Provinz Nordbrabant

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Nordbrabant
Provinz der Niederlande Flag of the Netherlands.svg
Wappen Flagge
Noord-Brabant wapen.svg North Brabant-Flag.svg
Lage
Karte: Provinz Nordbrabant in den Niederlanden Zeeland Südholland Baarle (zu Belgien) Nordbrabant Groningen Bundesrepublik Deutschland Limburg Friesland Flevoland Drenthe Nordholland IJsselmeer Utrecht Overijssel Gelderland Frankreich Belgien Nordsee
Über dieses Bild
Basisdaten
Hauptstadt ’s-Hertogenbosch
Größte Stadt Eindhoven
ISO 3166-2-Code NL-NB
Website www.brabant.nl/
Politik
Königlicher Kommissar Wim van de Donk
Regierende Parteien CDA, PvdA, VVD
Bevölkerung
Einwohner 2.479.574 (3. von 12)
Landesanteil 14,7 % der Niederländer
Bevölkerungsdichte 504 Einw. pro km² (5. von 12)
Geographie
Fläche 5.081,76 km²
– Land 4.916,49 km² (3. von 12)
– Wasser 165,27 km²
Koordinaten 52° N, 5° O51.5616666666675.1880555555556Koordinaten: 52° N, 5° O
Verwaltungsgliederung
Gemeinden 67
Topographie der Provinz Nordbrabant

Topographie der Provinz Nordbrabant

Nordbrabant (niederländisch Noord-Brabant) ist eine Provinz im Süden der Niederlande. Nordbrabant grenzt an die niederländischen Provinzen Limburg, Gelderland, Südholland und Zeeland und an die belgische Region Flandern.

Die Hauptstadt der Provinz ist ’s-Hertogenbosch (auch Den Bosch).

Geschichte[Bearbeiten]

Im frühen Mittelalter wurde die Provinz von Franken bewohnt. Im 11. Jahrhundert wurde das Gebiet der heutigen Provinz Teil des Herzogtums Brabant, in dem Nordbrabant der nördlichste Teil war. Das Herzogtum wurde im 12. Jahrhundert reich, weil die Handelsstraßen zwischen Flandern und Köln und die Handelsstraße zwischen Nordfrankreich und Holland einander im Herzogtum kreuzten. Auch im Norden des Herzogtums kam es zu Wirtschaftswachstum. Das führte zum Entstehen verschiedener Städte wie Breda und ’s-Hertogenbosch. Im 15. Jahrhundert kamen die Niederlande durch Vererbung an die Herzöge Burgunds. In den burgundischen Niederlanden war das Herzogtum Brabant die wichtigste Provinz. 1515 kam das Herzogtum an die Habsburger und nach der Abdankung Karl V. an seinen Sohn Philipp II. von Spanien. Als 1568 der Achtzigjährige Krieg ausbrach und Holland 1572 unter die Kontrolle von Wilhelm von Oranien geriet, wurde Nordbrabant zu einem Schlachtfeld, das mehrmals den Besitzer wechselte. 1648 wurde Nordbrabant im Westfälischen Frieden der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande zugesprochen. Das alte Herzogtum Brabant wurde in zwei Teile aufgespalten. Somit wurde auch die heutige Landesgrenze zwischen Belgien und den Niederlanden festgelegt. Wirtschaftlich bedeutete die Trennung Brabants, dass Nordbrabant keine zentrale geografische Lage mehr hatte. Eine neue Grenze bedeutete auch, dass Kaufleute Zölle zahlen mussten, was den Handel bremste. Nordbrabant verarmte. Die Situation wurde noch schlimmer, weil die Republik Nordbrabant vor allem benutzte, um Steuern zu erheben.

Während des Achtzigjährigen Krieges war Nordbrabant unter Einfluss der Gegenreformation der katholischen Konfession treu geblieben. Der katholische Hintergrund von Nordbrabant führte dazu, dass die calvinistischen Machthaber in Holland Nordbrabant misstrauisch gegenüberstanden, da der Katholizismus auch die Konfession der Spanier war. Nordbrabant bekam keine Selbstverwaltung (im Gegensatz zu anderen Provinzen der Sieben Vereinigten Niederlande) und wurde unter dem Namen Staats-Brabant den Generalitätslande zugeordnet und von den Generalstaaten verwaltet. Der katholische Glaube wurde von den Generalstaaten verboten. Katholische Messen wurden toleriert, wenn man eine Gebühr zahlte und die Messe nicht öffentlich zelebrierte. Im Grenzgebiet zelebrierten viele Gläubige die Messe in den spanischen Niederlanden, wo viele so genannte Grenzkirchen errichtet wurden.

Erst nach 1792, als die Franzosen die Niederlande eroberten und 1795 die Batavische Republik ausgerufen wurde, änderte sich diese Situation. In dieser Republik wurde auch Gottesdienstfreiheit eingeführt, was bedeutete, dass das Verbot des katholischen Gottesdienstes aufgehoben wurde. Im Jahr 1806 wurde aus Nordbrabant ein eigenständiges Département im napoleonischen Königreich Holland (1806–1810) gebildet. Nach der Niederlage Napoleons und der Neugliederung der europäischen Staaten auf dem Wiener Kongress (1815) wurde Nordbrabant eine der siebzehn Provinzen im neuen Königreich der Vereinigten Niederlande. In der Gegend Brüssels wurde die Provinz Südbrabant errichtet. Nach der Belgischen Revolution im Jahr 1830 stand Nordbrabant dem neuen belgischen Staat zwar positiv gegenüber, dennoch blieb die Provinz den Niederlanden treu. 1839 wurde Südbrabant definitiv belgisch, aber Nordbrabant wurde seitdem niemals in Brabant umbenannt. Das erklärt, warum es im Süden der Niederlande eine Provinz mit dem Präfix „Nord“ gibt, ohne dass es heutzutage eine Provinz Südbrabant gibt.

Ende des 19. Jahrhunderts fing die Industrialisierung auch in Nordbrabant an. Da die Löhne in Nordbrabant im Vergleich zu Holland niedrig waren, war es für die Industrie sehr attraktiv, sich in Nordbrabant anzusiedeln. Vor allem die Textilindustrie entwickelte sich stark. Die Dörfer Tilburg und Eindhoven waren die wichtigsten Siedlungsorte für die Industrie und entwickelten sich unter Einfluss der Industrie zu Großstädten. 1891 wurde in Eindhoven der spätere Elektronik-Konzern Philips gegründet; erstes Produkt waren Glühlampen. Dieses Unternehmen förderte auch die soziale Entwicklung Eindhovens; die Unternehmensgründer wollten, dass ihre Mitarbeiter ein gesundes Leben führten. Dazu gründete Philips u. a. den heute sehr erfolgreichen Fußballverein Philips Sportverein (PSV).

Von 1870 bis etwa 1965 gab es in den Niederlanden ein System der Versäulung, was bedeutet, dass die Gesellschaft in jedem Bereich des Lebens in weltanschauliche Säulen eingeteilt war. Damals gab es auch eine katholische Säule, die in Nordbrabant (1889 waren 86,8 % der Bevölkerung katholisch[1]) vorherrschend war. Die katholische Kirche regierte jeden Bereich des Lebens. Das äußerte sich in regelmäßigem Kirchgang und dem Bau neuer Kirchen. Die Geburtenrate war nirgendwo in den Niederlanden so hoch wie in den beiden in Mehrheit katholischen Provinzen (Nordbrabant und Limburg); der Anteil der Bevölkerung Nordbrabants an der niederländischen Gesamtbevölkerung wuchs stark. Damals war es Tradition, dass jeder zweite Sohn Priester wurde. Die katholische Säule trat politisch als eine Einheit nach außen auf (75 % der Nordbrabanter wählten die Katholieke Volkspartij), was die katholische Emanzipation in den traditionell calvinistischen Niederlanden stimuliert hat. Für Nordbrabant bedeutete dies, dass seine Interessen besser vertreten wurden. Diese Periode der nordbrabantischen Geschichte, in der sehr große kirchliche Aktivitäten stattfanden (auch Missionierung in Übersee, siehe z. B. Steyler Mission), wird von Historikern und den Nordbrabantern selbst das Rijke Roomse Leven (deutsch: reiches römisches Leben) genannt.[2] In Nachbarregionen anderer Länder (z. B. Rheinland, Nordfrankreich) war die katholische Kirche ähnlich aktiv. Sie war von etwa 1850 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs von einem starken Antimodernismus und an eine starke Bindung zum Vatikan (Ultramontanismus) beseelt bzw. geprägt (siehe auch Römisch-katholische Kirche in Frankreich, Römisch-katholische Kirche in Belgien, Römisch-katholische Kirche in den Niederlanden).

Ab 1965 trat unter Einfluss des Wirtschaftswachstums der 1960er Jahre auch in Nordbrabant die Säkularisierung ein, was bedeutete, dass der Einfluss der Kirche stark sank (ebenso ab dem Pillenknick die Geburtenrate). Auch der Besuch der Messe wurde deutlich seltener. Laut einer jüngeren Umfrage sind etwa 64 % der Nordbrabanter katholisch.[3] Es gibt auch heute noch Reste des „reichen römischen Lebens“.

Im katholischen Süden der Niederlande (und vor allem in Nordbrabant) wird jährlich Karneval gefeiert. Auch das Schulwesen ist noch katholisch geprägt. Mehr als 80% der Schüler, sowohl katholische als auch konfessionslose, besuchen eine der katholischen Schulen wegen deren guten Rufes und ihrer Verbreitung.

Das 'Brabants Historisch Informatie Centrum (BHIC)' erforscht die Geschichte von Nordbrabant. Es hat etwa 1500 Archive; die aufbewahrten Papiere und Dokumente umfassen etwa 30.000 Buchmeter.[4]

Sport[Bearbeiten]

Die populärste Sportart in Nordbrabant ist Fußball. In der Provinz spielen folgende Fußballklubs in der höchsten Liga des niederländischen Fußballs (Stand: Januar 2014):

Tourismus[Bearbeiten]

Sehenswert sind die Altstädte von Breda und ’s-Hertogenbosch. In ’s-Hertogenbosch kann man eine Rundfahrt durch die Festung machen. Breda ist eine so genannte Oranienstadt, weil es eng mit dem niederländischen Königshaus verbunden ist. Viele Gebäude in der Stadt erinnern an das Königshaus. Wilhelm von Oranien hat als Baron von Breda noch kurze Zeit im Schloss gewohnt.

Im Dorf Baarle befinden sich 22 belgische Enklaven. In diesen Enklaven liegen wiederum 7 niederländische Enklaven. Das Dorf ist in die niederländische Gemeinde Baarle-Nassau und die belgische Gemeinde Baarle-Hertog aufgeteilt.

Der Freizeitpark „De Efteling“ befindet sich ebenfalls in der Provinz. Im Märchenwald des Parkes sind bekannte Märchen dargestellt. Auch gibt es verschiedene Attraktionen. Südlich von Breda befindet sich der Erholungswald Mastbos, welcher im 15. Jahrhundert zur Versorgung spanischer und niederländischer Schiff mit Pinienholz angelegt wurde.

Auch für Naturliebhaber hat Nordbrabant viel zu bieten. Zerstreut über die Provinz liegen viele Wälder und Heidegebiete, die vom Staat verwaltet werden. Diese Wälder sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Das bekannteste Naturgebiet ist De Biesbosch, eines der letzten Feuchtgebiete Europas.

Durch die internationale Ausstrahlung der Comedyserie New Kids ist das Dorf Maaskantje, vor dessen Ortsschild die Hauptfiguren der Serie bei jedem Sketch posieren, seit Ende der 2000er Jahre zu einem beliebten Ausflugsziel von Fans der Serie geworden.

Verkehr[Bearbeiten]

Verschiedene wichtige Straßen, Autobahnen und Eisenbahnen führen quer durch die Provinz. Die A 16 (E 19) ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung, die die Häfen von Rotterdam und Antwerpen miteinander verbindet. Auch die A 2 ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung, die Amsterdam und Maastricht miteinander verbindet. Die A 58/A 67 (E 312) ist die wichtigste Ost-West-Verbindung in der Provinz und verbindet die seeländische Küste mit Deutschland.

Gemeinden in der Provinz Nordbrabant[Bearbeiten]

(Einwohner am 1. Januar 2014)

St.-Johannes-Kathedrale in der Provinzhauptstadt ’s-Hertogenbosch

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte die Provinz 2006 einen Index von 132,2 (EU-27 = 100).[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikivoyage: Nordbrabant – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PDF bei www.volkstellingen.nl
  2. [1]
  3. [2]
  4. Het Brabants Historisch Informatie Centrum (BHIC)
  5. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)