Nippon Connection (Filmfestival)

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Nippon Connection ist ein Festival für japanische Filme. Es findet seit 2000 jährlich im Frühjahr bzw. Frühsommer in Frankfurt am Main statt. Bis zum Jahr 2012 war das Festivalzentrum im Studierendenhaus der Universität Frankfurt am Main. Seit dem 13. Nippon Connection Festival im Jahr 2013 sind die Hauptveranstaltungsorte das Künstlerhaus Mousonturm und die Naxoshalle und dauert 6 Tage. Weitere Spielorte sind das Kino im Deutschen Filmmuseum und das Mal Seh’n Kino.

Das Festival wird vom gemeinnützigen Verein Nippon Connection e.V. ehrenamtlich organisiert und durchgeführt.

Beim Nippon Connection Festival werden jedes Jahr rund 130 Kurz- und Langfilme gezeigt, größtenteils als Deutschland-, Europa- oder internationale Premiere. Die präsentierten Filme laufen in verschiedenen Kategorien und umfassen neben thematischen Retrospektiven und zeitgenössischen Filmen eine große thematische Bandbreite an aktuellen Spielfilmproduktionen. Viele japanischen Filmemacher stellen ihre Filme beim Festival persönlich vor und nehmen an Podiumsdiskussionen teil (2013 waren über 50 Filmemacher und Künstler aus Japan zu Gast). Seit 2005 wird der Publikumspreis „Nippon Cinema Award“ für den besten Film in der Sektion "Nippon Cinema" vergeben und seit 2010 der Jurypreis "Nippon Visions Award".

Weiterhin werden unter dem Namen „Nippon Culture“ Vorträge, Vorführungen und Workshops zu Themen der japanischen Kultur angeboten. Dazu zählten in der Vergangenheit unter anderem Teezeremonie, Trommelworkshops, japanische Kalligraphie, Tanzvorführungen, Kampfsportpräsentationen und vieles mehr. Abends findet meist ein Livekonzert oder eine Party statt.

Teile der Programmsektion "Nippon Visions", einer Schiene für kleinere Videoproduktionen, gingen bis 2010 als „Nippon Connection Film Festival on Tour" auf die Reise durch verschiedene Städte weltweit (u.a. New York, Barcelona, Berlin).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des japanischen Filmfestivals Nippon Connection gehen auf das Jahr 1999 zurück. Die beiden Filmwissenschaftsstudenten Marion Klomfaß und Holger Ziegler hatten die Idee an der Frankfurter Universität einige japanische Filme zu zeigen. Das Programm sollte aus dem 16-mm-Filmarchiv des Japanischen Kulturinstituts in Köln zusammengestellt werden. Wegen der unbefriedigenden Qualität wurde begonnen nach Möglichkeiten zu suchen, aktuelle japanische Filme auf 35-mm-Kopien zu beschaffen.

Bereits beim ersten Festival im Jahr 2000 gab es das Grundkonzept, nicht nur Filme zu zeigen, sondern diese auch in ein umfangreiches Rahmenprogramm einzubetten, um die Besucher in unbekannte Filme in japanischer Sprache mit englischen Untertiteln zu locken.

Die Erwartungen, die von den Organisatoren an das erste Festival gerichtet waren, wurden um ein Vielfaches übertroffen: 10.000 Besucher anstelle der erwarteten 1.500.

Entwicklungen[Bearbeiten]

Wegen der großen Nachfrage beschloss das Organisationsteam, das Festival weiterzuführen. Es sollte nun im jährlichen Turnus stattfinden. Nach einer einjährigen Pause und der Gründung des gemeinnützigen Vereins "Nippon Connection e.V." fand 2002 das zweite Nippon Connection Festival statt.

Die Grundidee wurde immer weiter ausgebaut: 2002 wurde eine eigene Filmschiene für Digital-Produktionen eingerichtet ("Nippon Digital") und in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Mousonturm eine Ausstellung organisiert.

Beim Nippon Connection Festival 2003 wurde zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit dem Kino im Deutschen Filmmuseum eine Retrospektive gezeigt ("Nippon Retro") und Veranstaltungen in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt organisiert.

2004 gingen Teile des Programms auf Tour nach Leipzig und Barcelona. Zudem wurden die Festivalorganisatoren vom japanischen Kulturministerium (Bunkacho) z.B. nach Tokio eingeladen, um an einem Symposium zur Wirkung des japanischen Films im Ausland teilzunehmen.

2005 wurde das Tourprogramm weiter ausgebaut und zum ersten Mal der Nippon Cinema Award verliehen.

2007 fand im Rahmen von Nippon Connection erstmals in Europa die Kinema Club Konferenz statt, die wichtigste akademische Veranstaltung zu Film und bewegten Bildmedien aus Japan.

Beim zehnjährigen Jubiläum 2010 hat eine Fachjury erstmals den Nippon Digital Award vergeben, der vor allem Nachwuchstalente unterstützen soll. Der Preisträger erhält eine kostenlose Untertitelung für seinen nächsten Film. 2011 wurde der Preis in Nippon Visions Award umbenannt.

2013 wurde Festivalleiterin Marion Klomfass in Anerkennung ihres herausragenden Beitrags zur Förderung des japanisch-deutschen Austauschs eine Verdienstauszeichnung des japanischen Außenministers verliehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Nippon Connection hat sich mittlerweile zur größten Plattform für aktuellen japanischen Film außerhalb Japans entwickelt. Die meisten Filme, die gezeigt werden, erleben ihre Premiere. Im Rahmen des Festivals wurden viele Regietalente entdeckt und in ihrem Schaffen kontinuierlich begleitet, unter anderem Nobuhiro Yamashita, Toshiaki Toyoda oder Yuki Tanada.

Ein wichtiges Anliegen des Festivals ist, den Austausch zwischen Publikum und Filmemachern zu fördern. Jedes Jahr präsentieren in Frankfurt viele Regisseure, Schauspieler und Produzenten ihre Filme persönlich und stehen dem Publikum Rede und Antwort. Unter den anwesenden Gästen waren bisher zahlreiche Größen des japanischen Films wie Kaori Momoi, Kōji Wakamatsu, Shinya Tsukamoto, Akira Ogata, Go Hirasawa, Haruhiko Arai, Makoto Shinozaki, Minoru Kawasaki, Nobuhiro Yamashita, Ryuichi Hiroki, Shinsuke Sato oder Yuki Tanada vertreten.

Auch beim Festival selbst spielt die akademische Beschäftigung mit dem japanischen Film eine wesentliche Rolle. Zahlreiche Japanfilmkenner geben dem Publikum in Vorträgen tiefe Einblicke in das japanische Filmschaffen.

Design[Bearbeiten]

Seit dem ersten Festival im Jahr 2000 ist das auffallende Corporate Design ein Markenzeichen des Festivals. Die Poster in zartem Rosa bis zu leuchtendem Pink stechen jedes Jahr aufs Neue aus der Kommunikationsmasse der Plakatwände heraus und wurden mit allen wichtigen deutschen Kreativ- und Design-Preisen ausgezeichnet.

Musik[Bearbeiten]

Neben dem Programm arbeitet das Festivalteam an zahlreichen weiteren Projekten. Beispielsweise entstand die Idee zu einer eigenen Musik-CD. Die Festivalorganisatoren brachten aus Tokio verschiedene Sounds der Tokioter U-Bahn mit und gaben sie deutschen Musikern, die sich von diesen Klängen zu einem imaginären Soundtrack der japanischen Megacity inspirieren ließen. Diese CD erschien 2003 beim Label Ckp unter dem Titel "Nippon Connection – The Tokyo Metro Soundtrack". Im April 2005 erschien beim Label "das modular" die zweite CD "Nippon Connection Exchanging Tracks". Zwei traditionelle japanische Musikstücke wurden 28 renommierten Remixern aus Europa und den USA zur Verfügung gestellt. Diese ließen sich von der Atmosphäre der Stücke und den Samples inspirieren und komponierten ihre persönlichen Soundtracks. Unter dem Projekttitel "Exchanging Tracks" gaben wir die Musikstücke der beiden CDs wiederum japanischen Regisseuren, die dazu Kurzfilme drehten.

Organisation[Bearbeiten]

Die Organisation erfolgt in ehrenamtlicher Arbeit. Das Organisationsteam besteht aus mittlerweile rund 50 Personen. Das Festivalbudget setzt sich aus den Einnahmen des Festivals sowie verschiedenen Förder- und Sponsorengeldern zusammen.

Weblinks[Bearbeiten]