Nils-Aslak Valkeapää

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Nils-Aslak Valkeapää (* 23. März 1943 in Enontekiö, Finnisch-Lappland; † 26. November 2001 in Espoo, Südfinnland), auf Samisch auch als Áillohaš oder Áilluhas bekannt, Künstlername Ailu, war ein samischer Schriftsteller, Musiker, Künstler und Schauspieler.

Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in Käsivarsi, nahe der schwedischen Grenze, lebte aber auch lange Zeit in Skibotn in Norwegen. Er galt zu Lebzeiten als die international bekannteste samische Persönlichkeit, auch wenn zwischenzeitlich die Sängerin Mari Boine ähnliche oder sogar größere Bekanntheit erlangt hat. Valkeapää kam zwar in einer Familie traditioneller Rentier-Züchter zur Welt, machte aber eine Ausbildung zum Grundschullehrer. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit betätigte er sich auch politisch für die Anliegen der Samen und anderer indigener Gemeinschaften. Nils-Aslak Valkeapää starb Ende 2001 nach einem Langstreckenflug an einer Lungenembolie.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Die samische Tradition des Joik-Gesangs nahm in seinem musikalischen wie auch in seinem künstlerischen und schriftstellerischen Schaffen einen zentralen Platz ein. Seinen eigenen künstlerischen Ruf begründete er als Joik-Interpret. In den 1960ern suchten junge Samen nach ihren kulturellen Wurzeln und Valkeapää wurde einer der prominentesten Vertreter dieser neuen Generation von Joikern. Seine ersten Plattenaufnahmen, Jojkuja von 1968, enthielten „modernisierte“ Joiks.

Valkeapeää schrieb die Musik zu dem international bekannten Film Pathfinder (dt. Alternativtitel Die Rache des Fährtensuchers; samisch Ofelaš, norwegisch Veiviseren) von 1987, Regie und Buch Nils Gaup. Er spielte darin auch die Rolle des Siida-Isit. Er trat bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer, Norwegen, auf – was seine Kollegin Mari Boine, selbst Norwegerin, mit der Begründung ablehnte, nicht die „Quoten- oder Feigenblatt-Indigene“ spielen zu wollen.

Als Schriftsteller bediente er sich hauptsächlich des Samischen, Übersetzungen gibt es vor allem ins Finnische und auch in die Skandinavischen Sprachen. Seine Popularität ist am größten in Norwegen – dem Land der größten samischen Gemeinschaft. Seine erste Veröffentlichung war ein politisches Pamphlet namens Terveisiä lapista (dt. Grüße aus Lappland 2014) an die Adresse der herrschenden Skandinavier. Er wurde der erste Sekretär des Weltrats der Indigenen Völker (World Council of Indigenous Peoples). In dieser Position war er eine Inspirationsquelle, nicht allein für samische Künstler, sondern auch für Mitglieder von indigenen Völkern auf der ganzen Welt. Er veröffentlichte insgesamt acht Gedichtsammlungen. Eine seiner bekanntesten, inspiriert von Anders Fjellners Die Söhne der Sonne, ist Beaivi áhčážan, die unter anderem ins Englische übersetzt wurde, unter dem Titel The Sun, My Father.[1]

In Deutschland trat Valkeapää 1993 im Rahmen des Länderschwerpunkts Finnland beim Tanz&FolkFest im thüringischen Rudolstadt auf.[2] Drei Jahre später, 1996, erlitt er einen schweren Autounfall, durch den sein künstlerisches Schaffen weitgehend abbrach, da er danach an schweren Gedächtnisstörungen litt.[3]

Diskografie[Bearbeiten]

  • Joikuja, 1968
  • Beaivi, áhčážan, 1988
  • Nils-Aslak Valkeapää & Esa Kotilainen: Eanan, Eallima Eadni. Music for the book Beaivi, áhčážan, 1989, DAT CD-5 8
  • Sápmi, lottážan

Filmmusik[Bearbeiten]

  • 1987: Pathfinder (samisch Ofelaš, norwegisch Veiviseren, beides zu Deutsch Wegweiser)

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Terveisiä lapista. 1970, 1971 auf norwegisch als Pamphlet herausgegeben unter dem Titel Hilsen fra Sameland.
  • Solen, min far. (Beaivi Áhcázan), Bild- und Gedichtband, Übersetzungen på blandad Schwedisch und Norwegisch (Bokmål und Nynorsk).
  • Vidderna inom mig. (Ruoktu Váimmus) 1987, Gedichtsammlung.
  • Aurinko, isäni. (Pekka Sammallahti on kääntänyt lyriikkakuvateoksen Beaivi, Ahcazan runot), 1992.
  • Beaivi, áhčážan. 1988.
  • Fadir min, solin. 1992.
  • Gida ijat cuov’gadat. 1974.
  • Greetings from Lappland. 1983.
  • Herbst in Lappland : Stimmungsbilder aus dem Hohen Norden. H. U. Schwaar, 1985.
  • Ich bin des Windigen Berges Kind, 1985
  • Kevään yöt niin valoisat. (saamenkielisestä alkuteoksesta suom. Anneli Rosell). 1980.
  • Lavlo vizar biello-cizas. 1976.
  • Nap, édesapám; fordította Domokos Johanna. (nyelvi lektor: Harri Mantila). 1997.
  • RistenKirsti Paltto. bearbmagovva, 1981.
  • Ruoktu vaimmus. (govaid lea sargon; girjjis lea farus Pehr Henrik Nor) 1985.
  • Solen min far. 1990.
  • Terveisiä Lapista. 1971.
  • Trekways of the wind. (Übersetzer: Ralph Salisbury, Lars Nordström, Har ald Gaski). the book is ill, 1994.
  • Vidderna inom mig. 1987.
  • Vidderna inom mig. (Übersetzer: Mia Berner, John E. Utsi, Kristina Utsi). 1991.
  • Grüße aus Lappland. (Übersetzerin: Johanna Domokos). 2014.

Gedichtssammlungen[Bearbeiten]

  • 1985: Ruoktu váimmus. (norwegischer Titel: Vindens veier. dt. Die Wege des Windes.)
  • 1988: Beaivi, Áhčážan. (norwegischer Titel: Solen, min far., dt. Sonne, mein Vater.)
  • 1994: Nu guhkkin dat mii lahka. (norwegischer Titel: Så fjernt det nære., dt. Das Nahe so fern.)
  • 1996: Jus gazzebiehtár bohkosivččii.
  • 1999: Girddán, seivvodan.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Tidningen VI:s litteraturpris, Literaturjahr 1987|1987
  • Nordiska rådets litteraturpris, Literaturjahr 1991|1991

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Info auf rovaniemi.fi
  2. Info auf ff-rudolstadt.de
  3. The Independent: Obituary: Nils-Aslak Valkeapää. 3. Dezember 2001.