdiebstahl in Hof. Drei der Räuber wurden in Greiz gefangen genommen und am 23. August 1698 nach Hof ausgeliefert. Am 16. Oktober 1698 wurde ein Mitglied der Bande namens Horn in Hof hingerichtet. List wurde am 18. Oktober 1698 nach Celle ausgeliefert und dort hingerichtet. Der dritte Räuber, der in Hof gefangen war, soll wieder freigelassen worden sein. Am 23. Mai 1699 wurden List zuerst Arme und Beine mit acht Schlägen zerschmettert, dann wurde er geköpft und schließlich verbrannt. Nickel List (und auch dem mitverurteilten Christian Müller) widerfuhr damit am Ende an jenem 23. Mai die schlimmere Form des Räderns, bei der er noch relativ lange am Leben blieb. Heinrich Büntings „Newe, volstendige Braunschweigische und Lüneburgische Chronica“ aus dem Jahre 1722 bestätigt: „Nicol List ward an stat des Rades mit eisernen Keulen von unten auf, vom Leben zum Tode gestraft, der Kopf auf dem Pfal gesteckt!“[3]

Beteiligt war List an 40 Diebstählen, neunmal an schwerem Kirchenraub und an zwei Morden. Doch zum Verhängnis wurde ihm schließlich der Raub der Goldenen Tafel von Lüneburg.

Gedenkstein[Bearbeiten]

Die Nikol-List-Steine in der Friedhofsmauer von Beutha

Im Jahre 1700 machte man sein Haus in Beutha dem Erdboden gleich und errichtete auf dessen Stelle in der Dorfstraße Nr. 58b eine Schandsäule. Jedem der beiden 1696 erschossenen Hartensteiner Bürger wurde zum Gedenken ein Steinkreuz mit Inschriften errichtet.

Die metergroße schieferne Schandsäule und die beiden sandsteinernen Gedenksteine der beiden Hartensteiner Bürger können heute an der Innenseite der Friedhofsmauer in Beutha besichtigt werden. Die zwei steinernen Gedenkkreuze links und rechts des Steines enthalten die Lebensdaten der beiden ermordeten Hartensteiner. Alle sechs – der Schieferstein besteht aus drei Flächen – Steine sind verwittert und die Inschriften kaum noch lesbar. Der Wortlaut des Textes wurde jedoch durch Pfarrer Johann Christian Neubert zu Beutha erhalten.[4]

Der große Stein in der Mitte, die Schandsäule, trägt die Inschrift[5]:

Vordere Seite: „An diesem Ort hat gewohnt der weltbekannte Dieb, Kirchenräuber und Mörder Nicol List, welcher in der Johannisnacht 1696 von einer nach ihm geschickten Folge den eigenen Landschöppen Christoph Kneufflern und noch einen Bürger, Gottfried Eckarden, jämmerlich erschossen und darauf die Flucht ergriffen. Auf der Gnädigen Herrschaft Befehl ist das hier gestandene Listsche Haus niedergerissen und wider den flüchtigen Mörder mit der Acht versehen worden.“
Hintere Seite: „Nachdem nun Nicol List den 5. November wegen der beiden hier begangenen Mordtaten zu Hartenstein in die Acht erklärt worden, ist er wegen anderer Übeltaten zu Greiz gefänglich eingekommen und von da nach Hof geführet, hier nächst aber, ob ihm schon daselbst ein scharfes Todes-Urteil gesprochen worden, dennoch als ein Miträuber der kostbaren güldenen Tafel zu Lüneburg erst nach Celle gebracht, allwo er wegen bekannten vielen wichtigen Beuten, 9 Kirchen-Rauben und diese Mordtaten willen den 23. Mai 1699 seinen Lohn empfangen, da er von unten auf mit 8 Schlägen zerschmettert, ihm noch lebend, der Kopf mit dem Beil abgehauen, selbigen auf den Pfahl genagelt, der tote Körper aber auf einem Scheiterhaufen zu Pulver verbrennet worden.“

Steinkreuz rechts:

Auf der einen Seite: „Christoph Kneuffler, Land- und Gerichtsschöppe zu Hartenstein, ist allhier in der Johannisnacht 1696 von Nicol Listen mit einer ins Gevierte gespaltenen Kugel erschossen und den nächsten Sonntag darauf zu Hartenstein ehrlich begraben.“
Auf der anderen Seite: „Dieser ehrliche Mann ist 50 Jahr und 27 Wochen alt gewesen, hat eine betrübte Witwe und Vier Kinder, nehmlich 3 Söhne und 1 Tochter, hinterlassen.“

Steinkreuz links:

Auf der einen Seite: „Gottfried Eckhardt, Bürger und Hoffleischer zu Hartenstein ist allhier in der Johannisnacht 1696 von Nicol Listen mit zwei metallenen Kugeln erschossen und den nächsten Sonntag darauf zu Hartenstein ehrlich begraben.“
Auf der anderen Seite: „Dieser mann ist 34 Jahr und 34 Wochen alt gewesen, hat eine arme betrübte Witwe und 3 kleine unerzogene Kinder, 2 Söhne und 1 Tochter, hinterlassen.“

Belletristik[Bearbeiten]

Außer älteren aktenmäßigen Darstellungen der Verbrechen dieses Räubers gab es auch eine historisch-romantische unter dem Titel Leben und Gaunerstreiche Nickel List's und seiner Räuberbande (Penig [Leich in Leipzig] 1802). Lists Leben wurde oft beschrieben und als Kriminaltragödie auf der Puppenbühne aufgeführt. Wie Literaturhistoriker herausfanden, hat Friedrich Schiller Teile aus dem Leben Lists und aus dem Prozessverlauf in seinem Werk „Die Räuber“ verwandt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: „Nickel List“, in ders.: Hexenprozesse – Galgenberge – Hinrichtungen – Kriminaljustiz im Fürstentum Lüneburg und im Königreich Hannover. Stuttgart 2006, S. 137 ff., ISBN 3-89821-587-3
  • Ralf Busch: „Die Hinrichtung von Nickel List und einiger Bandenmitglieder 1699 in Celle.“ In: Celler Chronik 17, hrsg. vom Museumsverein Celle, Celle 2010
  • Uwe Danker: Räuberbanden im Alten Reich um 1700. Beitrag zur Geschichte von Herrschaft und Kriminalität in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main 1988, 2 Bände, Bd 1, S.20-32, ISBN 3-518-28307-3
  • Julius Eduard Hitzig, Willibald Alexis: Nickel List und seine Gesellen, In: Der neue Pitaval: eine Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit, Band 3, Brockhaus, Leipzig 1843, S. 274-387, Online bei Google-Books
  • Hirt: List, Nicolas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 774–778.
  • S[igismund] H[osmann]: Fürtreffliches Denck-Mahl Der Göttlichen Regierung: Bewiesen an der uhralten höchst-berühmten Antiquität des Klosters zu S. Michaëlis in Lüneburg / der in dem hohen Altar daselbst gestandenen Güldenen Taffel / und anderer Kostbarkeiten / Wie der gerechte Gott Dero Räuber gantz wunderbarlich entdekket [...] Alles aus denen von Hochgemeldeter Fürstl. Regierung dazu communicirten IX. Voluminibus Actorum Der Grossen Inquisition, und andern gewissen Nachrichten/ nach Historischem Ablauff des gantzen Processes, Zusammen getragen. Celle u. a. Hoffmann, 1700 [und öfter].
  • Hans von Hülsen: Nickel List, die Chronik eines Räubers, Reclam: Leipzig 1925
  • Annette Kura: Sachsens Mordbrenner, Räuber, Pascher und Wildschützen im Erzgebirge und in der Oberlausitz. 1. Aufl., Altis-Verlag: Berlin 1993, ISBN 3-910195-08-3
  • Joachim Lehrmann: Räuberbanden zwischen Harz und Weser – Braunschweig, Hannover, Hildesheim ...: ein historischer Rückblick. Lehrmann: Lehrte 2004, S. 86-146, ISBN 3-9803642-4-0
  • Frank Reinhold: Vor 300 Jahren wurde Nickel List gefangen genommen. Aus der Geschichte der „Neuen Schenke“, Heimatbote 1998. 44. Jg., 1998, Heft 6, S. 10
  • Rudolf Schramm: Nickel List – Kirchenräuber und Bandit: Von seinen Raubtaten und von seiner Gefangennahme im Greizer Land anno 1698. Greizer Heimatkalender 1958, Ter Z 10 Greiz 1958, S. 65
  • Julius Seybt: Nickel List und seine Gesellen: ein Gaunerleben aus alter Zeit. In: Nachtseiten der Gesellschaft. Leipzig 1848, S. 147-190
  • Die Hofer Altstadtchronik. 52. Bericht des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde, Hof 2005
  • Regina Röhner: Der schwarze Nickel : Nicolaus List. In: Hundert sächsische Köpfe. Chemnitzer Verlag, Chemnitz 2002, S. 122-123, ISBN 978-3928678773
  • Gottfried Tobisch: Die Geschichte vom fürchterlichen Räuberhauptmann Nicol List. Sachsenring-Journal : die Kultur- und Heimatzeitschrift der Region Glauchau, Hohenstein-Ernstthal und Stollberg, Sachsenring Verlag, Oelsnitz 1993, Bd. 2, Nr. 1, S. 21f
Belletristische Verarbeitungen
  • Siegfried Weinhold: Der schwarze Nickel – das Räuberschicksal des Nicol List. Chemnitzer Verlag, Chemnitz 1994, ISBN 3-928678-12-4
  • Gottlieb Bertrand: Der furchtbare Abentheurer Nickel List, genannt von der Mosel. Schröder, Braunschweig 1806
  • Johann Gottfried Hagemeister, Ludwig Tieck: Nickel List. Bände 1-2 von Thaten und Feinheiten renomirter Kraft- und Kniffgenies, Verlag Himburg, 1790

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nikol List – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Als Sohn des Tagelöhners Hans List wurde Nickel List 1656 in ärmlichen Verhältnissen im sächsischen Waldenburg geboren und dort am 5. Dezember des gleichen Jahres getauft.
  2. Geschichte des Gasthofes „Grüne Tanne“.
  3. Blazek, Matthias, „Überwiegend Mörder und Giftmischer wurden gerädert / Körper zur Abschreckung in Feldmark aufgestellt – Die Praxis des Zerstoßens der Glieder mit eisernen Keulen wurde hierzulande noch bis 1828 angewandt“, Sachsenspiegel 10, Cellesche Zeitung vom 6. März 2010.
  4. Sachsens Kirchen-Galerie: Die Schönburgischen Receßherrschaften nebst den Ephorien Annaberg, Marienberg und Frauenstein. S. 23 (Digitalisat)
  5. Die Anordnung der Steine entspricht nicht mehr den Angaben in der Sächsischen Kirchengalerie.