Nonnenhorn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nonnenhorn
Nonnenhorn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nonnenhorn hervorgehoben
47.5752777777789.6102777777778404Koordinaten: 47° 35′ N, 9° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Höhe: 404 m ü. NHN
Fläche: 1,96 km²
Einwohner: 1679 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 857 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88149
Vorwahl: 08382
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 120
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Conrad-Forster-Str. 9
88149 Nonnenhorn
Webpräsenz: www.nonnenhorn.eu
Bürgermeister: Rainer Krauß (Dorfgem.)
Lage der Gemeinde Nonnenhorn im Landkreis Lindau (Bodensee)
Baden-Württemberg Österreich Schweiz Landkreis Oberallgäu Bodolz Gestratz Grünenbach Heimenkirch Hergatz Hergensweiler Lindau (Bodensee) Lindenberg im Allgäu Maierhöfen Nonnenhorn Oberreute Opfenbach Röthenbach (Allgäu) Scheidegg Sigmarszell Stiefenhofen Wasserburg (Bodensee) Weiler-Simmerberg Weißensberg BodenseeKarte
Über dieses Bild
Nonnenhorn 1900
Blick auf Nonnenhorn vom Bodensee

Nonnenhorn ist eine Gemeinde am Bodensee im Landkreis Lindau (Bodensee) im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Der Luftkurort und bekannte Weinort liegt zwischen Wasserburg und Kressbronn am Bodensee jenseits der Grenze zu Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Nonnenhorn liegt am Nordufer (Sonnenseite) des bayerischen Teils des Bodensees. Flächenmäßig ist es die drittkleinste und zugleich südwestlichste Gemeinde des Freistaates Bayern. Im Westen grenzt Nonnenhorn an Baden-Württemberg. Es existiert nur die Gemarkung Nonnenhorn. Die Seeuferlänge misst 3,8 km. Das Hinterland ist geprägt von eiszeitlichen Moränenhügeln (Drumlins) mit botanisch bemerkenswerten Mischwaldbeständen.

Nachbargemeinden

Die im Westen angrenzende Gemeinde, die bereits in Baden-Württemberg liegt, ist Kressbronn. Von Osten her schließt sich Wasserburg an. Die vier bayerischen Seegemeinden Nonnenhorn, Wasserburg, Bodolz und die Stadt Lindau liegen im Bereich „Bayerischer Bodensee“.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 810 soll Graf Adalbert von Rätien in Seenot die Gründung eines Frauenklosters in Nonnenhorn gelobt haben. Mönche brachten 875 die Weinrebe und pflanzten sie an. Im Jahre 910 wurde Nonnenhorn erstmals urkundlich erwähnt, gehörte aber bereits seit dem 9. Jahrhundert zur Herrschaft Wasserburg. Angeblich flohen 926 die dort ansässigen Klosterfrauen (Nonnen) vor den Ungarn. 1591 wurde Deuel’s Weintorkel (Kelter) in der Conrad-Forster-Straße in Nonnenhorn erbaut (seit 1978 unter Denkmalschutz gestellt). Die Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn erwarben 1592 die Herrschaft Wasserburg und damit auch Nonnenhorn. 1763 kam die Fuggersche Herrschaft dann zu Österreich. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehörte der Ort zum Königreich Bayern. Der Schulhausbau in Nonnenhorn wurde 1811 abgeschlossen. Im Zuge der bayerischen Verwaltungsreformen mit dem Gemeindeedikt 1818 entstand 1818 die heutige Gemeinde. Der Schuhmachergeselle Johannes Königer begründete 1846 den ersten Schäfflertanz in Nonnenhorn. Nonnenhorn wurde 1899 Bahnstation mit der Eröffnung der Bahnlinie Lindau-Friedrichshafen. Die Dampfschiffslände wurde 1912 dem Verkehr übergeben. 1957 wurde die staatliche Fischbrutanstalt in Nonnenhorn gebaut. Die neu erbaute Kirche St. Christophorus wurde 1961 eingeweiht. Bei der letzten Seegfrörne 1963 tagte der Nonnenhorner Gemeinderat auf dem Eis.[2]

Einwohnerentwicklung[3]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1970 1987 2000 2009 2010 2011
Einwohner 647 573 782 1.119 1.270 1.450 1.503 1.686 1663 1669

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich nach der Kommunalwahl vom 2. März 2008 zusammen aus je fünf Mitgliedern der Dorfgemeinschaft Nonnenhorn und der Freien Bürgerschaft Nonnenhorn. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,7 %.

Bürgermeister ist Rainer Krauß (Dorfgemeinschaft). Er wurde 2008 als Nachfolger von Michael Hornstein (CSU/Dorfgemeinschaft/Freie Bürgerschaft/Aktive Liste) gewählt, der im Jahr 2002 Nachfolger von Josef Hornstein wurde und 2008 bei den Kommunalwahlen nicht mehr angetreten war. Rainer Krauß ist der erste hauptamtliche Bürgermeister von Nonnenhorn. Zuvor war er Büroleiter des Landrats im Landratsamt Lindau.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten]

Die Steuereinnahmen der Gemeinde lagen im Jahr 2009 bei 1.245.000 Euro, der Anteil der Gewerbesteuer hieran lag bei rund 105.000 Euro (netto). Hauptsteuereinnahme ist der Einkommenssteueranteil mit rund 695.000 Euro.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Das Nonnenhorner Wappen ist gespalten von Gold und Blau. Es zeigt vorne eine schwarz gekleidete Nonne mit goldenem Rosenkranz, hinten ein silbernes Füllhorn mit goldener Weintraube, goldener Birne und goldenem Apfel mit grünen Blättern.

Nonnenhorn gehörte seit dem Mittelalter zur Herrschaft Wasserburg. An den Erwerb der Herrschaft 1592 durch die Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn erinnern die Farben Gold und Blau aus dem Stammwappen der Fugger. Die Nonne steht für den Ortsnamen, obwohl sich der Ortsname eher von dem Personenmanen „Nuno“ ableitet. Das Füllhorn mit den Weintrauben, Äpfel und Birnen verweist auf den Wein- und Obstanbau der Gemeinde.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft elf, im produzierenden Gewerbe 46 und im Bereich Handel und Verkehr 114 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 47 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 499. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. 2007 gab es 18 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 2 ha oder mehr, die insgesamt 123 ha bewirtschafteten, davon waren 3 ha Dauergrünland und hiervon 1 ha Ackerfläche.[3]

Wein- und Obstanbau[Bearbeiten]

Der Weinbau sowie der Tourismus am Bayerischen Bodensee spielen eine wichtige Rolle. Das milde Seeklima und das sonnige Nordufer des Bodensees begünstigen hier besonders den Wein- und Obstanbau. Rebanlagen und Obstbäume durchziehen das Ortsbild des idyllischen Weindorfs. Die Großlagen der bekannten Weine nennen sich „Sonnenbichl“ und „Seehalde“. Beliebteste Rebsorten sind „Müller-Thurgau“, „Bacchus“, „Spätburgunder“ und „Spätburgunder-Weißherbst“, die eine Reihe Winzer herstellen. Organisiert sind viele Winzer im Weinbauverein bayerischer Bodensee.

Fischerei[Bearbeiten]

Von der Staatlichen Fischbrutanstalt in Nonnenhorn wurden 2002 über 37 Millionen Blaufelchen, 17.500 Seesaiblinge und 691.500 Seeforellen im See ausgesetzt. 34 essbare Fischarten kann man im See finden. Am häufigsten ist das Felchen und der Kretzer. Die Fischer verkaufen täglich frischen Fisch (auch geräuchert).

Tourismus und Gastronomie[Bearbeiten]

Nonnenhorn ist Luftkurort mit ca. 1000 Gästebetten von Hotels, Gästehäusern, Pensionen, Ferienwohnungen und Privatzimmern in der Gemeinde. Die touristische Saison dauert etwa von April bis Oktober. Für Freizeitaktivitäten stehen ein beheiztes Strandbad (26 °C), Kegelbahnen, ein Tennisplatz, ein Minigolfplatz mit Bodenseemotiven, ein Freiluftschach, ein Obst- und Weinwanderweg und ein Kinderspielplatz zur Verfügung. In der Gemeinde gibt es sieben verschiedene Restaurants und Gaststätten mit unterschiedlicher Küche. Zudem gibt es im Ort auch drei „Rädlewirtschaften“. Der Begriff „Rädle“ steht für Hof- oder Gutsausschank. Dort lebt der alte Brauch wieder auf, dass Winzer den hauseigenen Wein in geselliger Runde ausschenken. In anderen Regionen werden ähnliche Lokalitäten auch als „Buschenschank“, „Straußenwirtschaft“ oder „Besenwirtschaft“ bezeichnet.

Verkehr[Bearbeiten]

Da die Bundesstraße oberhalb des Ortes verläuft, fließt durch Nonnenhorn nur Ortsverkehr. Seit März 2007 wird die Gemeinde auf württembergischer Seite offiziell nicht mehr ausgeschildert, was dem Tourismus schadet. Grund hierfür sind die seit Öffnung der Umgehung B31 geschlossenen Abfahrten Rickatshofen und Schönau. Aufgrund der fehlenden Abfahrten fließt der gesamte Verkehr in bayerische Ferienorte durch die württembergische Gemeinde Kressbronn. Bis eine Lösung der bayerischen Regierung vorliegt und die Schilder wieder montiert werden, müssen Touristen, die der Beschilderung folgen, so einen Umweg von bis zu 40 Kilometer in Kauf nehmen.

Ab dem im Ortskern gelegenen Bahnhof der Bodensee-Gürtelbahn verkehren regelmäßig Züge zwischen Lindau und Friedrichshafen. Vom Schiffsanleger aus befördert die „Weiße Flotte“ der Bodensee-Schiffsbetriebe in der Saison täglich Gäste nach Lindau, Bregenz oder Friedrichshafen, Meersburg, Mainau und Konstanz. Vom benachbarten Wasserburg und von Friedrichshafen gelangt man per Schiff auch in die Schweiz.

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Nonnenhorn auch Station des Bodensee-Radwegs, des Bodensee-Rundwegs und liegt als Abstecher auf dem Oberschwäbischen Jakobsweg.

Ein kilometerlanges Netz aus Spazier- und Wanderwegen sowie dem Nordic Walking Park Bayerischer Bodensee erstreckt sich vom See bis ins fruchtbare Umland. Zudem werden saisonal auch Tagesausflüge per Bus zu weiteren Ausflugszielen am See angeboten.

Bildung[Bearbeiten]

In Nonnenhorn gibt es folgende Bildungseinrichtungen (2009/10):[3]

  • In einem Kindergarten mit 50 Plätzen werden 40 Kinder betreut.
  • In der Volksschule unterrichten fünf Lehrer rund 70 Schüler in drei Klassen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten]

Dorfmuseum[Bearbeiten]

Gezeigt werden Exponate der Heimatgeschichte, des Obst- und Weinanbaus und des Handwerks. Um die Instandhaltung und Pflege kümmert sich der Museumsverein Nonnenhorn. Das Museum ist jeden Mittwoch für Besucher geöffnet, im Winter auf Anfrage in der Tourist-Information.

Kirchen[Bearbeiten]

Hl. Jakobus, Schnitzerei von Johannes Ruhland (um 1490)

Der Kapellenplatz ist das alte Zentrum des Ortes, dort steht die spätgotische St. Jakobus-Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. Die Kapelle selbst wie auch der Kapellenplatz stehen unter Denkmalschutz und im Windschatten eines mächtigen Mammutbaumes. Im Inneren der Kapelle befindet sich eine Kreuzigungsgruppe die laut Inschrift aus dem Jahre 1646 stammt, eine schöne Sitzfigur des Kirchenpatron dem Hl. Jakobus, des Hl. Petrus und des Evangelisten Johannes (um 1490), des Weiteren Holzplastiken des Hl. Nikolaus (um 1680) und der Hl. Katharina (um 1470). Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Kapelle mehrmals umgebaut, zuletzt 1977. Bei diesen Umbauten wurde die Kapelle auch mit dem neugotischen Hochaltar und den spitzbogigen Fenstern ausgestattet. Die St. Jakobus-Kapelle lag an der alten Wallfahrtsstraße nach Santiago de Compostela. St. Jakobus der Ältere galt als Schutzherr der Pilger. Noch heute führt der Oberschwäbische Jakobsweg auf einem Abstecher die Pilger von Brochenzell über Tettnang und Kressbronn nach Nonnenhorn.

Die St. Christophorus Kirche bildet mit dem Pfarrsaal und dem Pfarrhaus einen kirchlichen Komplex unter einem Dach. Der Kirchturm mit einem etwas hervorgestelltem Pultdach ist 25 m hoch. Die südliche Glaswand hat der Künstler nach dem „Sonnengesang des heiligen Franziskus von Assisi“ gestaltet.

Weintorkel[Bearbeiten]

Der Nonnenhorner Weintorkel aus dem Jahre 1591 ist eine der ältesten Weinpressen der Bodenseegegend. Er steht geschützt in einem offenen Holzhaus in der Conrad-Forster-Straße. In ihm wurde 1955 das letzte Mal die Traubenernte gepresst, und seit 1978 steht der alte Torkel unter Denkmalschutz. Der wuchtige eichene Pressbalken soll mit 400 Zentnern Gewicht die Traubenbeeren belastet haben. Etwa 30 Pferde und 40 Mann waren notwendig, um eine Presse dieser Größe zu errichten. Während der Saison berichten und veranschaulichen örtliche Winzer jeden Mittwoch bei den Torkelerklärungen, wie hier früher die Trauben verarbeitet wurden.

Seegfrörne-Steine[Bearbeiten]

Gedenkstein an die Seegfrörne im Winter 1879/1880 auf dem Kapellenplatz in Nonnenhorn
Gedenkstein an die Seegfrörne im Winter 1962/1963 am Strandbad in Nonnenhorn

„Seegfrörne“, so nennt man es wenn der Bodensee komplett von einer geschlossenen Eisschicht bedeckt ist. Vor dem Eingang der St. Jakobus-Kapelle steht schützend der „Seegfrörne-Stein“ als alter Zeitzeuge. Ein mächtiger Findlingsblock, der bei der damaligen Seegfrörne von 1880 aus dem See gezogen wurde. Ein weiterer Gedenkstein an die Seegfrörne von 1963 steht vor dem Strandbad Nonnenhorn.

Narrenbrunnen[Bearbeiten]

Seit 2001 ziert der Narrenbrunnen den Park vor der Schiffsanlegestelle in Nonnenhorn. Er stellt die zwei Figuren der Narrenzunft Nonnenhorn dar: Den Traubenhüter und die Reblaus. Ein Weinblatt bildet den Grund des Brunnens. Er soll an die alte Tradition des Weinbaus im Ort erinnern.

Traditionen[Bearbeiten]

  • Besondere Feste: Komm und See / Winzerfest am See / Gourmet & Dixie / Essen und Tschässen (siehe Veranstaltungskalender der Gemeinde)
  • Schäfflertanz: Seit 1846 wird er alle sieben Jahre in Nonnenhorn von der örtlichen Schäfflergesellschaft aufgeführt
  • Narrenverein mit Maskengruppen: Reblaus und Traubenhüter , Narrenruf "SeeWii - Oho"

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nonnenhorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeindearchiv, der „Chronologie des Landkreises Lindau“ von Werner Dobras und schon bestehenden Einträgen
  3. a b c d Statistik kommunal 2012 Nonnenhorn (PDF; 1,3 MB)