Nordische Botschaften

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Patinierte Kupferfassade der Nordischen Botschaften

Die Nordischen Botschaften in Berlin liegen am südlichen Rand des Großen Tiergartens im Tiergarten-Dreieck in der Rauchstraße. Es handelt sich um fünf nationale Botschaftskanzleien mit einem gemeinsamen, öffentlichen Gebäude, verbunden durch ein umlaufendes Kupferband.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Nordischen Länder haben eine lange Geschichte unterschiedlicher Verbindungen und politischer Bündnisse. In jüngerer Zeit schufen sich die Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden sowie die Republiken Island und Finnland eine gemeinsame Interessenvertretung im Nordischen Rat (seit 1952) und im Nordischen Ministerrat (seit 1971).

Zunächst bestand die Außenzusammenarbeit mit den beiden deutschen Staaten in unterschiedlichen Aktivitäten: Nachdem durch eine offizielle Erklärung der norwegischen Regierung 1951 der Kriegszustand mit Deutschland beendet wurde, begann ab 1953 schrittweise eine Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland auf den verschiedensten Gebieten. Es begann mit einem Zollabkommen, dann folgten Vereinbarungen zur kulturellen, militärischen, sportlichen, sozialen Zusammenarbeit. Bis in die späten 1980er Jahre war der gesamte Lebensbereich mit Einzelabkommen „abgedeckt“.[1] Der norwegische Staat vereinbarte nach der weltweiten Anerkennungswelle der DDR 1973 den Austausch von Diplomaten und richtete in Ost-Berlin in vorhandenen Gebäuden eine Botschaft ein. Auch Dänemark schloss ein Abkommen zur diplomatischen Zusammenarbeit und eröffnete in der Straße Unter den Linden in Ost-Berlin (zwischen Glinkastraße und Friedrichstraße) eine eigene Botschaft.[2] 1952 begannen diplomatische Beziehungen zwischen Island und Deutschland. Eine isländische Botschaft wurde in Hamburg eröffnet und zog 1955 nach Bonn um (→ Kronprinzenstraße 6 (Bonn)).

Der Gedanke einer gemeinsamen Botschaftsanlage der Nordischen Länder war oft erwogen worden. Nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages, Berlin wieder zur Hauptstadt zu erklären und die Regierung von Bonn dorthin zu verlegen, konnte das Konzept erstmals verwirklicht werden. In Berlin steht dafür ein Grundstück von 7290 m² zur Verfügung.

Die Entscheidung in einem europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb fiel 1996. Gewinner war das österreichisch-finnische Architekturbüro von Alfred Berger und Tiina Parkkinen in Wien. Sie entwarfen das Gesamtkonzept sowie eines der Einzelgebäude, das Felleshus (Gemeinschaftshaus). Für die fünf eigenständigen Botschaftsgebäude richteten die beteiligten Länder dann nationale Wettbewerbe aus, um auch die nationale Souveränität der einzelnen Staaten zu unterstreichen. Gemeinsamer Baubeginn war im Mai 1997, im Oktober 1999 wurden die Botschaften gemeinsam eröffnet. Die Baukosten betrugen 49,5 Millionen Euro.

Gebäude[Bearbeiten]

Teil der Fassade (das Kupferband)
Die Nordischen Botschaften hinter dem Kupferband

Für die Bauten der einzelnen Länder fanden bevorzugt Materialien Verwendung, die im jeweiligen Heimatland typisch und verbreitet sind. Die dänische Botschaft hat eine offene Glasfassade, Finnland verwendet Lamellen aus Lärchenholz über Glas, Schweden große Glasflächen und gotländischen Kalkstein. Die Fassade der isländischen Vertretung besteht aus rotem Rhyolit (einer Art des Porphyrs). Eine 15 Meter hohe, 120 Tonnen schwere und 900 Millionen Jahre alte Granitplatte ist an der Fassade der norwegischen Botschaft montiert.

Die Materialien des Gemeinschaftshauses sind Ahornholz, Sichtbeton, Glas und schwedischer Marmor. Es enthält unter anderem eine weitläufige Ausstellungsfläche, einen Vortragssaal, Tagungsräume und ein nordisches Restaurant – alles öffentlich zugänglich, entsprechend der Aufgabe dieses Gebäudes, das als Haus für alle und als Haus der Begegnung gedacht ist.

Der Architekt der schwedischen Botschaft ist Gert Wingårdh, die norwegische Botschaft wurde vom Architekturbüro Snøhetta entworfen, die dänische vom Büro Nielsen, Nielsen und Nielsen (heute 3XN), die isländische vom Büro PK Hönun (Pálmar Kristmundsson) und der Entwurf für die finnische stammt vom Büro Viiva Arkkitehtuuri Oy. Für die Einrichtung der Häuser wurden zum Teil Möbel einheimischer Designer verwendet, wie Arne Jacobsens Stühle der Serie 7 oder der Sessel Schwan in der dänischen Botschaft.

Herausragendes Merkmal der Nordischen Botschaften ist ein 15 Meter hohes, türkisfarbenes Kupferband, das die einzelnen Gebäude in wellenähnlichen Schwüngen umschließt und zusammenfasst. Es besteht aus rund 4000 vorpatinierten Lamellen, ist fast 230 Meter lang und soll das Gefühl der Zusammengehörigkeit der verschiedenen beteiligten Länder nach außen hin symbolisieren. Die unweit von den Nordischen Botschaften in der Stauffenbergstraße gelegene Österreichische Botschaft besitzt ebenfalls eine Kupferfassade.

Residenzen der Botschafter[Bearbeiten]

Durch das Raumkonzept der Nordischen Botschaften befinden sich die Residenzen der Botschafter nicht im Gebäudekomplex. Die Residenz eines Botschafters erfordert durch die repräsentativen Wohnräume und die Notwendigkeit von Räumen für Empfänge in kleinerem Rahmen einen erhöhten Wohnflächenbedarf.[3] Auch die Abschirmung der Wohngebäude durch Grünflächen für Erholung und Sicherheit konnte nicht auf dem Grundstück der Nordischen Botschaften selbst realisiert werden.

Die Residenz des dänischen Botschafters befindet sich im denkmalgeschützten Landhaus Sternberg in Dahlem, und wurde 1999 bis 2001 zur Residenz umgebaut. Dazu wurde ein Gartenhaus für Bankette hinzugefügt. Der finnische Botschafter residiert in einer durch den Berliner Architekten Paul Zimmerreimer 1921 für sich selbst in Nikolassee erbauten Villa,[4] die 1999 im Stil der 1920er Jahre wiedereingerichtet wurde.[5] Für den norwegischen Botschafter wurde in Grunewald ein Atriumhaus erbaut,[6] das 1997 bis 1999 vom norwegischen Architektenbüro Stein Halvorsen AS entworfen wurde.[7] Der schwedische Botschafter residiert in der Pücklerstraße in Dahlem in der 1936 für Günther Werner-Ehrenfeucht errichteten Villa.[8] Der Garten wurde von Herta Hammerbacher gestaltet und steht heute unter Denkmalschutz.[9] Die Residenz des isländischen Botschafters[10] befindet sich in der Trabener Straße in Halensee. Sie wurde von den isländischen Architekten Hjördis und Dennis, Hjördis Sigurgisladottir und Dennis David Johannesson entworfen und 2006 fertiggestellt. Das Gebäude in modernster Architektur besteht aus drei Teilen, die durch einen glasüberdachten Korridor fließend miteinander verbunden sind, und bietet einen schönen Blick auf den Halensee.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordische Botschaften Berlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik der Deutschen Botschaft in Oslo; abgerufen am 22. März 2010
  2. In: Wochenzeitschrift Neue Berliner Illustrierte, Nr. 40, 1974, S. 39
  3. Kirsten Baumann und Natascha Meuser: Salons der Diplomatie – Zu Gast bei Berliner Exzellenzen. DOM Publishers, Berlin 2008. ISBN 978-3-938666-38-8.
    Thorsten Dörting: Botschafter-Residenzen – Im Wohnzimmer der Macht. In: Der Spiegel vom 6. Januar 2009.
  4. Residenz des finnischen Botschafters auf der Website der Finnischen Botschaft in Berlin
  5. Residence of Finnish Ambassador in Berlin bei der finnischen Innenarchitektin Päivi Bergroth
  6. Die Residenz des Botschafters auf der Website der Norwegischen Botschaft in Berlin
  7. Ambassadors Residence bei Stein Halvorsen AS.
  8. Eine neue, alte Residenz. In: Berliner Zeitung vom 13. November 1999.
  9. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste zum Haus Pücklerstraße 42–44 in Berlin-Dahlem
  10. Residenz des isländischen Botschafters auf der Website der Isländischen Botschaft in Berlin

52.50861111111113.350555555556Koordinaten: 52° 30′ 31″ N, 13° 21′ 2″ O