Nikolaus Seeländer

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Nikolaus Seeländer (auch: Nicolai oder Nicolaus Seeländer, Seelander[1] oder Seelaender[2]) (* 1682 in Erfurt; † 1744 in Hannover)[1][3] war ein deutscher Kupferstecher, Medailleur und Numismatiker,[1] Autor und Herausgeber.[4] Unter dem Universalgenie und Bibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz stach Seeländer für die hannoversche Hofbibliothek, einer Vorläuferin der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsisches Landesbibliothek (GWLB), hunderte von Kupferplatten, etwa zur Geschichte des Welfenhauses, die heute Teil einer erst um 2005 wiederentdeckten Sammlung der GWLB sind.[5] Doch Seeländer gilt auch als Fälscher antiker Münzen.[6]

Leben[Bearbeiten]

Geboren in Erfurt, begann die Schaffenszeit von Nikolaus Seeländer 1705 in Hannover.[7] „Ohne eigentliches Studieren“ soll sich Seeländer eine Kunstfertigkeit und ein Wissen um Artefakte des Altertums angeeignet haben, insbesondere alte deutsche Münzen, von denen er vielfach Kupferstiche anfertigte.[4]

Bereits um 1711 soll der „Stahlschneider“ am hannoverschen Hof gelebt haben,[4] also unter Kurfürst Georg Ludwig in oder um das Leineschloss.[8]

Nachdem Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover schon 1698 den Vorschlag unterbreitet hatte, für die Anfertigung von Zeichnungen historischer Münzen und Siegel einen Kupferstecher anzustellen, schrieb das Universalgenie am 20. Dezember 1715 einen Brief an den Minister Andreas Gottlieb von Bernstorff nach London und schlug darin vor, Nikolaus Seeländer für diese Aufgabe anzustellen.[9]

1716 hatte Leibniz Nicolaus Seeländer für die Königliche Hofbibliothek angestellt. Seeländer fertigte in der Folgezeit unter anderem zahlreiche Illustrationen zur Geschichte des Welfenhauses an.[5]

Zur Lebzeit von Leibniz fertigte Seeländer ein Porträt des Universalgenies,[10] stach für diesen und die Königliche Bibliothek Hannover zwischen 1716 und 1727 Fossilienfunde wie etwa versteinerte Fische, die später in Leibnizens Protogaea oder Abhandlung von der ersten Gestalt der Erde und den Spuren der Historie in Denkmalen der Natur erschienen.[11]

Als Leibniz noch kurz vor seinem Tode eine zweite Rechenmaschine erfand, mit der große Rechnungen ausgeführt werden sollten, sollte Nicolaus Seeländer das erfundene Recheninstrument anfertigen.[12]

1743 erschienen insgesamt 10 Schriften Seeländers zum Thema „Deutsche Münzen mittlerer Zeiten“, die in Hannover gedruckt und mit historischen Erläuterungen und 13 Kupferstichen versehen waren. Jede dieser Beschreibungen war als Zueignungsschrift abgefaßt und enthielt nach der immer gleichen kurzen Vorrede „Vino vendibili non opus est suspenda hedera“ unter anderem die Namen derjenigen Mäzene, die Seeländer die Münzen zur Beschreibung und/oder Abbildung zur Verfügung gestellt hatten.[4]

Kupferstichsammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek[Bearbeiten]

Teilweise mehr als 300 Jahre nach ihrer Fertigung wurden in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek mehr als 850 Kupferstichplatten wiederentdeckt, von denen der größte Teil von Nikolaus Seeländer stammt. Um den Jahreswechsel 2005/2006 wurde in der Ausstellung „Kupfer - Rot und Schwarz“ im Foyer der Niedersächsischen Landesbibliothek Teile der Sammlung unter anderem mit Abzügen gezeigt. Zu der Ausstellung erschien auch ein Begleitkatalog (siehe Literatur).[5]

Weitere Werke (unvollständig)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • In der Bibliothek des Benediktinerstiftes Furth bei Göttweig, wissenschaftliche Handbibliothek zur numismatischen Sammlung, sind mehrere Titel Seeländers vertreten, darunter[13]
    • Nikolaus Seeländer: Die segnende und schwere Hand auf Monumenten Siegeln und Müntzen Mittlerer Zeiten, Traktat, gewidmet Abt Gottfried Bessel, 1730[13]

Münzen und Medaillen[Bearbeiten]

Kupferstiche[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Oberschelp (Bearb.): Kupferstichplatten in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Ausstellungskatalog mit einem Geleitwort von Georg Ruppelt und einer CD-ROM, in der Reihe Schriften / Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek, Bd. 1, Hameln: Niemeyer, 2005, ISBN 3-8271-8901-2; Vorschau über ArchInform
  • Reinhard Oberschelp: Kupferstichplatten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in der Reihe Kleine Spezialitäten aus der Niedersächsischen Landesbibliothek, Heft 6, Hameln: C. W. Niemeyer Buchverlage, 2002, ISBN 3-8271-8806-7
  • Georg Ruppelt (Direktor): Pressemitteilung zur Ausstellung Kupfer - Rot und Schwarz / Beispiele einer nach 300 Jahren wiederentdeckten Kupferstichplatten-Sammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (ohne Datum: 2005), herunterladbar als PDF-Dokument
  • Johann Joachim Eschenburg (Hrsg.): Nic. Seeländer, in: Gotthold Ephraim Lessings Kollektaneen zur Literatur, Zweiter Band, Berlin: Christian Friedrich Voß und Sohn, 1790, in der Reihe Gotthold Ephraim Lessings sämtliche Schriften, 16. Teil, Berlin 1793, S. 353f.; online über Google-Bücher
  • Niklot Klüßendorf: Der angebliche Elisabeth-Brakteat des Nikolaus Seeländer (1682–1744), in: Jahrbuch der Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde, Bd. 17 (2006/07), Leipzig: Leipziger Münzhandlung und Auktion Heidrun Höhn, S. 131-135
  • Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 30, 1936
  • Rainer Thiel: Die Brakteatenfälschungen des Nicolaus Seeländer (1683–1744) und seine „Zehen Schriften“ zur mittelalterlichen Münzkunde, Heidelberg 1990.
  • Heinz Voigtlaender, Hermann Fahrig, Christoph Zülch: Berühmte Münzfälscher und Falschmünzer: Carl Wilhelm Becker, 1772–1830; Die Paduaner; Nikolaus Seeländer, 1683–1744; Luigi Cigoi, 1811–1874; Constantin Christodoulos; Claude Augustin de St. Urbain, 1703–1761; Caprara; Czeslaw Bojarski, 1910–1966, in: Vorsicht, Fälschung! Münzfälschungen von der Antike bis heute, in der Reihe Schriftenreihe der Numismatischen Gesellschaft, Bd. 39, Speyer: Numismatische Ges., 1997, S. 151-203
  • The National Union Catalog Pre-1956 Imprints, London: Mansell; Chicago/Illinois: American Library Association[1]
  • Deutsches Biographisches Archiv[1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nikolaus Seeländer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e siehe PND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek
  2. siehe Untertitelung zum Beispiel unter diesem Kupferstich mit dem Porträt des Johann Daniel Grubers
  3. Anmerkung: Unter dem Lemma Seeländersche Fälschung wird im Wiki numispedia.de (siehe Weblinks) abweichend der Sterbeort Erfurt angegeben. Diesen Sterbeort legt auch Johann Joachim Eschenburg (siehe Literatur) nahe.
  4. a b c d Johann Joachim Eschenburg (Hrsg.): Nic. Seeländer (siehe Literatur)
  5. a b c Georg Ruppelt (Direktor): Pressemitteilung (siehe Literatur)
  6. Mumde (Pseudonym) u.a.: Seeländersche Fälschung (siehe Weblinks)
  7. Lüken (Bearb.): Nikolaus Seeländer (siehe Weblinks)
  8. Helmut Knocke: Leineschloss, in: Stadtlexikon Hannover, S. 398f.
  9. Reinhard Oberschelp (Bearb.): Kupferstichplatten in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (siehe Literatur)
  10. a b Christoph Gottlieb von Murr: Journal zur Kunstgeschichte und zur allgemeinen Litteratur, Band 7, Nürnberg: Johann Heinrich Zeh, 1779, S. 227; online über Google-Bücher
  11. Horst Bredekamp: Die Fenster der Monade: Gottfried Wilhelm Leibniz' Theater der Natur und Kunst, 2. Auflage, Berlin: Akademie Verlag, 2008, ISBN 978-3-05-004491-0 und ISBN 3-05-004491-8, S. 119 u.ö.; teilweise online über Google-Bücher
  12. Gabriel Christoph Benjamin Busch: Rechenmaschine, in: Handbuch der Erfindungen, Bd. 11, vierte und ganz umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage, Eisenach: Bärecke, 1821, S. 33; online über Google-Bücher
  13. a b Helmut Lang (Hrsg.): Numismatisches Kabinett, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich, hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Unter Leitung von Helmut W. Lang. In Zusammenarbeit mit dem Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, hrsg. von Berhard Fabian, Bd. 3, Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, bearb. von Wilma Buchinger und Konstanze Mittendorfer, Hildesheim: Olms-Weidmann, 1996, ISBN 3-487-09907-1, S. 110; online über Google-Bücher
  14. Wolfgang Steguweit: Münzen und Medaillen als Netzwerk im Barock – Das Beispiel Gotha / Christian Wermuth (16.12.1661 Altenburg – 3.12.1739 Gotha) zum 350. Geburtstag, herunterladbar als PDF-Dokument
  15. : J. D. Gerstenberg: Über die Stadt Hildesheimischen Münzen, in: Beiträge zur Hildesheimischen Geschichte: Enthaltend die darauf Bezug habenden Aufsätze der sämmtlichen Hildesheimischen Wochen- und einiger kleiner Gelegenheitsschriften bis zum Jahre 1828, Band 1, Hildesheim: In der Gerstenbergschen Buchdruckerei, 1829, S. 390–416, hier: S. 393; online über Google-Bücher