Nohra (bei Weimar)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nohra
Nohra (bei Weimar)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nohra hervorgehoben
50.96527777777811.233888888889315Koordinaten: 50° 58′ N, 11° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Grammetal
Höhe: 315 m ü. NHN
Fläche: 19,58 km²
Einwohner: 1673 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99428
Vorwahlen: 03643, 036203 (Utzberg)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AP, APD
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 067
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Herrenstr. 34
99428 Nohra
Webpräsenz: www.vg-grammetal.de
Bürgermeister: Andreas Schiller
Lage der Gemeinde Nohra im Landkreis Weimarer Land
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Nohra ist eine Gemeinde im Westen des Landkreises Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Grammetal. Nohra ist namensgebend für eine Anschlussstelle der BAB 4.

Ortsteile[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Nohra gehören Nohra, Ulla, Obergrunstedt sowie das am 1. Dezember 2007 eingemeindete Utzberg.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die frühe Besiedlung des Umlandes von Nohra wird durch ein bronzezeitliches Gräberfeld mit Nachbestattungen belegt. Zwischen 1911 und 1936 wurden Ausgrabungen rechts des Weges nach Hopfgarten vorgenommen. Es wurden 44 Bestattungen mit Beigaben nachgewiesen.[3]

Erstmals wurde Nohra in einer Urkunde vom 30. November 1217 genannt. Infolge des Thüringer Grafenkrieges kam Nohra 1343 zur Stadt Erfurt. Eine Inschrift am Turmsockel der Kirche zeugt vom Kirchenumbau im Jahre 1392. Während des Sächsischen Bruderkrieges (1445–1451) gab es verheerende Brände im Ort. Henning Göde, ein Vertrauter Friedrich des Weisen und führender Jurist seiner Zeit, wurde am 3. September 1516 von der Stadt Erfurt feierlich vor Nohra empfangen. Er war 1509 aus Erfurt geflohen. Als Martin Luther zum Reichstag nach Worms reiste, betrat er am 5. April 1521 in Nohra erstmals ein Territorium außerhalb des Kurfürstentums. Hier empfingen ihn 40 Mann zu Pferde, voran der Rektor der Universität und eine große Menge Erfurter. Sie geleiteten ihn nach Erfurt. 1564 erhielt die Kirche einen Taufstein, der heute noch genutzt wird. 1613 wütete die Thüringer Sintflut auch in Nohra. Volckmar Leisring wurde am 24. September 1618 in Nohra ordiniert. Der Dreißigjährige Krieg bedeutete Einquartierungen und Plünderungen für die Dörfer um Erfurt. 1622 wurden in Nohra die Leuchter vom Altar, der Krankenkelch und das Taufbecken gestohlen. Kurz nach 1700 wurde die Kirche St. Petri erweitert.

1715 wurde der Kantor durch das Erfurter Ministerium gerügt, weil er auch Mädchen im Adjuvantenchor singen ließ. 1736 beginnen die Kirchenbücher. Nach der großen Hungersnot erhielt Nohra 1772 eine Glocke, die daran mit folgenden Worten erinnert: Deutschland von der ungeheuren, dreijährigen Teuerung und schrecklichen Sterblichkeit durch Gottes Fügung befreit. 1783 verstarb der Läuter Andreas Kühn. Sein Grabstein ist ein seltenes Beispiel für die Darstellung der Todesursache auf dem Grabstein.

Aus Protest gegen die Verlegung von Militär in ihre Stadt im Zuge der von den Schokoladisten ausgelösten Studentenunruhen zog am 19. Juli 1792 ein großer Teil der Studenten aus Jena bis nach Nohra, dem ersten Ort außerhalb des Fürstentums, um hier für ihre Rechte zu streiten. Nachdem die Weimarer Minister ihre Forderungen erfüllten, zogen sie wieder nach Jena zurück. Die livländischen Studenten schufen sich daraufhin eine neue Fahne, auf der zu lesen war Vivat Libertas Academica! (Hoch lebe die akademische Freiheit). Ihre alte Fahne schenkten sie dem Dorf.

1887 erhielt Nohra einen Bahnhof an der Ilmtalbahnstrecke, der jedoch 2 km vom Ort entfernt liegt.

1892 schlug der Blitz in den Kirchturm ein, dabei wurden Turm und Teile des Kirchenschiffs zerstört. So erhielt die Kirche einen neuen, markanten Turm und eine neue Glocke. 1898/99 erfolgte der Bau der Schule (heute Gemeindeamt).

Am 3. März 1933 wurde in dem Gebäude der Heimatschulbewegung am Rande der Gemarkung Nohra das erste Konzentrationslager des Dritten Reiches eingerichtet. Heute erinnert nichts mehr an dieser Stelle an das KZ.[4]

Militär[Bearbeiten]

Im Jahre 1916 begann der Bau am Flughafen Nohra mit sechs Flugzeughallen, vor allem durch russische Kriegsgefangene. 1919 gab es in Nohra zwölf Piloten. Mit dem Friedensvertrag von Versailles musste der Flughafen 1920/21 umfunktioniert werden. Es entstand eine Maschinenfabrik, die zugleich als Tarnobjekt eine weitere militärische Nutzung des Platzes ermöglichte. 1926 erfolgte der Bau einer Betonpiste. 1928 wurde hier die Heimatschule Deutschland eröffnet, die sich der Erwachsenenbildung widmete und den Freiwilligen Arbeitsdienst in der Region organisierte. Zugleich nutzte der paramilitärische Stahlhelm das Gelände zu Schulungen. Nach dem Reichstagsbrand begann am 28. Februar 1933 die formale Legitimierung des faschistischen Terrors. Über 200 Thüringer Antifaschisten wurden in den folgenden Wochen in der Heimatschule Deutschland, die fest in der Hand der NSDAP war, interniert. In der Literatur wird es als das erste KZ in Deutschland geführt.[5] Zur gleichen Zeit wurden die Flughallen erweitert. Nun wurde der Flugplatz Ausbildungsstätte des nationalsozialistischen Luftsportverbandes, dem Vorläufer der Luftwaffe. Er übernahm wenig später die Gebäude der Heimatschule. Am 1. März 1935 wurde aus dem Flugplatz der Fliegerhorst Weimar-Nohra. 1937 wurde mit dem Bau der Kasernenanlage im Süden (versteckt in einem Wald) begonnen. Nun wurde der Flugplatz vor allem zur Ausbildung genutzt. Im Zweiten Weltkrieg waren Jagdflugzeuge mit der Aufgabe Luftverteidigung des mitteldeutschen Raums in Nohra stationiert.

Am 11. April 1945 wurde die Autobahnbrücke bei Nohra durch eine Wehrmachteinheit gesprengt, um die anrückenden US-Truppen aufzuhalten. Diese reagierten mit konzentriertem Panzerartillerie-Beschuss auf Luftwaffensoldaten in dem der Autobahn-Auffahrt benachbarten Waldstück. Dabei wurden 19 deutsche Soldaten getötet. Sie liegen in einem Gemeinschaftsgrab in diesem Wald.[6]

Nach der Kapitulation übernahm die 9. Air Force der US-Armee den Flugplatz.[7] Am 3. Juli 1945 wurde die 8. Gardearmee unter Gardegeneraloberst W. I. Tschuikow nach Nohra verlegt. Sie hatte in Stalingrad gekämpft und Berlin miterobert.[8] So wurde Nohra einer der wichtigsten Standorte der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Der Stützpunkt war vollkommen von Mauern umgeben, zur deutschen Bevölkerung bestand weitgehend Kontaktverbot. Hier war die größte sowjetische Hubschrauberstaffel (Mi-8 und Mi-24) in der DDR stationiert, deren Flüge eine erhebliche psychologische, besonders akustische Beeinträchtigung der Bevölkerung der umliegenden Orte darstellten. Als die sowjetischen Truppen 1992 aus Nohra abzogen, umfassten die militärischen Liegenschaften eine Fläche von ca. 240 ha.[9]

Bis heute wurden ungefähr 200 Gebäude auf dem Gelände abgerissen, ca. 13 Hektar Landebahn und Hubschrauber-Stellflächen renaturiert. Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen hat einen Teil der Fläche renaturiert und der Kommune Nohra zur Entwicklung eines Landschaftsparks mit eingelagertem Sondergebiet für gewerbliche Freizeitgestaltung veräußert. Bis Sommer 2003 wohnten bis zu 500 Spätaussiedler in drei erhaltenen Gebäuden. Die letzten Wohnblocks wurden 2007 abgerissen. Ein Teil des früheren Schulgebäudes wurde saniert. Heute befindet sich darin ein Montessori-Kindergarten und eine Montessori-Grundschule. Die Kaserne im Südteil hat bis heute keine neue Nutzung gefunden, und wird zum großen Teil abgerissen. In einem ihrer Keller wurde 2009 die Bernd-das-Brot-Statue vom Erfurter Fischmarkt, nachdem sie zwölf Tage zuvor entwendet wurde, gefunden.

Im Jahr 2008 gründete sich im Nohraer Ortsteil Ulla der Verein Flugplatz Nohra. Sein Ziel ist es, die bewegte Geschichte des Flugplatzes und der Kasernenanlage umfassend darzustellen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmale[Bearbeiten]

Folgende Objekte wurden u. a. in die Denkmalliste des Kreises Weimarer Land aufgenommen:

  • Kirche mit Kirchhof (u. a. mit Kummer-Orgel aus dem Jahre 1793/94 und neuklassischem Kanzelaltar von 1840)
  • Pfarrhof mit Pfarrhaus von 1843/44 nach Plänen von Clemens Wenzeslaus Coudray
  • Reste der Kasernenanlage Nohra Süd.

An der Bundesstraße 7 zwischen Nohra und Erfurt steht der Napoleonstein. Es handelt sich um eine Stele, die an die Zusammenkunft von Napoleon und Zar Alexander 1808 an diesem Platz erinnert (siehe bei Utzberg).

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Festival[Bearbeiten]

2007 - 2011 fand jährlich Ende August am Rande vom Ortsteil Nohra das Sunside-Festival statt, auf dem vorrangig Techno-Musik gespielt wurde.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zwischen den Ortsteilen Ulla, Nohra und Obergrunstedt ist seit 1994 das Gewerbegebiet U.N.O. entstanden. Hier haben sich vor allem Speditions- und Logistikunternehmen, aber auch einige mittelständische Betriebe angesiedelt.

Wichtige in Nohra ansässige Unternehmen:

  • Weimarer Wurstwaren von Vion N.V., Großfleischerei, ca. 300 Mitarbeiter
  • Blank & Seegers KG, Großhandel für Haustechnik, ca. 200 Mitarbeiter
  • Döllken Weimar, Kunststofftechnik, ca. 120 Mitarbeiter
  • Axthelm + Zufall, Spedition, ca. 100 Mitarbeiter

In Nohra befindet sich eines der deutschen Frachtzentren der Deutsche Post DHL.

Religion[Bearbeiten]

Die evangelischen Christen gehören zur Kirchgemeinde Nohra (Katharina von Bora) zusammen mit Gemeindegliedern aus Ulla, Bahnhof Nohra, Isseroda und Bechstedtstraß. Gottesdienste finden im wöchentlichen Wechsel in Ulla bzw. Nohra und Bechstedtstraß statt. Das Pfarramt befindet sich in Nohra.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Volckmar Leisring (* um 1588 in Gebstedt; † 1637 in Buchfart), Pfarrer und Komponist, lebte und wirkte elf Jahre in Nohra
  • Wilhelm Martin Leberecht de Wette (* 12. Januar 1780 in Ulla, heute OT von Nohra, † 16. Juni 1849 in Basel), einer der einflussreichsten evangelischen Theologen des 19. Jahrhunderts, Begründer der historisch-kritischen Bibelforschung. Vor der Kirche von Ulla steht ein Gedenkstein für de Wette.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  3. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 206/207
  4. Vgl.: Benz, Distel, Ort …, Bd. 2, S. 174ff.
  5. Udo Wohlfeld: Das Netz. Die Konzentrationslager in Thüringen 1933–1937, Weimar 2000; TAZ-Artikel Die Spur nach Buchenwald.
  6. www.fliegerhorst-nohra.de
  7. Record of the 327. Fighter Control Squadron, Weimar 1945
  8. http://www.thueringen.de/imperia/md/content/staatsarchive/weimar/schaukasten/Folge_3.pdf
  9. Christian Dietrich: Das Russendorf und seine Hypotheken, in: Gerbergasse 18, Heft 65 (2012), S. 10-16.
  10. http://sunside-festival.de/Wordpress Weblog der Organisatoren

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nohra (bei Weimar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien