Noreia (Göttin)

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Noreia ist das Epitheton einer vorrömischen, möglicherweise keltischen Muttergöttin, bekannt aus Weiheinschriften der römischen Kaiserzeit. Da eine Etymologie des Namens noch nicht gelungen ist, kann nicht sicher gesagt werden, ob sie eine keltische oder noch vorkeltisch/illyrische Gottheit ist.[1]

Weiheinschrift, Kirchenportal Ulrichsberg

Weiheinschriften[Bearbeiten]

In der ehemaligen römischen Provinz Noricum, im Raum des heutigen Kärntens, der Steiermark und Sloweniens sind zahlreiche Weiheinschriften mit dem Namen der Noreia gefunden worden.

  • CIL III, 4806 Hohenstein: Noreiae / Aug(ustae) sacr(um) / Q(uintus) Fabius / Modestus / domo Roma / dec(urio) al(ae) I Aug(ustae) / Thracum / phialam / argent(eam) p(ondo) II |(quadrantem) / embl(emata) Noreiae / aurea / uncias duas / d(onum) d(edit)
  • CIL III, 4809 Hohenstein: Isidi Norei(ae) / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) / pro salute / Q(uinti) Septuei / Clementis / con(ductoris) fer(rariarum) N(oricarum) P(annoniarum) D(almatarum) / et Ti(beri) Cl(audi) Heraclae / et Cn(aei) Octa(vi) Secundi / pro(curatorum) fer(rariarum) Q(uintus) Septueius / Valens pro(curator) ferr(ariarum)
  • CIL III, 4810 Ulrichsberg: Noreiae Isidi fecit / A(ulus) Trebonius [3] / proc(urator)
  • CIL III, 5123 Trojane (Atrans): Norei(a)e / August(ae) et / Honori / stat(ionis) Atrant(inae) / Bellicus et / Eutyches / |(contra)sc(riptores) stat(ionis) / eiusdem / ex voto
  • CIL III, 5188 Celje (Celeia): I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et Cel(eiae) / et Noreiae / Sanct(a)e Rufi(us) / Senilis b(ene)f(iciarius) co(n)s(ularis) / pro se et suis / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
  • CIL III, 5193 Celje (Celeia): Marti / Herculi / Victori/ae / Noreiae
  • CIL III, 5300 Črešnjevec: [Victoriae(?)] / [A]ug(ustae?) e[t] / [N]oreiae Re[g(inae)] / [e]t Britan(n)ia[e] / [pr]ovi(n)c(iae) L(ucius) Sep[t(imius)] / [T]ertinu[s] / [b(ene)f(iciarius?)] l(egionis) II Ita[l(icae)] P(iae) [F(idelis)] / [e]x vot[o pos(uit?)]

Verehrung[Bearbeiten]

Noreias Name wird mit dem keltischen Stamm der Noriker in Verbindung gebracht, in dessen Siedlungsgebiet ihre Inschriften gefunden wurden. Sie wurde von den Römern mit der ägyptischen Göttin Isis gleichgesetzt und als Isis-Noreia verehrt.[2] Heiligtümer sind in Hohenstein im Glantal und auf dem Ulrichsberg durch Inschriften bezeugt.[1] Mit Noreia wurden zwei Ortschaften im Stadtbereich von Virunum bezeichnet (eine 27 Meilen entfernt, die andere 40 Meilen).

Die „Kuhdirn“ von Wutschein

Im Ort Frauenberg bei Leibnitz, 500 m neben dem Schloss Seggau, befindet sich das größte Heiligtum der Isis-Noreia außerhalb Ägyptens. Die Göttin Noreia, eine Erdgöttin, vergleichbar mit Artemis oder der "Göttlichen Mutter" wurde ab 1500 v. Chr. in einem Tempel am Frauenberg verehrt. Als übergeordnete Göttin wurde sie auf dem gesamten Gebiet des heutigen Österreichs verehrt. Noreia war aber nicht nur eine Muttergottheit oder Landesgöttin, sondern auch Schützerin des ausgedehnten Bergbaues, da sie eben - wie alle keltischen Götter - als mehrfach funktionelles Numen anzusprechen ist, wie verschiedene Weiheschriften bezeugen. In der römischen Zeit wurde "Isis-Noreia" als Herrin des Schicksals, des Lebensglücks, der Fruchtbarkeit, des Bergsegens und der heilenden Kraft insbesondere des Wassers angesehen.[3]

Die kopflose Sitzstatue der sog. „Kuhdirn“ von Wutschein (Gemeinde Magdalensberg, Kärnten) wird als „Isis Noreia“ interpretiert. Der abgetrennte Kopf soll in den Kellerfundamenten des südöstlich gelegenen Bauernhofes eingemauert worden sein, so dass er nicht wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückgestellt werden konnte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
  • Gabriele Russwurm-Biro: Dehio Kärnten. Dritte, erweiterte und verbesserte Auflage 2001, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X, S. 310.
  • Franz Glaser: Das verlorene Weihegeschenk der Göttin Noreia. In: Fremde Zeiten. Festschrift Jürgen Borchhardt. Wien 1996, 275ff.
  • Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5.
  • Marjeta Šašel Kos: Pre-Roman Divinities of the Eastern Alps and Adriatic. Narodni Muzej Slovenije, Ljubljana 1999, ISBN 961-6169-11-4, S. 33–39.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Noreia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. S. 252.
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 348.
  3. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 485 f.