Norderwöhrden

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Norderwöhrden führt kein Wappen
Norderwöhrden
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Norderwöhrden hervorgehoben
54.1941666666679.00166666666673Koordinaten: 54° 12′ N, 9° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Kirchspielslandgemeinde Heider Umland
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 18,47 km²
Einwohner: 300 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 16 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25746
Vorwahlen: 0481, 04833, 04839
Kfz-Kennzeichen: HEI
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 081
Adresse der Amtsverwaltung: Kirchspielsweg 6
25746 Heide
Webpräsenz: www.amt-heider-umland.de
Bürgermeister: Kay Uwe Evers (FWN)
Lage der Gemeinde Norderwöhrden im Kreis Dithmarschen
Karte
Wellinghusen: Alte Dorfwurt, errichtet im 8. Jahrhundert

Norderwöhrden ist eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Dithmarschener Nordseemarsch im Dreieck der Orte Heide, Büsum und Wesselburen westlich der A23. Die Gemeinde liegt damit auf einer Linie mit Wöhrden, Hassenbüttel und Wesselburen die erste frühmittelalterliche Besiedlungslinie direkt an der damaligen Nordseeküste.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Dellweg, Edemannswurth, Edemannswisch, Nannemannshusen, Oeverwisch, Poppenhusen, Wennemannswisch und Wellinghusen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend die Gemeinden Oesterwurth, Neuenkirchen und Wesseln, die Stadt Heide sowie die Gemeinden Lohe-Rickelshof, Wöhrden und Wesselburener Deichhausen (alle im Kreis Dithmarschen).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Norderwöhrden entstand, nachdem die Dithmarscher 1559 in der Letzten Fehde ihre Unabhängigkeit verloren hatten, die Bauernrepublik Dithmarschen in einen Nord- und einen Südteil getrennt wurde. Das alte Kirchspiel Wöhrden lag auf der Grenze, so dass der Wöhrdener Stadtkern mit Süderwöhrden in Süderdithmarschen lag, das Wöhrdener Hinterland als Norderwöhrden zu Norderdithmarschen kam.

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Norderwöhrden aufgelöst. Ihr Gebiet wurde in die Gemeinde Norderwöhrden überführt.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs lebten etwa 20 Kriegsgefangene in einem Norderwöhrdener Tagelöhnerhaus und wurden zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft eingesetzt.[3], der Ortsteil Edemannswisch kam 1960 an die zentrale Wasserversorgung.[4]

Wellinghusen[Bearbeiten]

Der Ortsteil Wellinghusen gehört zu den am besten erhaltenen und archäologisch dokumentierten frühmittelalterlichen Dorfwurten in Schleswig-Holstein. Bei Ausgrabungen zeigte sich 1994, dass Wellinghusen Ende des 7. Jahrhunderts als eine Siedlung mehrerer Wohnstallhäuser auf einem bis NN +1,80 m hohen Uferwall nahe einem Priel entstand. Es gehörte damit zur ersten Phase der Besiedlung der Dithmarscher Nordseemarschen nach der Völkerwanderungszeit und weist eine für diese Zeit typische Rundform auf. Die Wurt liegt westlich des bereits in der in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten besiedelten Seemarschen, die seit etwa 500 n. Chr. aufgrund ihrer küstenfernen Lage zunehmend vermoorten.

Vor dem Siedlungsbeginn am Ende des 7. Jahrhunderts wuchs auf der Wurt vor allem Schilfrohr, das für die Anlage der Hofstellen und der saisonalen, nur im Sommer bewirtschafteten Äcker mit Hafer, Gerste und Leinanbau Platz machte. Vor allem aber nutzten die Bewohner die umliegende Salzmarsch als Viehweide für Rinder, Schafe und Pferde. Die Vegetation bestand aus Brackwasserpflanzen Milchkraut, Andeln, Salzbinsen, Schuppenmieren, Röhrkohl und auf etwas höhergelegenen Stellen Seggen, Straußgras und ebenfalls Schilfrohr.

Die Flachsiedlung wurde an einem Priel angelegt, über den eine Brücke führte. Im frühen 9. Jahrhundert wurden die einzelnen Hofplätze zu bis 3 m über NN hohen Hofwurten erhöht. Dabei wurde der Priel mit Mist verfüllt, so dass eine größere Dorfwurt entstand. Im 10. Jahrhundert erfolgte eine weitere Erhöhung und ein Wurtenausbau auf eine Höhe von 4 m über NN, weitere Auftragungen aus Klei sind noch bis in das 14. Jahrhundert hinein belegt. Insgesamt wuchs die Wurt auf 6,20 m über NN bei einem Durchmesser von 250 Meter. In der frühen Neuzeit befanden sich aber nur noch zwei Höfe auf der Wurt, dann wurde das Wurtendorf aufgegeben. Nördlich des alten Wurtendorfes entstand im 12. Jahrhundert die heutige Wurtsiedlung Wellinghusen, wie 1996 durchgeführte Ausgrabungen ergaben.[5]

Politik[Bearbeiten]

Von den neun Sitzen in der Gemeindevertretung hat die Wählergemeinschaft FWN seit der Kommunalwahl 2013 sieben Sitze und die Wählergemeinschaft NWLN hat zwei Sitze.

Religion[Bearbeiten]

Norderwöhrden gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wöhrden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Landwirtschaft und Windenergieanlagen prägen die Landschaft in Norderwöhrden

Bei Norderwöhrden bestehen insgesamt vier Windparks mit 21 Windkraftanlagen, die zwischen 1999 und 2004 entstanden sind und eine Nennleistung von etwa 13 MW besitzen.

Verkehr[Bearbeiten]

Direkt durch den Ort führt die zum Eidersperrwerk verlaufende Landesstraße 155, die etwas südlich außerhalb des Ortes in die nach Heide und Büsum führende Bundesstraße 203 einmündet. Diese wiederum kreuzt im Gemeindegebiet die Bundesstraße 5, die die Verlängerung der Bundesautobahn 23 darstellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Norderwöhrden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  3. Dithmarscher Landeszeitung: „Mit Franzosen angefreundet“
  4. Dithmarscher Landeszeitung: „Rolfs-Hof in Edemannswisch gut bekannt.“
  5. Dirk Meier: „Frühe Besiedlungsmuster und der Wandel des Naurraumes zur Kulturlandschaft in Eiderstedt und Dithmarschen“ in: Ludwig Fischer (Hrsg.): „Kulturlandschaft Nordseemarschen“, Nordfriisk Institut/Hever Westerhever 1997“ S. 45-66 ISBN 3-930691-07-8 S. 52-54; Dirk Meier: Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft (Heide 2006) Boyens-Buchverlag.