Nippon Connection (Filmfestival)

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Nippon Connection ist ein Festival für japanische Filme. Es findet seit 2000 jährlich im Frühjahr bzw. Frühsommer in Frankfurt am Main statt. Bis zum Jahr 2012 war das Festivalzentrum im Studierendenhaus der Universität Frankfurt am Main. Seit dem 13. Nippon Connection Festival im Jahr 2013 sind die Hauptveranstaltungsorte das Künstlerhaus Mousonturm und das Theater Willy Praml in der Naxoshalle und dauert 6 Tage. Weitere Spielorte sind das Kino im Deutschen Filmmuseum, das Mal Seh’n Kino, der Ausstellungsraum Eulengasse und das Theater Die Käs. 2014 besuchten über 16.000 Zuschauer das Festival.

Das Festival wird vom gemeinnützigen Verein Nippon Connection e.V. ehrenamtlich organisiert und durchgeführt.

Beim Nippon Connection Festival werden jedes Jahr über 100 Kurz- und Langfilme gezeigt, größtenteils als Deutschland-, Europa- oder internationale Premiere. Die präsentierten Filme laufen in verschiedenen Sektionen und umfassen neben thematischen Retrospektiven und zeitgenössischen Filmen eine große thematische Bandbreite an aktuellen Spielfilm- und Dokumentarfilmproduktionen. Das Filmprogramm ist in 4 Sektionen unterteilt: Nippon Cinema, Nippon Animation, Nippon Visions und Nippon Retro. Viele japanischen Filmemacher stellen ihre Filme beim Festival persönlich vor und nehmen an Podiumsdiskussionen teil (2014 waren über 60 Filmemacher und Künstler aus Japan zu Gast). Seit 2005 wird der Publikumspreis Nippon Cinema Award“ für den besten Film in der Sektion Nippon Cinema vergeben, seit 2010 der Jurypreis Nippon Visions Jury Award und seit 2014 der Zuschauerpreis Nippon Visions Audience Award.

Weiterhin werden unter dem Namen Nippon Culture Vorträge, Vorführungen und Workshops zu Themen der japanischen Kultur angeboten. Dazu zählten in der Vergangenheit unter anderem Teezeremonie, Trommelworkshops, japanische Kalligraphie, Tanzvorführungen, Kampfsportpräsentationen und vieles mehr. Abends findet meist ein Livekonzert oder eine Party statt.

Seit 2012 wird außerdem mit Nippon Kids ein eigenes Programm für Kinder angeboten (Workshops und japanische Kinderfilme).

Teile der Programmsektion Nippon Visions, einer Schiene für Independentproduktionen, gingen bis 2010 als Nippon Connection Film Festival on Tour auf die Reise durch verschiedene Städte weltweit (u.a. New York, Barcelona, Berlin).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des japanischen Filmfestivals Nippon Connection gehen auf das Jahr 1999 zurück. Die beiden Filmwissenschaftsstudenten Marion Klomfaß und Holger Ziegler hatten die Idee an der Universität Frankfurt am Main einige japanische Filme zu zeigen. Bereits beim ersten Festival im Jahr 2000 gab es das Grundkonzept, nicht nur Filme zu zeigen, sondern diese auch in ein umfangreiches Rahmenprogramm einzubetten, um die Besucher in unbekannte Filme in japanischer Sprache mit englischen Untertiteln zu locken.

Die Erwartungen, die von den Organisatoren an das erste Festival gerichtet waren, wurden um ein Vielfaches übertroffen: 10.000 Besucher anstelle der erwarteten 1.500.

Entwicklungen[Bearbeiten]

Wegen der großen Nachfrage beschloss das Organisationsteam, das Festival weiterzuführen. Es sollte nun im jährlichen Turnus stattfinden. Nach einer einjährigen Pause und der Gründung des gemeinnützigen Vereins Nippon Connection e.V. fand 2002 das zweite Nippon Connection Festival statt.

Die Grundidee wurde immer weiter ausgebaut: 2002 wurde eine eigene Filmschiene für Digital-Produktionen eingerichtet (Nippon Digital) und in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Mousonturm eine Ausstellung organisiert. Außerdem wurde der Nippon Connection Newcomer Award an den besten Nachwuchsfilm verliehen.

Beim Nippon Connection Festival 2003 wurde zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit dem Kino im Deutschen Filmmuseum eine Retrospektive gezeigt (Nippon Retro) und Veranstaltungen in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt organisiert.

2004 gingen Teile des Programms auf Tour nach Leipzig und Barcelona. Zudem wurden die Festivalorganisatoren vom japanischen Kulturministerium (Bunkacho) z.B. nach Tokio eingeladen, um an einem Symposium zur Wirkung des japanischen Films im Ausland teilzunehmen.

2005 wurde das Tourprogramm weiter ausgebaut und zum ersten Mal der Nippon Cinema Award verliehen.

2007 fand im Rahmen von Nippon Connection erstmals in Europa die Kinema Club Konferenz statt, die wichtigste akademische Veranstaltung zu Film und bewegten Bildmedien aus Japan.

Beim zehnjährigen Jubiläum 2010 hat eine Fachjury erstmals den Nippon Digital Award vergeben, der vor allem Nachwuchstalente unterstützen soll. Der Preisträger erhält eine kostenlose Untertitelung für seinen nächsten Film. 2011 wurde der Preis in Nippon Visions Award umbenannt.

2012 wurde erstmals das Kinderprogramm Nippon Kids angeboten.

2013 wurde Festivalleiterin Marion Klomfaß in Anerkennung ihres herausragenden Beitrags zur Förderung des japanisch-deutschen Austauschs eine Verdienstauszeichnung des japanischen Außenministers verliehen (Gaimu Daijin Hyosho).

2014 wurde der Jurypreis Nippon Visions Award in Nippon Visions Jury Award umbenannt und zum ersten Mal der Zuschauerpreis Nippon Visions Audience Award verliehen.

Von 2012 bis 2014 wurde der VGF Nippon in Motion Award für den besten 12-Sekunden-Spot verliehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Nippon Connection hat sich mittlerweile zur größten Plattform für aktuellen japanischen Film weltweit entwickelt. Die meisten Filme, die gezeigt werden, erleben ihre Premiere. Im Rahmen des Festivals wurden viele Regietalente entdeckt und in ihrem Schaffen kontinuierlich begleitet, unter anderem Nobuhiro Yamashita, Toshiaki Toyoda oder Yuki Tanada.

Ein wichtiges Anliegen des Festivals ist, den Austausch zwischen Publikum und Filmemachern zu fördern. Jedes Jahr präsentieren in Frankfurt viele Regisseure, Schauspieler und Produzenten ihre Filme persönlich und stehen dem Publikum Rede und Antwort. Unter den anwesenden Gästen waren bisher zahlreiche Größen des japanischen Films wie Kaori Momoi, Kōji Wakamatsu, Shinya Tsukamoto, Akira Ogata, Go Hirasawa, Haruhiko Arai, Makoto Shinozaki, Minoru Kawasaki, Nobuhiro Yamashita, Ryuichi Hiroki, Shinsuke Sato, Yuki Tanada und Yukihiko Tsutsumi vertreten.

Auch beim Festival selbst spielt die akademische Beschäftigung mit dem japanischen Film eine wesentliche Rolle. Es findet eine Enge Zusammenarbeit mit der Japanologie und dem Institut für Filmwissenschaft der Universität Frankfurt am Main. Zahlreiche internationale Japanfilmkenner geben dem Publikum in Vorträgen tiefe Einblicke in das japanische Filmschaffen.

Preisträger[Bearbeiten]

Nippon Connection Newcomer Award

  • 2002 Blue Spring (Aoi haru) von Toshiaki Toyoda

Nippon Cinema Award

  • 2005 Turn Over - An Angel is Coming on a Bicycle (Tenshi wa jitensha ni notte) von Keiichi Nomura
  • 2006 University of Laughs (Warai no daigaku) von Mamoru Hoshi
  • 2007 La Maison de Himiko von Isshin Inudo
  • 2008 Fine, Totally Fine (Zen zen daijbu) von Yosuke Fujita
  • 2009 Detroit Metal City von Toshio Lee
  • 2010 Oblivion Island: Haruka And The Magic Mirror von Shinsuke Sato
  • 2011 Arrietty von Hiromasa Yonebayashi
  • 2012 The Woodsman and the Rain (Kitsutsuki to ame) von Shuichi Okita
  • 2013 Key of Life (Kagidorobou no mesoddo) von Kenji Uchida
  • 2014 Pecoross’ Mother and Her Days (Pekorosu no haha ni ai ni iku) von Azuma Morisaki

Nippon Digital Award

  • 2010 Live Tape von Tetsuaki Matsue

Nippon Visions Award

  • 2011 Doman Seman von Go Shibata; Special Mention: Door to the Sea (Umi e no Tobira) von Reiko Ohashi
  • 2012 The Sound of Light (Hikari no oto) von Juichiro Yamasaki; Special Mention: Fukushima: Memories of a Lost Landscape (Soma kanka: dai ichi bu - ubawareta tochi no kioku) von Yojyu Matsubayashi
  • 2013 A2-B-C von Ian Thomas Ash

Nippon Visions Audience Award

  • 2014 Tale of a Butcher Shop (Aru seinikuten no hanashi) von Aya Hanabusa

Nippon Visions Jury Award

  • 2014 Antonym (Rasen ginga) von Natsuka Kusano
  • Special Mention: Friendship (Tomodachi) von Mikihiro Endo

VGF Nippon in Motion Award

  • 2012 koi-man von Micaela Fonseca
  • 2013 Nippon Invasion von Michael Herber & Liwen Shen
  • 2014 Onigiri no origami (Bierfest) von Christine Mai & David Clausmeier

Retrospektiven[Bearbeiten]

  • 2003 Shuji Terayama
  • 2004 Anime Classics - Frühe japanische Animationsfilme (1924 - 1944)
  • 2005 Seijun Suzuki
  • 2006 Exploding Japan – Subversives Genrekino der 60er und 70er Jahre
  • 2007 Shooting the Sun - Japanischer Experimentalfilm von 1960 bis heute
  • 2008 Wizards of Japanese Independent Animation : 1960s - Today
  • 2009 Sexploitation and Experimentation: The Many Shades of Pink Film.
  • 2010 Best of Nippon Connection 2000-2009
  • 2011 Sion Sono
  • 2012 Visual Resistance: Protest-Kultur im japanischen Dokumentarfilm
  • 2013 Eccentric and Explosive - The Cinema of Sogo Ishii
  • 2014 Ko Nakahira - The Wild Child of the Sixties

Design[Bearbeiten]

Seit dem ersten Festival im Jahr 2000 ist das auffallende Corporate Design ein Markenzeichen des Festivals. Die Poster in zartem Rosa bis zu leuchtendem Pink stechen jedes Jahr aufs Neue aus der Kommunikationsmasse der Plakatwände heraus und wurden mit allen wichtigen deutschen Kreativ- und Design-Preisen ausgezeichnet.

Musik[Bearbeiten]

Neben dem Programm arbeitet das Festivalteam an zahlreichen weiteren Projekten. Beispielsweise entstand die Idee zu einer eigenen Musik-CD. Die Festivalorganisatoren brachten aus Tokio verschiedene Sounds der Tokioter U-Bahn mit und gaben sie deutschen Musikern, die sich von diesen Klängen zu einem imaginären Soundtrack der japanischen Megacity inspirieren ließen. Diese CD erschien 2003 beim Label Ckp unter dem Titel Nippon Connection – The Tokyo Metro Soundtrack. Im April 2005 erschien beim Label das modular die zweite CD Nippon Connection Exchanging Tracks. Zwei traditionelle japanische Musikstücke wurden 28 renommierten Remixern aus Europa und den USA zur Verfügung gestellt. Diese ließen sich von der Atmosphäre der Stücke und den Samples inspirieren und komponierten ihre persönlichen Soundtracks. Unter dem Projekttitel "Exchanging Tracks" gaben wir die Musikstücke der beiden CDs wiederum japanischen Regisseuren, die dazu Kurzfilme drehten.

Organisation[Bearbeiten]

Die Organisation erfolgt in ehrenamtlicher Arbeit vom gemeinnützigen Verein Nippon Connection e.V. Das Organisationsteam besteht aus mittlerweile rund 70 Personen. Während des Festivals wird das Team von über 100 freiwilligen Helfern unterstützt. Das Festivalbudget setzt sich aus den Einnahmen des Festivals sowie verschiedenen Förder- und Sponsorengeldern zusammen. Nippon Connection ist Mitglied im Verbund hessischer Filmfestivals. Schirmherren des Festivals waren beim Festival 2014 Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, und der japanische Generalkonsul Hideyuki Sakamoto.

Weblinks[Bearbeiten]