Nishi Hongan-ji

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Rechts vorne Hondo, dahinter Goeido
1 Goeidō-Tor, 2 Amidadō-Tor, 3 Karamon
4 Goei-dō 5 Amida-dō 6 Ginkgo 7 Daishoin
8 Garten 9 Hiunkaku 10 Glocke
Das Tor Karamon des Tempels

Der Nishi Hongan-ji (jap. 西本願寺) ist der Haupttempel des Honganji-Zweiges der buddhistischen Jōdo-Shinshū-Sekte. Sein formaler Tempelname (sango) ist Ryūkokusan (龍谷山). Der Tempel liegt im Stadtbezirk Shimogyō-ku von Kyōto und gehört zum Weltkulturerbe der Stadt.

Zur Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem Toyotomi Hideyoshi die Anhänger der Jōdo-Shinshū-Richtung von ihrem Tempelberg in Osaka[Anm. 1] vertrieben hatte, bot er ihnen 1591 einen Platz in Kyoto an. Die ersten Gebäude gingen durch Brand verloren, so dass die heutige Anlage aus dem 17. Jahrhundert und danach stammt. Im Streit um die Nachfolge des Abtes stellte Tokugawa Ieyasu 1602 ein Grundstück für den Bau eines weiteren Hongan-ji in Kyoto zur Verfügung, der zur Unterscheidung Higashi Hongan-ji genannt wird. Als Kurzform sind Onishi und Ohigashi üblich, auch mit dem Zusatz -san (für Berg = Tempel).

Die Anlage[Bearbeiten]

(⦿ = Nationalschatz, ◎ = Wichtiges Kulturgut Japans)

Gebetsstätten[Bearbeiten]

Betritt man die Tempelanlage über eine Brücke von Westen durch das Goeidō-Tor, so hat man die große Goei-dō (御影堂, Gründerhalle, ⦿) bzw. Daishidō (大師堂) vor sich. Sie stammt aus dem Jahr 1636, ihre Front in Nordsüd-Richtung ist 62 m lang, ihre Tiefe beträgt 48 m, ihre Höhe 29 m. Das hohe Dach ist, wie üblich, als Fußwalmdach (Irimoya), ausgeführt. Zwischen dem Eingangstor und dem Gebäude befindet sich ein großer Gingko-Baum.

Rechts, mit einem Gang verbunden, schießt sich die Amida-dō (阿弥陀堂, Amidahalle, ⦿) bzw. Hondō (本堂) an. Sie stammt aus dem Jahr 1760, ihre Front in Nordsüd-Richtung ist 45 m lang, ihre Tiefe beträgt 42 m, ihre Höhe 25 m. Das Gebäude hat ebenfalls ein Fußwalmdach. Dieser Bereich ist durch Eingangstor Amidadō-mon zugänglich.

In die Südmauer ist ein prächtiges Tor im chinesischen Stil (唐門}, karamon, ⦿) eingelassen, das aber nicht passierbar ist. Es soll von der Burg Fushimi hierher gebracht worden sein. Weil es so reich geschmückt ist, dass man es von morgens bis abends betrachten kann, hat es den Beinamen "Abendsonnen-Tor" (Hikure-mon).[Anm. 2]

Abtquartier[Bearbeiten]

Das Abtsquartier (s. Text)
Shiro-Shoin
Hiunkaku

Das große Abtquartier, das hier Daishoin (大書院) genannt wird, schließt sich im Südwesten an die Gebetsstätten an. Es ist nicht öffentlich zugänglich.

  1. Die große Empfangshalle des Abtes (Taimenjo (対面所) oder Kō-no-ma (鴻の間)) ist 203 Tatami groß, wobei der Raum stufenförmig drei Ebenen aufweist, gedan, jōdan und jōjōdan genannt, wobei die oberste Stufe dem Abt vorbehalten ist. Zu dieser Halle gehören Wandregale (chigaidana), eine Studierecke (tsuke-shoin), die schnell zu öffnenden Seitentüren (chōdai-gamae), alles zusammen ein hervorragendes Beispiel für den Shoin-Stil. Die Wandmalereien stammen von einem Vertreter der Kanō-Schule, Watanabe Ryōkei (+1645).
  2. Raum
  3. Raum
  4. Raum
  5. Studierzimmer Shiro-shoin (白書院)
  6. Studierzimmer Kuros-hoin (黒書院)
  7. Zweite Nō-Bühne
  8. Die nördliche Nō-Bühne ist als Nationalschatz registriert.
  9. Von Shiro-shoin blickt man auf den kleinen Garten Tigerschlucht (虎渓の庭, Kokei no Niwa).[Anm. 3]
  10. Tiger-Raum (虎の間, Tora-no-ma) und 11 Wellen-Raum (浪の間, Nami-no-ma) sind von Kanō Eitoku ausgemalt.

Tekisuien[Bearbeiten]

Die kleine Gartenanlage Tekisuien (滴翠園) im Südosten des Tempelbezirks beherbergt hinter einem Teich den dreistöckigen Teehaus "Fliegende-Wolken-Pavillon" (飛雲閣, Hiunkaku, ⦿), das mit dünnen Schindeln (kokera-buki) gedeckt. Das Dach ist abwechslungsreich gestaltet mit verschiedene Giebel- und Dach-Formen wie kara-hafu, irimoya. Im Erdgeschoss befinden sich Räume wie Shokadono und Hakkei-no-ma, im zweiten Stock gibt es einen Raum, der "Poeten Raum" (Kasen-no-ma) genannt wird, der mit den 36 Poeten geschmückt ist. Die dritte Ebene wird von dem Dachhäuschen gebildet, von dem aus die Sterne betrachtet werden können. – In dem Garten befindet sich in einer Ecke auch der Glockenturm (shoro) des Tempels, etwas ungewöhnlich.

Tempelschätze[Bearbeiten]

Nationalschätze: Zwei Bildrollen mit dem Begründer der Jodo-Schule Shinran und Begleiter. (Kamakura-Zeit) und Bildrolle der 36 Poeten (Heian-Zeit) Bedeutende Kulturgüter: Bildrollen, Schriftstücke und ein Bronzespiegel (Heian-Zeit).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dort befindet sich heute die von Hideyoshi errichtete Burg Osaka.
  2. In den Royal Botanic Gardens (Kew) steht eine verkleinerte Nachbildung.
  3. Der Name bezieht sich auf ein Tal in der chinesischen Provinz Jiangxi.

Literatur[Bearbeiten]

  • Faltblätter des Tempels
  • Yamamoto, Jirō: Kyoto-fu no rekishi sampo (jo). Yamakawa Shuppan, 1999. ISBN 978-4-634-29260-4.

Weblinks[Bearbeiten]

34.991788888889135.75168333333Koordinaten: 34° 59′ 30,4″ N, 135° 45′ 6,1″ O