Northern Region (Ghana)

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Northern Region
Nordregion
Northern Region
Basisdaten
Hauptstadt: Tamale
Regionalminister: Alhaji Mustapha Ali Idris
Distrikte: 18
ISO 3166-2: GH-NP
Fläche
Fläche: 70.384 km²
Rang in Ghana: 1
Bevölkerung
Einwohner: 1.820.806 (2000)
Bevölkerungsdichte: 25,87 Einw./km² (2000)
Rang in Ghana: 5

Die Northern Region (dt. Nordregion) ist die größte Region Ghanas. Sie ist (seit 2004 ) in 18 Distrikte unterteilt. Hauptstadt der Region ist Tamale. Klimatisch, religiös, sprachlich und kulturell unterscheidet sich die Region deutlich von den politisch wie wirtschaftlich dominierenden Regionen des zentralen und südlichen Ghana.

Geographie[Bearbeiten]

Die Region liegt im Norden des Landes und grenzt im Nordwesten an die Upper West Region, im Nordosten an die Upper East Region, im Südwesten an die Brong-Ahafo Region, im Südosten an die Volta Region, im Westen an die Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und im Osten an Togo. Sie wird vom Schwarzen und Weißen Volta und seinen Nebenflüssen Nasia und Daka durchflossen.

Klima und Vegetation[Bearbeiten]

Die Northern Region ist deutlich trockener als die sich südlich anschließenden Teile Ghanas. Die Vegetation besteht überwiegend aus Grassland, das von Savanne mit lockerem Bestand an trockenresistenten Bäumen wie dem Baobab oder Akazien gelegentlich unterbrochen wird. Zwischen Mai und Oktober gibt es eine Regenzeit (durchschnittlicher jährlicher Regenfall zwischen 750 und 1050 mm). Von November bis März/April folgt eine Trockenzeit. Die höchsten Temperaturen werden zum Ende der Trockenzeit erreicht, die niedrigsten im Dezember und Januar. Zwischen Dezember und Anfang Februar weht aber häufig der heiße Harmattan aus der Sahara. Die Temperaturen können zwischen 14 °C in der Nacht und 40 °C am Tag schwanken.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Moschee von Tamale

Die Region ist die am dünnsten besiedelte Ghanas. Die meisten Bewohner (52 %) sprechen eine Mole-Dagbane- Sprache. Die größte Ethnie stellen innerhalb dieser Gruppe die Dagomba und die Mamprusi. Die Gurma stellen 21 % (mit den Kokomba als größte Untergruppe). Bedeutendste einzelne Ethnie sind die Dagomba, die etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Die genannten Sprachen gehören – im Gegensatz zur Bevölkerung der südlich anschließenden Regionen – zur Familie der Gur-Sprachen.

Daneben leben hier Chakosi (aus der Gruppe der Akan) und Gonja (aus der Gruppe der Guan), die zur Familie der Kwa-Sprachen gehören.

Religion[Bearbeiten]

Gut 56 % der Bevölkerung sind Anhänger des Islam, 21 % hängen traditionellen Religionen an, 19 % sind Christen. Etwa 3 % bekennen sich zu anderen Religionen.

Geschichte und Tradition[Bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert wurde der größte Teil der heutigen Northern Region vom Königreich der Dagomba beherrscht. Im 16. Jahrhundert erwuchs dem Dagombareich im westlichen Teil der Region ein Konkurrent durch das Reich der Gonja. Erst um 1900 wurde der überwiegende Teil der Region als sogenannte Northern Territories britisches Protektorat. Der östlichste Teil der heutigen Region dagegen wurde Ende des 19. Jahrhunderts Teil der deutschen Kolonie Togoland, 1919 Teil von Britisch-Togoland und schließlich 1957 Teil des unabhängigen Ghana. Auch durch diese Geschichte unterscheidet sich die Region deutlich vom Zentrum und besonders dem Süden Ghanas, der jahrhundertelang britischem Einfluss ausgesetzt war.

Die Region ist deutlich traditioneller geprägt als der Süden. Vier der neun sogenannten Paramount Chiefs, also traditioneller Oberhäupter mit besonderen Rechten parallel zu den Institutionen des modernen Staates Ghana, haben ihren Machtbereich in der Northern Region. Der mächtigste von ihnen ist der König der Dagomba, der Yaa Na, der seinen Sitz in der alten Königsstadt Yendi hat. 2002 zeigte sich die Bedeutung des alten Dagombakönigtums in Form schwerer Ausschreitungen und der Ermordung des Dagombakönigs sowie mindestens 17 weiterer Personen infolge eines Thronfolgestreites in der Stadt Yendi.

Ethnische Konflikte in der Northern Region[Bearbeiten]

Das Verhältnis der Ethnien der Northern Region untereinander ist nicht durchgehend unbelastet. Insbesondere zwischen den Dagomba und Nanumba auf der einen und den akephalen ("nicht-hierarchisch organisierten"), angeblich nomadischen Konkomba auf der anderen Seite gibt es seit langem schwelende Konflikte. In den Augen vieler unter den dominierenden Dagomba sind die Konkomba landlose Eindringlinge und Banditen, die erst zu Kolonialzeiten in das Land der Dagomba eingedrungen sind. Diese Sicht der Ursprünge und Geschichte der Konkomba in diesem Gebiet Ghanas wird jedoch von ihnen selbst nicht geteilt und auch von der wissenschaftlichen Forschung zu diesem Themengebiet nicht unterstützt, insbesondere von keiner der wissenschaftlichen Arbeiten, die vor dem bewaffneten Konflikt von 1994 über die Konkomba oder Dagomba veröffentlicht wurden. Vielmehr herrscht unter diesen Arbeiten Einigkeit, dass die Konkomba zu den ältesten im Gebiet des heutigen Nordghana lebenden Siedlungsgruppen zählen. In der Gegenwart sind die Konkomba in dem offiziellen ghanaischen System traditional legitimierter politischer Führung bzw. Repräsentation dem oben erwähnten Dagombakönig unterstellt. Im Februar 1994 entlud sich dieser Konflikt in den schwersten bewaffneten Auseinandersetzungen, die der Staat Ghana je erlebt hat. Der Konflikt griff auch auf andere Ethnien über und forderte mehrere tausend Tote.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Region ist eines der am wenigsten entwickelten Gebiete Ghanas. Mehr als 70 % der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung ist in der Landwirtschaft, der Jagd oder Waldwirtschaft beschäftigt. Die geringe Bevölkerungsdichte ist auch ein Ergebnis von Armutsemigration.

Touristische Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den größten touristischen Attraktionen gehört die Natur der Region, insbesondere der Mole-Nationalpark mit seinem Großwild wie Elefanten, Antilopen und anderen Tieren. Kulturell sind insbesondere einige sehr alte Moscheen, z.B. die Larabanga Moschee im sudanesischen Stil aus dem 13. Jahrhundert, einige Reste deutscher Kolonialarchitektur in Yendi und etliche heiligen Haine sehenswert, die um traditionelle Schreine herum entstanden sind.

Politische Gliederung[Bearbeiten]

Distrikte der Northern Region

Die Region ist in 18 Distrikte unterteilt:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]