Nikolaus Simmer

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Nikolaus Simmer (* 11. November 1902 in Besch (heute Ortsteil von Perl (Mosel)); † 17. März 1986 ebenda) war ein deutscher Diplom-Kaufmann und Politiker (NSDAP). Von 1940 bis 1945 war er Oberbürgermeister von Koblenz.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Simmer studierte an der Handelshochschule Berlin und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er ergriff den Beruf des Diplom-Handelslehrers und des Diplom-Kaufmanns bevor er 1927 der NSDAP beitrat. 1929 promovierte er an der Universität Frankfurt am Main zum Dr. rer. pol. und ging dann 1931/1932, nachdem er ein Stipendium erhalten hatte, für ein Jahr an die Universität Pennsylvania (USA). Das Amt des NSDAP-Kreisleiters in Trier übernahm er nach seiner Rückkehr. Von März bis zur Auflösung der Körperschaft im Herbst 1933 war er Mitglied des Preußischen Landtages. Am 23. April 1933 wurde er Landrat in Trier und am 13. Januar 1936 Landrat in Bad Kreuznach.

Wirken als Koblenzer Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Sein Vorgänger Theodor Habicht wurde nach nur vier Monaten Amtszeit zum Kriegsdienst einberufen. Am 6. Januar 1940 folgte ihm Simmer im Amt des Oberbürgermeisters von Koblenz. Im September 1943 wurde er zuständig für die Wirtschaftsabteilung im besetzten Luxemburg. Im Jahr 1942 wurden aus der Region 870 Juden über den Bahnhof Koblenz-Lützel in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Ein Jahr später folgten 149 Koblenzer Sinti, die über den Hauptbahnhof nach Auschwitz verschleppt und dort vergast wurden. Von den 800 Juden (1929) in Koblenz hatten nur 22 den Holocaust überlebt.[1]

Im Luftkrieg auf deutsche Städte wurde Koblenz zunächst verschont. Am 22. April 1944 fand der erste größere Luftangriff auf Koblenz statt, bei dem 130 Menschen getötet und 300 verletzt wurden. Der schwerste Luftangriff vom 6. November 1944 zerstörte die Stadt vollständig, ein Feuersturm machte jede Löschversuche aussichtslos. 109 Tote, 558 Verletzte und 25.000 Obdachlose forderte dieser Angriff. Von den einst 23.700 Wohnungen waren nur 1.500 unbeschädigt geblieben. Die Stadtverwaltung evakuierte die Koblenzer Bevölkerung bis Ende 1944 nach Thüringen, was vielen Menschen das Leben rettete. Seit dem 24. September 1944 verließen täglich mehrere Züge mit jeweils 600 Menschen die Stadt. Der endgültige Räumungsbefehl kam am 13. Januar 1945. Zum Kriegsende musste Simmer noch der Einberufung zum Kriegsdienst folge leisten. Am 12. Februar 1945 folgte ihm Konrad Gorges im Amt des Oberbürgermeisters nach.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Stockhorst: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich, 1967.
  • Wolfgang Schütz: Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte – Namensgeber für Straßen und Plätze. 2. überarb. u. erw. Auflage. Verlag für Anzeigenblätter GmbH, Mülheim-Kärlich 2005.
  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt.
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0876-X.
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1036-5.
  • Ernst Kienast (Hrsg.): Handbuch für den Preußischen Landtag, Ausgabe für die 5. Wahlperiode, Berlin 1933, S. 384.
  • Petra Weiß: Nikolaus Simmer (1902-1986), nationalsozialistischer Funktionär, Landrat und Oberbürgermeister von Koblenz, Koblenz 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rassische Verfolgung und Euthanasie in Koblenz in: VVN-BdA Kaiserslautern