Nordkirchen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nordkirchen
Nordkirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nordkirchen hervorgehoben
51.7380555555567.525555555555665Koordinaten: 51° 44′ N, 7° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Coesfeld
Höhe: 65 m ü. NHN
Fläche: 52,41 km²
Einwohner: 9618 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 184 Einwohner je km²
Postleitzahl: 59394
Vorwahlen: 02596, 02599 (teilw. Capelle)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: COE, LH
Gemeindeschlüssel: 05 5 58 028
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bohlenstraße 2
59394 Nordkirchen
Webpräsenz: www.nordkirchen.de
Bürgermeister: Dietmar Bergmann (SPD)
Lage der Gemeinde Nordkirchen im Kreis Coesfeld
Nordrhein-Westfalen Kreis Recklinghausen Kreis Unna Hamm Kreis Borken Kreis Steinfurt Münster Kreis Warendorf Olfen Rosendahl Senden Billerbeck Dülmen Ascheberg (Westfalen) Havixbeck Coesfeld Nottuln Lüdinghausen NordkirchenKarte
Über dieses Bild

Nordkirchen ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Coesfeld.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Nordkirchen liegt ungefähr im Zentrum des Städtedreiecks Dortmund, Münster und Hamm. Nachbargemeinden sind, im Westen beginnend und im Uhrzeigersinn benannt, Lüdinghausen, Senden und Ascheberg im Kreis Coesfeld sowie Werne und Selm aus dem Kreis Unna.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile sind Nordkirchen, Südkirchen und Capelle.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste nachweisbare Erwähnung Nordkirchens entstammt einer Urkunde aus dem Bistum Münster und wird zwischen 1022 und 1032 datiert. Zu der Zeit war Siegfried von Walbeck der Bischof von Münster. Ab dem 13. Jahrhundert pachtet die Familie von Morrien den Hof Nordkirchen und richtet und verwaltet Nordkirchen bis ins 16. Jahrhundert hinein. 1561 wird Nordkirchen endgültig durch den Abkauf der Erbpacht den von Morriens übergeben.

1605 wird der heute noch existierende Bürgerschützenverein Nordkirchen gegründet.

Nach Aussterben der Familie von Morrien erwirbt der Fürstbischof von Münster Friedrich Christian von Plettenberg den gesamten Familienbesitz. Dieser ist es auch, der im Jahr 1703 den Grundstein zum Bau des heutigen barocken Wasserschlosses legt. Der Bau des Schlosses Nordkirchen dauert von 1708 bis 1734. Nordkirchen bleibt im Besitz der Familie Plettenberg bis der letzte männliche Nachfolger 1813 stirbt.

Zwischen 1813 und 1815 wird der Kreis in Städte, Gemeinden und Ämter unterteilt. Damit gehören die Gemeinden Nordkirchen und Südkirchen zum Amt Nordkirchen.

Durch die Hochzeit von Maria von Plettenberg mit dem ungarischen Grafen Nikolaus-Maria-Franz von Esterházy Galantha gehen die Besitztümer Nordkirchens an die Familie Esterházy über. Eine seiner Nachfahren ist es auch, die den gesamten Besitz Nordkirchens 1903 an den Herzog Engelbert von Arenberg verkauft.

1923 wird Capelle zum Amtsbezirk Nordkirchen hinzugefügt.

Das Schloss Nordkirchen wird ab 1949 vom Land Nordrhein-Westfalen angemietet und 1958 für 3,5 Millionen DM dem Herzog von Arenberg abgekauft. Anschließend wird dort die Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen untergebracht.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die heutige Gemeinde Nordkirchen ist am 1. Januar 1975 aufgrund der Gemeindereform aus den vorher selbständigen Gemeinden Capelle, Nordkirchen und Südkirchen, die dem aufgelösten Amt Nordkirchen angehörten, hervorgegangen.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Angaben wurden von den Autoren Mertens und Limbach (1867 und 1946)[3], vom Statistischen Landesamt (Volkszählungsergebnisse am 6. Juni 1961 und 27. Mai 1970)[2] und von der Stadt Nordkirchen (31. Dezember 1974 und 1. März 2009)[4] beigesteuert.

Ort 1867 1946 1961 1970 1974 2009
Capelle 554 1465 1018 1270 1459 2197
Nordkirchen 1562 2435 2605 2681 3961 4752
Südkirchen 1087 1866 1634 1838 2249 3260
zusammen 3203 5766 5257 5789 7669 10209

Politik[Bearbeiten]

Der Bürgermeister der Gemeinde ist Dietmar Bergmann (SPD). Bei der Wahl kandidierte er aus dem Amt heraus und wurde unterstützt von SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP sowie der Wählergemeinschaft UWG[5] und erhielt 84,5 Prozent.

Gemeinderat[Bearbeiten]

(Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014)

Kommunalwahlen ab 1975[Bearbeiten]

In der Liste[6][7][8][9][10] werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Jahr CDU SPD Grüne1 FDP UWG
1975 71,4 22,8 5,8
1979 69,0 24,6 6,4
1984 60,9 25,6 9,9 4,2
1989 52,9 28,8 9,9 8,4
1994 53,8 28,7 11,8 5,7
1999 61,9 21,4 6,5 4,0 6,2
2004 50,7 23,1 9,8 7,5 9,0
2009 49,8 25,9 11,3 6,9 6,1
2014 46,0 32,9 10,8 4,6 5,7

Fußnote

1 Grüne: 1984 und 1989: Grüne, ab 1994: B’90/Grüne

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 28. November 1983 durch das Regierungspräsidium Münster genehmigt.

Blasonierung: „In Gold drei blaue 2:1 gestellte Kirchtürme, die beiden oberen mit spitzem, der untere mit barockem Helm.“

Die drei Kirchtürme stellen die drei Ortsteile, in denen der Name Kirche (Capelle) vorkommt, symbolisch dar. Es handelt sich demnach um ein redendes Wappen.

Die Farben Blau und Gold sind die Farben des Hauses Plettenberg, das 1694 den gesamten Morrien'schen Besitz kaufte und 1703 den Grundstein zur Schlossanlage legte.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist Gold (Gelb) - Blau - Gold (Gelb) im Verhältnis 1:3:1 längsgestreift. Der Wappenschild der Gemeinde befindet sich in der Mitte der blauen Bahn.

Schloss Nordkirchen, Gartenfassade des bedeutenden Barockschlosses

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Mauritius mit Rückansicht auf das Schlauncafé
Fachwerkhaus am Ludwig-Becker-Platz

Dominantes Baumaterial in Nordkirchen sind dunkelrote Ziegelsteine. Im Zentrum des Orts steht die katholische Kirche St. Mauritius, ab 1715 von Gottfried Laurenz Pictorius als barocke Hallenkirche erbaut. Ein weiterer interessanter Sakralbau ist die achteckige Johannes-von-Nepomuk-Kapelle aus dem Jahre 1722.

In Nordkirchen gibt es insgesamt 13 Bauten an denen der letzte bedeutende Architekt des Barock in Deutschland, Johann Conrad Schlaun, mitgearbeitet hat. Herausragend ist hier das Schloss Nordkirchen, auch „Westfälisches Versailles“ genannt. Weitere Werke sind das ehemalige Vikarienhaus (heutiges Schlauncafé), das Hauptgebäude der Kinderheilstätte am Kirchplatz der Mauritiuskirche, die Kapelle St. Johannes Nepomuk an der Schloßstraße (Kriegergedächtniskapelle) und direkt daneben die ehemalige Rentei (jetzige Nutzung als Arztpraxis und Wohnhaus).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Nordkirchen liegt im Gebiet der Verkehrsgemeinschaft Münsterland. Der Bahnhof Capelle (Westf) liegt an der Bahnstrecke Münster–Dortmund. Es halten stündlich Regionalbahnen der Keolis-eurobahn (Linie RB 50 Der Lüner).

Die Regiobuslinie R 53 des Regionalverkehrs Münsterland verbindet das Zentrum von Nordkirchen werktags im Stundentakt, sonntags im Zweistundentakt mit dem Bahnhof Capelle und mit Lüdinghausen. Der Taxibus T 52 fährt wochentags im Zweistundentakt zum Bahnhof Selm, der an der Bahnstrecke Dortmund–Enschede liegt, und nach Werne. Ab dem Frühjahr fährt der Stadt-Land-Fluss-Bus der RVM weiter von Lüdinghausen über Nordkirchen nach Capelle. Des Weiteren verkehrt in der Woche auch der Bürgerbus zwischen Capelle, Südkirchen, Nordkirchen, Herbern und Selm.

Nahverkehrsfahrscheine innerhalb Nordrhein-Westfalens zu den Bahnhöfen Capelle, Lüdinghausen und Selm gelten automatisch auch für den Bus nach Nordkirchen (NRW-Tarif). Reisende von außerhalb können durchgehende Bahnfahrscheine nach Nordkirchen lösen, die ab Hamm (Westf), Lüdinghausen oder Lünen im RVM-Bus gelten.

Die Bundesstraße 58 verläuft etwa sieben Kilometer nördlich von Nordkirchen, die B 236 etwa sechs Kilometer südwestlich. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Ascheberg an der Bundesautobahn 1, etwa zwölf Kilometer nordöstlich von Nordkirchen.

Medien[Bearbeiten]

Der Ort ist seit 1980 Standort des Mittelwellensenders Nordkirchen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Schloss Nordkirchen ist Sitz der Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen.

Bildung[Bearbeiten]

In den drei Ortsteilen Nordkirchens gibt es je eine Grundschule:

  • Sankt-Mauritius-Grundschule in Nordkirchen,
  • Elisabeth-Ernst-Grundschule in Südkirchen,
  • Katholische Grundschule Capelle.

Zudem befinden sich im Ortsteil Nordkirchen die Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule und in der Kinderheilstätte Nordkirchen die Maximilian-Kolbe-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt "geistige und körperliche Entwicklung".

Außerdem befindet sich in Nordkirchen die Fachhochschule für Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Golfclub[Bearbeiten]

1975 wurde in Nordkirchen ein Golfclub gegründet („Golf- und Landclub Nordkirchen“). Noch im gleichen Jahr wurde - nach der Aufnahme des 100. Mitgliedes - mit dem Bau der 30 Hektar großen Neun-Loch-Anlage begonnen. Offiziell eröffnet wurde diese Anlage am 20. Mai 1978. Im August 2002 wurde die Golfanlage - als Konsequenz der ständig steigenden Mitgliederzahlen und der wachsenden Attraktivität des Clubs - auf 18 Löcher erweitert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 314.
  3. Heinrich A. Mertens und Josef Limbach: Aus der Geschichte des Kreises Lüdinghausen 1803–1974. Verlag Lonnemann, Selm, 1974, ohne ISBN
  4. Gemeindeporträt Nordkirchen
  5. [1]
  6. Verzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009
  7. Wahlprofil des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NW
  8. Wahlergebnisse 1999 (PDF; 5,9 MB)
  9. Wahlergebnisse 2004 (PDF; 7,0 MB)
  10. Wahlergebnisse 2009 (PDF; 3,5 MB)