Noach

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Dieser Artikel behandelt die biblische Person Noah. Für andere Bedeutungen von Noah siehe Noah (Begriffsklärung)
Hans Jordaens: Noahs Einzug in die Arche

Noach (auch Noah, Noé oder Noe; hebräisch נֹחַ Noaḥ,‎ נוֹחַ Nōaḥ „Ruhe“, arabisch ‏نوح‎ Nuh, DMG Nūḥ) war nach dem Buch Genesis der Bibel der zehnte Urvater nach Adam. Wegen seiner Glaubenstreue wurde er von Gott auserwählt, durch den Bau der Arche mit seiner Familie die Sintflut zu überleben.

Auf Noachs drei Söhne Sem, Ham und Jafet geht nach Gen 10,1–32 EU die Aufspaltung der Menschheit in die drei damals bekannten Völkerschaften zurück.

In der Geschlechterfolge der Bibel ist Noach auch der zehnte Vorfahre Abrahams, was seine traditionelle Einordnung in das frühe 3. Jahrtausend v. Chr. bedeutet.

Ziusudra bei den Sumerern[Bearbeiten]

Im Atraḫasis-Epos der Sumerer im fruchtbaren Halbmond (Mesopotamien), welches um 2000 v. u. Z. verfasst wurde, gelten Ziusudras (später auch Gott Uta-napišti genannt) Taten als Heldentaten. Diese fanden Einlass in das spätere Gilgamesch-Epos im Assyrischen Reich. Später verfasste und heute immer noch bestehenden Abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) übernahmen auch dieses Epos, welches uns heutzutage als die Flutkatastrophe bzw. Sintflut zu Noachs Zeiten bekannt ist.

Noach im 1. Buch Mose (Genesis)[Bearbeiten]

Nach dem Buch Genesis war Noach der Sohn von Lamech (Gen 5,28 EU). Sein Name könnte von dem hebräischen Wort für Ruhe/ausruhen abgeleitet sein. Im Alter von 500 Jahren zeugte er seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet. Über deren genaues Geburtsjahr wird keine Auskunft gegeben (Gen 5,32 EU). Mit Ham als Jüngstem (Gen 9,24 EU) entspricht die übliche Aufzählung der Bedeutung für das Nachfolgende.

Insgesamt wird sein Lebensalter mit 950 Jahren angegeben (Gen 9,29 EU). Mit Noach endet die Ära der ersten Patriarchen, deren Lebensdauer mit Ausnahme von Henoch weit über 700 Jahre war. Bei den folgenden Generationen nahm das Alter erheblich ab (vgl. Biblisches Alter).

Die Sintflut[Bearbeiten]

Steintafel mit Taube und Olivenzweig, Domitilla-Katakomben, Rom

Nach der biblischen Erzählung will der Gott JHWH die Menschheit wegen ihrer Sündhaftigkeit auslöschen, erbarmte sich aber Noachs und dessen Familie wegen seiner Frömmigkeit. In der Arche Noah kann Noach sich, seine Frau, seine Söhne und deren Frauen sowie viele Tiere vor einer Vernichtung durch die Sintflut retten und sichert so den Fortbestand der Menschen und Tiere auf der Erde. Die Taube spielt in der biblischen Sintflut-Erzählung die Rolle des frohen Botschafters: Eine von Noach ausgelassene Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück (Gen 8,11 EU). Nach der Flut übergibt JHWH die Verantwortung über die Erde den Menschen. JHWH schließt einen Bund mit Noach, verspricht, es werde nie wieder eine Sintflut geben, und setzt den Regenbogen als Zeichen hierfür in die Wolken (Gen 9,8–17 EU).

Ähnliche mythologische Fluterzählungen sind aus vielen Kulturen überliefert. Eine besonders enge Verwandtschaft lässt sich mit dem viel älteren sumerisch-babylonischen Atraḫasis-Epos (etwa 1800 v. Chr.) und seinem Sintfluthelden Ziusudra sowie mit dem griechischen Deukalion-Epos (etwa 1400 v. Chr.) erkennen.

Auf Noachs drei Söhne werden in der sogenannten Völkertafel der Genesis die damals den Hebräern bekannten Völker zurückgeführt (Gen 10,1–32 EU; 1 Chr 1,5–23 EU): Auf Sem die Semiten, auf Ham die Hamiten (dunkelhäutige Afrikaner) und auf Jafet die Jafetiten. Noach ist der biblischen Erzählung nach ein Mann des Ackerbodens und der ersterwähnte Weinberg-Pflanzer (Gen 9,20 EU). Der ersterwähnte Ackerboden-Bearbeiter war gemäß der Bibel (Gen 4,2 ELB) hingegen bereits Kain.

Die Verfluchung Hams durch Noach[Bearbeiten]

Gustave Doré: Noach verflucht seinen Enkel Kanaan (links)
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Den nach hohem Alkoholkonsum eingeschlafenen Noach sieht sein Sohn Ham entkleidet in dessen Zelt liegen. Nachdem er seinen Brüdern davon erzählt hat, verflucht Noach Ham. Zugleich werden Sem und sein Bruder Japhet durch einen besonderen Segen seines Vaters ausgezeichnet, da sie ihn zugedeckt hatten. Noach verflucht auch Hams Sohn Kanaan und seine Nachkommen dazu, Knechte seiner Brüder zu sein (Der Fluch über Ham). (Gen 9,21–27 EU) Damit wurde von Christen später die Versklavung schwarzer Völker biblisch gerechtfertigt und von Juden erstmals die Ausrottung der Kanaaniter als Gottes Wille angesehen.

Die Trunkenheit Noahs (Giovanni Bellini) Der betrunkene Noach wird von seinen Söhnen entdeckt.

Der Hintergrund des Fluches ist umstritten. Die meisten klassischen Bibelübersetzungen in neuzeitliche Sprachen legen nahe, dass Ham seinen betrunkenen Vater Noach zufällig nackt gesehen habe und dafür verflucht wurde; diese Lesart fand auch Eingang in die christliche Kunst. In diesem Fall wäre die Strafe jedoch unverhältnismäßig und unverständlich. Die meisten heutigen Forscher übersetzen die hebräische Originalpassage allerdings ganz anders und gehen davon aus, dass Ham seinen bewusstlosen Vater nicht etwa nur „nackt gesehen“, sondern vielmehr mit ihm geschlafen habe (vgl. auch die deutsche Wendung „er erkannte sein Weib“). Danach habe Ham seinen beiden Brüdern von seiner Tat erzählt. Diese Lesart war bereits in der Antike verbreitet; so wird im hebräischen Talmud diskutiert, ob Ham Noach nur vergewaltigt oder auch (!) kastriert habe.[1]

Noach im Talmud: Noachidische Gebote[Bearbeiten]

Der Talmud leitet aus der biblischen Noach-Erzählung den Noachidischen Bund und dazugehörige sieben Noachidische Gebote ab. Diese sind nach jüdischem Verständnis allen Menschen vermacht und daher in den großen Religionen oft angelegt.

Ein Nichtjude, der sich an die Noachidischen Gebote hält, kann nach jüdischem Verständnis Anteil an der kommenden Welt wie ein Jude erlangen. Aus diesem Grund besteht aus jüdischer Sicht kein Bedarf an Mission, andere Religionen verdienen Respekt, solange sie umgekehrt auch die jüdische Identität achten.

Konversionswillige werden sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie durch die Befolgung der wenigen Noachidischen Gebote bereits vor Gott bestehen können, wogegen sie als Juden alle dem Judentum übergebenen Gebote zu erfüllen haben.

Noach im Neuen Testament[Bearbeiten]

Nach Lk 17,26–27 EU hat Jesus die Tage des Menschensohnes mit den Tagen vor der Sintflut verglichen. In Hebr 11,7 EU wird gesagt, dass Noach durch den Glauben die Arche gebaut habe und auf diese Weise seine Hausgemeinschaft habe retten können. 1 Petr 3,20 EU vergleicht die Rettung Noachs durch das Wasser mit der Taufe. In 2 Petr 2,5 EU wird Noach „Prediger der Gerechtigkeit“ genannt.

Demnach dürften Jesus und die Schreiber des Neuen Testamentes Noach und die Sintflut als Realität verstanden haben.

Noach in den Apokryphen[Bearbeiten]

Auch in den Apokryphen finden sich Spuren Noachs. Im Jubiläenbuch (Kleine Genesis) wird die biblische Erzählung viel ausführlicher nacherzählt und erweitert (Jub 5,1–10,17, siehe auch Die Apokalypse des Adam' 69.2–71.5). Die Arche landete auf dem Gipfel des Lubar, einem der Berge des Ararat (Jub 5,28). Nach dem Pseudo-Titus-Brief suchten die Söhne Noachs nach der Sintflut Orte zum Städtebauen und benannten sie nach ihren Frauen. Die Namen der Städte sind Neelatamauk (Ham), Adataneses (Jafet), Sedeketelebab (Sem) (Jub 7,14–16). Später verlost Noach die Erde an seine Söhne. Die Erdmitte bekommt Sem, der Süden geht an Ham, Jafet erhält den Norden (Jub 8,10–30, ApokAd 72.15). In der Apokalypse des Paulus trifft Paulus in einer Vision auf Noach. Dieser erzählt ihm, er habe an der Arche 100 Jahre gebaut, ohne sich zu waschen und die Kleidung zu wechseln (ApkPaul 50). Nach dem Apokryphon des Johannes überlebten Noach und seine Nachkommen nicht in einer Arche, sondern in einer Lichtwolke (AJ 28.30–29.10).

Der Name der Gattin des Sintfluthelden Noach wird in der Bibel selbst nirgends erwähnt. Im 14. Kapitel der apokryphen Schrift „Die Schatzhöhle“ wird ihr Name allerdings genannt: Dort heißt sie Haikal und ist Tochter der Namos und Enkelin des Henoch, der hier als Bruder des Metusala genannt wird. Wie auch im ersten Buch Mose sind die gemeinsamen Kinder von Haikal und Noach Sem, Cham (Ham) und Japhet. Noach heiratete Haikal demnach auf Geheiß Gottes, als er bereits fünfhundert Jahre alt war, wobei ihm auch gleich die Sintflut angekündigt wurde.

Noach im Koran[Bearbeiten]

Detail einer muslimischen Darstellung aus dem 16. Jahrhundert
Eingang zum Grabmal Noachs in Cizre

Im Koran wird Noach ebenfalls an mehreren Stellen erwähnt.[2] So enthält Sure 11,25–48 eine Version der Sintfluterzählung. Wie in der biblischen Erzählung belädt Noach hier sein Schiff jeweils mit einem Paar von jeder Tiergattung, mit seiner Familie und mit den wenigen Menschen, die sonst gläubig sind (Sure 11:40). Ein besonderes Element der koranischen Noach-Erzählung ist der ungläubige Sohn Noachs, der nicht in seinem Schiff mitfahren, sondern sich auf einen Berg begeben will, dort aber in den Fluten ertrinkt (Sure 11:42-43). Als Noach Gott wegen seines Sohnes anruft, wird er von diesem belehrt, dass sein Sohn nicht zu seiner Familie gehört, und aufgefordert, sich nicht in unrechter Weise für ihn einzusetzen (Sure 11:45-46), weil über ihn bereits der Ausspruch (der Vorherbestimmung) vorliegt (Sure 11:40). Eine genaue Parallelerzählung zu dem koranischen Bericht ist in der christlichen und jüdischen Tradition nicht zu finden.[3]

Weitere Koranstellen zum Thema sind Sure 7,59–64, Sure 10,71–73, Sure 26,105–122. Außerdem ist die einundsiebzigste Sure nach Noach (Nuh / ‏نوح‎ / Nūḥ) benannt. In dieser Sure sind die Bitten und Drohungen des von Gott gesandten Noach beschrieben, die die Menschen zur Umkehr bewegen sollten. In Vers 23 werden mehrere Götter genannt. „Und sie sagen (zueinander): ‚Lasst eure Götter nicht im Stich. Und verlasst weder Wadd noch Suwa’ noch Yaguth und Ya’uq und Nasr.‘“ Als nicht auf Noach gehört wird, schlägt er Gott vor, keinen der Ungläubigen auf Erden zu lassen (Sure 71,26).

Nach islamischer Tradition landete Noach mit seiner Arche nicht am Ararat, sondern am al-Dschudi, der mit dem Berg Cudi Dağı in der Türkei gleichgesetzt wird. Von dort machte er sich auf und gründete die Stadt Şırnak, deren Name sich von Şehr-i Nuh – Noachs Stadt – ableiten soll. Noach soll in Cizre (Südostanatolien) bestattet worden sein, wo sein Grab als Türbe verehrt wird.

Gedenktage[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Noah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. zur Diskussion Stephen Haynes: Noah's Curse. Oxford 2002, S. 23ff.
  2. Vgl. dazu Heinrich Speyer: Die biblischen Erzählungen im Qoran. Gräfenhainchen 1931. S. 89-116.
  3. Vgl. Speyer 106.
  4. Noach im Ökumenischen Heiligenlexikon