Nordamerika Native Museum

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Museumsgebäude mit Holzpavillon

Das NONAM, Nordamerika Native Museum – Indianer und Inuit Kulturen in Zürich ist ein Völkerkundemuseum zur Kunst und Kultur der nordamerikanischen Indianervölker sowie der Inuit.

Das Nonam[Bearbeiten]

Museumsgeschichte[Bearbeiten]

Der Indianermaler Karl Bodmer
Karl Bodmer. Fotografie aus dem Jahr 1877.
Karl Bodmer vor 1870. Zeichnung von Loÿs Delteil.

Das NONAM basiert auf der ehemals privaten Sammlung Hotz. Die Stadt Zürich erwarb die Sammlung 1961 und präsentierte sie ab 1963 im neu erschaffenen Indianermuseum in einem Schulhaus in Zürich Aussersihl. Bis 1977 stand das Museum unter der Leitung von Gottfried Hotz. Sein Nachfolger Hans Läng baute die Sammlung weiter aus. Im Museumsbestand befindet sich eine umfassende Sammlung der Bildtafeln und Vignetten von Karl Bodmer aus dem Buch Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 von Maximilian zu Wied-Neuwied.

Seit 1993 werden die Wechselausstellungen aus dem Fundus der Sammlung durch thematische Sonderausstellungen ergänzt. 2003 wurde das Indianermuseum in Nordamerika Native Museum umbenannt. Gleichzeitig bezog es grössere Räumlichkeiten an der Seefeldstr. 317 beim Bahnhof Tiefenbrunnen. Dank der grösseren Ausstellungsfläche können jeweils eine Wechselausstellung und zusätzlich eine oder zwei Sonderausstellungen im Jahr gezeigt werden. Der Neubau eines Pavillons[1] über dem Empfangsgebäude im Winter 2008/2009 ermöglicht Kulturprogramme, Workshops und Angebote der Museumspädagogik. Der Pavillon wurde 2009 mit der Verleihung des Prix Lignum 2009 ausgezeichnet. Der Holzpreis Schweiz – Prix Lignum - zeichnet den besonders hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten aus.

Im Jahr 2013 erhielt das NONAM anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums einen namhaften Unterstützungsbetrag vom Lotteriefonds des Kantons Zürich. Ziel war eine zukunftsorientierte Erweiterung der museumseigenen Sammlung. Das NONAM ergänzte daraufhin im Jahr 2014 seine Sammlung. Die altehrwürdigen Artefakte des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts erhielten Neuzugänge aus der Gegenwart. Mit der Vergrösserung der Sammlung durch zeitgenössische indige Kunst rückt das NONAM indigene Perspektiven und kritische Dialoge des 21. Jahrhunderts in den Blick der Besucher.

Finanzierung[Bearbeiten]

Das NONAM wird zur Hauptsache durch die Stadt Zürich (Schul- und Sportdepartement) finanziert, welche das jährliche Betriebsbudget, die Personalkosten und die Miete trägt. Der Förderverein Amerindias unterstützt Veranstaltungen, Führungen, Kurse und Workshops sowie Reise- und Aufenthaltskosten von indigenen Gästen, die den normalen Budgetrahmen des Museums sprengen würden. Stiftungen und Firmen leisten punktuelle finanzielle Beiträge.

Förderverein Amerindias[Bearbeiten]

Der Förderverein Amerindias wurde 1993 gegründet. Er fördert den Ausbau des NONAM zu einem «Haus der indianischen Kulturen». Amerindias organisiert und unterstützt Vorträge und andere Veranstaltungen, insbesondere für Familien. Mitglieder des Fördervereins erhalten den freien Eintritt in die Ausstellungen, sie werden zu allen Vernissagen und Sonderveranstaltungen eingeladen, sie bekommen Vergünstigungen beim Einkauf im NONAM-Shop und 30% Rabatt auf Kataloge und Publikationen des NONAM (Stand: 1. November 2014).

Leitung[Bearbeiten]

Der Name des Museums NONAM, Nordamerika Native Museum – Indianer und Inuit Kulturen soll die Arbeitsbereiche des Museums verdeutlichen. Nach Längs altersbedingtem Rücktritt im April 1993 war die Pädagogin und Ethnologin Denise Daenzer bis im Februar 2012 die leitende Kuratorin. Sie übergab die Leitung danach ihrer Stellvertreterin Heidrun Löb weiter. Die Stellvertretende Leiterin ist Monika Egli, der Stellvertretende Leiter und Gestalter ist Markus Roost (Stand: 3. Mai 2013).

Ausstellungen[Bearbeiten]

Aus der Bodmer-Galerie im NONAM
Abdih-Hiddisch. Mönnitarri-Chef. Tableau 24 von Karl Bodmer. Original kolorierte Aquatinta um 1839 aus dem Museumsbestand.
Indianische Bisonjagd. Tableau 31 von Karl Bodmer. Original kolorierte Aquatinta um 1839 aus dem Museumsbestand.
Mündung des Fox River in den Wabash in Indiana. Tableau 5 von Karl Bodmer. Original kolorierte Aquatinta um 1839 aus dem Museumsbestand.

Die Bodmer-Galerie[Bearbeiten]

In der Bodmer-Galerie ist eine Auswahl an Kupferstichen des Zürcher Indianermalers Karl Bodmer aus dem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 zu sehen. Aus konservatorischen Gründen werden die handkolorierten Illustrationen regelmässig ausgewechselt. Mehrmals im Jahr wird eine neue Folge der kostbaren Originale im Original gezeigt. Alle übrigen Bodmer-Tableaus und -Vignetten sind permanent und mit Zoom-in Funktion verfügbar.

Die Sonderausstellung: "Native art now. Zeitgenössische indigene Kunst" vom 8. November 2014 bis zum 7. Juni 2015[Bearbeiten]

Kunstschaffende aus Kanada und den USA bringen dezidiert zum Ausdruck, was es heisst, indigen zu sein – vor dem Hintergrund einer kolonialen Vergangenheit, angesichts stereotyper Erwartungen und federgeschmückter Zerrbilder und nicht zuletzt vor dem Anspruch, indigene Identitäten im 21. Jahrhundert zu bewahren, wieder herzustellen, vor allem aber selbstbestimmt zu definieren.

Die Werke in «Native Art Now» handeln von Hingabe und Tod, von arktischen Geheimnissen, der Kraft des Humors, historischen Superhelden, den legendären Geheimcodes der Navajo und vielem mehr. Zeitgenössische indigene Kunst holt Traditionen in die Gegenwart und nimmt sie mit in eine selbstbestimmte Zukunft – mit oder ohne Perlen und Federn.

Die Dauerausstellung: Von Lachsmenschen und Regenmachern[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung steht unter dem Namen Von Lachsmenschen und Regenmachern und zeigt das indigene Nordamerika in seiner kulturellen Vielfalt. In der Dauerausstellung warten sechs verschiedene Regionen in Kanada und den USA und mehr als 700 Objekte darauf, entdeckt zu werden. Der sinnliche Museumsparcours führt durch die Plains und Prärien, durch das nordöstliche Waldland und die Subarktis, hinauf in die Arktis, entlang der Nordwestküste bis in den Südwesten der USA.

Der Klangraum[Bearbeiten]

Der Klangraum entführt den Hörer in die Welt der Inuit am Polarkreis, der Kwakwaka'wakw an der pazifischen Nordwestküste Kanadas sowie der Hopi und Navajo im Südwesten der USA. Indianer und Inuit verwendeten ursprünglich keine Schriftsprachen. Die Aufnahme und Weitergabe ihrer Informationen geschah im Wesentlichen durch akustische Kommunikation und orale Überlieferung. Im Klangraum haben die Besucher die Möglichkeit, die heutige Lebenswelt der First Nations auf akustischer Ebene kennenzulernen.

Angebote[Bearbeiten]

Museumspädagogik[Bearbeiten]

Die Museumspädagogik im NONAM vermittelt zwischen der Ausstellung und dem Publikum. Sie zeigt die unterschiedlichen Aspekte einer Ausstellung auf und verbindet sie mit dem Interesse, dem Verständnis und den Erfahrungen der BetrachterInnen. Dabei wird auf die unterschiedlichen Besuchergruppen entsprechend eingegangen. Für Kinder und Familien bietet das NONAM an bestimmten Wochenenden Themensonntage mit Spezialführungen und Kreativangeboten an. Ausserdem können an Samstagen Kindergeburtstage gebucht werden. In den Ferien finden auch besondere Aktionstage statt. Zu dem stufengerechten Angebot für Schulklassen und Hortgruppen gehören Führungen und Workshops in der Dauer- und Sonderausstellung. Mit ihnen werden Verständnis und Respekt für die Erscheinungsformen und Anliegen indianischer Kulturen gefördert. Lehrpersonen finden im NONAM Angebote für vorbereitende Rundgänge durch die Dauer- und Sonderausstellung.

Kulturprogramme für private Gruppen, Firmen und Vereine[Bearbeiten]

Das Museum beherbergt nicht nur eine bedeutende Sammlung, sondern es ist mit seinen attraktiven Räumen und dem lauschigen Hof auch ein schöner Ort zum Verweilen. So kann zum Beispiel ein Museumsbesuch im Kreis von Kunden oder als Dankeschön an die Mitarbeitenden zu einem anregenden Erlebnis werden. Und auch mit Freunden lässt sich nach einer Führung und einem anschliessenden Apéro gut über ferne Kulturen diskutieren.

Fernsehfilm Ehre sei den Tieren[Bearbeiten]

Das Schweizer Fernsehen SF produzierte in Zusammenarbeit mit dem NONAM den Fernsehfilm Ehre sei den Tieren.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich: Indianermuseum der Stadt Zürich. Prestel-Museumsführer. Prestel-Verlag, München und New York 1996. ISBN 3-7913-1635-4
  • Nordamerika Native Museum Zürich: Karl Bodmer. A Swiss Artist in America 1809–1893. Ein Schweizer Künstler in Amerika. Scheidegger & Spiess, Zürich 2009. ISBN 978-3-85881-236-0 (Text: deutsch und englisch).
  • Nordamerika Native Museum: Traditions of Change – neue Kunst der Athapasken und Tlingit aus dem Yukon. Elf Künstlerbiographien. NONAM, Zürich 2005.
  • Nordamerika Native Museum: Kanu Kajak – Boote der Indianer und Inuit. NONAM, Zürich 2007.
  • Nordamerika Native Museum: Reich geschmückt – Indianischer Schmuck aus Arizona und New Mexico. NONAM, Zürich 2007.
  • Nordamerika Native Museum: Inuit – Leben am Rande der Welt. Inuit – Life at the Edge of the World. Kontrast Verlag, Zürich 2007. Mit 141 Fotografien und 7 Panoramabildern von Markus Bühler-Rasom. Inkl. Booklet «Reisetagebuch». ISBN 978-3-906729-55-8 (deutscher Text), ISBN 978-3-906729-59-6 (englischer Text).
  • Nordamerika Native Museum Zürich: aiguuq! – Arktische Schätze aus Schweizer Museen. NONAM, Zürich 2008. Mit Einführung und Objekttexten von Jean-Loup Rousselot.
  • Nordamerika Native Museum: mantu'c – little spirits: Die Sprache der Glasperlen. NONAM, Zürich 2010.
  • Nordamerika Native Museum Zürich: Faszination Indianer: Vorstellungen, Darstellungen – ein Streifzug durch die Jahrhunderte. Mit optionalem englischem Begleitheft erhältlich. NONAM, Zürich 2012.
  • Nordamerika Native Museum Zürich: Wenn Indianer und Inuit Schule machen. Ein Heft zum Entdecken, Malen und Basteln mit Tipps für die Erkundung der Ausstellung "Lernen über Leben" 8. Mai 2013 - 28. Februar 2014. NONAM, Zürich 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordamerika Native Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufstockung Mehrzweckraum: Projekt und Ausführung 2007-2009 (PDF-Datei; 1,20 MB)
  2. Schweizer Fernsehen: Netz Natur

47.34758.5647222222222Koordinaten: 47° 20′ 51″ N, 8° 33′ 53″ O; CH1903: 685089 / 244682