Non, je ne regrette rien

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Non, je ne regrette rien (frz.Nein, ich bedaure nichts“) ist das berühmteste Chanson von Édith Piaf, das von Charles Dumont (Musik) und Michel Vaucaire (Text) geschrieben und 1960 veröffentlicht wurde.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Lied wurde bereits 1956 komponiert,[1] blieb jedoch bis 1960 unveröffentlicht. Am Nachmittag des 5. Oktober 1960 stellten der Texter Michel Vaucaire (1904–1980) und der Komponist Charles Dumont (* 26. März 1929) der bereits todkranken Piaf das Lied Non, je ne regrette rien am Piano bei ihr zu Hause in Paris im Boulevard Lannes 67 vor. Dabei betonte Vaucaire beim Gesang das oft wiederholte „non“. Das trotzige Intro weckte sofort ihr Interesse. Nach der kühnen Behauptung in der letzten Strophe „je repars à zero“ (Ich fange von vorne an) wollte sie den Text nochmals hören. In jener Nacht musste Vaucaire seinen Text über 20 Mal vor Piaf und ihren anwesenden Vertrauten (Marguerite Monnot, Robert Chauvigny, Suzanne Flon und Bruno Coquatrix) wiederholen. Alle Zuhörer waren von dieser Komposition, die Piafs Leben beschreiben könnte, begeistert.

Im Text erinnert sich die Protagonistin an ihre Vergangenheit mit guten und schlechten Erlebnissen und bestätigt ihr reines Gewissen bei Liebschaften, Sorgen und Freuden. Der Song schließt optimistisch mit der Bekräftigung, dass nun ihr Leben und ihre Freude mit dem neuen Geliebten beginnen („car ma vie, car mes joies, aujourd'hui, ça commence avec toi“). Das dunkle und trotzige Intro steigert sich, um dem Lied ein jubelndes und triumphierendes Ende zu bereiten und die Haltung gegenüber der Vergangenheit aufzugeben. Prognostisch wandte sie sich an den Komponisten Dumont: „Junger Mann, machen Sie sich keine Sorgen mehr. Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet. Dieses Lied wird um die Welt gehen.“[2]

Es galt, noch zwei Hindernisse zu überwinden. Piaf war am 20. September 1959 auf der Bühne des New Yorker Waldorf Astoria zusammengebrochen. In der Folge ihrer Krebsbehandlung mussten für 1960 alle geplanten Auftritte abgesagt werden. Zudem standen Coquatrix und sein Olympia-Theater vor dem finanziellen Ruin. Piaf bat Coquatrix, das Theater für sie am Jahresende 1960 zu reservieren, damit der wundervolle Song präsentiert werden könne.[3]

Veröffentlichung und Erfolg[Bearbeiten]

Édith Piaf – Non, je ne regrette rien (A-Seite der EP)

Das Chanson wurde am 10. November 1960 mit dem Orchester Robert Chauvigny in den Pariser Pathé-Marconi-Tonstudios der EMI aufgenommen. Piaf übernahm die deutliche Betonung des „non“ und sang den Text sehr überzeugend. Die Ode auf Lebenswillen und Liebeskraft wurde im Dezember 1960 als EP Non, je ne regrette rien / Les Mots d'amour / Jérusalem (Columbia-EP ESRF 1303) veröffentlicht.

Das Lied markierte den Höhepunkt von Piafs Rückkehr. Am Eröffnungsabend des Pariser Olympia, dem 30. Dezember 1960, warteten Tausende von Kartenbesitzern (auch Regierungsbeamte und Generäle) auf Einlass.[4] Piaf trug beim Auftritt ein altes Kleid von Pierre Balmain, wurde von einem 15-minütigen Applaus empfangen und eröffnete mit Les Mots d’amour („Worte der Liebe“), dem zweiten Titel der A-Seite der EP. Am Tag nach der Veranstaltung titelten die Pariser Zeitungen: „Die Liebe hat Piaf wiederbelebt.“ Bis Ende 1961 wurden alleine in Frankreich 1 Million Platten hiervon verkauft.[5] Die EP verharrte insgesamt – mit Unterbrechungen – für 21 Wochen auf Rang Eins der französischen Hitparade, und zwar vom 23. Januar 1961 bis 12. Februar 1961, zwischen dem 27. Februar und 5. März 1961 und nochmals vom 12. Juni bis 2. Juli 1961. Auch in der niederländischen Hitparade konnte das Chanson den ersten Rang belegen. In Deutschland kam die Single Non, je ne regrette rien / Jérusalem ebenfalls noch im Dezember 1960 auf den Markt (Columbia C 21 725), erreichte jedoch nicht die Hitparade.

Frankreich befand sich zwischen 1954 und 1962 im Algerienkrieg. Piaf widmete den Song der französischen Fremdenlegion. [6]. Zur Zeit der Veröffentlichung war der Algerienkrieg in vollem Gang. Nach dem Scheitern des Putsches französischer Generäle gegen de Gaulle am 23. April 1961 wurde es Teil der Tradition der Legion, deren Fallschirmjäger fast geschlossen an dem Putsch teilgenommen hatte[7] und mit verändertem Text auch von französischen Gegnern der algerischen Unabhängigkeit. Im Mai 1961 veröffentlichte sie in Großbritannien unter dem Titel No Regrets eine von Hal David getextete englischsprachige Version, die jedoch die dortige Hitparade verfehlte.

Coverversionen[Bearbeiten]

Es gibt mindestens 39 Coverversionen, darunter von Milva mit italienischem Text und dem Titel Nulla rimpiangerò (aufgenommen am 3. Mai 1961). Kay Starr brachte die erste englischsprachige Coverversion von No Regrets heraus (9. Mai 1963), Kathy Kirby folgte unter Musikproduzent Peter Sullivan (veröffentlicht am 2. Oktober 1964), danach Shirley Bassey (veröffentlicht am 9. April 1965). Gisela May brachte 1965 eine deutsche Version unter dem Titel Nein, es tut mir nicht leid (Text: Ralph Maria Siegel; LP Chansons; 1965) heraus, den Mireille Mathieu nochmals aufgriff (LP Star 90; 1985). Die von Tony Hendrik produzierten Bad Boys Blue übernahmen die englische Fassung (LP The Fifth; Oktober 1989). Johnny Hallyday sang das Original live im Olympia am 25. August 2000 (LP Olympia 2000; November 2000), Jule Neigel übernahm ebenfalls die französische Fassung (LP Stimme mit Flügel(n); August 2006). Vicky Leandros folgte mit Nein, ich bereue nichts (LP Zeitlos; September 2010). Eine französische Reggae-Version stammt von Denakil featuring U-Roy (LP Echoes du temps; Februar 2011), Patricia Kaas übernahm ebenfalls die französische Fassung (Studioversion vom Juni 2012; live Royal Albert Hall, London, 5. November 2012).

Non, je ne regrette rien kommt auch in der Biografie-Verfilmung La Vie en rose vor (Premiere in Deutschland: 22. Februar 2007).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Dimery, 1001 Songs: You Must Hear Before You Die, 2011, ohne Seitenangabe
  2. Süddeutsche Zeitung vom 11. Januar 2011, Ein Lied für ein ganzes Leben
  3. Carolyn Burke, No Regrets: The Life of Édith Piaf, 2012, S. 197 f.
  4. Carolyn Burke, a.a.O., S. 199
  5. Süddeutsche Zeitung vom 11. Januar 2011, a.a.O.
  6. Cooke, James J. (1990). "Alexander Harrison, Challenging de Gaulle: The O.A.S. and the Counterrevolution in Algeria, 1954–1962". The International Journal of African Historical Studies. Boston: Boston University African Studies Center.
  7. Porch, Douglas (1991). The French Foreign Legion: A Complete History. London: Macmillan. ISBN 0-333-43427-7