Nina Simone

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Nina Simone (1965)
Nina Simone bei einem Konzert 1982 in Frankreich

Nina Simone (eigentlich Eunice Kathleen Waymon; * 21. Februar 1933 in Tryon (North Carolina), USA; † 21. April 2003 in Carry-le-Rouet, Frankreich) war eine US-amerikanische Jazz- und Bluessängerin, Pianistin und Songschreiberin. Dabei vermied sie den Ausdruck Jazz, sie selbst nannte ihre Musik Black Classical Music. Sie nannte sich mit Nachnamen Simone, da sie ein Fan von Simone Signoret war.

Leben[Bearbeiten]

Nina Simone war das sechste von acht Kindern einer Methodistenpredigerin und eines Handwerkers. Bereits im Alter von vier Jahren begann sie mit dem Klavierspielen. Nach einem Studium an der renommierten Juilliard School in New York City wollte sie ihre Ausbildung in Philadelphia am Curtis Institute of Music abschließen, wurde jedoch aus vermutlich rassistischen Gründen nicht zugelassen. Über einen Job als Klavierlehrerin kam Nina Simone zum Gesang, wobei sie von Anfang an eigene Stücke improvisierte. Ihr Gesangs- und Klavierstil war von Nellie Lutcher beeinflusst, deren Karriere ungefähr zu der Zeit endete, als Nina Simone bekannt wurde.[1]

1957 veröffentlichte sie in New York ihr erstes Album auf Bethlehem Records, ein Konzert 1959 in der New York City Town Hall machte sie in den USA und in Europa bekannt. Von ihren Fans wurde sie ehrfürchtig als „Hohepriesterin des Soul“ bezeichnet. In den 1960er Jahren engagierte sie sich in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, mit Liedern wie Mississippi Goddam und To Be Young, Gifted, and Black (Liedtext von Weldon Irvine) wurde sie eine ihrer musikalischen Leitfiguren.

Ihr eigenes, privates Leben zerbrach aber Stück um Stück: Sie floh aus ihren Ehen, hatte eine Affäre mit dem Premierminister von Barbados (Errol Barrow), suchte aufgrund einer Empfehlung von Miriam Makeba ihre Bestimmung in Afrika, unternahm Europatourneen, die sie ihrem politischen Kampf in den USA entfremdeten und galt in der Plattenindustrie zunehmend als schwierig. Ihr Album Baltimore (1978) wurde von der Kritik gelobt, verkaufte sich aber zunächst schlecht. In den 1980ern trat sie regelmäßig im Jazzclub von Ronnie Scott in London auf (und nahm dort auch ein Album auf). Ihre Autobiografie I Put a Spell on You erschien 1992, ihr letztes reguläres Album 1993. Im gleichen Jahr zog sie nach Südfrankreich, wo sie zehn Jahre lebte und 2003 nach langem Krebsleiden starb.

Der Titel Ain't Got No / I Got Life von ihrem 1968er Album ’Nuff Said! ist ein Medley aus zwei Songs aus dem Musical Hair. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie vor allem durch ihren Song My Baby Just Cares for Me – dank eines Chanel-Werbespots wurde er 1987, 30 Jahre nach der Aufnahme des Stücks, ein Welthit. An den Verkaufserlösen war sie nur minimal beteiligt. 1993 kam der Film Codename: Nina mit Bridget Fonda in der Hauptrolle in die Kinos – mit einem Soundtrack, der teilweise aus Musik von Nina Simone bestand. In dem 1999er Remake von Thomas Crown ist nicht zu fassen mit Pierce Brosnan und Rene Russo taucht das Intro ihrer Version des Gospels Sinnerman immer wieder auf, um schließlich den Höhepunkt des Films mit ihrem unverwechselbaren Gesang zu unterlegen. [2] 2009 nutzte Pandemic Studios Simones Version des Lieds Feeling Good sowie eine Remix-Version als musikalische Untermalung des im Paris des Zweiten Weltkriegs spielenden Computerspiels Saboteur.[3]

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1958 Jazz as Played in an Exclusive Side Street Club
  • 1959 And Her Friends
  • 1959 The Amazing
  • 1960 At Town Hall
  • 1961 Nina at Newport
  • 1961 Forbidden Fruit
  • 1962 At the Village Gate
  • 1962 Sings Ellington
  • 1963 At Carnegie Hall
  • 1964 Folksy Nina
  • 1964 Don’t Let Me Be Misunderstood
  • 1964 In Concert
  • 1964 Broadway. Blues. Ballads.
  • 1965 I Put a Spell on You
  • 1966 Pastel Blues
  • 1966 With Strings
  • 1966 Wild Is the Wind
  • 1966 Let It All Out
  • 1967 High Priestess of Soul
  • 1967 Sings the Blues
  • 1967 Silk & Soul
  • 1968 ’Nuff Said!
  • 1969 And Piano!
  • 1969 To Love Somebody
  • 1969 A Very Rare Evening (live)
  • 1970 Black Gold
  • 1971 Here Comes the Sun
  • 1972 Emergency Ward
  • 1974 It Is Finished
  • 1978 Baltimore
  • 1980 Cry Before I Go
  • 1982 Fodder on My Wings
  • 1985 Nina’s Back
  • 1987 Live & Kickin
  • 1987 Let It Be Me
  • 1987 Live at Ronnie Scott’s
  • 1993 A Single Woman
  • 1994 The Rising Sun Collection

Literatur[Bearbeiten]

  • Nina Simone, Stephen Cleary: I Put a Spell on You: The Autobiography of Nina Simone. Ebury Press, London 1991, ISBN 0-306-81327-0
  • Nina Simone, Stephen Cleary: Meine schwarze Seele. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1993, ISBN 3-492-12006-7
  • Nadine Cohadas: Princess Noire : the tumultuous reign of Nina Simone, New York, NY : Pantheon Books, 2010, ISBN 978-0-375-42401-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nina Simone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Independant: Obituaries: Nellie Lutcher. 11. Juni 2007. Archiviert vom Original am 6. August 2011, abgerufen am 26. Mai 2013.
  2. Auch der 2004 erscheinende Film Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben sowie die Neuverfilmung der Actionserie Miami Vice von 2006 hatten eine Variante von Simones Sinnerman als Titelsong. In der BBC-Serie Sherlock war in dem dritten Teil („The Reichenbachfall“) aus der zweiten Staffel ebenfalls ihre Version von Sinnerman zu hören.
  3. Videogamer.com: The Saboteur Review. 3. Dezember 2009, abgerufen am 6. November 2010.