Norman Maclean

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Norman Fitzroy Maclean (* 23. Dezember 1902 in Clarinda, Iowa; † 2. August 1990 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Autor und Professor für Englische Literatur. Er wurde durch seine Bücher A River Runs Through It and Other Stories (1976) und Young Men and Fire (1992) bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Maclean wurde am 23. Dezember 1902 in Clarinda im Page County als Sohn des Reverend John Maclean, eines presbyterianischen Pastors, geboren. Bis 1913 übernahm der Vater die Unterrichtung und Ausbildung seiner beiden Söhne Norman und Paul in Eigenregie. 1909 zog die Familie nach Missoula, Montana. Dort wuchs Maclean gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder auf. Die Jahre in Missoula hatten außerordentlichen Einfluss auf Norman Maclean und bildeten die Grundlage der Inspiration, die ihn zu seinen Schriften veranlasste – dies wird besonders deutlich mit seiner Kurzgeschichte The Woods, Books, and Truant Officers (1977) und der halbbiographischen Novelle A River Runs Through It (1976).

Zu jung, um sich während des Ersten Weltkriegs beim Militär zu melden, arbeitete Maclean bei den Lagerverwaltungen und für den United States Forest Service im Bitterroot National Forest. Die Novelle USFS 1919: The Ranger, the Cook, and a Hole in the Sky und die Geschichte „Black Ghost“ in Young Men and Fire (1992) sind halbfiktionale Berichte der Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit. Daneben findet sich auch eine minutiös recherchierte Erzählung über die Katastrophe am Mann Gulch in dem Buch.

Maclean besuchte das Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, wo er auch als Chefredakteur der Humor-Zeitschrift The Dartmouth Jack-O-Lantern tätig war; der Chefredakteur, der ihm dort nachfolgte, war Theodor Geisel, besser bekannt als Dr. Seuss. Maclean schloss seine Collegeausbildung 1924 mit dem Titel Bachelor of Arts ab. Im Anschluss arbeitete er bis 1926 als Lehrer am Dartmouth College – eine Zeit, an die er sich in „This Quarter I Am Taking McKeon: A Few Remarks on the Art of Teaching.“ erinnert. 1931 heiratete Maclean Jessie Burns. Sie hatten gemeinsam zwei Kinder: Tochter Jean (geboren 1942), jetzt Rechtsanwältin; und Sohn John (geboren 1943), jetzt Journalist und Autor von Fire on the Mountain: The True Story of the South Canyon Fire (1999).

1928 begann er das Studium der englischen Sprache und Literatur an der University of Chicago. Drei Jahre später wurde er dort Professor und blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1973 an der Universität. Maclean, als Gelehrter der Werke von William Shakespeare und der romantischen Dichter, war William Rainey Harper- Professor für Englische Literatur. 1940 erhielt Maclean das Doktorat der Universität von Chicago. Während des Zweiten Weltkrieges war er dort als Dekan und als Direktor des Institutes für Militärische Studien eingesetzt. Maclean arbeitete zu dieser Zeit am Manual of Instruction in Military Maps and Aerial Photographs mit.

Nachdem ihm seine Kinder mehrfach zugeredet hatten, begann Maclean nach seiner Pensionierung die Geschichten niederzuschreiben, die er so oft in seinem Leben schon erzählt hatte. Norman Maclean starb am 2. August 1990 in Chicago. Er wurde 87 Jahre alt.

A River Runs Through It[Bearbeiten]

Im Jahr 1973 begann der – mittlerweile pensionierte – Literaturprofessor Norman Maclean nach langem Zögern eine Erzählung über seine Kindheit und Jugend zu Anfang des Jahrhunderts am Big Blackfoot River zu schreiben. Maclean bot das Manuskript vergeblich einigen Verlagen in New York an. Letztlich wurde das Werk vom Eigenverlag der Universität, an der Maclean gelehrt hatte, herausgebracht, und wurde ein amerikanisches Kultbuch. Es beschreibt das Leben eines Pastors mit schottischer Abstammung, der seinen beiden Söhnen erklärt, dass der Mensch eine verlorene Existenz sei und alles Schöne dieser Welt auf göttlicher Gnade beruhe: Bachforellen ebenso wie die Erlösung. „Im Fliegenfischen“, schreibt Norman Maclean in seinem Buch, „erhielten wir so viele Unterrichtsstunden wie in den anderen geistigen Fächern.

Am Ende aber zerbrechen die in Pastelltönen gemalten Trugbilder, die von der Welt entstehen, wenn man diese allein mit einer Angelrute erkundet. Norman Macleans Bruder Paul, der fischende Reporter, trank plötzlich schon morgens Whisky, durchzechte die Nächte beim Glücksspiel in schmierigen Clubs, aber er gab stets vor, dass es ihm großartig gehe. Als Norman mit seinem Bruder ein letztes Mal zum Fischen ging, kam es ihm vor, als habe sich seit ihrer Kindheit nichts verändert – ausgenommen Pauls Wurfstil. Norman brachte dem Bruder stumme Bewunderung entgegen und sagte sich selbst: „Paul ist ein Künstler geworden.“ – „Du denkst schon wie eine Forelle“, rief Norman lachend, und Paul antwortete: „Gib mir noch drei Jahre.“ Kurze Zeit später wurde Paul nach einer Kneipenschlägerei tot auf der Straße gefunden.

Fliegenfischen“, schrieb Norman Maclean, „ist eine Kunst, die in einem Viertaktrhythmus ausgeführt wird.“ Sein Vater, der Pastor, zog damals einen Lederhandschuh über die Wurfhand und ließ am Ufer ein Metronom ticken, damit die Söhne den Takt beim Werfen verinnerlichten. „Ich wußte nie, ob mein Vater Gott für einen Mathematiker hielt, aber er glaubte ganz sicher, daß Gott zählen konnte und daß wir Kraft und Schönheit nur erlangen konnten, wenn wir Gottes Rhythmus in uns aufnahmen.“ Stets sprach der Vater von einer Rute, wenn er eine Angel zum Fliegenfischen meinte. „Wenn jemand die Rute einen Stock nannte, schaute mein Vater ihn an wie ein Sergeant der US-Marines einen Rekruten, der ein Gewehr eine Büchse nannte.

Fliegenfischer glauben“, so Maclean, „daß man schon an sie gedacht habe, als die Flüsse entstanden. Fliegenfischer haben so etwas wie eine ‚Theorie der Neugierde‘ entwickelt. Die Theorie besagt, daß Fische, wie Menschen, manchmal auf Sachen anspringen, nur weil sie gut aussehen, nicht weil sie gut schmecken. Der Verstand läßt viel schneller nach als der Körper.“ „In unserer Familie gab es keine klare Trennung zwischen Religion und Fliegenfischen“, lautet der erste Satz des Werkes von Maclean. Und doch beschreibt das Buch die Güte und den tieferen Sinn, also die unausgesprochenen Beweggründe, die hinter einer vordergründigen Disziplinierung – und somit auch unumgänglichen Differenzierung – verborgen sind. Die Botschaft will sicherlich nicht die des perfekten Fliegenfischens und nicht die der alleinigen Verinnerlichung vor Gott und der Natur sein. Das Erbe der Erinnerungen Macleans ist umfassender und größer, man muss ihm lange und intensiver lauschen. Es ist die Wahrnehmung von Heimat, von Familie, Tradition und Erinnerung. Das Erkennen von Wahrheit, Tiefe und Zugehörigkeit, ausgerechnet in dem Moment, in dem sich die eigene Zeit dem Ende zuneigt und man dennoch vermeint, noch immer oder auch wieder am Anfang zu stehen. Und das im Grunde sehr persönlich und individuell.

1992 verfilmte Robert Redford Macleans Erzählung. Das nostalgische Kinoepos Aus der Mitte entspringt ein Fluß führte dazu, dass seither jährlich beinahe anderthalb Millionen Angler aus der ganzen Welt Montana besuchen.

Werke[Bearbeiten]

  • A River Runs Through It and Other Stories (1976), dt.: Aus der Mitte entspringt ein Fluß (1991). Die deutsche Ausgabe beinhaltet nur die Titelgeschichte der amerikanischen Originalausgabe.
  • The Ranger, the Cook, and a Hole in the Sky, dt.: Der Ranger, der Koch und ein Loch im Himmel. Stories (1993). Beinhaltet die übrigen Geschichten der amerikanischen Originalausgabe.
  • Young Men and Fire (posthum veröffentlicht 1992), dt.: Junge Männer im Feuer (1994)
  • Norman Maclean, verlegt von Ron McFarland and Hugh Nichols (American Author's Series, Confluence Press, 1988). Der Band enthält unsortierte Schriften, Interviews und Essays von, mit und über Maclean.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Young Men and Fire gewann 1992 den National Book Critics Circle Award.

Weblinks[Bearbeiten]