Normalhöhennull

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Nivellementpunkt an der Neuen St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst
Die gekrümmte blaue Linie entspricht dem Quasigeoid „Normalhöhennull“.
NHN Höhenangabe im Harz an der Brockenstraße

Normalhöhennull (NHN) ist als Nachfolger des Normalnull (NN) in Deutschland die aktuelle Bezeichnung der Bezugsfläche für das Nullniveau der Höhen über dem Meeresspiegel im Deutschen Haupthöhennetz 1992. Die Fläche bildet ein Quasigeoid. Die Bezugshöhe ist über einem Höhenfestpunkt an der Kirche Wallenhorst fixiert. Die geopotentielle Kote des Punktes wurde 1986 im Rahmen des europäischen Nivellementnetzes (UELN) ermittelt und ist an das Nullniveau des Amsterdamer Pegels angebunden.

Definition[Bearbeiten]

Die Normalhöhennullfläche ist eine theoretische Bezugsfläche. Sie entsteht durch Abtragen der Normalhöhen entlang der normalen Lotlinie nach unten. Die Abweichung des so entstehenden Quasigeoids vom Referenzellipsoid wird Höhenanomalie oder Quasigeoidhöhe genannt. Die DHHN92-Höhen werden in Meter über Normalhöhennull (m ü. NHN) angegeben.

Umstellung von Normalnull auf Normalhöhennull[Bearbeiten]

Mit einem Beschluss der Vermessungsverwaltungen der deutschen Bundesländer begann 1993 die Umstellung der Bezugshöhe auf Normalhöhen des Deutschen Haupthöhennetzes DHHN92.[1] Normalhöhennull ist in Deutschland gleichzeitig Grundlage für das United European Levelling Net (UELN), früher bekannt unter Reseau Européen Unifié de Nivellement (REUN), in dessen Rahmen die Höhensysteme der europäischen Länder vereinheitlicht werden.

Normalhöhennull wurde eingeführt, da für die Höhen über Normalnull das tatsächliche Schwerefeld der Erde nicht berücksichtigt wurde. Damit ändern sich sowohl die bisherigen westdeutschen normal-orthometrischen Höhen (Schweremessung statt Umrechnungsfaktor) als auch die Normalhöhen Ostdeutschlands (Wechsel vom Kronstädter Pegel zum Amsterdamer Pegel). Die neuen Höhenangaben weichen – je nach Ort – um 0,06 bis 0,16 Meter von den bisherigen Angaben ab. Durch neue Einmessung im Rahmen der Umstellung sind aber auch schon Abweichungen von 0,59 Meter (Zugspitze) aufgetreten.[2]

In Deutschland sind für das amtliche Vermessungswesen die einzelnen Bundesländer zuständig, dadurch erfolgt die Erfassung und Veröffentlichung der neuen Höhenangaben uneinheitlich. Anfang 2013 melden die meisten Bundesländer (außer Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt) komplette Erfassung der neuen digitalen topographischen Karte 1:25.000 (DTK). Bei DTK25-Karten wird als Höhenbezug Normalhöhennull angegeben, bei DTK25-V-Karten (eingescannte topographische Karten) wird aber immer noch Höhennull (HN) bzw. Normalnull (NN) verwendet.[3] Es sind noch nicht alle neuen DTK-Karten gedruckt erschienen.[4]

Aktuelle topografische Karten des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie sollen auf NHN basieren.[5]. Die Grunddaten werden dem Bund von den einzelnen Bundesländern bereitgestellt. Die Zuständigkeit des Bundes beginnt erst ab einem Maßstab von 1:200.000 bis 1:1 Mio und Höhen werden oft nur in vollen Metern angegeben. Damit ist die Umstellung von Normalnull auf Normalhöhennull in den amtlichen Karten des Bundes kaum nachvollziehbar. In elektronischen Kartenwerken des Bundes und der Länder ist das verwendete Höhenbezugssystem oft nur schwer zu ermitteln.

Normalhöhen in der DDR (HN)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutsches Haupthöhennetz

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) Arbeitskreis Höhenfestpunktfeld und Schwerefestpunktfeld (AK Niv): Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN 92), Bayerisches Landesvermessungsamt, München 1995
  2. Kundeninformationn 3/2009. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, 2009, S. 2, abgerufen am 25. April 2013 (pdf; 1,1 MB, deutsch).
  3. adv-online.de
  4. geodatenzentrum.de Produktübersicht DTK25
  5. Antwort des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie vom 13. November 2012 auf eine entsprechende Anfrage