Norddeutsche Bank

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Die Norddeutsche Bank war ein von 1856 bis zur Fusion mit der Disconto-Gesellschaft 1895 selbständig bestehendes Kreditinstitut mit Sitz in Hamburg. Sie war in dieser Zeit das größte Kreditinstitut in der Hansestadt. Trotz des Zusammenschlusses bestanden beide Unternehmen zunächst nebeneinander fort. Im Jahr 1929 gingen Disconto-Gesellschaft und Norddeutsche Bank in der Deutschen Bank auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Juli 1855 stellte ein Gründungskomitee beim Senat der Stadt Hamburg den Antrag zur Gründung einer Aktienbank. Vorgesehen war dabei neben anderen Geschäftstätigkeiten auch die Ausgabe von Privatbanknoten. Der Senat lehnte diesen Antrag ab. Weitere Versuche zur Gründung stießen wegen der beabsichtigen Emission eigener Banknoten auf Ablehnung der Finanzdeputation. Nachdem 1856 die Vereinsbank gegründet worden war, die auf die Herausgabe von Banknoten verzichtete, haben auch die Gründer der Norddeutschen Bank diesen Teil aufgegeben. Daraufhin wurde die Bank am 15. Oktober 1856 gegründet.

Der wichtigste Geschäftszweig war zunächst die Herausgabe von Anleihen. Neben Anleihen deutscher Staaten waren darunter auch solche skandinavischer Länder. Seit 1866 war die Bank auch im Industriegeschäft tätig. Beteiligt war die Bank etwa an der Gründung der Norddeutschen Affinerie (1866), der Vereinigten Königs- und Laurahütte (1871) sowie der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (1873). Den Gründerkrach der 1870er Jahre hat die Bank als eine der ersten überwunden.

Unter den Gründern und Aufsichtsräten waren zahlreiche Privatbankiers, aber auch die Kaufmannschaft war stark vertreten. Acht Firmen/Kaufleute stellten das Gründungskapital von ca. 5. Mio. Mark Banco: das Bankhaus Salomon Heine 1,3 Mio, H. J. Merck & Co. 0,8 Mio, Paul Mendelssohn-Bartholdy 0,7 Mio, J.C. Godeffroy & Sohn, Tesdorpf & Sohn, Ross Vidal & Co., Robert Kayser, Ferdinand Jacobson jeweils 0,5 Mio Mark Banco.[1] Direktoren waren Rudoph Petersen und Johann B. Schroeder, die aus führenden Familien Hamburgs stammten. Aufsichtsratsvorsitzender war von 1856 bis 1893 Gustav Godeffroy, der die Geschicke der Norddeutschen Bank wesentlich bestimmte.

Die meisten Aktien im Zusammenhang mit der Schifffahrt wurden von der Norddeutschen Bank herausgegeben. Insbesondere hatte die Bank seit den 1880er Jahren große Bedeutung für die HAPAG, aber auch für Adolph Woermann und andere Reedereien.

1895 wurde die Norddeutsche Bank Kommanditistin des in Hannover ansäßigen Bankhauses Ephraim Meyer & Sohn, mit dem sie seitdem eng zusammenarbeitete.[2]

Darüber hinaus arbeitete sie mit der Disconto-Gesellschaft bei der Finanzierung von Industrieprojekten insbesondere im Ruhrgebiet zusammen. Auch in anderen Bereichen kam es bald zu einer engen Zusammenarbeit mit der Discontogesellschaft. Schließlich kam es 1895 zur Fusion beider Unternehmen. Bis dahin war sie die bedeutendste Hamburger Aktienbank. Ihre Direktoren saßen im Zentralausschuss der Reichsbank und deutlich früher als die Disconto-Gesellschaft war sie im Preußen-Konsortium vertreten.

Die Form des Zusammenschlusses war insofern ungewöhnlich, als dass beide Banken auch danach formal weitgehend selbstständig blieben. Die Norddeutsche Bank wurde in eine Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis umgewandelt. Die Aktien selbst waren im Besitz der Disconto-Gesellschaft. Gleichwohl war die Bank nunmehr direkt von der Muttergesellschaft abhängig, kamen doch vier der fünf Geschäftsinhaber nach der Fusion von der Disconto-Gesellschaft. Darunter war auch Adolph von Hansemann. Umgekehrt wechselte der bisherige erste Direktor der Norddeutschen Bank Max von Schinckel zum Hauptsitz der Disconto-Gesellschaft nach Berlin.

Erst 1929 verschwand die Bank während der Bankenkrise durch den Zusammenschluss der Disconto-Gesellschaft mit der Deutschen Bank.

Literatur[Bearbeiten]

  • Morten Reitmeyer: Bankiers im Kaiserreich. Sozialprofil und Habitus der deutschen Hochfinanz. Göttingen 1999, ISBN 978-3-525-35799-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carsten Burhop: Die Kreditbanken in der Gründerzeit. Schriften des Instituts für Bankhistorische Forschung, Band 21, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08413-0, S. 87.
  2. Peter Schulze: Bankhaus Ephraim Meyer & Sohn, in: Stadtlexikon Hannover, S. 47