Nikolaus Storch

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Nikolaus Storch (* vor 1500 in Zwickau; † nach 1536; Vorname auch Nicolaus) war ein Tuchweber und Laienprediger aus dem sächsischen Zwickau.

Leben[Bearbeiten]

Storch gehörte zu den einfachen Handwerkern, die dort im Zeitalter der Reformation eigenständige Kirchen- und Sozialreformen einleiteten. Er hatte Visionen und sah sich als Prophet Gottes mit dem Auftrag, die korrupte katholische Kirche zu bekämpfen. Er führte eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten, die als Zwickauer Propheten bekannt wurden. Die Zwickauer Propheten gewannen durch ihre visionären Predigten enormen Zulauf und spalteten die Bürgerschaft Zwickaus. Sie befürworteten Gemeineigentum, Armenfürsorge und eine Enteignung der Klöster, notfalls auch Widerstand gegen fürstliche Gewaltmaßnahmen.

Storch lehnte die Kindertaufe ab und näherte sich den Lehren der Täufer. Er beeinflusste auch Thomas Müntzer stark, der sich 1521 in Zwickau aufhielt und Storch bei seinem Kampf um Reformen gegen den katholischen Priester Egranus unterstützte. Das örtliche Zisterzienserkloster wurde am 16. März 1522 auf sein Drängen aufgelöst.

Daraufhin rief Nikolaus Hausmann, der Reformator Zwickaus und Prediger an der Zwickauer Marienkirche, seinen Freund Martin Luther zu Hilfe; dieser predigte ab Ende April öffentlich vom Rathaus zu einer Versammlung von 14.000 Bürgern aus Stadt und Umland[1] und erreichte einen Meinungsumschwung zu Gunsten maßvollerer Reformen. Die Zwickauer Propheten mussten die Stadt verlassen.

Storch reiste mit Müntzer nach Wittenberg und beeindruckte dort Philipp Melanchthon stark; doch nachdem Melanchthon über den Kurfürsten Luther um Hilfe ersuchte, griff dieser auch hier persönlich ein. So mussten Storch, Müntzer und auch Karlstadt wiederum die Stadt verlassen. Sie wurden zu reisenden Predigern. Dass Storch nach der Niederschlagung der Bauernrevolte in Sachsen (25. Mai 1525, Schlacht bei Frankenhausen) in München in einem Hospital gestorben sei, ist unzutreffend. Er taucht 1536 ein letztes Mal in den Zwickauer Ratsprotokollen auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Hoyer: Die Zwickauer Storchianer. Vorläufer der Täufer? In: Jahrbuch für Regionalgeschichte 13, 1986, S. 60-78.
  • Paul Wappler: Thomas Münzer in Zwickau und die „Zwickauer Propheten“. Zwickau 1908.
  • Richard Bachmann: Niclas Storch, der Anfänger der Zwickauer Wiedertäufer. Zwickau 1880.
  • Paul TschackertStorch, Nicolaus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 442–445.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. "Thomas Müntzer - Der Satan von Allstedt", MDR-Fernsehfilm vom 31. Oktober 2010