Nitronatrit

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Nitronatrit
Nitratine-548175.jpg
Kleine, weiße Nitronatrit-Kristalle, bedeckt mit hellbraunem Ton (Größe: 8,1 cm × 6,1 cm)
Andere Namen
  • Chilesalpeter
  • Natriumnitrat
  • Natronsalpeter
  • Nitratin
Chemische Formel

Na[NO3][1]

Mineralklasse Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
5.NA.05 (8. Auflage: V/A.01) nach Strunz
18.01.01.01 nach Dana
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditrigonal-skalenoedrisch; 3m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) R3c (Raumgruppen-Nr. 167)
Farbe farblos bis weiß, gelblich, bräunlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 1,5 bis 2
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,24 bis 2,29 ; berechnet: 2,25[2]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen nach {1011}, unvollkommen nach {0112} und {0001}[2]
Bruch muschelig
Habitus selten rhomboedrische Kristalle; faserige, körnige bis massige Aggregate; Stalaktiten
Häufige Kristallflächen (1011), seltener (0112) oder (0001)[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,330 bis 1,336 ; nε = 1,580 bis 1,587[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,250[4]; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich; bei mehr als 80 % Luftfeuchtigkeit zerfließend[2]
Besondere Kennzeichen bitterer, scharfer Geschmack; wirkt kühlend[2]

Nitronatrit (englisch nitratine) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“. Er kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Na[NO3][1], ist also chemisch gesehen ein Natriumnitrat. Da die Verbindung ein Natriumsalz der Salpetersäure ist, wird das Mineral synonym auch als Natronsalpeter bezeichnet.

Nitronatrit bildet nur selten durchsichtige und farblose, rhomboedrische Kristalle bis etwa drei Millimetern Größe und glasglänzenden Oberflächen aus. Meist findet er sich – vermischt mit anderen Salzen – in Form faseriger oder körniger bis massiger Mineral-Aggregate und Stalaktiten von weißer, gelblicher oder bräunlicher Farbe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Nitronatrit ist leicht wasserlöslich und bei mehr als 80 % Luftfeuchtigkeit zerfließt er. Sein Geschmack wird als bitter, scharf und kühlend beschrieben.[2]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Erwähnung des Minerals, wenn auch ohne konkrete Benennung oder Angabe einer chemischen Formel, findet sich bereits 1823 unter den Beschreibungen der Kristallformen verschiedener synthetischer Salze von Henry James Brooke (1771–1857). Nitronatrit wird hier als rhomboedrisches Prisma im Kapitel Nitrate of Soda beschrieben.

Wilhelm von Haidinger prägte 1845 den bis heute international gültigen Begriff Nitratin[5] für das rhomboedrische Natriumsalz in Anlehnung an dessen Zugehörigkeit zu den Nitraten und Ernst Friedrich Glocker legte schließlich 1847 den bis heute im Deutschen gebräuchlichen Namen Nitronatrit fest, der sich auf die Formelbestandteile Stickstoff (lateinisch Nitrogenium) und Natrium bezieht.

Als Typlokalität gilt die Región de Tarapacá (Region I) in Chile, die zu den bedeutendsten Lagerstätte für Natriumnitrat gehört, weshalb auch das Synonym Chilesalpeter entstand.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Nitronatrit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Nitrate [NO3]1−“, wo er zusammen mit Gwihabait, Nitrobaryt und Nitrokalit die nach ihm benannte „Nitronatrit-Gruppe“ mit der System-Nr. V/A.01 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nitronatrit in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden jetzt eine eigene Klasse) und dort ebenfalls in die Abteilung der „Nitrate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Konstitionswasser (Hydroxidionen) bzw. Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Ohne OH oder H2O“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.NA.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nitronatrit wie die alte Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Einfachen Nitrate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 18.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Einfachen Nitrate mit A xNO3·x(H2O), x kann gleich Null sein“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Nitronatrit bildet sich überwiegend als Verdunstungsprodukt unter ariden Klimabedingungen wie beispielsweise in ausgetrockneten Salzseen oder durch Grundwasser-Auswaschungen. Er kann aber auch in abgelagertem Vogelkot (Guano) entstehen, dessen organische Anteile verwittert sind. Als Begleitminerale treten unter anderem Epsomit, Gips, Halit, Mirabilit, Nitrocalcit und Nitrokalit auf.

Als seltene Mineralbildung ist Nitronatrit nur von wenigen Fundorten bzw. in geringer Stückzahl gefunden worden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 80 Fundorte als bekannt gelten.[6] Neben seiner Typlokalität Región de Tarapacá trat das Mineral in Chile noch an mehreren Orten in der Región de Antofagasta sowie im Steinbruch „Rio de la Sal“ bei Caballo Muerto in der Región de Atacama auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem auf der Bahamas-Insel San Salvador, im Autonomen Gebiet Xinjiang in China, der italienischen Gemeinde Berceto, bei Utsunomiya auf der japanischen Insel Honshū, im Cernatal in Rumänien, auf der ukrainischen Halbinsel Krim und an vielen Orten in verschiedenen Bundesstaaten der USA.[4]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Nitronatrit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3c (Raumgruppen-Nr. 167) mit den Gitterparametern a = 5,07 Å und c = 16,82 Å sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Chilesalpeter war der wichtigste anorganische Stickstoffdünger, bis es Anfang des 20. Jahrhunderts gelang, mithilfe des Haber-Bosch-Verfahrens synthetische stickstoffhaltige Düngemittel in großen Mengen herzustellen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henry James Brooke: On the crystalline forms of artificial salts, in: The Annals of Philosophy, Band 5 (1823), S. 449-452; 38-43; 117-121; 374 (PDF 1,5 MB)
  • Wilhelm von Haidinger: Erste Klasse: Akrogenide. IV. Ordnung. Salze. IV. Nitrumsalz. Nitratin, in: Handbuch der Bestimmenden Mineralogie, Braumüller und Seidel, Wien 1845, S. 487-492 (PDF 324 kB)
  • Ernst Friedrich Glocker: Generum et specierum mineralium, secundum ordines naturales digestorum, 1847, S. 292 Nitronatrit (online verfügbar über archive.org)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nitratine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 324.
  2. a b c d e Nitratine, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 62,9 kB)
  3.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 500.
  4. a b c Mindat - Nitratine
  5. IMA/CNMNC List of Mineral Names (2012), PDF 1,5 MB; S. 120
  6. Mindat - Anzahl der Fundorte für Nitronatrit