Noordwijk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemeinde Noordwijk
Flagge der Gemeinde Noordwijk
Flagge
Wappen der Gemeinde Noordwijk
Wappen
Provinz Südholland Südholland
Bürgermeister Harry Groen
Sitz der Gemeinde Noordwijk
Fläche
 – Land
 – Wasser
51,86 km²
36,02 km²
15,84 km²
CBS-Code 0575
Einwohner 25.696 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 495 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 14′ N, 4° 27′ O52.2394444444444.4477777777778Koordinaten: 52° 14′ N, 4° 27′ O
Vorwahl 071 und 0252
Postleitzahlen 2202–2203
Website www.noordwijk.nl
Lage von Noordwijk in den Niederlanden
Topografische Karte der Gemeinde Noordwijk (2011)

Die niederländische Gemeinde Noordwijk ( anhören?/i) liegt in der Provinz Südholland, zwischen Katwijk und Zandvoort, im Zentrum der Bollenstreek (Deutsch: Blumenzwiebelgegend). Noordwijk ist seit fast 200 Jahren ein international bekanntes Seebad und auch international bekannt als „Blumenbadeort Europas“.

Die Gemeinde Noordwijk besteht aus den Orten Noordwijk aan Zee und Noordwijk-Binnen. Neben der Bekanntheit als Badeort ist Noordwijk auch wegen seiner großen Blumenzwiebelfelder (Tulpenzüchtung) international bekannt. Hier hat das Europäische Weltraumforschungs- und Technologiezentrum (ESTEC) der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) seinen Sitz.

Noordwijk als Seebad[Bearbeiten]

Als Seebad kennzeichnet Noordwijk an Zee ein breiter, 13 km langer schöner Sandstrand, sowie ein sehr großes Dünengebiet. Strand und Dünen erstrecken sich nach Norden bis Zandvoort und im Süden bis Katwijk an Zee. Weitere Attraktionen sind die Promenade mit zahlreichen Restaurants, das alte Zentrum und zahlreiche Kneipen und Diskotheken. Noordwijk verfügt als Seebad über eine große Anzahl von Hotels (darunter das Grandhotel Huis ter Duin), Ferienhäuser und Pensionen mit über 3400 Betten und verzeichnet jährlich über 1 Mio. Übernachtungen. Noordwijk ist mit über 250 Kongressen jährlich die zweitwichtigste Kongressdestination der Niederlande und das drittgrößte Seebad der Niederlande.

Blumenbadeort Europas[Bearbeiten]

Noordwijk, welches zum Bollenstreek gehört, wird auch wegen seiner großen Blumenzwiebel- und Tulpenfelder als der Blumenbadeort Europas bezeichnet. Jährlich startet in Noordwijk einer der bekanntesten Blumenkorsos (Bloemencorso van de Bollenstreek) der Welt, der aus über zwanzig Prunkwagen und gut dreißig üppig mit Blumen geschmückten Limousinen besteht, zu seiner ca. 40 km langen Tour, die auch an dem international bekannten Keukenhof vorbeikommt. Der rund 7 km entfernte Keukenhof (in Lisse) ist einer der größten Blumenparks der Welt und hat sich zu einer der größten niederländischen Touristenattraktionen entwickelt.

In Noordwijk (Huis ter Duin) endet in der Regel die Internationale Tulpenrallye, die mit fast 60 Jahren als älteste, längste und bekannteste Rallye für historische Fahrzeuge in den Niederlanden gilt.[2]

Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in Noordwijk und Umgebung[Bearbeiten]

  • Der 13 km lange Sandstrand am Bollenstreek.
  • Die Noordwijker Dünen haben europäische Bedeutung, unter anderem Coepelduynen, Noordduinen (Nadelwald und Vogelbrutgebiet) und Langeveld, und wurden daher als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen.
  • Kunst in den Dünen – Parkplatz am Anfang des Duindamseslag. Länge der Kunstroute: 4 km
  • Jährlicher Blumenkorso – (Bloemencorso van de Bollenstreek)
  • Der Noordwijker-Leuchtturm und die beiden Strandpromenaden
  • Space Expo Noordwijk
  • Altes Stadtzentrum Noordwijk-Binnen
  • Turm Oude Jeroenskerk – der Turm hat 110 Stufen, ist 40 Meter hoch und die Wände sind 2 Meter dick. Von oben gibt es einen wunderschönen Blick auf Noordwijk, Umgebung und die Nordsee.
  • Keukenhof
  • Adventure Park De Rollygolf
  • Indoor-Spielplatz KidsZoo ( Noordwijkerhout)
  • Golf Centrum Noordwijk
  • Museum Noordwijk (Heimatmuseum)
  • Atlantikwall Museum Noordwijk
  • Heimatmuseum Veldzicht (ehem. Bauernhaus)
  • Landgut Leeuwenhorst (altes Waldgebiet, in der Gemeinde Noordwijkerhout)
  • Amsterdamer Waterleidingduinen
  • Die Hoogewegse Molen (Poldermühle) und Reichsmonument
  • Die Universitätsstadt Leiden

Persönlichkeiten in Noordwijk[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Noordwijk lebten oder Erholung suchten, waren unter anderem Thomas Mann, Maria Montessori (in Noordwijk begraben), der Unternehmer Alfred Heineken, Ex-Kaiserin Soraya,[3] die Dichterin Henriette Roland-Holst, die Pianistin Pia Beck, der Tenor Jacques Urlus, die Schriftstellerin Margriet de Moor sowie zahlreiche Maler und Künstler wie zum Beispiel Max Liebermann und bekannte Filmdarsteller. Noordwijk ist auch Wohnsitz von Fußballtrainer Louis van Gaal. Im März 2014 übernachten der US Präsident Barack Obama und der Staatspräsident der Volksrepublik China Xi Jinping in Noordwijk.[4]

Nachhaltiger Tourismus[Bearbeiten]

QualityCoast

Im Jahr 2012 wurde Noordwijk die Auszeichnung QualityCoast Gold für besondere Anstrengungen in der nachhaltigen Entwicklung verliehen. Daher wurde Noordwijk in den weltweiten Atlas für nachhaltigen Tourismus, DestiNet, aufgenommen.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichtliche und römische Zeit[Bearbeiten]

In Noordwijk gibt es Fundorte aus frühgeschichtlicher und insbesondere der römischen Zeit. Das römische Kastell und Hafen Lugdunum Batavorum (Brittenburg) am Oude Rijn lag zwischen Katwijk aan Zee und Noordwijk aan Zee und ist in der römischen Tabula Peutingeriana verzeichnet. Die Ruinen des Kastells nach den Sturm von 1520, 1552 und 1562 am Strand sichtbar und werden heute einen Kilometer westlich des ESTEC Zentrums vermutet, derzeit gibt es Bestrebungen diesen Ort wiederzufinden.[6]

Geschichte Noordwijks[Bearbeiten]

Die Ursprünge von Noordwijk[7] gehen auf 857 zurück, als der Priester Jeron als Märtyrer starb. Noordwijk wurde in mittelalterlichen Dokumenten als Northogo (in unterschiedlichen Schreibweisen) bezeichnet. Im Frühmittelalter war Northogo fränkisches Königsgut, dann gehörte es zur Grafschaft Holland (885–1299), von 1299 bis 1354 zur Grafschaft Hennegau, von 1354 bis 1433 den Wittelsbachern, von 1522 bis 1482 dem Haus Burgund und von 1482 bis 1581 zu Habsburg. Ab 1198 treten erstmals die Herren van Noordwijk auf. Albrecht I. von Bayern verlieh Noordwijk 1398 die Stadtrechte, welche aber 1399 wieder entzogen wurden. Noordwijk wurde wieder eine Niedere Herrlichkeit (Ambachtsherrlichkeit).[7] 1429 wurde Noordwijk Pilgerort. 1500 hatte Noordwijk etwa 1500 Einwohner.

Eine besondere Rolle spielte seit dem Mittelalter das Landgut Offem, welches im 18. Jahrhundert in seiner heutigen Form errichtet wurde. Es ist seit 2009 Reichsmonument. Auch entwickelte sich ein reiches Kirchen- und Klosterleben, insbesondere um das St. Babarakloster, welches 1572 aufgegeben wurde. In der Umgebung von Noordwijk wurde 1261 das große Zisterzienserkloster Leeuwenhorst in Noordwijkerhout gegründet, welches große Ländereien (über 1263 ha) besaß, davon viele in der Gemarkung Noordwijk. Es wurde 1571 aufgegeben, fiel dann Brandstiftung zum Opfer und ist heute Kongresszentrum.

Der ehemalige Fischerort Noordwijk aan Zee wurde um 1200 gegründet. Die Fischerei war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine der Haupteinnahmequellen für Noordwijk Binnen. Im 18. und 19. Jahrhundert war Noordwijk das wichtigste Kräuterzentrum der Niederlande, ab 1880 wurden dann Blumenzwiebeln gezüchtet. 1819 wurde Noordwijk Badeort. Mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Grandhotels Huis ter Duin 1885, wurde der Grundstein für Noordwijk als Seebad gelegt. Es folgt ein starkes Bevölkerungswachstum von ca. 5.000 Einwohner um 1900, auf über 25.000 Einwohner zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Noordwijk im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Es folgte im 20. Jahrhundert der Bau von zahlreichen Hotels wie dem Palace Hotel, dem Hotel Nordzee, dem Poolstar und wenigen Privathäusern entlang des Nordboulevard, sowie der Bau von Hotels und Villen entlang und hinter dem Südboulevard.[7][8] 1923 wurde der 33 m Hohe Leuchtturm gebaut, der als eines der Wahrzeichen von Noordwijk gilt. Im Zweiten Weltkrieg wurden als Teil des Atlantikwalls kolossale Betonmauern als Panzersperren auf den Boulevards errichtet und durchzogen den gesamten Strand- und Dünenbereich. Zeugnisse des Atlantikwalls, insbesondere Bunkerbauten finden sich noch heute in den Dünen.[9] Südlich des Langevelderslag wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine Radio- und Funkempfangsstation (Radio Nora / Noordwijk Radio) errichtet, welche im Zweiten Weltkrieg als wichtigste Funkstation zum Kontakt mit U-Booten diente. Auch ein Landeplatz wurde angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Station weiterhin militärisch genutzt, ist heute aber unbemannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1980er bestand der Noordboulevard aus drei- maximal vierstöckigen Gebäuden. Ende der 1970er Jahre erfolgte dann der Abriss zahlreicher Hotels und Privathäuser auf den Noordboulevard und der Bau von mehrstöckigen Apparmenthäusern und Luxushotels wie dem neuen Hotel Orange (Fünf Sterne), welche das Ortsbild der Strandpromenade des Königin Wilhelminaboulevard bis heute prägen. 1976 brannte das ortsprägende alte Palace Hotel vollständig ab und wurde abgerissen. Auch das Grandhotel Huis ter Duin brannte 1990 ab und wurde zusammen mit einem großen Appartementkomplex wiedererrichtet. Mit dem Abriss der legendären Diskothek Boule 7,[10] einer der ältesten Diskotheken der Niederlande, endete 1994 auch das Nachtleben auf dem Nordboulevard. Das südliche Königin Astridboulevard blieb nahezu unverändert.

10 km vor der Küste (außerhalb der niederländischen Hoheitsgewässer) wurde 1964 das REM-eiland errichtet, welches Basis für einen Piratensender (TV Noordzee) war. Hier wurde 1976 der Fernsehfilm (Tatort) „Trimmel und der Tulpendieb“ gedreht. Die Station wurde 2006 demontiert.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stichting Geschiedsschrijving Noordwijk: Noordwijk. Aan Zee en op de geest. En nieuwe geschiedenis van Noordwijk. Noordwijk 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Noordwijk, South Holland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Tulpenrallye (englisch)
  3. Ex-Kaiserin Soraya in Noordwijk (niederländisch)
  4. http://www.leidschdagblad.nl/regionaal/duinenbollen/article27082862.ece
  5. Sustainable Tourism Destination EUCC [1] (PDF; 13,0 MB)
  6. Eindelijk op zoek naar castellum Brittenburg, Leidsch Dagblad, 26 april 2012.
  7. a b c Stichting Geschiedsschrijving Noordwijk: Noordwijk. Aan Zee en op de geest. En nieuwe geschiedenis van Noordwijk. Noordwijk 2011
  8. Fotos altes Noordwijk aan Zee (niederländisch)
  9. Atlantikwall Museum Noordwijk
  10. Volnieuws: Back to Boule 7, 19. Juli 2012.