Noël Martin

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Noël Martin (* 23. Juli 1959 in Jamaika), ein britisch-jamaikanischer Bauunternehmer aus Edgbaston, Birmingham, wurde am 16. Juni 1996 Opfer eines rassistischen Anschlags in Mahlow, Brandenburg. Er ist seitdem ein schwerer Pflegefall.

Der heimtückische Angriff[Bearbeiten]

Ein 17- und ein 24-jähriger Deutscher hatten ihn und zwei schwarzen Kollegen am Bahnhof von Mahlow beschimpft.[1] Um Handgreiflichkeiten zu vermeiden, veranlasste Martin seine Freunde zum Einstieg in seinen Pkw. Als sie davonfuhren, nahmen die Jugendlichen mit einem gestohlenen Auto die Verfolgung auf. Erst versuchten sie, Martins Auto von der Fahrbahn zu drängen, schließlich warfen sie einen Feldstein in die hintere Seitenscheibe. Martin verlor dadurch die Kontrolle über sein Fahrzeug, das sich überschlug und gegen einen Baum prallte. Seitdem ist Noël Martin vom Kopf abwärts querschnittsgelähmt. Seine beiden Mitfahrer wurden nur leicht verletzt.

Das Gerichtsurteil und die Folgen[Bearbeiten]

Das Landgericht Potsdam verurteilte die Täter im Dezember 1996 wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr und schwerer Körperverletzung zu Haftstrafen von fünf und acht Jahren.[2] Noël Martin bekam eine finanzielle Entschädigung und erhält eine monatliche Rente aus Deutschland.[3]

Aktivitäten gegen Rassismus[Bearbeiten]

Aktion Noteingang[Bearbeiten]

Diese und andere Angriffe gaben in Mahlow Anlass zur Gründung der Initiative AG Tolerantes Mahlow sowie der Aktion Noteingang, die im Jahr 2000 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2001 regte Martin einen Austausch zwischen Jugendlichen aus der Region und seiner Heimatstadt Birmingham an. Das Land Brandenburg gibt dafür Geld in den Noël-und-Jacqueline-Martin-Fonds.

Gründung der Jacqueline-und-Noël-Martin-Stiftung[Bearbeiten]

Noël Martin lebt heute wieder in Birmingham. Er wurde dort fünf Jahre von seiner Lebensgefährtin Jacqueline Shields gepflegt. Jacqueline erlag am 12. April 2000, zwei Tage nach ihrer Heirat, einem Krebsleiden. Nachdem der o.g. Fonds vom Großen Waisenhaus zu Potsdam als Stiftung weitergeführt wurde, überführten die Brandenburgische Landesregierung, vertreten durch den Minister für Bildung, Jugend und Sport, Holger Rupprecht, die Leitung der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“, vertreten durch die stellvertretende Geschäftsführerin Gesine Hanebuth-Schubert, und Noël Martin den Fonds am 14. Juli 2008 in die Jacqueline-und-Noël-Martin-Stiftung.[4]

Unklare Zukunft[Bearbeiten]

Im Juni 2006 kündigte Martin an, dass er am 23. Juli 2007 (seinem 48. Geburtstag) freiwillig mit Hilfe der Schweizer Organisation Dignitas aus dem Leben scheiden wolle.[5] Das Vorhaben wurde ausgesetzt, weil Martin nicht reisefähig ist und noch einige Dinge mit der von ihm ins Leben gerufenen Stiftung in England regeln muss. Er sieht nach wie vor im Weiterleben keine Perspektive, andererseits feierte er inzwischen im Kreis von Freunden seinen 50. Geburtstag. Die Aufgaben in Verbindung mit seiner Stiftung und die Hoffnung auf einen seinen Bedürfnissen angepassten Rollstuhl auch mit mehr Kommunikationsmöglichkeiten, geben ihm immer wieder ein Quäntchen Lebenswillen.[6]

Trotz seiner Querschnittslähmung betreibt Noël Martin seine Rennpferdezucht weiter. In Ascot erregte er 2006 Aufsehen, als sein Pferd Baddam das wichtigste Pferderennen der Welt gewann.[7]

Am 23. April 2007 wurde seine Autobiografie durch den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Matthias Platzeck in Anwesenheit von Noël Martins Sohn Negus Martin der Öffentlichkeit vorgestellt. Sein Leben und insbesondere sein Buch werden in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern mit großer Anteilnahme aufgenommen. Die Verfilmung seines Buches ist geplant.

Literatur[Bearbeiten]

  • Noël Martin, Robin Vandenberg Herrnfeld: Nenn es: mein Leben. von Loeper Literaturverlag, 2007, ISBN 978-3-86059-332-5

Artikel:

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Noël Martin in seinem Buch Nenn es: mein Leben, Seite 180: „Sobald sie die schwarzen Männer bemerkt haben, fangen sie an, sie zu beschimpfen. Arthur und Michael wollen sich mit ihnen prügeln. „Nein“, sagt Noël. „Steigt ein. Wir ignorieren diese Scheißkerle.“
  2. Die Jugendlichen gaben vor Gericht zu, die drei Bauarbeiter – unter ihnen Noël Martin – als „Nigger“ beschimpft zu haben. Sie gestanden auch, den Stein in das Fahrzeug geworfen zu haben. Der Unfall habe sich aber erst ereignet, als die Briten nach dem Steinwurf die Verfolgung des Wagens der Deutschen aufgenommen hätten. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2007)
  3. Bundesgerichtshof bestätigt Urteil des OLG Brandenburg : Noël Martin erhält vom Amt für Soziales und Versorgung in Cottbus eine monatliche Grundrente und Pflegegeld nach dem Opferentschädigungsgesetz, außerdem wurde die gegnerische Autoversicherung zur Zahlung von 400.000 DM Schmerzensgeld verurteilt. In: Der Tagesspiegel vom 24. Dezember 2002
  4. Website der Noël-und Jacqueline-Martin-Stiftung
  5. Neonazi-Opfer Martin „Ich bin nur noch Kopf“: Kurz vor seinem geplanten Suizid in der Schweiz spricht er auch über seinen letzten Wunsch und wie er sich seinen Tod vorstellt.
  6. Noël Martin zum 50. Geburtstag. Website Stiftung & Sponsoring Verlag (online). Abgerufen am 7. April 2010
  7. Noël Martin ist der erste Schwarze, dessen Rennpferd in Ascot erfolgreich war. Noel Martin: „Ich hatte es den Aristokraten gezeigt. Ich war im Himmel vor Glück.“ (Illustrierte Stern, 24. Mai 2007)