North American T-6

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
North American T-6 Texan
North American AT-6C "Texan"
North American AT-6C "Texan" 1943
Typ: Trainingsflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: North American Aviation
Erstflug: 28. September 1938 (NA-49)
Indienststellung: 1939
Produktionszeit: 1939 bis 1944
Stückzahl: 15.495
AT-16 Harvard II B im Flug
Canadian Car & Foundry Harvard Mk. IV
North American AT-6D
Zwei T-6 während einer Flugschau in Würselen

Die T-6 war ein einmotoriges Trainingsflugzeug der Zeit des Zweiten Weltkrieges aus US-amerikanischer Produktion, hergestellt von der North American Aviation. Sie wurde zur Ausbildung von Jagdpiloten verwendet. In der USAAF flog sie bis 1948 als AT-6, bei der US Navy unter dem Namen SNJ. In den Ländern des Commonwealth war die Bezeichnung Harvard gebräuchlich. Sie ist bis heute ein beliebtes Ausstellungs- und Kunstflugzeug auf Flugschauen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die T-6 war eine Weiterentwicklung des NA-16-Prototyps, der bereits am 1. April 1935 flog. Der Nachfolger der NA-26 wurde im März 1937 zur Teilnahme an einer Ausschreibung des United States Army Air Corps geliefert. Das erste Modell BC-1 ging mit 180 Flugzeugen in Produktion, weitere 400 Harvard I wurden an die Royal Air Force geliefert. Die US-Navy erhielt 16 modifizierte SNJ-1 und 61 SNJ-2-Flugzeuge.

Nach weiteren 93 BC-1A und drei BC-2-Flugzeugen entstand die AT-6 – für advanced trainer -, die der BC-1A mit leichten Flügeländerungen entsprach. Die RAF/RCAF bekam 1.173 Harvard II, die meisten flogen in Kanada als Teil des Ausbildungsprogramms Empire Air Training Scheme.

Video einer T-6 in den Farben der deutschen Luftwaffe

Als Nächstes baute man die AT-6A, die auf dem NA-77-Design basierte. Sie hatte einen Pratt & Whitney R-1340-49-Sternmotor. Die USAAF erhielt 1.549 Maschinen und US Navy 270 (SNJ-3). Die AT-6B erhielt für Trainingszwecke ein 0.30 Inch Maschinengewehr. Ein R-1340-AN-1-Motor wurde zum Standardmotor aller restlichen T-6.

Noorduyn Aviation in Kanada baute eine R-1340-AN-1 angetriebene Version der AT-6A von der 1.500 Stück an die USAAF als AT-16 und 2.485 als Harvard IIB RAF/RCAF geliefert wurden, einige davon für die Fleet Air Arm.

Das NA-88 Design war die Basis für 2.970 AT-6C Texans und 2.400 SNJ-4. Die RAF erhielt 726 AT-6C als Harvard IIA. Modifikationen des elektrischen Systems ergaben die AT-6D (3.713 Maschinen) und die SNJ-5 (1.357 Maschinen). Die AT-6D wurde als Harvard III an die RAF (351 Maschinen) und an den Fleet Air Arm (564 Maschinen) geliefert.

Die letzte Version, die Harvard 4 wurde von Canadian Car & Foundry in den 1950er Jahren produziert. Die Lieferungen gingen an die RCAF, USAF. Die Bundeswehr erhielt 1957 135 Maschinen aus Kanada zum symbolischen Preis von je einer Mark. So wurde die Texan für die neue westdeutsche Luftwaffe zum ersten Schulflugzeug.

Die AT-6F auf Basis des NA-121-Designs wurden 25 Stück an die USAAF und 931 (SNJ-6) an die US Navy geliefert.

Die T-6 Texan bildete die Basis des CAC Wirraway-Flugzeuges der Commonwealth Aircraft Corporation von dem zwischen 1939 und 1946 755 Maschinen gebaut wurden.

Während des Koreakrieges und kurz danach dienten einige T-6 zur Luftüberwachung unter dem Typ T-6 "Mosquito".

Bei der südafrikanischen Luftwaffe SAAF stand die T-6 noch bis 1994 in Dienst.[1]

Insgesamt wurden 15.495 T-6 in allen Varianten gebaut. Damit gehört sie zu den meistgebauten Flugzeugtypen der Welt.

„Miss Goosebay“ bei Tannkosh 2008
Eine AT-6 Trainingsmaschine, Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz Uetersen. Man beachte die Bestückung mit den noch vorhandenen Bordmaschinengewehren.
D-FRCP auf dem Flugplatz Bonn/Hangelar (2009)

Militärische Nutzer[Bearbeiten]

Luftwaffe
Royal Canadian Air Force
Royal Canadian Navy
Royal Air Force
Royal Navy
United States Army Air Corps/Army Air Forces
United States Air Force
United States Navy
United States Marine Corps
United States Coast Guard

Einsatz in der Wehrmacht[Bearbeiten]

Bei der NAA 57 und NAA 64 handelt es sich um einmotorige, zweisitzige Fortgeschrittenen-Schulflugzeuge, die von der französischen Armée de l’Air bei der US-amerikanischen Firma North American Aviation in den Jahren 1939 und 1940 geordert wurden. Insgesamt wurden 230 NAA 57 (davon 30 für die Aéronavale) und 111 NAA 64 an die Armée de l’Air bis zum Waffenstillstand geliefert, aber nicht mehr alle endmontiert. Daher wurde nach dem 24. Juni 1940 eine Anzahl Flugzeuge, die noch nicht aufgebaut worden waren, vorgefunden und von der Luftwaffe beschlagnahmt. Im Einzelnen handelte es sich um 8 NAA 57 und 93 NAA 64, die bis Mitte 1941 an die Luftwaffe geliefert wurden. In Nordafrika befanden sich zu diesem Zeitpunkt ca. 100 NAA 57 bei Flugschulen. Die in den Schulen im besetzten Teil von Frankreich vorgefunden NAA wurden von der Luftwaffe beschlagnahmt. Beim Einmarsch in die unbesetzte Zone in Südfrankreich im November 1942 wurden noch einmal 50 NAA 57 erbeutet. Insgesamt flog die Luftwaffe zwischen 151 und 241 NAA, wobei die tatsächliche Anzahl bei über 200 Flugzeugen liegen dürfte. Die Flugzeuge wurden von der Luftwaffe vorwiegend an den Jagdfliegerschulen und Stuka-Vorschulen verwendet, weniger an anderen Waffenschulen oder bei der Anfängerschulung. Am 31. Januar 1944 befanden sich noch 44 NAA 57 und 43 NAA 64 im Bestand der Luftwaffe. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Flugzeuge kannibalisiert wurde, um die Flotte flugfähig zu halten. 1944 gehörten die Flugzeuge zu den meistgeflogenen Typen – nach Flugstunden je Flugzeug gerechnet – in der Luftwaffe. Die Luftwaffe bezeichnete die Flugzeuge als NA 57 P2 und NA 64 P2, wobei P2 keine Variante darstellt, sondern einfach Zweisitzer (Place 2) bedeutet.[4]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Oldtimer[Bearbeiten]

Zahlreiche flugtüchtige Exemplare, von denen viele von Enthusiasten in mühevoller Arbeit restauriert wurden, gehören zum Standardprogramm vieler Flugschauen auf der ganzen Welt. Das Kunstflugteam New Zealand Warbirds „Roaring 40s“ nutzt ausgemusterte Harvards der Royal New Zealand Air Force. Auch in Deutschland sind sie häufig zu sehen, u. a. die beiden T-6 des Eichhorn Kunstflugduos.

Film[Bearbeiten]

Zuschauer können die T-6 auch in zahlreichen nach dem Zweiten Weltkrieg produzierten Kriegsfilmen wiedererkennen, wie z. B. in Tora! Tora! Tora!, wo sie mit verschiedenen An- und Umbauten sowie einer entsprechenden Lackierung japanische Mitsubishi A6M Zero Jäger, Aichi D3A Val Sturzbomber und Nakajima B5N Kate Torpedobomber darstellten. In Die Brücke von Arnheim sind T-6 mit verkleideter hinterer Cockpithälfte als alliierte Jagdbomber zu sehen.

Reno Air Races[Bearbeiten]

Nur Maschinen vom Typ North American AT-6 im Originalzustand werden zu den National Championship Air Races in Reno (Nevada) zugelassen. Weder der originale 600 PS starke 9-Zylinder-Sternmotor vom Typ Pratt & Whitney Wasp R-1340 noch die Flugzeugzelle dürfen gravierend verändert werden. Lediglich kleine kosmetische Verbesserungen wie das Abkleben von Spalten mit Klebeband sind gestattet.[5]

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

3-Seiten-Riss einer T-6/SNJ
Kenngröße Daten der AT-6D
Länge 8,84 m
Flügelspannweite 12,81 m
Tragflügelfläche 23,57 m²
Höhe 3,57 m
Antrieb 1 x Pratt & Whitney R-1340-AN-1 Wasp Sternmotor, 600 PS (450 kW)
Höchstgeschwindigkeit 335 km/h in 1.500 m Höhe
Reichweite 1.775 km
Besatzung Ausbilder und Flugschüler
Dienstgipfelhöhe 7.400 m
Leergewicht 1.885 kg[7]
Fluggewicht 2.548 kg
Bewaffnung Möglichkeit für 1 x .30 in (7.62 mm) Maschinengewehr

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Unterlagen aus dem Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg
  • Les Ailes Francaises 1939-1945, No. 3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Globalsecurity.org Geschichte der SAAF siehe: Aircraft of the Nineties
  2. Doppeladler.com
  3. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941-1945. Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8. S 146–149
  4. Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg: Produktionsprogramme 1940/1941; Listen der im November 1942 beschlagnahmten französischen Flugzeuge; RL 2III Verlustlisten Schulen und Sonstige Verbände; Flugbetriebsstatistik Januar bis September 1944
  5. Reno Air Racing Association: T-6 Class, abgerufen am 12. März 2009
  6. auf doppeladler.com, abgerufen am 10. September 2013
  7.  Riccardo Niccoli: Flugzeuge: Die wichtigsten Flugzeugtypen der Welt. 1. Auflage. Kaiser, ISBN 3-7043-2188-5, S. 166.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: T-6 Texan – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien