Nkosazana Dlamini-Zuma

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Nkosazana Dlamini-Zuma (2008)

Nkosazana Dlamini-Zuma (* 27. Januar 1949 in der Provinz Natal) ist eine südafrikanische Ärztin und Politikerin. Seit Juli 2012 ist sie außerdem Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU).[1] Zuvor war sie die Innenministerin von Südafrika in der Regierung ihres früheren Ehemannes Jacob Zuma.

Leben[Bearbeiten]

Das älteste von acht Kindern eines katholischen Lehrers wuchs in Natal auf[2] und gehört eigenen Angaben zufolge dem Volk der Zulu an.[1] Nach dem Amanzimtoti Training College (Abschluss 1967) wechselte sie auf die University of Zululand, die sie 1971 mit dem Bachelor-Grad in Zoologie und Botanik verließ. Nachdem sie sich unter anderem als Vizepräsidentin der South African Students Organization (SASO) sowie im African National Congress (ANC) engagiert hatte, verließ sie Südafrika, noch bevor sie ihr Medizinstudium an der University of Natal beenden konnte.[3] Sie ging ins politische Exil nach Großbritannien. Dort engagierte sie sich unter anderem von 1977 bis 1978 als Vorsitzende der ANC Youth Section.

Ebenfalls 1978 schloss sie ihr Medizinstudium mit dem Bachelorgrad an der University of Bristol ab (Medizin und Chirurgie). Ein weiteres Diplom (Tropische Kindermedizin) erwarb sie 1986 an der University of Liverpool. Stationen als Ärztin führten Dlamini-Zuma nach Bristol (Frenchay Hospital, 1978–1979), Berkshire (Canadian Red Cross Memorial Hospital, 1979–1980), Swasiland (Mbabane Government Hospital, 1980–1985) und London (Whittington Hospital, 1987–1989). Nach dem Direktorenposten des britischen Health Refugee Trust (1988–1990) ging sie zurück nach Afrika und arbeitete für die ANC-Gesundheitsabteilung im sambischen Lusaka (1989–1990). Von 1991 und 1994 widmete sie sich der Forschung am Medical Research Council in Durban. Gleichzeitig war Dlamini-Zuma weiterhin politisch in KwaZulu-Natal tätig und übernahm dort Führungsaufgaben für den ANC (1990–1992 Vorsitzende des Gesundheitskomitees; 1991–1993 Vorsitzende der Frauenliga). 1994 wurde sie in das ANC-Exekutivkomitee gewählt.

Als südafrikanische Außenministerin mit ihrer US-amerikanischen Amtskollegin Hillary Clinton (2009)

Nach Ende der Apartheid und den ersten allgemeinen Wahlen in Südafrika 1994 wurde Dlamini-Zuma zur Gesundheitsministerin in die Regierung Nelson Mandelas berufen. In dieser Position setzte sie sich gegen den Widerstand der Pharmaindustrie durch und öffnete den südafrikanischen Markt für billig produzierte Arzneimittel und Generika aus Drittländern. Auch setzte sie sich für die medizinische Versorgung von schwangeren Frauen und Kindern, die Legalisierung von Abtreibungen auf Wunsch sowie für ein strenges Rauchverbot an öffentlichen Plätzen ein. Letztgenanntes Engagement brachte ihr 1999 den Tobacco Free World Award der Weltgesundheitsorganisation ein. Dagegen zu einem Skandal geriet ein durch das Gesundheitsministerium finanziertes Musical zur AIDS-Aufklärung, das nach Korruption nur zweimal aufgeführt wurde.[2]

Von 1999 bis 2009 amtierte Dlamini-Zuma als Außenministerin Südafrikas unter Staatspräsident Thabo Mbeki. International in die Kritik geriet ihre „stille Diplomatie“ gegenüber dem simbabwischen Diktator Robert Mugabe, die keine Erfolge erzielte.[4] Vom 11. Mai 2009 bis zum 2. Oktober 2012 war sie Innenministerin in der Regierung von Jacob Zuma, während ihre Nachfolgerin im Außenministerium Maite Nkoana-Mashabane wurde. Mit dem bekennenden Polygamisten Zuma war Dlamini-Zuma von 1982 bis 1998[3] (teilweise variieren die Daten der Ehe und reichen von 1972[5] bis 1997[2]) verheiratet. Aus dieser Verbindung gingen vier Töchter hervor.[2] Dlamini-Zuma gilt als resolut und fleißig,[2] aber auch als ungeduldige und ergebnisorientierte Politikerin.[4]

Am 15. Juli 2012 wurde Dlamini-Zuma als erste Frau überhaupt zur Kommissionsvorsitzenden der Afrikanischen Union gewählt. Dabei setzte sie sich in einem Machtkampf mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit gegen den bisherigen gabunischen Amtsinhaber Jean Ping durch.[1] Ihren Sieg wertete Dlamini-Zuma als Zeichen für die Emanzipation der Frauen in Afrika.[6] Sie gab an, die AU „effizienter“ machen zu wollen.[7]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1995: Ehrendoktortitel der Universität von Natal
  • 1996: Ehrendoktortitel der University of Bristol
  • 1997: Ehrendoktortitel der University of Transkei
  • 1999: Tobacco Free World Award der WHO
  • 2002: Grand maître de l'Ordre national der Republik Mali
  • 2002: Premium Award on NEPAD des Tribute Magazine (Tribute Achievers Award)
  • 2004: Stateswomen of the year Award
  • 2007: Ehrenprofessorin der Weißrussischen Staatsuniversität

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nkosazana Dlamini-Zuma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Die Veteranin – Porträt bei faz.net, 16. Juli 2012
  • Eintrag im Who’s Who Southern Africa (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Südafrikanerin Dlamini-Zuma an die Spitze der Afrikanischen Union gewählt, Spiegel Online (abgerufen am 16. Juli 2012)
  2. a b c d e Nkosazana Dlamini Zuma. In: Internationales Biographisches Archiv 48/2008 vom 25. November 2008, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 05/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  3. a b Zimbabwe : Zuma Visit – Linking Past, Present and Future. In: Africa News, 27. August 2009 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  4. a b Scheen, Thomas: Afrikanische Union: Die Veteranin bei faz.net, 16. Juli 2012 (abgerufen am 16. Juli 2012).
  5. Eintrag im Who’s Who Southern Africa (englisch; abgerufen am 16. Juli 2012)
  6. Südafrikanerin neue Kommissionschefin der Afrikanischen Union bei nachrichten.at, 16. Juli 2012 (abgerufen am 16. Juli 2012).
  7. Gipfeltreffen: Südafrikas Innenministerin führt Afrikanische Union bei zeit.de, 16. Juli 2012 (abgerufen am 16. Juli 2012).