Nobitz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nobitz
Nobitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nobitz hervorgehoben
50.97527777777812.485277777778179Koordinaten: 50° 59′ N, 12° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Höhe: 179 m ü. NHN
Fläche: 70,66 km²
Einwohner: 6165 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04603
Vorwahlen: 03447, 034493, 034494
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 036
Gemeindegliederung: Hauptort, 38 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bachstraße 1
04603 Nobitz
Webpräsenz: www.nobitz.de
Bürgermeister: Hendrik Läbe (SPD)
Lage der Gemeinde Nobitz im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild

Nobitz ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Altenburger Land in Thüringen. Sie ist nach dem Zusammenschluss mit der Einheitsgemeinde Saara mit ungefähr 6200 Einwohnern die viertgrößte Kommune des Landkreises nach den Städten Altenburg, Schmölln und Meuselwitz und außerdem die flächengrößte.

Geografie[Bearbeiten]

Nobitz liegt etwa 1 km östlich der Stadt Altenburg am Rande der Leipziger Tieflandbucht.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Windischleuba
Altenburg Nachbargemeinden Langenleuba-Niederhain
Altkirchen
Schmölln
Oberwiera
Schönberg
Gößnitz
Ziegelheim

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gößnitz Schmölln Altkirchen Göhren Lödla Rositz Windischleuba Langenleuba-Niederhain Ziegelheim Altenburg Kraschwitz Wilchwitz Münsa Kotteritz Nobitz Niederleupten Oberleupten Hauersdorf Priefel Dippelsdorf Klausa Garbus Ehrenhain Heiersdorf Nirkendorf Oberarnsdorf Gösdorf Tautenhain Großmecka Kleinmecka Zumroda Runsdorf Gieba Podelwitz Goldschau Löhmigen Bornshain Taupadel Zehma Friedrichslust Zürchau Maltis Saara Lehndorf Heiligenleichnam Mockern Gardschütz Selleris Löpitz Gleina Burkersdorf Kaimnitz
Gemeindegliederung (anklickbare Karte)
Datum Orte Einwohnerzahl¹

Nobitz

870

1926

Niederleupten

182

1. Juli 1950

Münsa (mit Polnischer Hütte)

86

1. Januar 1960

Kotteritz

158

1. Januar 1973

Oberleupten
0Priefel
0Hauersdorf
Klausa
0Garbus

68
6
39
354
41

6. Mai 1993

Wilchwitz
0Kraschwitz

475
91

8. März 1994

Ehrenhain
0Nirkendorf
0Oberarnsdorf
0Dippelsdorf

798
104
109
48

31. Dezember 2012

Saara
0Bornshain
0Burkersdorf
0Gardschütz
0Gieba
0Gleina
0Goldschau
0Gösdorf
0Großmecka
0Heiligenleichnam
0Kaimnitz
0Lehndorf
0Löhmigen
0Löpitz
0Maltis
0Mockern
0Podelwitz
0Runsdorf
0Selleris
0Taupadel
0Tautenhain
0Zehma
0Zumroda
0Zürchau

201
147
96
60
68
84
86
94
28
41
14
227
75
8
49
507
199
82
94
202
34
235
83
126

¹ Einwohnerzahl am 31. Dezember 2012[2]

Am 29. September 2011 wurde ein Vertrag über die Eingliederung der Nachbargemeinde Saara unterzeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Nobitz ist eine slawische Gründung, die Kirche im Dorf Nibodiz wird in einer Zinsurkunde des Zeitzer Bischofs Udo II. aus dem Jahr 1166 erstmals erwähnt. Von 1143 bis 1388 ist ein Adelsgeschlecht von Nab(e)dicz mehrfach urkundlich nachgewiesen. Im 12. und 13. Jahrhundert lag die Lehnsgerechtigkeit bei den Burggrafen von Altenburg und nach deren Aussterben im Jahr 1329 bei den Burggrafen von Leisnig. Von 1400 bis 1623 befand sich das Rittergut Nobitz im Besitz der Familie von der Gabelentz, nach kurzen Besitzerwechseln ab 1742 im Besitz der Familie v. Lindenau. Im Schmalkaldischen Krieg wurde Nobitz 1574 von kaiserlichen Husaren geplündert und gebrandschatzt, ebenso im Dreißigjährigen Krieg 1631 und 1634. Im Jahr der Völkerschlacht 1813 waren 2.800 russische Soldaten in Nobitz einquartiert. Nachdem die alte Kirche am 22. Juli 1819 durch Blitzschlag beschädigt worden war und ohnedies für die Gemeinde zu klein geworden war, wurde sie im Jahr 1822 abgetragen und der Grundstein zu einem neuen Kirchbau gelegt. Nach einer ungewöhnlich langen Bauzeit – so stürzte auf Grund von Projektierungsmängeln der fast fertige Neubau am 18. Oktober 1823 ein – konnte die Kirche erst am 29. September 1829 geweiht werden.[3] Die Orgel wurde 1826 von Christian Friedrich Poppe aus Roda (heute Stadtroda) gebaut. Sie umfasst 26 klingende Stimmen auf zwei Manualen und Pedal, ist aber heute wegen fehlender Wartung unspielbar. Sechs (nach anderen Quellen neun) Register sind aus dem Vorgängerinstrument, das 1746 von Heinrich Gottfried Trost erbaut wurde, in diese Orgel übernommen worden.[4]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in den Lagern der Firma I.G.Schmidt in Kotteritz, Lager Altenburg XIV, Stammlager IV E und F 490 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Großbritannien untergebracht, die auf dem Fliegerhorst für die Führung des Luftkriegs arbeiten mussten. Gebeine von Verstorbenen wurden nach Kriegsende auf dem Ehrenfriedhof von Altenburg beigesetzt. Drei ungarische Jüdinnen, die an den unmenschlichen Haftbedingungen starben, sind auf dem Nobitzer Friedhof beigesetzt.[5]

Bernsteinzimmer im Leinawald[Bearbeiten]

Das seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen geltende Bernsteinzimmer wird immer wieder im Leinawald östlich von Nobitz vermutet. Bereits 1964 versuchte der Stasi-Oberstleutnant Paul Enke das Zimmer zu bergen. Im Jahre 1996 unternahm der Amerikaner Norman Scott erneut den Versuch es zu finden. Thomas Kuschel sucht seit dem Jahr 2006. Im Jahr 2011 wurde die Suche intensiviert; dabei wurde ein Hohlraum in 17 Metern Tiefe gemessen und nun glaubt er dort Teile des Zimmers zu finden. Die Spur des Bernsteinzimmers verliert sich im Februar 1945 in Pölzig bei Gera.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1583: ca. 200
  • 1633: 186
  • 1672: 259
  • 1844: 506
  • 1880: 626
  • 1994: 3920
  • 1995: 3944
  • 1996: 3911
  • 1997: 3948
  • 1998: 4039
  • 1999: 4037
  • 2000: 4006
  • 2001: 3921
  • 2002: 3901
  • 2003: 3880
  • 2004: 3858
  • 2005: 3789
  • 2006: 3748
  • 2007: 3682
  • 2008: 3640
  • 2009: 3582
  • 2010: 3561
  • 2011: 3505
  • 2012: 6257
  • 2013:
Datenquelle: bis 1880 Löbe, ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Kurz nach der Wende war Frank Rösler Bürgermeister von Nobitz. Im Jahr 1998 wurde Martina Zehmisch (parteilos) Bürgermeisterin und wurde 2003 im Amt bestätigt. Sie trat 2009 nicht mehr an und so wurde der SPD-Politiker Hendrik Läbe mit 54, 2 % der abgegeben Stimmen am 30. September gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,2 %.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 wie folgt zusammen:

  • CDU - 7 Sitze (35,0 %)
  • SPD - 5 Sitze (26,7 %)
  • Bürgerliste Ehrenhain und Umgebung - 3 Sitze (16,7 %)
  • DIE LINKE - 2 Sitze (10,9 %)
  • Feuerwehrverein Wilchwitz - 1 Sitz (5,3 %)
  • TSV 1876 Nobitz - 1 Sitz (3,7 %)
  • Podelwitzer Carnevalsclub e.V. - 1 Sitz (1,8 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 52,2 %.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kirche in Nobitz

Verkehr[Bearbeiten]

Leipzig-Altenburg Airport

In Nobitz befindet sich der Leipzig-Altenburg Airport. Durch die Gemeinde führen außerdem die Bundesstraßen 7, 93 und 180, letztgenannte führt direkt durch den Ort Nobitz. Zudem verläuft die Sächsisch-Bayrische Eisenbahn durch das Gemeindegebiet. Lehndorf besitzt einen Haltepunkt. Der nächste Eisenbahnhaltepunkt von Nobitz aus war Paditz, welcher 2010 stillgelegt wurde. Bis 1999 besaß Nobitz einen Bahnhof an der heute stillgelegten Nebenstrecke von Altenburg nach Narsdorf.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Kotteritz war die Wollspinnerei Schmidt&Söhne ansässig, die später als Großbetrieb unter dem Namen „VEB Altenburger Wollspinnerei” (ALWO) für die Textilindustrie und den Heimbedarf in der DDR produzierte. Nachdem nach der Wiedervereinigung die Produktion durch immer neue Besitzerwechsel und mehrere Konkurse nahezu zum Erliegen kam, brachte das Jahr 2004 das endgültige Aus für diesen Betrieb.

Seit dem Jahre 2006 fanden in den alten Werkshallen der Wollspinnerei in regelmäßigen Abständen Tanz- und Musikveranstaltungen statt. Nach einer längeren Umbauphase im Sommer 2008 eröffnete im Dezember 2008 in den alten Katakomben im Keller der Wollspinnerei eine neue Tanz- und Veranstaltungsstätte. Der „ALWO-Club“ ist einer der größten Clubs bzw. Discotheken in Ostthüringen.

Im Ortsteil Ehrenhain wurden ab 1990 Busse der Marke Neoplan montiert. Heute ist in Ehrenhain nur noch ein Servicezentrum. Im Jahre 2006 übernahm Göppel Bus GmbH das Werk und stellt seitdem Aufbauten auf Midibus-Fahrgestelle her.

Am 25. November 1991 wurde der Grundstein für das erste Gewerbegebiet des damaligen Kreises Altenburg gelegt. Darauf entwickelte sich das Marktkauf-Center, ein Einkaufszentrum.

Bildung[Bearbeiten]

Nobitz ist Sitz einer Staatlichen Grundschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martina Zehmisch et al.: Nobitz. Eine Gemeinde im Wandel. E. Rheinhold-Verlag, Altenburg 2009, ISBN 978-3-937940-58-8, S. 56.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nobitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Gemeindekurier der Gemeinde Nobitz vom 12. Januar 2013; abgerufen am 25. Dezember 2013
  3. J. und E. Löbe: Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, Altenburg 1886, S. 408-420
  4. Felix Friedrich, Albrecht Dietl: Orgeln im Altenburger Land, Altenburg 1995, S. 69-73
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 24, ISBN 3-88864-343-0
  6. OTZ vom 15. März 2012